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Einzelpreis 15 Pfennig 2. Jahrgang Donnerstag, den 18. Dezember 1919

Die freiheit erscheint morgens und nachmittags, an Sonne und Jefftagen nur morgens Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 4.- M., bet direttem Postbezug monatl. 4.65 m., bei Zuftellung unter Streifband für Deutschland 6.50 m., fürs Ausland 7.50 m., per Brief 12.50 m.

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Nr. 614/ A 335 Morgen- Ausgab

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greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Die Entente und Desterreich.

Betrachtungen über den Parteitag.

Von Georg Ledebour .

Da ich durch Krankheit behindert bin, das zugesagte Neferat über den Parteitag zu geben, will ich, wenn auch in Enappen Worten, mich schriftlich über die wichtigeren Er­gebnisse des Parteitages aussprechen.

Wir hatten auf dem Parteitage zwei Hauptaufgaben zu ersen: Uns ein Attionsprogramm zu geben, bas in klarer Weise die Taktik der Partei soweit festlegt, baß wir damit in geschlossener Front den Gegnern gegen­übertreten fönnen. Dann aber hatten wir die entscheiden­den Schritte zu tun, um in Verbindung mit den revolutio­näven Sozialisten der anderen Länder eine aktions­fähige Internationale ins Leben zu rufen, die den proletarischen Emanzipationskampf der einzelnen Länder zu stüßen, zu ergänzen und schließlich zur Voll­endung zu bringen hat.

Gegen die Loslösungs­bestrebungen.

Wien , 17. Dezember.

geeignet sind, die Integrität des österreichischen Gebietes zu beeinträchtigen oder sie im Gegensatz zu den Bestimmun gen des Artikels 28 des erwähnten Vertrages in irgendeiner Weise, sei es unmittelbar, sei es mittelbar, die politische oder wirtschaftliche Unabhängigkeit Desterreichs beeinträchtigen müßten. Genehmigen Sie, Herr Kanzler, den Ausdrud meiner ganzen ( gez.) Clemenceau . Hochachtung.

Heute vormittag erschien beim Staatskanzler Dr. Nenner ein Beamter des Obersten Nates, um ihm eine von Clemenceau unterfertigte Note zu überreichen. Der Beamte bemerkte hierzu, Alliierte Hilfe für Oesterreich. daß die in dieser Note wiedergegebenen Entschließungen H. N. Paris , 17. Dezember. spontan und aus eigener Ueberzeugung gefaßt und schon vor Der Oberste Rat beschloß 30 000 Tonnen Getreide dem Erscheinen des Staatskanzlers beim Obersten Nat festgelegt die in Triest lagern, sofort nach Oesterreich zu schicken. Weis worden seien. Der Wortlaut der Note ist folgender:

ter wurden allgemeine Maßnahmen für die Versorgung Oesters reichs auf 10-12 Monate getroffen.

Kiew erneut von den Bolschewisten genommen.

Haag, 17. Dezember.

Dem Nieuwve Courant" wird drahtlos aus Moskau ge meldet, daß die Bolschewisten nach heftigen Stämpfen mit den Truppen Denikins Kiem eingenommen haben. Die weißen Truppen sind auf der Flucht.

Die englischen Truppen in Rußland .

H. N. London , 17. Dezember. Churchill erklärte im Unterhaus, teine Antwort au Rußland befinden. Chne vorherige Genehmigung der anderen Alliierten könne er diese Frage nicht beantworten. Er könne nur fobiel fagen, daß die Zahl der japanischen Truppen sehr groß sei.

