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Sonntag, den 11. April 1920
Nummer 117 ▸ Morgen- Ausgabe
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reiheit
der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Internationale Schwierigleiten.
Die Lage im Ruhrrevier.
Daß diese Meldung ligt, geht aus ihrer Fassung selbst
Gerbor. Worum jagt man nicht, twie viele Todesurteile ge- Ruhrrevier und auswärtige Bolitit
Der rote Schreden" im Ruhrgebiet ist von einem fällt worden sind? Weil man die Oeffentlichkeit im unilaweißen Schreden abgelöst worden, von dessen Umfang man ren lassen will über das unheimliche Schreckensregiament ber fich gegenwärtig erst eine unzulängliche Borstellung machen Offigerstamarilla. tann. Um diese Tatsache zu vertuschen, wird die bürgerliche
Bresse aller Richtungen von einer ganzen Reihe von Stellen Dem Reichspräsidenten ft ein Tobesurteil, bas bon bem systematisch mit Stachrichten versehen, die den Stempel der Kriegsgericht in Wesel gegen Paul R. Domott, einen angeblichen Unglaubwürdigkeit deutlich zur Schau tragen, trotzdem aber Amerikaner, gefällt fein foll, sur Bestätigung nicht bor gelegt worden. Alle Todesurteile ber Kriegsgerichte bedürfen begierig nachgedruckt werden. Gegenüber den Meldungen, die von dem Millionen- der Bestätigung durch den Reichspräsidenten. schaden sprechen, der den Städtern durch die Plünderungen Das Todesurteil gegen diesen Amerifoner ist aber geberurfacht sein soll, ist hervorzuheben, daß die organisierte fällt worden, wie aus einem Bericht des Lofal- Anzeigers" Arbeiterschaft überall dort, wo das von der Reichswehr und hervorgeht. Es stützt sich lediglich darauf, daß Domott mit den bürgerlichen Ordnungsstüten nicht verhindert wurde,& ührern der Roten Armee und im Besiz von Waffen gevon sich aus mit der allergrößten Entschiedenheit gegen plün- broffen wurde. Diese Waffe bestand jedoch nur in einem dernde Elemente vorgegangen ist. Aber diese Wieldungen Billigen Bulldogrevolver. über Plünderungen sollen ja auch nur die Aufmerkjanifeit
von den wirklichen Absichten der Militariſten ab.
R. B. Die Winkelzüge und Auslegungsversuche der bür gerlichen Presse vermögendas muß immer wieder festge stellt werden an der Tatsache nichts zu ändern, daß die deutsche Regierung zu der militärischen Aktion, die sie im Ruhrrevier unternommen hat, nach den Bestimmungen des Friedensvertrages und nach dem Zusatzabkommen vom August vorigen Jahres nicht berechtigt war. Der Artikel 43 des Friedensvertrages verbietet die Berwendung bon Truppen in der neutralen Bone. Das mit Franfreid im August getroffene blommen gewährt Deutschland die Bergünstigung, bis zum 10. April 1920 dort 20 Bataillone Infanterie, 10 Schwadronen Kavallerie und 2 Batterien Artillerie zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu halten Tatsächlich operieren jezt im Ruhrrevier nach den Infor mationen, die die deutschen amtlichen Stellen der inter alliierten Kontrollkommission gegeben haben, 26 Bataillone Infanterie, 9 Echwadronen Kavallerie, 23 Batterien Ariil lerie, 4 Rompagnien Pioniere, 2 Minenwerferkompagnien, 3 Panzerzüge, 1 Panzerauto, 1 Fliegergeschwader, 1 Scheinwerferabteilung, 4 Automobilzüge und ein Reparaturpark. Außerhalb des Stuhrreviers in den übrigen Teilen der neu tralen Bone stehen überdies 5 Bataillone Infanterie um
lenten. Es unterliegt feinem Zweifel mehr, daß die Militaristen im Stuhrgebiet irgendwelche Hemmungen oder Rüdfichten auf die Absichten der Regierung nicht fennen, und daß fie jetzt unter dem Mantel der Gejeßlichkeit das durchzuführen In der Freitag und Samstag- Nummer veröffentlicht das trachten, was ihnen vorher zu verwirklichen nicht möglich Ruhr- Echo" eine Anzahl Berichte über Ausschreitungen war. Ihr Kampf richtet sich nicht nur gegen Kommunisten und mishandlungen an Gefangenen durch Reichs. 