Einzelpreis 30 Pfg. 3. Jahrgang

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Freitag, 24. September 1920

Nummer 400

Morgen- Ausgabe

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greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutfiblands

Millerand Präsident von Frankreich

Die Sozialisten gegen Millerand follen erst dann diskutiert werden, wenn der Präliminarfrieden

Paris, 23. September.( Havas.)

Millerand wurde mit 695 von 892 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten der Republik gewählt. Auf den unifizierten Sozias listen Delory entfielen 69 Stimmen. Die übrigen Stimmen waren zersplittert.

Die Humanite" schreibt zu der Wahl Millerands: Wir treten in ein Zeitalter der persönlichen Gewalt ein. Wenn Millerand unter den Bedingungen, die er wünscht, gewählt wird, so wird er sich nicht darauf beschrän­fen, zu herrschen, wie es niemals ein Präsident der dritten Republik getan hat. Er wird sich beeilen, die Verfassung in dem Sinn einer Vermehrung der Vorrechte des Präsidenten abändern zu lassen. In der politischen Lage, in der wir uns befinden, mit einer Kammer, die wer weiß wie sehr reat­tionär ist, ist es unmöglich zu sagen, wohin man auf diesem Wege kommen wird. Machen wir uns mit dem nationalen Blod auf das schlimmste gefaßt.

Horthy- Ungarn in Wien

Die bestochene Presse

( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".) Wien, 22. September.

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Die Wiener Arbeiterzeitung", das tschechische Organ Pravo Lidu" und die von dem ehemaligen ungarischen Volkskommissar Kunji herausgegebene ungarische Wochenschrift Bilagossag" beginnen mit der Veröffentlichung geheimer Atten der un­garischen Gesandtschaft in Wien über Verbindungen der Wiener Christlich- Sozialen mit Horthy und die ganze Slowakei unterminierende Propaganda Horthys. Die Arbeiterzeitung" veröffentlicht zwei Aften, die beweisen, daß christlich- soziale& I ug­blätter in Budapest geschrieben und von der ungarischen Ge­fandtschaft in Wien gebrudt und vertrieben werden. Weiter wird abgedruckt der offizielle Aft über die Anweisung von zwei Millionen Kronen zu diesem Zwed. Der Bericht stammt vom Pressechef der ungarischen Gesandtschaft, Ministerialrat Reich, und ist gerichtet an den Bressechef des ungarischen ans­wärtigen Ministeriums Edardt. Die Echtheit wird durch Abdruck einer lithographischen Photographie erhärtet.

Ebenfalls getauft sind verschiedene Blätter der monar chistischen Offiziere, jo Staatswehr", das antisemitische Organ Boltssturm" und Eiserner Besen" und das im Dienst der unga­rischen Gesandtschaft stehende Blatt Antisemitenbund". Die Ans weisungen lauten wörtlich:" Boltssturm veröffentlicht nach den erhaltenen Weisungen abermals eine mächtige Offensive". Eben­falls wörtlich einige mit hervorragendem Organisationstalent begabte Mitglieder der Erwachenden Magyaren" find in Wien und werden den Antisemitenbund nach Budapester Muster um= formen".

Die Arbeiterzeitung" verlangt die Ausweisung des ungarischen Gesandten und das Strafverfahren gegen diejenigen, die sich für ungarisches Geld zu Aktionen gegen die Republik dingen ließen. Weitere aufsehenerregende Enthüllungen folgen.

Die Arbeiterbewegung in Italien

DA. Mailand, 28. September. Aus Turin wird gemeldet, daß die Abstimmung über das in Rom abgeschloffene Einigungsabkommen in den Turiner Fabriken teine Zustimmung gefunden hat. In 34 von 51 Fabriken lehnten zirka 90% der Arbeiterschaft die Annahme glatt ab; aber bie Leitung der C. G. T. ist optimistisch und glaubt, daß das Abkommen doch noch angenommen werden wird. In einigen Fabriken, wie z. B. bet Fiat, wurde eine Tagesordnung gegen das Vorgehen der Vertreter der C. G. T. angenommen, die das Abkommen unterzeichnet haben,

unterzeichnet ist. Angeblich will man sich auf den Grundsatz stellen, daß keine Partei Schadenersatz leisten soll. Polen verlangt von Rußs land nur zurück, was während des zaristischen Regimes aus Polen an Kunstgegenständen und Dokumenten usw. fortgeführt worden ist.

