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Donnerstag, den 29. April 1920

Nummer 151 Abend- Ausgabe

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greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Die verfumpfte fächliche Arciſe. Die französischen Sozialisten und der 1. Mai

Aus Sachsen wird uns geschrieben:

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Eine Kampfaufage.

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bormittag verhandelt der Verwaltungsausschuß des Allgemeinen Arbeiterverbandes( C. G. T.) mit den Delegierten der Eisen bahner, ob dieser Beschluß gutgeheißen werden kann und ob die . G. T. sich mit dem Streit einverstanden erklärt. Ist doch bei dem letzten Kongreß der Eisenbahner eine Tagesordnung anges nommen worden, in der erklärt wird, der Streit tönne nur proflamiert werden nach vorherigem Einverständnis mit dem All­gemeinen Arbeiterverbande. Im Laufe des heutigen ages wird die Entscheidung über den Verkehrsstreit er wartet. Bu bemerken ist, daß der Streitbefehl von der neuen Leitung der Eisenbahner schon seit zwei Tagen ges geben worden ist.

Politische Rechnungsträger.

Vor einigen Tagen überraschte die rechtssozialistische Fraktion der jächsischen Volksbammer die Welt durch einen Unfall plöblicher Energie. Sie respektierte nicht einmal die Ferien des Ministerpräsidenten Gradnauer, sondern fandte Wie überall, rüsten auch die französischen Sozialisten, thm eine Deputation in die Frühlingsfrische, die ihn und feinen Kollegen Uhlig, den Minister des Innern zum Rüd- die Maifeier au einer machtvollen Rundgebung des inter­tritt nötigte. Diefe sensationelle Aufmachung fonnte Opti- nationalen fozialistischen Gedankens zu gestalten. Partei misten zu der Ansicht verleiten, daß ein radikaler Bruch mit und Gewerkschaften find fich darin einig, daß das Prole­der bisherigen Koalitionspolitie in Sachsen geplant sei, gu- tariat ben 1. Mai benußen muß, um der noch immer un­mal auch bekannt wurde, daß die Rechtssozialisten die un- gebrochenen fapitalistischen und militaristischen Realtion abhängige Sozialdemokratie wieder einmal wegen des Gin- in Frankreich den sozialistischen Willen der Arbeiterfasse tritts in die Regierung fondiert hatten. Noch vor der entgegenzufezen. Unter welchen Verhältnissen die Vorbereitungen zum Opferung der beiden Minister war den Rechtssozialisten in­des von der Leitung unserer Partei bedeutet worden, daß 1. Mai in Frankreich verlaufen, zeigt folgender Borfall: diese vor den Wahlen nicht an eine Beteiligung an der Ste- Der sozialistische Abgeordnete Vaillant- Couturier gierung in Sachsen natürlich fomme überhaupt nur hat im Bopulaire" einen Ariffel veröffentlicht, in dem die das russische Handelsabkommen unterzeichnet. H.N. Ropenhagen, 29. April! eine rein fosialistische für sie in Frage denfen Soldaten aufgefordert werden, bei etwaigen Busammen­Bönne, da sie die Verantwortung für die bisherige Bolitik tößen mit Demonstranten om 1. Mai nicht Das gestern formell unterzeichnete biommett bei den Wahlen nicht zu übernehmen geneigt sei. Es müsse schießen. Auf Grund dieses Artikels wurde in der erst die Stärke der sozialdemokratischen Parteien festgestellt Stammer ein Antrag eingebracht, die Immunität des zwischen den russischen Konsumbereinsvertretern und den inter­and die Rechnungen der Vergangenheit be- Verfassers aufzuheben. Um diesem tücfifchen Streich nationalen industriellen und kommunalen Gruppen über die der Reaktion zu begegnen, haben sich sämtliche Mitglieder Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen Rußland und glichen werden. Zugleich wurde aber zu verstehen ge­geben, daß eine Verbindung der Vollstammerwahlen mit der sozialistischen Kammerfraktion mit ihrem older übrigen Welt sieht die Gründung eines Clearinghausea Den Reichstagswahlen enwünscht sei, damit alsbald eine Tegen folidarisch erklärt. Sie beröffentlichten in Stopenhagen bor. Elare Entscheidung getroffen werden tönnte. Die Bandes- gestern einen Artikel an der Spike der Humanité" und perjammuung unserer Partei, Sie am Freitag, den 23. 