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Einzelpreis 20 Pfg. 3. Jahrgang

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Die Beelbelt afhent morgens and admittags, Ganntags and Montags wer chumal Der Begngspreis beträgt bet freier Buftellung ins Haus für Groß- Berlin 10,-. im soraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 9. Für oft bezug nehmen fämtlich: Bostanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifbanb bezogen für Deutschle no und Defterreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 jiglich Balata- Aufschlag, per Brief für Deutschland sub Desterreich 30,- 2. Nebabies, Expedition und Verlag Berlin 2, zette Straße 88.

Freitag, 24. September 1920

Nummer 401

Abend- Ausgabe

We achterfpaltene Nonparellezelle ober beren Raum koftet 5,-. enfchleift Reuerungszufchlag. Kleine Anzeigen; Das fettgebruckte Wort 2, 92, jebes weitere Wort 1,50 m., einschließlich Seuerungsauschlag. Laufende Angelgen laut Earl Bemilien Anscigen and Stellen Gesuche 3,20. netto pro Belle. Stellen Gefnde In Wort- Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50 M., jebes weitere Wort 1- W Semiprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516 4603, 4635, 4640, 4021.

greiheis

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutfchlands

Eine Botschaft Millerands

Die Reaktion in Frankreich

Die Wahl Millerands zum Präsidenten von Frankreich ist mit großer Mehrheit erfolgt. Von 892 Stimmen hat Mille­rand 695 erhalten während der Rabifalsozialist Doumergue nur 106 und der Sozialist Delory nur 69 erhalten hat.

Millerand wurde am 10. Februar 1859 in Paris geboren, und erregte bereits als junger Anwalt durch seine Berebsam feit Aufsehen. In der Mitte der achtziger Jahre wurde er Mitglied der Kammer und schloß fich der äußersten Linten an. Durch seinen Eintritt in das Ministerium Walded- Rousseau im Jahre 1899 begann in der sozialistischen Bewegung der Kampf um den Ministerialismus, in dessen Verlauf Mille­rand fich vollständig von der französischen Partei ge trennt hat.

Daß Millerand nicht daran denkt, in feiner neuen Eigens schaft als Präsident fich den politischen Einfluß nehmen zu lassen, sondern ihn in höherem Maße geltend zu machen, als das bisher in Frankreich dem Präsidenten gestattet war, zeigt die Antwort, die er nach der Sigung der National versammlung bei der Ueberreichung der Urkunde seiner Er nennung zum Präsidenten der Republik auf die ihm barge brachten Glückwünsche erteilte. Er antwortete u. a.:

Nieder mit der Mietstener

Bon Benno Maak.

Der monotone Bürgerschrei nach Ruhe und immerfort Ruhe soll den Auftakt zum Wiederaufbau bilden. Derweil quält sich besagtes Bürgertum unaufhörlich damit ab, immer neue Unruhen- Batterien ins Bolf zu jagen. Ist eine Steuer unter Dach und Fach, so taucht schon wieber eine neue, wo möglich noch quälendere, auf. Zur Zeit tritt die Miet­teuer auf den Plan und sie ist in der Freiheit vom 18. d. Mts. bereits gewürdigt worden. Aber nicht grundsät­lid, sondern mehr fachlich. Unsere Stellung als revolu tionäre Partei it flat und lüdenlos gegeben. Wir Das Regreiche Frankreich muß seine Rainen wieder aufbauen, fordern programmatisch turz und fnapp, die Bergesell­es muß eine Wunden verbinden, und um dies zu erreichen, muß haftung des Grund und Bodens. Hier gibt es es die vollständige Durchführung aller auf der Grund tein Drehen und Deuteln, hier heißt es gerade aus lage bes Berjailler Friedensvertrages ihm gegenüber eingegange aufs 3iel! Die gar zu spärliche Befajjung mit der Lage des Versailler Friedensvertrages ihm gegenüber eingegange wen Verpflichtungen erlangen. Eine neue Barole it ins Leben Wohnungsfrage zeitigt in unseren Reihen ein fchäd gerufen worden, bie franzöfifche Demokratie muß im Cinpernehmen liches Mißverstehen der Materie. Die Wohnungsuot mit ihren Alliierten über den Fortbestand und ihre weitere Ente widlung wachen. Der Präsident der Republik hat die hat sich im und nach dem Kriege zu einem internatio besondere Aufgabe, unter Mitwirkung ber Minister und der Bräfinalen Unglüd ausgewachsen und befäße die Welt einen benten der Kammern bie& orthegung einer Anger wirklichen Völlerbund, so wäre durch ihn dieses Unglüd am beften zu mildern. Tatsächlich hat auch schon im Juni politit zu jiers, bie uujeres Sieges and un­ferer Toten würbig it." dieses Jahres in London ein internationaler Haus bau- und Stadtplan- Kongreß( Inter- Allied Housing and Town Planning Council) stattgefunden. Nach Professor, Bernouli- Basel waren weder Deutschland noch Defter reich bort vertreten, hingegen England, Frankreich, Italien, Japak, Amerika, Norwegen, Schweden, Dänemart, Kanada, die übrigen Dominions, Belgien, China, Bolen, Tschechoslo watei, Rumänien, Jugoslawien und Finnland. Ueberall Wohnungsnot. Aber mit feinem Wort sprach man von der lietsteuer. Im französischen Senat ist vor etwa 6 bis 8 Wochen beschlossen worden, auf die Dauer von 10 Jahren alljährlich eine Anleihe von 750 Millionen Frank zur Er­