Die Frontberichte

Königsberg i. Pr., 23. September.

Bur Lage wird gemeldet: Jm Kanipfabschnitt vom Dujestr big zum Pripjet säubern die Polen nach Erreichung der Flußläufe des 3brucz und Gorin das eroberte Gelände von den versprengten und zurückgebliebenen Bolschewistenabteilungen. Südlich von Pinst nähern sich die Polen nach Einnahme von Ljubaschewo dem Styrfluß. Jm Raume östlich von Kobryn- Prushany sezten die Bolschewisten thre Angriffe fort, die bisher von den Polen abgewiesen wurden, wobei die Bolschewisten auf Roshany zurückgeworfen wurden. Pol­nische Angriffe auf im Raume westlich von Wolkowist zu Offensiv­zwecken bereitgestellte bolichemistische Truppenansammlungen waren erfolgreich; die Polen melden 1100 Gefangene. Bolschemistische Angriffe aus der Gegend von Grodno auf Odelst und Kusniza wurden abgewiesen, Der Brennpunkt der Kämpfe liegt zur Beit im Abschnitt Brushany westlich von Wolkowist, wo die Bolschewisten ihre neu herangeführten Kräfte konzentriert haben. Jm Suwalki­Gebiet dauern die örtlichen Kampfhandlungen zwischen Polen und Litauern an; die Litauer führen ihre Verstärkungen anscheinend im Raume von Seiny heran.

Moskau, 23. September.( Funkspruch.) Russischer Heeresbericht vom 22. September.

Im Abschnitt Grodno haben wir auf der ganzen Linie den Vor­marsch des Feindes zurückgeschlagen, sind zum Gegenangriff über­gegangen und haben nach Kampf eine Reihe Ortschaften einges nommen. Im Abschnitt Wolfowisk dauern die Kämpfe

wechselndem Erfolg an; wir haben Gefangene gemacht. Die mit

Ab­

schnitt Pruzany ist die Lage unverändert. Im Abschnitt Tarnopol Stehen wir in hartnäckigem Kampf bei der Stadt Wolotschist. Krimfront. Im Abschnitt Jekaterinoslaw führen unsere Ab­teilungen hartnäckige Rämpfe.

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Bestrafte Schieber

Moskau, 23. September,( Funkspruch.) Das Revolutions tribunal für Wassertransportwesen in Nishnij Nowgorod verurteilte den Führer und einen Kommissar des Dampfers Beresniti" wegen Schiebungen und Banditen wesens zum Tode durch Erschießen. Andere an diesem Ver­brechen Beteiligte wurden zu Zwangsarbeit verurteilt. Sie hatten ben Dampfer mit Maschinengewehren bewaffnet, fuhren von Astrachan nach Nishati- Nowgorod und beschäftigten sich mit Schiebungen.

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Die freiwilligen Polizeitruppen" in Ostpreußen

Aus Königsberg wird uns geschrieben: Am Sonnabend, den 11. d. Mts., brachte der Vorwärts"

eine Enthüllung über reaktionäre Geheimbündelei" der Agrarier in Ostpreußen. An Hand eines vertraulichen Zir­fulars des früheren Leiters des privaten agrarischen Selbst­Schutzverbandes( Orgesch) vom 29. Juni d. Js. wird der Nach­Sozialisten aller Richtungen" und gegen die weis geführt, daß der Kampf der Orgesch sich gegen die Regierungen richtet, in denen die Sozial. demokratie einen Anteil hat. Seine Mittel wären Waffen und abermals Waffen, sein Ziel die Auf­richtung einer schrankenlosen Gewalt des ver­einigten Bürger- und Bauerntums über das Proletariat".