Herr Staatskanzler! Die Aufmerksamkeit der Alliierten und affoziierten Mächte wurde auf gewisse Agitationen gelenkt, die von verschiedenen Seiten den Zusammenhalt und sogar die Integrität der österreichischen Gebiete bedrohen. Die vom Vorarl berger Landtage bei der Wiener Regierung unternommenen Schritte, um das Selbstbestimmungsrecht dieser Provinz anerkennen laffen, fallen mit jenen Bewegungen zusammen, die sich dahin richten, sei es den Distrikt von Salzburg , fei es Tirol, in den Die erstere Aufgabe wurde befriedigend gelöst. Mit irtschaftskreis benachbarter Staaten einzubeziehen, und mit der in den einstmaligen westlichen Komitaten Ungarns wachgerufenen dem völlig klaren Bekenntnis zum Ausbau des Rätesystems, Bewegung zur Veranstaltung eines Blebiszits, das in dem diese das das Werkzeug zu bilden hat für die völlige Durch Gegenden Desterreich zusprechenden Vertrage nicht vorgesehen ist. führung des Sozialismus, verbindet der Parteitagsbeschluß Die alliierten und affoziierten Mächte sind der Ansicht, daß, wenn den Hinweis darauf, daß in der Uebergangszeit alle poli- die trennenden Kräfte in irgendeinem biefer Punkte zum Durch­tischen Kampfmittel, auch die parlamentarischen, für unsere brudhe gelangen sollten, eine solche Trennung das völlige die Frage geben zu fönnen, wieviel allierte Truppen sich noch in Sache auszunuzen sind. Das ist eine klare Absage an Berfallen des österreichischen Staates nach sich den antiparlamentarischen puf, mit dem sichen und das Gleichgewicht Mitteleuropas zerstören könnte. einige Parteigenossen in unüberlegter Aufwärmung längst Die alliierten und affoziierten Mächte wollen daher keiner abgebaner anarchistelnder Gedankengänge uns eine Beit- tei 3 weifel besichen lassen, die territorialen oder sonstigen Lang bebelligt haben. In ebenso erfreulicher Weise wurde scharf betont, daß Bestimmungen des Friedensvertrages von St. Germain auf. die Gewerkschaftsbewegung, in immer revolu- recht zu erhalten und ihre genaue Anwendung durchzu H. N. Brüffel, 17. Dezember. tionärerer Ausgestaltung, als gleichberechtigter Faktor führen. Bon diesem Gedanken geleitet, hat der Oberste Nat Ein neben der Partei- und der Rätebewegung von uns aus- heute folgende Entschließung angenommen, die er durch. Im Becken von Charleroi dauert der Streit an. zuführen entschloffen ist und die ich die Ehre habe, in seinem genutzt werden muß. Daß damit keine Bugeständnisse an Namen mitzuteilen: Bon dem Wunsche geleitet und entschlossen, Aussicht auf Beilegung besteht noch nicht. Dagegen ist eine to ei Ge­Den parlamentarischen Kretinismus" oder einen werfidaftsbureaukratismus" gemacht wurden, dafür bürgt die Bestimmungen des Frieber svertrages von St. Germain zur tere Ausdehnung auf andere Bezirke fehr zu befürchten, und assoziierten Die Eisenbahnverwaltung hat eine große Reihe von Personen die ausdrücklide Betonung, daß Massenaktionen das vor- Geltung zu bringen, ert'ären die alliierten nehmste und entscheidenste Stampfmittel der Partei sind; Mächte, daß sie sich allen Versuchen wiberfesen, die und Güterzügen außer Verkehr gesetzt. dafür bürgt aber vor allem die Tatsache, daß unsere Partei thren revolutionären Charafter immer wieder durch die at bewiesen hat.

Der Bergarbe terstreit in Belgien .

fau gefliffentlich alle Parteien ausschlossen, die nicht auf ihr, Ich selbst vertrat den Standpunkt, daß die wirkungs Die erfreuliche Wirkung dieser einheitlichen Zufam- eigenes fommunistisches Programm eingeschworen waren. Fräftige Internationale, die wir erstreben, geschaffen werden menfassung der Partei zum Kampf für den Sozialismus Aus Deutschland hatten sie deshalb nur die Kommunisten, müsse durch einen Kongreß aller revolutionären Sozia in Deutschland selbst, wird nun aber leider start beein- nicht die U. S. P. D. eingeladen. Sie hatten oben- listen, einschließlich natürlich der Moskauer , um dort ge trächtigt durch die ausgedehnten Verhandlungen über die drein die feit 1915 bestehende Bimmerwalder Bewegung, der meinsam über den Zusammenschluß und die Aufgaben der Stellungnahme zur Internationale, die fich meist wir gemeinsam mit ihnen angehörten, ignoriert und sogar Internationale zu einer Verständigung zu kommen. Den obendrein in Kommissionsbesprechungen hinter verschlosse auf dem Kommunistenfongreß die Zimmerwalder Organi - bedingungslosen Anschluß an Moskau berbiete uns aber die nen Türen abspielten. fation für aufgelöst erklärt, trotzdem sie nicht das geringste Selbstachtung, da wir von jener Moskauer Gründungsver Was ist die Aufgabe, die den revolutionären Sozia- Recht zu einem solchen Beschluß hatten. anstaltung ausdrücklich aus nichtigen Gründen ferngehalten listen in allen Ländern sich gemeinsam aufdrängt? Die Als Grund für die Nichteinladung der U. S. P. D. wurden, und dann auch noch durch die Veranstalter und Teil­Schaffung einer leistungsfähigen revolutionären Inter­nationale der Tat, nicht einer Internationale der wurde angegeben, wir seien feine revolutionäre Bartei, und nehmer des Kongresses mit Vernichtungsdrohungen bedacht revolutionären Phraseologie, wie wir fie jahrzehntelang obendrein hätte ein Mitglied unserer Partei, der Genosse waren. Ich habe auf dem Barteitag das näher begründet. Kautsky , eine völlig ungerechte Kritik an der Politik Ich verzichte hier auf eine Wiederholung. Wer das Gefühl vor dem Kriege ausgekostet haben.

