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Dienstag, 14. September 1920
Nummer 383
Abend- Ausgabe
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greiheit
Die Bergarbeiter erwachen!
Die Gutachten der Sozialisierungskommission über die Sozialis ferung des Bergbaues haben, obwohl noch nicht veröffentlicht, ben heitigen Widerstand der Unternehmer und ihrer Organi fationen wachgerufen. In zahllosen Versammlungen und Eingaben laufen fie Sturm gegen diese Vorschläge, weil sie davon eine Beeinträchtigung ihres tapitalistischen Profitstrebens bes fürchten. Jest aber treten auch die Bergarbeiter auf den Plan. Sie, die in den vergangenen Jahren bereits mehrfach in großen Massenausständen sich die Sozialisierung des Bergbanes zu erkämpfen gesucht haben, wollen jetzt die ihnen durch Das Spaa- Abkommen in die Hand gegebene Macht ausnuten, um bie widerstrebenden gefeßgebenden Fattoren vorwärts zu treiben und evtl. die Sozialisierung des Bergbanes auch gegen ihren Willen erzwingen.
In den Bergarbeitern felbft lebte seit der Revolution der Ges banke der Sozialisierung immer. Aber die Organisationen ber Bergarbeiter haben bei den Massenattionen des vergangenen Jahres ihre Kraft nicht in dem Maße eingefeht, die zur Durch. legung dieser Forderung nötig war. Jetzt scheint sich eine Nenderung ber Haltung der Organisationen anzubahnen. In den legten Tagen hielt der alte Bergarbeiterverband eine mehrtägige Beratung über die aktuellen bergbauwirtschaftlichen Fragen ab. Alle deutschen Bergbaubezirke, auch die linksrheinischen, Jüd . deutschen und schlesischen waren vertreten. Die Berichte der Bes Jielsvertreter stellten eine fortschreitende Entwicklung der Organis lation feit, die am Schlusse des ersten Salbjahres 1920 schon 450 223 Mitglieder zählte und deren Mitgliederzahl noch weiter im Steigen begriffen ist. Eingehend wurde die Durg führung des Kohlenabkommens von Spaa be
Italienisch- französisches Einvernehmen
Die gemeinsame Erklärung, die zwischen Giolitti und mille MIle rand über die Zusammenkunft von Aix- les- Bains vereinbart worden ist, hat nach Havas folgenden Wortlaut:
sprochen. Man betonte dabei allseitig, daß die Bergarbeiter willens jeien, die Kohlenablieferungen zu ermöglichen, weswegen bereits in fast allen Steins und Braunkohlenrevieren Ueber. chichten oder Ueberstunden verfahren werden. Eine Dauer einrichtung könne bies aber nicht sein; bazu reiche die infolge der jahrelangen schlechten Ernährung der Arbeiter gesun
Wenn
tene Rörpertraft der Bergleute nicht aus. dieser gute Wille seitens der Entente nicht anerkannt und man Zwangsmaßregeln gegen die Berglente ergreifen würde, dann feien die Belegschaften in allen weftdeutschen Bergwerksbezirken fest entschlossen, wie schon in Genf erklärt worden sei, sich mit aller Kraft hartnädig zur Wehr zu legen, möge bann tommen, was wolle. Ueber die gleiche Stimmung wurde aus sämtlichen westdeutschen Bergwerfsbezirken berichtet.
Aus den auf dieser Tagung erstatteten Berichten der Bezirkss leitungen ging ganz deutlich hervor, daß die Bergarbeiter nuns mehr die rasche Jnangriffnahme der Bergbausozialis fierung von der Regierung fordern. Die Verwirklichung dieser Forderung dürfe unter keinen Umständen auf die lange Bant ge schoben werden. Die Bergarbeiter würden auch von dieser Fors berung nicht ablaffen und auch feine Scheinjozialiste rung ruhig hinnehmen. Ihr Ziel sei die völlige Aus. haltung bes privaten Profitsystems aus dem Bergbau. Eine in biefem Sinne gefaßte Resolution wurde einstimmig anges
nommen.