Heute gehört Millerand mit seinem ganzen Wefen zum Bürgertum, dessen Vertrauen er, wie der Wahlausgang gezeigt hat, in vollem Umfange befigt. Wenn auch seine Politit bisher einige Unterschiede gezeigt hat von der Clemenceaus, So hat fie fich doch vollkommen innerhalb der bürgerlichen Grenzen bewegt und war nur nicht in demselben Maße vom militaristischen Geiste erfüllt. Als erwählter Kandidat des gesamten Bürgertums, insbesondere feines reaktionären Teils, wird Millerand sich bestrebt zeigen, ihre Wünsche zu verwirklichen.

Bezeichnend für die gegenwärtige politische Situation in Frankreich ist die Tatsache, daß Bestrebungen im Gange find, die Macht und die Befugnisse des Präsidenten von Frankreich zu erweitern und daß die Diskussion, die in der legten Zeit in der franzöfifchen Presse darüber sich entsponnen hat, sich im Grundgedanken mit jener Absicht einverstanden erklärte und nur den Wunsch äußerte, den Wahlkörper zu erweitern.

Widersprüche

In der Erklärung des Genoffen Adolph Soffmann, die wir in der heutigen Morgenausgabe der Freiheit" veröffentlich­ten, betont Woolph Hoffmann ausdrüdlich, daß die Erklärung, bie von Däumig, Koenen, Stoeder und ihm unterzeichnet sei, selbst= verständlich für die gesamte Parteipresse be. stimmt war, benn' sonst hätte der Protest ja überhaupt teinen Sinn gehabt. Soffmann legt also Wert auf die Feststellung, daß es die Absicht der Unterzeichner gewesen sei, diese Erklärung and der Freiheit zur Beröffentlichung zu übermitteln.

Demgegenüber ist von Bedeutung, daß ein anderer Unterzeichner des Aufrufs, bet Genoffe Koenen, in einer Bersammlung in Leipzig- Weft am Mittwoch erklärt hat, der Aufruf gegen das Zentralfomitee fei der Leipziger Boltszeitung" mit Absicht nicht augesidt worden, weil man wiffe, baß sie ihn doch nicht aufgenommen hätte. Roenen also behauptet das gerabe Gegenteil von dem, was fein Mitunterzeichner Adolph Hoffmann erklärt.

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Dieser Widerspruch zwischen den Erklärungen der beiden Ge noffen ist tein zufälliger. Er ist das Ergebnis der-milde aus gebrüdt verschiedenen Auffassung, die von dieser Seite geäußert werden. Während Koenen ebenso wie Däumig offen auf bie Spaltung hinarbeitete Däumig hat in der Frankfurter Ber fammlung am Mittwoch offen erklärt, daß er die Spaltung der Bartel will scheint Adolph Soffmann noch zu benjenigen zu gehören, die es für ratsamer finden, die Masse der Parteigenossen über die wahren Absichten im Dunkeln zu lassen.