5. 02., unterzeichneten ihn sämtlich, auch die rechtssozialistischen in Leipzig tagte, hat diese Saltung gebilligt und unter- Abgeordneten nicht ausgenommen. strichen. Ghe fie aber noch gesprochen, hatte die rechts- Dieser Vorfall ist ein bemerkenstverter Auftakt zarr Wie die Vofftiche, Beitung mitteilt, tragen fich fozialistische Ranumerfrattion den beiden Sündenböden durch Maifeier in Frankreich . Beigt er doch, wie beftig dort die ihre Deputation schon die seidene Schnur überreichen Taffen. laffengegenfäße aufeinander prallen und wie glänzend sich einige Persönlichkeiten, die früher in der Fortschrittlichen Das fonnte als der Entschluß gedentet werden, die die Solidarität und Disziplin in den Reihen Volkspartei an leitender Stelle standen, und der Deutschen Forderungen der Unabhängigen Sozialdemokratie zu er- der sozialistischen Arbeiterschaft bewährt. Wir find deffen Demokratischen Partei bei ihrer Gründung nur nach eini füllen oder auch als der Versuch einer Pression auf unsere Partei, von ihrem Beschlusse abzugehen, erst nach den Wahlen in eine sozialistische Regierung einzutreten. Die Landesversammlung der Rechtssozialisten, die am 25. und 26. April in Meißen getagt hat, läßt indes enfennen, daß beide Annahmen zu weit gegangen wären. Für die Mehrheit der rechtssozialistischen Partei scheint es sich nur darum gehandelt gut haben, durch die Opferung aweier Personen die Wahlchancen au ber­bessern. Ob eine Minderheit weitergehende Absichten gehabt hat, läßt sich aus den Verhandlungen bon denen Die Vereinigung der Genossenschaften der Eisenbahner wichtige Teile der Deffentlichkeit überhaupt entzogen tour- hat mit 28 gegen 24 Stimmen den Beschluß gefaßt, am 30. April den, nicht erkennen. Das Ergebnis ist jedenfalls, daß alles um Mitternacht in den Streit zu treten. Seit gestern beim Miten bleiben soll, daß nur ein Personen­wechsel, feine Systemänderung vorgenommen wird. Man opfert die beiden Minister, die im Vorder­grunde stehen und gegen die sich die Unzufriedenheit der tiz beauftragt die Volkskammerfraktion in Gemeinschaft mit den absehbarer Zeit überhoben werde, geht ihm wider den Arbeiterschaft deshalb vornehmlich richtet, um den Anschein Parteiinstangen bei der Bildung des neuen Gesamt- Strich- weil das zum Abspringen der Demokraten führen­hervorzurufen, als ob ebvas geschehe, die Beschwerden über ministerium 3 nur Männer zu berufen, die sich berpflichten, fönnte. Die Politik der Unabhängigen ist ihm unsinnig und mangelnde Energie bei der Demokratisierung der Benval- bie demokratis sozialistischen Grundsäze rüd- unvernünftig, ein Arbeiten mit ihnen für ihn unmöglich. tung usw. zu beheben. Dabei find, wie die Neden der Mehr- haltlos zur Durchführung zu bringen. Den aus der Regierung Die Chemnizer Richtung hatte sich schließlich darauf zu­heitsvertreter zeigen, diese der Ansicht, daß die Herren austretenden Genossen, die sich in der schwersten Beit unserem rüdgezogen, daß man wenigstens auf dem Gebiete der Dento­Gradnauer und Uhlig alles getan baben, was sie bun fonn- Sande zur Verfügung stellten, spricht die Bandestonferenz für die fratisierung der Verwaltung vorwärts gehen könne. Aber auch hier bremst Gradnauer, und mit ihm der bisherige ten, daß ihre Nachfolger auch nicht mehr und nichts anderes gebrachten Opfer ihren Dank aus."