Vom Oberpräsidenten, der bekanntlich am 3. Juli d. Js. durch seinen Stellvertreter selbst die Anweisung gegeben hatte, an Stelle der Einwohnerwehren private Selbstschutz­verbände zu setzen", wird gesagt, dieser hätte die Entwickelung eine ganze Weile beobachtet und dann mit rauher Hand" eingegriffen. Er beharrte" auf dem Standpunkt, daß eine militärische Organisation ein Un Bing" sei. Schließlich wären die Orgeschleute zu Kreuze

gekrochen".

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3

In Wirklichkeit sind nicht die Orgeschleute zu Kreuze ges krochen, sondern der Oberpräsident vor den Orgesch leuten. Wir haben dieses schon in Nr. 371 unseres Blattes nachgewiesen. Der Zufall will es, daß am selben Tage, an dem der Vorwärts" seine Enthüllung macht, die rechts­sozialistische Königsberger Volkszeitung" den Ober­präsidenten selbst als, Geheimbündler" ent. Iarot. Dr. Siehr hat nämlich unterm 1. September in einer streng vertraulichen Verfügung ( D. P. 12. Nr. 3460) die Bildung einer freiwilligen Polizei­truppe Ostpreußens" angeordnet.

Besonders hervorzuheben verdient, daß diese Verfügung im unmittelbaren Anschluß an die völlige Einigung" zwischen Oberpräsidium und Orgesch erlassen worden ist. Die Ver­fügung betreffend Bildung einer freiwilligen Polizei­truppe" stellt daher das amtlich nicht bekanntgegebene Res sultat der Einigung dar und bedeutet einen vollen Sieg der Konterrevolution: Herr Dr. Siehr ist schnell den Junkern untertänig geworden.

Die Verfügung lautet:

,, Allgemeines. 3um Schuge der Provinz, insbes

sondere zur Bewachung und Abtransport der internierten Russen

und Polen, wird aus den Mitgliedern der Orts- und Grenzwehr eine Polizeitruppe geschaffen.

1. Gliederung. Die Truppe besteht aus vier Abteilungen und einem Organisationsstab; letterer wird vom

Die schwedischen Reichstagswahlen wehrtreistommando geftetit. Er tritt auf dem

Rückgang der sozialistischen Stimmen

Stockholm, 23. September.

Bisher sind 182 Reichstagsabgeordnete gewählt, davon 68 So zialdemokraten, 57 Konservative, 34 Liberale und 20 von den beiden Bauernorganisationen sowie 3 Lintssozialisten. Die Rechtssozialisten haben 7 Sige verloren, die Lintssozialisten 5 und die Liberalen 11. Die Konservativen haben 12 Size gewon= nen und die Bauernorganisationen 9. Die Stimmenzahl der Rechtssozialisten beträgt 170 000 mit einem Rüd­gang von 28 682 Stimmen, die der Konservativen 146 627 mit einem Zuwachs von 6441 Stimmen, die der Liberalen 108 644 mit einem Rüdgang von 46 230 Stimmen und die der beiden Bauern­organisationen 71 193 mit einem Zuwachs von 15 752 Stimmen. Die Stimmenzahl der Lintssozialisten beträgt 30 844 mit einem Rüdgang von 8850 Stimmen.

Truppenübungsplay Arys als Aufstellungsort

zusammen.

2. Gang der Aufstellung. Die Aufstellung der Polizeis truppe liegt in 5 än den des Oberpräsidiums und der Kreisräte bis zur Uebernahme der Abteilungen durch den Organisationsstab. Zeitpunkt wird noch bekantgegeben. Weit­gehende Unterstützung durch das Wehrtreis tommando ist zugesagt.

ohne erst die Arbeiter zu befragen. Un vielen Stellen Zurins kam Der Konflikt im englischen Bergbau aurüdgegriffen werden. Die ausgewählten Mann­

es gestern früh wieder zu Zwischenfällen zwischen Arbeitern und Soldaten, wobei letztere von ihren Waffen Gebrauch machten und in die Menge fenerten. Mehrere Arbeiter sollen getötet oder verwundet sein.

Wrangels großer Angriff

DA. Helsingfors, 28. September. In Polen werden zur Zeit zwet russische weiße Armee. forps organisiert, von denen das eine unter dem Befehl Bulat­

London, 23. September.