Dringende Aufgabe ber Unabhängigen Bartet ist es, dieses Erwachen der Bergarbeiter mit allen Kräften zu fördern, die Organisationen der Bergarbeiter voran zu treiben, und dafür zu sorgen, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit und dafür zu forgen, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit Der sofortigen Sozialisierung des Bergbanes den Willen ber Bergarbeiter jo fräftigt, bak jie alle ihnen sich in den Weg stellenden Sindernisse überwinden
zengung felt, bas bie edle polnische Nation bei den Friedensbebin gungen, die sie ben Sowjets vorschlagen wird, in ihrem Siege ebenso viel Mäßigung und Achtung vor der Unabhängigkeit ber Bölter beweisen wird, wie sie Entschiebenheit in ihrer Vertelbigung gezeigt hat. Giolitti und Millerand find glücklich gewesen festzustellen, baß thre politischen Ansichten hinsichtlich ber Türkei anb threr In tegrität, fonte auch hinsichtlich der Mittel zur Sicherung des Bertrages von Sèvres miteinander in Einklang flanden. Sie haben weiterhin festgestellt, daß die Intereffen in Klein- Afien sich parallel in freundschaftlicher Zusammenarbeit der beiben Länder entwickeln müßten unter Bermeldung der Konkurrenz ihrer Staatsangehörigen, müßten unter Bermeldung der Konkurrenz ihrer Staatsangehörigen, in Einklang mit threm Abkommen.
Der italienische und der franzöfifche Ministerpräsident haben ihre Ansichten sowohl über die Lage Europas , wie über die politischen und die wirtschaftlichen Beziehungen Frankreichs und Jtaltens in bem vertrauensvollsten und freundschaftlichsten Gelfte ausgetauscht. Sie find glücklich gewesen, die allgemeine Uebereinstimmung ber Intereffen der beiben Länder festzustellen, Intereffen, die in allen Bunkten leicht miteinander vereinbar finb. Sie haben sich entständig verwirklicht werben, ohne baß die großen fchloffen, in voller Ueberinstimmung miteinander die Prüfung der 28fung der schweren Probleme fortzusehen, bie ber Krieg auf
find.
geworfen hat, und bie burch den Frieden erst unvoüstänbig gelöst Der Hauptzweck, ben fie verfolgen, bleibt die allgemeine teberherstellung des Friebens unter gerechten Bedin gungen burch die Achtung der Unabhängigkeit der Völker und burch die Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Bestehungen unter Ausschluß jeden Gedankens an eine politische oder wirischaftliche Serrschaft, die alle anderen ausschließt. Giolitti und Millerand haben erkannt, daß die erste Grundlage eines derartigen Friebens, ber gerecht sein muß, um bauerhaft zu fetu, bie enge Uebereinstimmung ber Altierten: England, Italten und Frankreich , in der ganzen Welt und besonders in Europa bleibt. Die Bieberherstellung ber politischen und moralischen Ordnung beruht auf der gerechten und aufrichtigen Durchführung der großen Verträge, die bem Strieg ein Ende gesetzt haben, sowie der Berträge, die noch au schließen bleiben, um den Frleben Europas endgültig zu sichern. Diese Berträge sind untereinander solidarisch.
Bon Mag Peters.
Unsere Freunde in Moskau nennen sich mit Stolz Kommu nisten. Sie wollen damit ihre Geistesverwandtschaft mit Marg und Engels zum Ausbrud bringen, die im Kommu nistischen Manifest dieses Wort prägten, um eine Ver wechslung mit den damals zahlreich vorhandenen sozialistis schen Gruppen und Geften fleinbürgerlichen Charakters zu vermeiden. Die Kommunisten unserer Tage haben sich in dessen in der Praxis als schlechte Marristen erwiesen. Wir wollen mit unseren russischen Freunden nicht darüber rechten, inwieweit sie in dem energischen Bemühen, dem Sozialismus in ihrem Lande den Weg zu bahnen, von Mary'schen Grunds fäßen abgewichen sind. Die ungeheuren Schwierigkeiten, die ich ihrem Streben entgegenstellten, und ihre zähe Entschloss fenheit und Opferbereitschaft läßt unsere Kritit verstummen. Uns, die wir selbst mit nennenswerten revolutionären Erfolgen nicht aufzuwarten vermögen, erscheint es vermessen, die Tätigkeit unserer russischen Freunde in ihrem Lande zu fritisieren.
Diese Rücksichtnahme ist aber unangebracht gegenüber Entscheidungen der russischen Genossen, die auf die Entwicklung unserer eigenen Arbeiterbewegung einen bestimmenden Einfluß ausüben. Da ist es unsere Pflicht, im Interesse der Arbeiterbewegung unsere Stimme zu erheben, wenn wir die Maßnahmen unserer ruffischen Freunde nicht gutheißen
fönnen.