Die Neigung, zu dem Zwed mit den Parteien der der Bolschewiki geübt. Beide Gründe sind nicht stichhaltig. der Selbstachtung nicht besitzt, dem werden auch die über­Aber auch ein anderer Grund spricht noch gegen den fompromittierten Kriegssozialisten in Genf zusammenzu- Daß wir eine revolutionäre Partei sind, haben wir hin- zeugendsten Beweisführungen es nicht beibringen. treten, war schon vor dem Parteitag nahezu völlig ver- reichend, auch für unsere russischen Freunde erkennbar, be­raucht. Nur Hilferding hat noch persönlich diesem wiesen im November 1918, im Januar 1919. Ich brauche bedingungslosen Anschluß an Moskau . Ich bin keineswegs Der Wortlaut eines Programms muß Wunsch Ausdrud gegeben. Einen Antrag enthielt felbst bier kein Wort weiter darüber zu verlieren. Kautskys An- in Uebereinstimmung mit den Moskauern in bezug auf das feine Resolution nicht mehr. Die Zahl der Befürworter griffe hat er selbst zu verantworten. Niemals aber gibt Programm. bes Anschlusses an Genf war so gering, daß sie überhaupt die Kritik, auch die ungerechteste Kritik nicht, den Angegriffe- immer ergär.st werden durch die Kommentare, die aus seiner gar nicht mehr versuchten, dem Parteitag diese Frage zur nen das Recht, der Partei des Kritikers die internationale Betätigung herauswachsen. Die Bolschewiti haben nun der Gleichberechtigung abzusprechen. Ich habe auch die Ueber- programmatischen Diktatur des Proletariats" eine An Entscheidung zu unterbreiten.

Für uns anderen, für die große Mehrheit des Partei- zeugung, jene beiden Gründe waren unseren russischen wendung gegeben durch einen Regierungsterrorismus, dem tages, stand fest, daß eine Internationale der revolutio- Freunden nur Vorwände, um damit die sektenartige Ein- ich schroff gegenüberstehe, wie ich ihn hierzulande in der mären Aftion nur geschaffen werden könne durch den Zu- kapselung in eine kommunistische" Internationale zu be- wilhelminifchen, ebenso wie jetzt in der ebertinischen Mera fammenschluß derjenigen Barteien, die sich jetzt schon von mänteln. Die Moskauer Internationale hat dann obendrein mit aller Macht bekämpft habe. Bei dem Zusammenschluk fich aus zu den Aufgaben dieser Internationale bekannt auch noch feindselige Beschlüsse gegen uns gefaßt, die auf mit den russischen Kommunisten in einer internationalen Organisation muß ich die Sicherheit haben, daß wir in feiner und in diesem Sinne fich in ihren eigenen Ländern betätigt eine Bertrümmerung der U. S. P. D. abzielen. Num fagten einige Genoffen: Das kommt gar nicht Weise mit diesem Regierungsterrorismus belastet werden haben. Dafür famen natürlich in erster Reihe, als Vor­tämpfer des revolutionären Sozialismus, die ruifi in Betracht. Da wir mit dem Programm der kommunisti- tönnen. Deshalb find für uns zunächst Berhandlungen mit ichen Kommunisten( früher Bolschewiki) in Betracht. Ichen Internationale einverstanden sind, sind wir für den den Moskauern erforderlich. Einig waren wir uns darüber, daß ohne sie eine wirkungs- fofortigen, bedingungslosen Anschluß an diese sogenannte dritte Internationale. Diese Auffassung war in der Reso­fähige Internationale nicht gebildet werden kann. Nun aber entstand eine Differenz: Die russischen Stom- lution Stöder niedergelegt, für die längst, ehe die Frage munisten hatten eine eigene kommunistische Internationale zur Verhandlung fam, eifrig Unterschriften auf dem Kon­hegründet, indem sie von dem Gründunasfonarek in Molarek gesammelt wurden,

Von diesen Gedankengängen ausgehend, hatte ich eine eigene Resolution entworfen, die bei einem großen Teil des Kongresses Bustimmung fand.

Ich hatte im Verlauf meiner Nesolutionsbegründung es Flärt. daß ich nach Annahme der Resolution Stöder nich

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