Die heutige Konferenz der Bergarbeiterbelegierten hat den Vor­schlag Smillies, zum zweiten Male abzustimmen, ob die geforderte Lohnerhöhung um 2 Schilling einem Schiedsgericht unterbreitet werden soll, abgelehnt.

Die Kreisräte stellen sofort aus ihrem Kreis je einen Zug und die ihnen sonst noch zur Aufstellung zuge= wiesenen Formationen zusammen. Stärke des Zuges mindestens 40 Mann, 1 Zugführer, 1 Feldwebel, 8 Gruppenführer. Als Mannschaften find nur zuverlässige Mannschaften, die der Orts- und Grenzwehr angehören, bzw. den Einwohnerwehren oder dem Selbstschuh angehörten( möglichst gediente Infan­teristen oder Artilleristen) zu nehmen; auf Kavalleristen wird voraussichtlich für eine andere Formation schaften sind frühestens am 7. September geschlossen aus dem Kreis nach dem Aufstellungsort der Hundertschaften in Marsch zu sehen. Den Mannschaften wird das Fahrgeld und außerdem 5 Mart Verpflegungsgeld mitgegeben. Der Kreisrat des Aufstellungsortes der Hundertschaften, bei dem sich die Trans­porte aus den einzelnen Kreisen beim Eintreffen zu melden haben, ist für die richtige Zusammenstellung der Hundertschaften vers Der Sanitätssoldat wird von der Reichswehr gestellt.

Der Straßenbahnerstreik in Hannoverantwortlich.

DA. Hannover, 23. September. Hannover ist, nach acht Wochen, noch immer ohne Straßenbahn. In der letzten Belegschaftsversammlung der Straßenbahner wurde

Balaschowitschs steht, während das andere von einem Wrangel- Offizier mitgeteilt, daß die Streifenden nach wie vor die Unterstüßung der Dolunski befehligt wird. Die Truppen erhalten ihre Direttiven vom russischen Komitee in Warschan, dessen Wortführer Borig Gawinfaw ist, ber ständig mit Wrangel in Verbindung steht. Diese weißen Truppen sollen an Wrangels großer Offensive gegen Moskau teilnehmen, die demnächst beginnen soll.

Sympathiekundgebungen eingegangen, so daß man bei einem Appell an alle im Transportarbeiterverband organisierten Straßenbahner die Mittel zu längerer Fortführung des Streits erhalten würde. Es wurde eine Abstimmung über die von der Straßenbahndirektion gestellten Bedingungen vorgenommen, die einen Verzicht auf Lohn­erhöhung und Nichtwiedereinstellung von 300 Mann fordern. Man schritt auch deshalb zur Abstimmung, weil die Direktion angeblich behauptet haben soll, die Streifleitung verhindere jede Willens­äußerung der Straßenbahner. Das Ergebnis war 2041 von 2082 für die Ablehnung der Bedingungen. Der Lohn­

Der polnische Kriegsminister Sosmilkowski hat Befehl zur teil­weisen Demobilisierung der polnischen Armee gegeben, die burchgeführt werden soll, wenn beide Parteien in Riga thre gegen­fettige Souveränität anerkennen und die Grenzen zweifelsfrei fest­gestellt sind. Polen verlangt nur solche Ländergebiete, die von einer polnischen Majorität bewohnt sind. Die wirtschaftlichen Bedingungen lampf geht infolgedessen wetter.

Die Abteilungsstäbe treffen ebenfalls am 6. September in ihrem Aufstellungsort ein. Am gleichen Tage trifft von der Reichswehr ein Schreiber, ein Hilfsschreiber, zwei Ordonnan­zen mit Geschäftszimmergerät ein. Sie sind angewiesen, sich beim Kreisrat zu melden.

Die Abteilungsstäbe sind von den Kreisräten ebenfalls über den Gang der Aufstellung zu unterweisen. Die Zahlmeister werden von der Reichswehrgestellt. Sie treffen am 6. September im Aufstellungsort ein. Der Abteilungsadjutant ist zweds Informationen möglichst vor Zusammentritt des Abtei­lungsstabes im Aufstellungsort zum Oberpräsidium zu entsenden. Alle Mannschaften und Offiziere treten ihren Dienst mit dem Tage der Abreise in den Aufstellungsort an.