Die augenblickliche Situation ber internationalen Arbeiters bewegung hatte sie dazu berufen, der Marg'schen Mahnung: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" wieder lebendige Kraft zu verleihen. Dieser historischen Aufgabe, aus ben Trümmern der Arbeiterbewegungen ber fapitalistischen Länder eine neue, eine tatkräftige, revolutionäre Internationale zu schaffen, haben unsere russischen Genossen sich nicht gewachsen gezeigt. In den neuen Statuten und Aufnahmebedingungen der 3. Internationale ist von margistischer Mes thode, insbesondere von der Rolle, bie Marg den Kommu nisten zugewiesen hat, fein Hauch zu spüren. Sie atmen im Gegenteil denselben Geist, den Marz und Engels in den damals so zahlreichen Seften fleinbürgerlicher Sozialisten ener gisch bekämpften. Auf die russischen Kommunisten trifft das felbe Urteil zu, das Marg in einem Briefe an Schweizer vom 13. Oftober 1868 über die Lassalleaner fällte. Die Gefte", schrieb er damals, sucht ihre raison d'êtré( ihre Daseins berechtigung) in ihrem point d'honneur( Chrgefühl), nicht in dem, was fie mit der Klassenbewegung gemein hat. sondern in dem besonderen Schiboleth( Losungswort), das sie
von ihr unterscheidet."
Ein Musterbeispiel marxistischer Methode ber Agitation und Organisation haben wir in der Inauguraladresse und den Statuten der Internationalen Arbeiterassoziation . Keine Der allgemeine Friebe kann übrigens nichtvoll der zur Internationale zusammengefaßten Arbeiterbewegun gen stand damals auf dem Standpuntt von Marg. Troßdem europäischen Probleme ihre 2ösung gefunden fuchte er alle Richtungen, die englischen Gewerkschaftes haben. An der Spize stehen da die Wiederaufnahme und Genossenschafter, die französischen Proudhonisten und normaler Beziehungen zu Rußland und die Regelung Blanquisten, die Anhänger Maffinis in Jtalien und die deutder Adriafrage. Die tlaltenische und bie französische Regierung schen Lassalleaner für die Internationale zu gewinnen. Bein achten die Handlungsfreiheit der S. wjetregierung und sind sich in achten die Handlungsfreiheit der S. wjetregierung und find sich in lichst bemühte er sich, teine der in Frage lommenden Arbem Wunsche einig, daß sich in Rußland ein Zustand herausbilden beiterbewegungen zu verlegen, ohne dabei sich weber in möge, ber es diesem großen Bande gestattet, wieder in das friebliche Prinzip noch in der Würde etwas zu vergeben. Er vermied Ronzert der Bölter einzutreten und den wirtschaftlichen Wiederauf, es fogar, vom Sozialismus zu sprechen, um bei den noch bau in Angriff zu nehmen, der so nühlich für das etgene Land wie rüdftändigen Arbeiterbewegungen feinen Anstoß zu erregen. für die ganze Welt ist. Millerand hat dargelegt, welchen großen Aus dem gleichen Grunde wurden in der Adresse die Gewerk Wert er auf eine schnelle Regelung der Abriafrage burch schaften nicht erwähnt, denn der Gewerkschaftsgebante wäre eine direkte Berständigung zwischen den Interessenten legt, sofort bei den französischen Proudhonisten und den deutschen eine Berständigung, wie fie von ber italienischen Regies Lassalleanern auf heftigen Widerstand gestoßen. Den ver rung beabsichtigt ist, und die geeignet sein muß. Die geſch- fchaft in den einzelnen Ländern, die auch von sehr verschiede gefez- schiedenen Wegen und Entwicklungsstadien der Arbeiter mäßigen Ansprüche Italiens , sowie die Intereffen aller Beteiligten zu wahren, um zwischen den benachbarten Nationalitäten nen Jdeologien beherrscht wurden, trug Mart im weitesten freundschaftliche Beziehungen zustande zu bringen. Frankreich wird Maße Rechnung. Die 3 usammenfassung dieser weit ein derartiges Abkommen mit tiefer Sympathie aufnehmen und gibt Verbande schien ihm wichtiger, als die Hervorkehrung feiner auseinanderstrebenden Elemente zu einem leistungsfähigen Ste müffen der Ecthm vorher seine Zustimmung. eigenen politischen Reife. Während er alles Anstößige und Trennende vermied, hob er die Punkte hervor, worüber eini Trotzdem unterließ er germaßen Einigkeit vorhanden war. nicht, die Forderungen der einzelnen Nationen von seinen eigenen Standpunkte aus zu beleuchten. Die vorsichtige Form, die er dabei wählte, und die immer wieder das Stre ben nach Einigung offenbarte, ließ seine Kritik bei den einzelnen Nationen auf fruchtbaren Boden fallen.„ Cs war sehr schwierig", schrieb er am 4. November 1864 an Engels, die Sache so zu halten, daß unsere Ansicht in einer Form erschien, die sie dem jezigen Standpunkt der Arbeiter bewegung acceptable( annehmbar) machte... bedarf 3eit, bis die wiedererwachte Bewegung die alte Kühnheit der Sprache erlaubt. Nötig: fortiter in re, suavitre in modo( ftart in der Sache, gemäßigt in der Form)".