sicher, daß das französische Broletariat nun mit verstärkter Wucht und Energie feine Klaffenforderungen am 1. Mai tundgeben und die Kampfanfage entsprechend beantworten wird, die ihm das Parlament als Instrument der fapi­taliſtiſchen Reaktion ins Gesicht geschleudert hat.

Ein neuer Eisenbahnerstreit in Frankreich befchloffen.

Paris , 29. April.

gent Schwanken beitraten, jezt mit der Absicht, ihren Au- fritt zu erklären. Wir finden das Verhalten dieser Herren ganz erklärlich. Als im November 1918 eine demo­fratische Welle durch das Bürgertum ging, glaubten sie, ihre Geschäfte mit der Demokratischen Partei machen zu können, Jezt, wo das Bürgertum mit jedem Tag reaktionärer wird, die Angestellten und Beamten aber der Demokratischen Bartei in Scharen den Rücken zukehren, weil sie zur Er­fenntnis gekommen sind, daß dieje Partei nur eine Ver tretung des Großkapitals ist, glauben die Herren die Zeit für gekommen, den Anschluß nach rechts zu suchen. Eine folche Entwicklung ist nur zu begrüßen, denn sie schafft freie Bahn und flärt die Lage.

werden bun fönnen, daß die Scheidenden den Dank der Das bemerkenswerteste an diesem Antrage ist, daß er Innenminister Uhlig. Partei verdienten. Die Ausschiffung ist also im Grunde ge- die Saltung unserer Partei durchaus falsch darstellt. Sie In der Beleuchtung dieser Reden tritt der wirkliche nommen ein nicht sehr aufrichtiger Att. Eine Schiebung, hat den Eintritt in eine rein sozialistische Regierung nicht Wert der Abstimmung über die Anträge der Chemnitzer , die die den Wählern den Anschein einer bedeutsamen Wen- absolut abgelehnt, sondern ihn nur vor den Wahlen ver- der Reichskonferenz überwiesen wurden, hervor. Der Ver­dung voripiegeln soll, die in Wirklichkeit weder beabsichtigt weigert. Wenn den Rechtssozialisten daran gelegen gewejen fuch eines Chemnizer Delegierten, aus diesem Votum so ist, noch für möglich gehalten wird. wäre, aus den Fesseln der Koalition mit den Bürgerlichen etwas wie eine Verpflichtung auf eine Art Chemnizer Af­Eine Opposition ist zwar da, die Chemniter freizukommen, so hätten sie durch Busammenlegung der tionsprogramm herauszulesen, wurde denn auch von der Nichtung", die in ihren Anträgen mehr Energie bei der Stammerwahlen mit den Reichstagswahlen nach einem fur- Mehrheit sofort entschieden abgelehnt. Demokratisierung der Berwaltung, der Jnangriffnahme und zen Provisorium zu der sozialistischen Regierung kommen Die Lektion der Kapp- Tage ist also für die sächsische Vorbereitung der Sozialisierung, der Säuberung der fönnen. Aber dieser Wille war nicht vorhanden. Schon rechtssozialistische Partei noch nicht nachhaltig genug ge­Reichswehr usw. forderte und eine Arbeitsgemeinschaft mit in dem Referat Sindermanns wurde sehr deutlich er- weien. Sie hält fest an ihrer bisherigen der Unabhängigen Sozialdemokratie und vielleicht gar den klärt, daß die Koalition weiter notwendig sein werde, daß Koalitionspolitit. Sie will den Wahlkampf zwar, Kommunisten angestrebt jehen möchte. Aber diese Oppo- man mit den Unabhängigen nicht arbeiten fönne. No 3 te io wurde von den verschiedensten Rednern betont, in erster sition versagt gerade da, wo sie den Fuß beim Male halten hat das in noch viel schärferer Weise unter wüstem Boltern Linie gegen rechts führen, aber sie nimmt dabei offensicht müßte, wo es um die praktische Verwirklichung ihrer Be- gegen die Chemnizer Richtung herausgestellt. Er recht- lich die Demokraten aus und sie nimmt des weiteren in strebungen und nicht mehr um allgemeine Deflamationen fertigte nicht bloß die Koalition in der Vergangenheit, jon- Aussicht, einen scharfen Kampf gegen den Standpunkt der geht. Einstimmig fonnte am Montag der folgende bern erklärte sie auch fünftig für nötig, weil er offenbar an Unabhängigen und Kommunisten zur Diktatur des Prole­Antrag zur Regierungsbildung, der das Ergebnis der ver- eine sozialistische Reichstagsmehrheit von vornherein nicht tariats zu führen. Sie geht diesen Wahlen, wie die Ver­traulichen Sizung war, zur Annahme gebracht werden: glaubt. Aber er möchte eine sozialistische Regierung nicht ein- handlungen zeigten, mit schweren Befürchtungen entgegen. Die Sozialdemokratische Partei Sachsens bekennt sich nach mal, wenn die sozialistische Mehrheit da wäre, weil das seiner Aber sie wird gerade deshalb verzweifelt fämpfen, und so twie vor zu dem Grundfaz der Demokratie, wie er in Ansicht nach nur die Belashing mit unerfüllbaren Ver- wird das Ergebnis eine Verschärfung des Kampfes auch dem Erfurter Programm festgelegt und in der Tradition der sprechungen bedeuten würde. Sozialismus ist nach ihm unter den sozialdemokratischen Parteien sein. Darüber Partei verankert ist. Die Unabhängige Sozialdemo- in dem zusammengebrochenen Deutschland nicht möglich; muß sich die Unabhängige Sozialdemokratie klar sein. tratie hat den Eintritt in ein nach diesem Grundjab zu bil- man müsse den Genossen immer wieder sagen, ihr müßt Die fächsische Regierungskrise wird in wenigen Tagen bendes Ministerium abgelehnt; sie würde nach den Be- die Zähne zusammenbeißen und ein Jahrzehnt war- beendet sein. Die geheime Sigung hat den Gewerkschafts­schlüssen ihrer letzten Landesversammlung sich selbst an einem ten". Ganz der gleichen Ansicht ist Gradnauer, der beamten und Stadtrat Bud( Dresden ), der vor Bildung zein sozialistischen Ministerium nicht beteiligen. Die unabhän in mehr geschliffener, weniger aggressiver Form als Noste der Koalitionsregierung das Kultusministerium berwal­gige Sozialdemokratie bringt damit erneut zum Ausdrud, daß die Politik des Opportunismus in ausgesprochenster Weise tete, als Ministerpräsidenten vorgeschlagen, und Herr Buck fie praktische Arbeit für unser leidendes Bolt entwidelte. Er will auch im Wahlkampf Rücksicht auf die hat zugestimmt unter der Bedingung, daß die Arbeiterschaft nicht leisten und feinerlei Verantwortung im Staatsleben Soalition genommen wiffen. Schon das Aussprechen der sich nicht erlauben dürfe, durch Aktionsausschüsse, Depu tragen will. Die Bandestoniesena bez sächlichen Eoaialdematra Soifnuna. daß man der Arbeit mit den Bürgerlichen in tationen um eine Nebenregierung" ausauilben.

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