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Freitag, den 2. April 1920
Summer 103 Morgen- Ausgade
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Die Arbeiterschaft will selbst Ordnung schaffen!
Essen, 1. April.
Die Bielefelder Beschlüsse, ergänzt durch die Verhandlungen in Münster , die unter dem Vorfit des Ministers Severing stattfanden, wurden von der Vollversammlung der Vollzugsräte des Industriereviers und des Bergischen Landes einstimmig akzeptiert. Der Kampf wird auf seiten
fassungsmäßigen Organe Waffen führt oder entgegen den Ver-| läßt, fo fönnte doch endlich die Redaktion dafür sorgen, daß einbarungen nicht niedergelegt hat.
Jebe Vorwärtsbewegung der Reichswehr oder Teile derselben hört mit dem 31. März abends auf.
solche Schauergeschichten feine Aufnahme finden.
In Orten, die die ernstesten Anstrengungen für die restlose Ablieferung der Waffen gemäß den Bielefelder Weschlüssen frist gemäß unternehmen, wird das Standrecht und der, verschärfung der Situation. im Ruhrrevier vor allem durch die schärfte Ausnahmezustand aufgehoben.
Die politischen Parteien und der Zentralrat werden ihren ganzen Einfluß aufbieten, um den Kampf der Arbeiterschaft des Industriegebiets geschlossen und einheitlich zu dem genannten Zeitpunkt zu beendigen und die Wiederaufnahme der Arbeit durchzuführen.
Daß das auch von einem liberalen Blatt nicht zuviel verlangt ist, beweist die viel einfichtigere und anständigere Haltung, die die Frankfurter Zeitung " diesen Vorgängen gegenüber einnimmt. Das Blatt stellt fest, daß die Ver Fehler der Regierung verschuldet sei. Es genüge nicht, wenn der Reichskanzler Müller den guten Wunsch hat, Blutvergießen zu vermeiden. Man müsse auch etwas dazu tun, daß dieser Wunich erfüllt werde. Es sind aber im Gegenteil von der Regierung schwere Fehler gemacht worden.
Die zehntägige Frist au Punkt 9 des Bielefelder Beschlusses Einen der größten hat schon Müllers Vorgänger Bauer be gangen, als er es unterließ, den General Watter abzuwird vom 2. April aa gerechnet. Für diejenigen Beamten, die verfassungswidrig gehandelt berufen. Man steht bisweilen wie vor einem Rätsel. Bauer, der Arbeiter eingestellt. Die Arbeiterschaft erhaben, und ordnungsgemäß vom Dienst suspendiert worden sind, Müller und andere sind aus dem Arbeiterstande hervorgegangen, wartet aber. daß die Regierung ihre Zusage strikt bleibt diese Maßnahme bestehen. einhält und keine Truppen in den Industriebezirk einmarschieren läßt. Die Arbeiter. schaft ist in der Lage, selbst die Ord. nung und Ruhe herstellen zu können, die Entwaffnung vorzunehmen und normale Zustände eintreten zu lassen.
und man sollte meinen, daß gerade solche Personen ein gutes Zur weiteren ordnungsgemäßen Abwickelung der Verhältnisse Verständnis für die Psychologie der Massen bleiben die Genossen Braß, Ernst von der Unabhängigen hätten. Aber gerade in der Angelegenheit Watter ist das nicht Sozialdemokratie und Graßmann, der zweite Vorsitzende des bewiesen worden. General Watter ist wahrscheinlich kein Berbindung. Gewerkschaftsbundes, mit dem Staatskommissar Severing in in der Wolle gefärbter Reaktionär, aber er hat es unterlassen, in der Putschzeit alsbald eine Erklärung abzugeben, daß er der
werden.