Wir wollen bei dieser Gelegenheit aber noch einmal ausbrüd­lich betonen, daß wir die Geheimforrespondens, die diesen Aufruf der Roten Fahne" übermittelt hat, noch niemals zu Gesicht bekommen haben. Sie ist ein Erzeugnis, bas jomph! der Redaktion der Freiheit", wie auch der Redaktion der Leip­ziger Boltszeitung" aus begreiflichen Gründen vorent halten wird. Daß eine derartige Zeitungsforrespondenz besteht, haben wir erst aus der Noten Fahne" erfahren, die ausbrüdlich betont, baß fie den Aufruf dieser Korrespondenz, die sie regel­mäßig zu erhalten scheint, entnommen hat. Was man unter diesen Umständen von der Ausrede Koenens in der Leipziger Versamm­lung zu halten hat, wie der Aufruf in die Rote Fahne" ge­tommen sei, wisse er nicht", ergibt sich für Urteilsfähige von selbst.

Polnischer Heeresbericht.

Kopenhagen, 24. September.

Diefe Rede fennzeichnet die politische Situation in Frank reich. Die Macht des Bürgertums ist in steigenbem Make im Wachsen begriffen und das Bürgertum geht jett deshalb dazu über, den Einfluß der vom Bolte gewählten demokratischen Vertretung zu Gunsten der Machtvollkommen heiten des Präsidenten erheblich einzuschränken. Die von uns in der heutigen Morgenausgabe zitierte Aeußerung der in der heutigen Morgenausgabe zitierte Aeußerung ber " Sumanite" zeigt, daß auch die französischen Genossen die große Gefahr ber Verwirklichung dieser Absichten ertennen, baß aber die revolutionäre Arbeiterbewegung in Frankreich gegenwärtig zu fchwa ch ist, um die Abände rung der Verfassung im Sinne einer Vermehrung der Borstellung neuer Wohnungen aufzunehmen. Nur unser liebes rechte des Präsidenten abzuwehren.

nommen und 726 Gefangene gemacht. Wetter nach Norben nähern wir uns bem Rjemen. Wir machten Gefangene, die bestätigten, daß nene Sowjetdivisionen aus Sibirien an der Riemenfront eingetroffen find. Die Litauer haben in der Gegend bei Strzelcowizna zweimal auf unsere Patrontllen ge Schossen. Am 19. September hat ble litanische Artillerie unfere Stellungen am See Gluch beschossen. Eine Titauische Batrouille, bie sich zu weit vorgewagt hatte, wurde gefangen genommen. Die Litauer haben ihre Stellungen verstärkt.

Alexandrowsk von Wrangel genommen

New York, 24. September.

Associated Preß meldet vom 22. September aus Konstantinopel, daß General Wrangel Alexandromst genommen und dabei 30 Ge schütze erobert hat.

Busammenstöße in Italien

Turin, 23, September.

Das Bureau Stefani meldet: Bei der Beerdigung von zwei Ar­beitern griff eine Gruppe Anarchisten einen auf dem Rade vorbei tommenden Polizeibeamten an. Es tam zu einem Zusammenstoß zwischen etwa 30 Anarchisten und der Polizei, die einen Toten und lieben Berwundete zu beklagen hatte. Zur gleichen Zeit griff in Borge Dora eine andere Gruppe die Rajerne an. Serangerüdte Polizeiverstärkungen wurden von den Rebeltern ans einem benachbarten Wert beschoffen. Die Polizei räumte das Wert und zerstreute die Anarchisten. Bei diesen Zusammenstöhen wurden ein Polizist getötet und ein Offizier ser

wundet.

Die Vereinbarungen vom Metallarbeiterverband

angenommen

Mailand, 23. September Gestern abend beendigte der Metallarbeiterverband seine Sitzungen; mit 118 gegen 18 Stimmen wurde eine Don Buozzi eingebrachte Tagesordnung angenommen, welche die Ber Buozzi eingebrachte Tagesordnung angenommen, welche die Ber einbarungen gutheißt und dem Ausschuß erneutes Bertrauen aus spricht. Die Tagesordnung wird einer allgemeinen Ab. Stimmung der Arbeiter unterliegen.

Le Rond bleibt

Beuthen( D.-S.), 23. Geptember.

Orgesch- Land kommt mit der Mietsteuer, um aus deren Er­trägen neue Wohnungen zu erbauen. Auf der Tagesord nung standen einige englische Refolutionen, die als Haupt­zwed die zwei Forderungen aufstellten:

1. Die Regierungen aller Länder verpflichten sich, ein Hausbauprogramm aufzustellen, das in 20 Jahren vollständig zur Durchführung fommt.

2. Die Mindeftforderung an Wohnungen für das ge­nannte Programm lautet: Drei Schlafräume, ein Wohn raum( mit Kochgelegenheit) und Bad.