4 Schwadronen Kavallerie. oder Unabhängige, sondern gegen die Arbeiterschaft schlecht wehr und grüne Bolizei. Für die behaupteten Tatsachen werden hin, so daß auch christliche und demokratische Arbeitervertreüberall eibliche Seugenbeweise angeboten. Am Donnerstag abend. hauptung zutrifft, die Kopfzahl der Formationen sei sa Selbst wenn die von den Franzosen nicht geglaubte Bea ter von ihrer Willfür nicht verschont bleiben. find auf dem städtischen Schlacht und Bichhof neuerdings zwei schwach, daß ihre Gesamtstärke die zugestandene Ziffer nicht Es ist der Kampf um die Macht, der gegenwärtig aus Arbeiter auf der Flucht" erfchoffen worden. Es steht aber feft, überschreite, hat Deutschland den Wortlaut des Ber gefochten wird. Die Militaristen wollen die in dem Biele- baß ein luchtverfuch nicht unternommen wurde. Am Samstag trages nicht innegehalten, und in Frankreich felder Abkommen vorgefehene Ortswehr, gebildet aus der morgen begab sich ein Mitglied der Redaktion des Ruhr- Echo" macht man nicht mit Unrecht noch besonders darauf aufe republikanisch gesinnten Bevölkerung, gar nicht erst entstehen zu den Militärbehörden und zum Gericht, um festzustellen, ob be- merkiam, daß Fliegerabteilungen eingefeßt seien lassen. Sie werden in dieser Absicht unterstützt von dem reits eine Unterfuchung bezüglich der erhobenen Anschuldigungen obwohl nach dem Artikel 198 des Vertrages Deutschland fapitalistijd gesinnten Bürgertum, das zur Niederhaltung eingeleitet ist. Er fonnte aber nur feststellen, daß in biefer Be- nach dem 1. Oftober 1919 feine militärischen Flugzeuge der Arbeiterklasse in den wirtschaftlichen Kämpfen an einer siehung noch nichts unternommen wurde. Es besteht mehr besigen darf, und der Artikel 202 ausdrücklich vor jederzeit gegen die Arbeiterschaft zu verwendenden militäri- also die Gefahr, daß die Dinge in die Länge gezogen und dadurch schreibt, daß alles Flugpeugmaterial nach dem Inkrafttreten schen Macht ein großes Interesse hat. Es häufen sich deshalb bie Aufklärung der begangenen Mihhandlungen und Berbrechen des Vertrages an die Alliierten abgeliefert werden muß. bereits auch die Nachrichten, die erkennen lassen, daß die unmöglich gemacht werden tann. Auch ist eine weitere Meldung Militärs gar nicht daran denken, die Bildung der Ortswehr eingegangen, daß am Kar- Samstag in Bottrop drei Simmerer über die Maßregeln gesagt, die Frankreich ergreifen werde, Allerdings ist in der Vereinbarung vom August nichts nach den Bielefelder Bereinbarungen vorzunehmen, obwohl erschaffen worden sind, obwohl sie gänzlich unschuldig waren. dadurch die beste Möglichkeit zur Schaffung gesicherter Zu- Die Durchführung des Bielefelder b. wenn Deutschland die Bedingungen nicht beobachte. Bon stände im Industriegebiet gegeben wäre. Aber gerade das rommens( cheint von ber Regierung nicht mehr einer etwaigen Besetzung deutscher Städte durch franzö muß ja die Reichswehr zu verhindern suchen, weil damit die beabsichtigt zu sein. In Essen ist ein sogenannter Wehr, fiche Truppen ist da nicht die Rede. Aber man mußte in Notwendigkeit für ihr Verbleiben wegfallen würde. ausschuß gebildet worden. Dabei wurde mitgeteilt, daß an die Berlin ganz selbstverständlich auf Repreffifalien gefaßt sein,
Bisher sieht die Regierung der Durchführung dieser Errichtung von Detswehren bis auf weiteres nicht mehr gedacht und indem man über sie nichts näheres verabredete, liefs Abfichten ebenso totenlos zu, wie jie außerstande ist, dem werden kann. Die grüne Sicherheitspolizei soll im Industrie. man Frankreich in der Wahl seiner Mittel durchaus freie 28üten des Standrechts irgendwie Einhalt zu ge- bezirk ben Sicherheitsdienst weiter ausüben. Der Arbeiterschaft Sand. Vom Standpunkt des Vertrages aus ist also nicbieten. var hat fie feierlich versprochen, daß die Stand- foll gestattet sein, in die Organisation der grünen Sicherheits. mand in Deutschland , auch nicht die Konferenz der süddeut gerichte fofort aufgehoben werden sollen ,, aber sie üben polizei einzutreten. Unsere Genossen von der U.S. P. haben das fchen Regierungen in Stuttgart , befugt, sich über das Vorgehen trotzdem ihre Tätigkeit weiter aus und verurteilen zahllofe gegen protestiert. Bindende Bereinbarungen und Abmachungen der Franzosen zu entrüften. Das um so weniger, als erstens Arbeiter zum Tode, die nur die Kapp- Butschisten nieder- find noch nicht erfolgt, die deutschen Vertreter in Paris im Laufe der Verbandgefämpft haben. Obwohl