Aus Münster wird noch gemeldet, daß der Minister rechtmäßigen Reichsregierung treu bleibe. Er hat sich geweiSebering gestern mit Arbeitervertretern verhandelt gert, diese Erklärung zu geben, obgleich sie von den Arbeitern Effen, 1. April. hatte und daß diese sich beim Zentralrat in Essen dafür ein- und von bürgerlichen Kreisen gewünscht wurde, und er hat sich Andauernd wird uns gemeldet, daß brochen wird, daß bis Freitag mittag 12 Uhr die Waffen- mehr war, die Treue zu befunden. Es ist wirklich zu begreifen. fetzen wollten, daß der Generalstreit sofort abge- erst dann dazu verstanden, als die Lage Napps und feiner Waffen- eute bereits ungünstig wurde und es daher kein Verdienst Reichswehrtruppen fortgesett An- abgabe erfolge und daß bis Freitag mittag 12 Uhr die or- mehr war, die Treue zu befunden. Es ist wirklich zu begreifen. daß die Bevölkerung einem solchen Offizier fein Vertrauen griffe und Ueberfälle auf Rote Truppen dentlichen Behörden wieder eingesetzt sind und unbelästigt mehr entgegenbringt, was dann darin zum Ausdruck kam, daß ver. schiedene Organisationen, auch bürgerliche, den Reichskanzler in Dorsten , Haltern und Unna unternehmen. ihres Amtes walten können. Nicht nur der Zentralrat, sondern auch die Vollver- Bauer ersuchten, Watter abzuberufen. Und nun geschah das Das sei entgegen den Abmachungen. Im Ruhr- sammlung der Vollzugsräte haben denn auch diese Verein- unglaubliche, daß Bauer dem General Watter das Bergebiet herrscht im allgemeinen Ruhe und barungen einstimmig angenommen. Den Arbeitervertrauen erklärte, das ihm die Bevölkerung entzogen hat. In Ordnung. tretungen muß nunmehr aber auch die unbedingt notwen- früheren Zeiten tam ähnliches öfter bor. Das alte Regime Die Erwartung. daß es zu einer friedlichen Lösung der dige Zeit zur Durchführung der Vereinbarungen gelassen regte den größten Wert darauf, niemals den Anschein entstehen zu lassen, als sei ein Funktionär durch den Willen des Schwierigkeiten im Ruhrgebiet kommen würde, befestigt Wie uns Vollmershaus noch mitteilt, besteht die all- Bolfes gestürzt worden. Nun ist gewiß nicht anzunehmen. sich. Die einstimmig gefan Beschlüsse der Vollversammlung der Vollzugsräte, von denen in den oben wieder- gemeine Ansicht, daß auf Grund dieser Vereinbarungen der daß Bauer die Frage Watter unter denselben Gesichtspunkten begegebenen Meldungen die Rede ist, zeigen, daß die Ar- Generalstreik sowie die Kämpfe eingestellt werden. Die trachtet habe. Er wird wohl wirklich der Ansicht sein, daß und man ihn deshalb nicht beiterschaft des festen Willens ist, selbst Ordnung Lage der Arbeiterschaft im Industriegebiet ist als günstig watter Vertrauen verdiene in dem Industriegebiet zu schaffen und daß es auf zu betrachten. In Anbetracht des langen Ausharrens der fallen lassen dürfe. Das ist menschlich recht schön, aber man ein Reich nicht lediglich unter solchen feinem Fall zu einem Einmarsch der Wattertruppen kommen Arbeiterschaft in der Kampfstellung und der trop aller Mühe leider kann Man ist eben oft in der Lage, darf. Aus einzelnen Teilen des Gebiets kommen allerdings ungenügenden Verproviantierung, ist es um so mehr zu Gefichtspunkten führen. auch alarmierende Nachrichten, von denen man aber sagen erwarten, daß wieder Ruhe eintreten wird. An etlichen stoischen vei lebeln wählen zu müssen, und ein Staatsmann darf, daß sie zum größten Teil aus durchsichtigen Absichten Stellen der Fronten wurde am 31. März gegen Abend noch ist dazu da, das kleinere vorzuziehen. In diesem Falle konnte die Verhältnisse übertrieben darstellen. Im Gegensatz dazu gekämpft. Die Reichswehrtruppen bewegten sich vorwärts. gar nicht zweifelhaft sein, was zu tam war. Daß aber Bauer steht eine uns noch in spater Abendstunde des Donnerstag Die Arbeiterschaft zog sich bis hinter die Lippe zurüd. Die ben General Watter nicht nur auf seinem Posten belassen, sonzugegangene drahtliche Mitteilung des Zentralrats in Entschlossenheit und der Kampfe 3 mut der Ar- dern ihm auch noch öffentlich das Vertrauen der Regierung er Effen, wonach im allgemeinen Ruhe und Ordnung beiterschaft find trotz der Strapazen als gut zu bezeichnen. Sie lärt hat, daß hat die Massen im Industriegebiet, die herricht. Es muß unbedingt an der Auffassung festgehalten fürchten bei einem etwaigen Einmarsch der Reichswehr- man hätte beruhigen sollen, noch weiter erregt. In den werden, daß die Regierung jest nicht die Nerven truppen nicht nur ihre Waffen loszuwerden, sondern in der Verhandlungen über das Bielefelder