Ich wiederhole, dies ist eine von England eingebrachte Entschließung und sie fußt auf dem Einfamilienhaus. In einem verrotteten Militärstaat wie Preußen- Deutschland, baute man Kasernen und mitten in die Berliner City hinein - einen Kaiserlichen Pferdestall! Die Stellungnahme der

Arbeiter läßt ein Bericht der Frankfurter Zeitung" erfen nen. Auf der letzten Jahresversammlung der englischen Arbeiterpartei wurde die Entfernung des Wohnungs minifters gefordert. Man verlangte Baugeldbeschaf fung durch eine Kapitalsteuer( in Deutschland tommt man mit der Mietsteuer), Rationierung der Baustoffe und Bauausführungen durch die Gewerkschaf ten oder Bangilden.

Hören wir noch eine andere bürgerlich reattio­näre Stimme, Herrn A. T himm Düsseldorf in der 3. f. Wohnw." gegen die Mietstener: Ein ganz beson­deres und ein besonders schwieriges Problem dürfte es aber fein, zu entscheiden, in welcher Weise die Erträgnisse der Wohnsteuer oder die mit Rüdsicht auf die Deckung durch die Wohnsteuer aufgenommenen Kapitalien dem Woh­nungsbau zugeführt werden sollen. Je zeich= licher die Mittel fließen, umso größer wird die Gefahr der kostensteigerung. Da in den Kaltulationen des Bauwesens der wichtigste Faktor der Ar­

beitslohn ist, so entscheidet das Maß der dafür geleiſteten Arbeit tatsächlich die Rentabilität, obwohl unzweifel­haft auch übermäßig hohe Händlergewinne und Zuschläge das Bauen verteuert haben. Es gilt daher vor allem, bie Arbeiter in eine für den Erfolg ver­antwortliche Stellung zum Wohnungsbau zu bringen, damit die große Aktion der Mittelbeschaffung nicht nuglos verpufft und nur ein neuer Anlaß dazn wird, die deutsche Bolts wirtschaft zum Banterott zu treiben. Dieses Problem ist noch feineswegs gelöst. Ohne seine Lösung aber bleibt auch die Wohn teuer wertlos!"

Rach einem Telegramm aus Warschau meldet der polnische graphen- Agentur aus angeblich gut informierten Kreisen in Paris Steuerung der einzige Weg ist, auf dem der seither über die

Nach der polnischen Grenzzeitung wird der polnischen Tele berichtet, daß der Botschafterrat die Politit Le Ronds vollkommen billige. Le Rond werde auf seinem oberschlesischen Poften Der bleiben und dorthin in allernächster Zeit zurückkehren.

Heeresbericht vom 23. September: Unsere Truppen haben die ganze Linie längs des Flusses 3 bruca belegt. In Wol: hynden haben wir Wyszogradet und die wichtige Stadt Krzemieniec besetzt. Gleichzeitig ist unseze Kavallerie bis zum Fluffe Goryn vorgebrungen und hat die Städte Ostrogo, Bubryn und Derazno besetzt. In der Gegend nördlich vom Pripiet Gegen die Gewerkschaftsführer, die an der Einberufung der haben wir 2250 Gefangene gemacht und 27 Maschinengewehre ers beutet. Der feindliche Angriff auf Srunki füblich von Grobno ist Broteft verlammlungen gegen die Berlegung der ober blutig abgewiesen aurid. In diesem Abschnitt haben wir mehrere Dörfer einge fowebt beim interaliferien Sondergericht ein Berjabren

Ein merkwürdiges Gerichtsverfahren Beuthen, 23. Geptember.

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Sehr beachtlich erscheint mir auch, was Prof. Waldecker in Nr. 397 ber Bos. 3tg." gegen die Mietsteuer aus führt: Da ist zunächst einmal die große Frage, ob wirk­lich, wie jene offigiösen Auslassungen behaupten, die Be­

vom Reiche zur Berfügung gestellten Baukostenzuschüsse be­wedte Erfolg weiterhin fichergestellt werden könnte. Es fei baran erinnert, daß man den Weg der genossenschaftlichen Selbsthilfe der Interessenten, vielleicht auf öffentlich- recht licher Grundlage, noch garnicht in Erwägung gezogen zu haben scheint. Allerdings reicht dieses Problem erheblich weiter, als die wache Hilfe der Bautostenz­ich it se... An diesem Wege tönnen jedenfalls ganz an dere Mittel eridilpisen werden, als seither zur Verfügung