bishr trotz der schweren Anflagen gegen Reichswehr lungen Herrn Millerand unumwunden das Recht eingeräumt Daß das geschehen kann, ist aber nicht nur Ausfluß der und grüne Bolizei reine Untersuchungen eingeleitet sind, wurde haben, deutsche Städte zu beseten, wenn die Verwendung Schwäche der Regierung, sondern auch Ausfluß ihrer Un- auf Anordnung der Reichsregierung eine Untersuchung wegen und als zum anderen seit dem 30. März über die Absichten der Truppen im Ruhrrevier länger als 6 Wochen danere, fähigkeit, ihres mangelnden Willens zur Er ber angeblichen durch die Spartakisten an der Neichswehr ver- der Pariser Regierung keine Zweifel mehr bestehen konnten. und als zum anderen seit dem 30 März über die Absichyten füllung des Bielefelder Abkommens. In ihm wurde allen übten Greuel eingeleitet, Stämpfern, die bis zum 2. April die Waffen niedergelegt Damit ist natürlich nicht gesagt, daß den Militärs jenhatten, Amnestie zugesagt, ohne daß dieses Versprechen bisseits des Rheins der Vorwand, der ihnen durch das EinAls unser Berichterstatter bann weiter über Mißhandlungen rüden der Truppen in das Rubrrevier gegeben wurde, ber eingelöst worden wäre. Es hat den Eindruck, ingbesondere nach der von uns bereits fritisierten Erflärung im Gerichtsgefängnis in Essen berichten wollte, unterbrach der nicht willkommen gewesen wäre. Sie warteten auf die GeWatters und Scherings, als ob die Militaristen in dieser das Telephon überwachende Offizier mit dem Bemerken, das legenheit, sich weitere Pfänder" zu verschaffen. Sie waren Frage einen vollständigen Sieg davongetragen hätten. seien unwahrheiten, deren Uebermittlung er nicht gestatte. Wir bereit, jede sich bietende Möglichkeit schnell und rücksichtslos Diefes Berhalten der Regierung und das Wüten des haben selbstverständlich gegen dieses unerhörte Berhalten fofort zu ergreifen. Aber an den vertraglichen Abmacyungen wird Militärs cher bringt auch diejenigen Kreise, die geglaubt bei dem militärischen Oberbefehlshaber in Essen Oberst von dadurch nicht das geringste acändert, und es bleibt dabei, baben, im Kampf gegen disziplinlose Elemente auf die Silfe Rennebach und auch bei dem Ziviltommissar bermeyer daß das Kabinett Müller, oder besser gesagt, der deutsche der Reichswehr nicht verzichten zu können, zur Besinnung. Beschwerde eingelegt, bei Schluß der Redaktion hatten wir aber Militarismus, die Verantwortung dafür trägt, daß num Schon ickt läßt sich beobachten, daß Groll und Erbitterung noch feine Antwort auf unsere Beschwerde, so daß wir auch Frankfurt , Darmstadt und die übrigen Städte unter der auch diejenigen erfaßt bat, die geglaubt haben, ein Wirken teine Möglichkeit zur Fortsetzung des Gesprächs hatten, da das Diktatur des französischen Säbels stehen. ber Reichswehr ici auch möglich unter Beachtung von Telegraphenamt sich weigerte die Verbindung erneut herzustellen. Menschlichkeit. Gesetz und Recht.
Tas Wüllen des Standrechts.
Wir sind auch nicht in der Lage, uns auf den Eina und spruch Englands Amerikas zu berufen. Sier bandelt es sich um eine Angelegenheit, men vom August mit Frankreich allein getroffen. Es hat Münster , 10. April. Washington , 9. April( Reuter) in den letzten Wochen ausschließlich mit Frankreich verDie Meldung, daß in Redlinghausen 32 Todesurteile Das Repräsentantenhaus nahm die Entschlichung, durch die handelt und damit seinerseits anerkannt, daß nur dieses gefällt worden seien, ist start übertrieben. Von einer Be- der Krieg mit Deutschland für beendet erklärt Rand berührt werde. Wenn jetzt andere Mitglieder der hätigung von vier Todesurteilen durch den militärischen Ober- wird, mit 243 gegen 150 Stimmen an. 22 Demokraten stimmten Entente mit dem Vorgehen ihres Verbündeten nicht einbei hlshaber fann feine Rede sein, da sich der Reichspräsident die mit der republikanischen Mehrheit zugunsten der Entschließung. verstanden sind, so ist das Verbalten Deutschlands damit Beitiauna der Todesrzteile felbit porbehalten hat Die Entschlichung gebt icut an den Senas Anicht im geringsten gerechtfertigt,
Ende des Kriegszustandes mit Amerita. bie nur die Entente angeht. Deutschland hat das Abkom