stein der neuen internationalen Beziehungen bleiben. Die Steger müssen babet den Geist wohlwollender Mäßigung mitbringen, und fle befigen eine Loyalität ohne Einschränkung. Die Wieberherstellung bes allgemeinen Friedens und die Bieber aufrichtung normaler und enger Bestehungen sind um diesen Preis haben. Die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles ift für Frankreich eine Lebensnotwendigkeit, und nur die gewiffenhafte Erfüllung der von ihnen eingegangenen Verpflichtungen gibt ben Ländern das Recht, dem Wölferkonzern anzugehören. Um dieses Graebnis zu erzielen, ist jest notwendig, Kriegen, wie er jest zwischen Rußland und Polen besteht, und den Feindseligkeiten, welche die türkischen Nationalisten und die Regierung in Ronstantinopel trennen, und die bie Durchführung des mit der Türket abgefchloffenen Friedens bertrages verzögern, zu allererst ein Ende zu machen.
Ueber die folgenden b.iden Punkte haben der franzöfifche und der italienische Ministerpräsident ihre Gedanken ausgetauscht und ihre Uebereinstimmung festgestellt: Die Unabhängigkeit und Freiheit Bolens in feinen ethnographischen Grenzen geschütt gegen jeben Angriff, ist das Ziel, bas beide Regierungen in gleicher Belse verfolgen. Sie halten an der Ueber
einer
Der französische und der italienische Ministerpräfident haben die freundschaftlichen Beziehungen der belden Länder sowohl nach ihrer wirtschaftlichen wie nach ihrer politischen Seite hin genauen Prüfung unterzogen. Die Mittel, thren beiderseitigen Intereffen gerecht zu werden, find ins Auge gefaßt worden. In einer Reihe non Spezialpunkten hat biefe Prüfung zu ber Feststellung geführt, wie sehr diese freundschaftlichen Beziehungen für die Wahrung ihrer Interessen wesentlich find. Die beiden Ministerpräsidenten sind der festen Ueberzeugung von der NotMinisterpräsidenten find der festen Ueberzeugung von der Not wendigteit ber Entente zwischen den beiden großen lateinischen 2ändern, einer Entente, die sich auf die gegen seitige Achtung vor ihren politischen Auffassungen und auf das gegenseitige Berständnis ihrer wirtschaftlichen Bedü fuiffe gründet. Durchbrungen davon, daß diese Entente die Zustimmung der beiden Völker finden muß, sind die belden Ministerpräsidenten dahin übereingekommen, alle Mittel in Bewegung zu setzen, damit die fünftigen Beziehungen zwischen Frankreich und Italten von dem Vertrauen und von dem gegenseitigen Wohlwollen befeelt werden, von denen swet große Böller, die gemeinsam gekämpft und gefiegt haben, in ber Entwickelung ihrer nationalen Geschicke beseelt sein müffen.
Cs
Marr feierte es als einen großen Erfolg, mit der Inters nationale alle die fleinen Setten aufgesogen zu haben. Deni ,, die Internationale wurde gestiftet", schrieb er an Bolte, ,, um die wirkliche Organisation der Arbeiters laffe für den Kampf an die Stelle der sozialistischen und halbsozialistischen Setten zu setzen. Die ursprünglichen Stas