Abkommen ist der Rüdtritt verlieren darf, und daß alle Maßnahmen, auch gegen üblichen Weise behandelt zu werden. Viele Kohlengruben Batters allerdings nicht verlangt worden, aber die Delegier'en wirkliche Plünderer und Räuber, nur in bölligem waren von der Arbeiterschaft unterminiert, so daß bei dem scheinen in diesem Punkte die Stimmung nicht richtig eingeschätzt Einbernehmen mit den Arbeiterparteien Einmarsch der Truppen befürchtet werden konnte, daß diese au haben, denn man sieht doch, daß der Rücktritt immer wieder gefordert wurde, auch gestern bon den Gewerkschaften. Nun heißt und den Arbeiterbertretungen getroffen wer- gesprengt werden. es, der jetzige Reichskanzler habe ihnen gegenüber betont, der den dürfen. Auch die Lage im neutralen Gebiet- ist durch- Gerade diese Entspannung kommt offenbar der reaktio- Fall Watter habe sich zu einer Prestigefrage für die Regierung aus nicht so, daß man die Hoffnung aufzugeben braucht, auch nären deutschnationalen Meute, den Militaristen und man ausgewachsen. Wir möchten hoffen, daß sich Herr Müller nicht so ohne Truppeneinmarsch zu einer Befriedigung der Verhält- chen Bureaukraten höchft ungelegen. Sie versuchen noch in geäußert habe. Es stehen jest wahrhaftig andere Dinge nisse zu kommen. letter Stunde durch eine tolle Hebe die friedliche Lösung zu auf dem Spiele als solche Rücksichten, und an Prestigepolitif In den Verhandlungen, die am Mittwoch abend in verbindern. Das reaktionäre Gelichter wünscht nichts sehn- hat Deutschland schon bis zur Uebelfeit genug gehabt. Wenn das Prestige der Regierung Schaden leiden sollte, Münster stattfanden, und an denen im Auftrag unserer licher, als daß von neuem ein Blutbad unter der ArbeiterBarteileitung und der Berliner Gewerkschaftskommission schaft angerichtet, neuer erbitterter Streit in ihre Reihen dann geschähe es nicht durch den Rücktritt eines Generals, sonGenosse Bollmershaus sowie der Abgeordnete Gie- hineingetragen und die einheitliche proletarische Front ge- dern dadurch, daß ihr Vorgehen gegen die Aufrührer des Inbel für den Gewerfschaftsbund teilgenommen haben, wur- waltsam gesprengt würde, dustriegebietes nicht genügend durchdacht und daher den folgende Vereinbarungen getroffen: Daraus erklärt sich auch der Versuch, den wir an anderer nicht awed mäßig war. Die Regierung mußte wissen, daß Stelle schildern, die Bresse durch teils erlogene und teils der Aufruhr im Industriegebiet innerlich im Abbrödeln war und Münster , den 31. März 1920, abends 9 Uhr. Die Sigung hat alljeitig die Notwendigkeit betont, die Fri- maßlos übertriebene Nachrichten aufzuputschen und ein ge- bald zusammenbrechen werde, sie mußte wissen, daß der Einften der sowohl von der Reichsregierung wie auch von dem Ben- waltsames Vorgehen zu verlangen. Der Ursprung all dieser marsch der Truppen die Arbeiterbevölkerung des Industriegebiets, tralrat in Essen und den drei sozialistischen Parteien nach wie Nachrichten ist in Münster zu suchen, wo der General die bereits zum größten Teil mit der„ Roten Armee" nichts bor anerkannten Bielefelder Beschlüsse zu verlän- Watter sein Hauptquartier hat. Unterstützt werden diese mehr zu tun haben will, wieder an die Seite dieser Noten brinIntrigen durch das Sicherheitsfommissariat im preußischen gen würde. Das haben alle bestätigt, die die dortigen Verhältnisse Die Frist für die Ablieferung der Waffen und der Staatsministerium. Wirkungslos sind diese Treibereien tennen. Es wäre also das Riditige govejen, das Ultimatum Abbau der Fronten wird bis zum 2. april, mittags nicht geblieben und es ist außerordentlich bedauerlich, daß au unterlassen und zuzusehen, wie sich der Aufstand dort 12 Uhr. verlängert. Bis zu diesem Termin hat auch die guge auch liberale Blätter die sensationellen Schwindelnachrichten felber tot laufen würde... Die Frankfurter Zeitung " nimmt dabei nicht einmal sprochene Amnestie Geltung, so daß allen Kämpfern ein ehren- verbreiten. Wenn schon der Berichterstatter des„ Berliner boller Abzug ermöglicht ist. Als Aufrührer im Sinne der Regie- Tageblatts" in Münster fich die Märchen von angeblichen Bezug auf die unerhörte Piobotation, die die Ausführung rungser!! Trung vom 30. März with behandelt, wer nach dem Busammenhängen des spontanen Vorgehens der Ruhr bestimmungen Watters darstellten. Die Regierungs heine 2. April mittags 12 Uhr zum Zvede des Stampfes gegen die verarbeiterschaft und dem russischen Bolichewismus" aufbinden aber noch immer nicht die Notwendigkeit der Abberfung
gern.