Cinzelpreis 20 Pfg. 3. Jahrgang

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Sonnabend, 25. September 1920 Nummer 403

Abend- Ausgabe

The rebelt erfcheint morgens und nachmittags, Countage und Montags w einmal Der Begngspreis beträgt bei freter Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,-. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Poft begug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband besogen für Deutschle nb und Defterreich 16,50 9., für das übrige Ausland 21,50 1. gaglich Baluta Arffchlag, per Brief für Deutschland und Desterreich 30,- 2. Bebabilen, Expedition und Bering: Berlin 62, Breite Straße 8-9.

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greiheis

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Ungarns Verschwörerpolitik

Unter französischem Protektorat Beschwörung der Korruption und des Zeitungslaufes No tein

( Eigene Drahtmelbung ber Freiheit")

Wien, 24. September. Die Wiener Arbeiter- Zeitung Bravo Bidu" und Bolagosfag" Jehen die Beröffentlichungen von Dokumenten der Wiener un garischen Gesandtschaft an das Ministerium des Auswärtigen in Budapest fort, aus denen hervorgeht, daß die Chrißlich- So­ziale Bazteitorrespondenz regelmäßige Monatss Fubventionen von der Gesandtschaft bezog, ebenso Offizierss blätters und organisationen ihre Weisungen und politischen Bas zolen von der Ungarischen Gesandtschaft erhielten. Die Gesandts schaft leugnet und erklären die Dokumente für gefälscht. Darauf wurde die Handschrift des Pressechefs, ber Gesandtschaft und amts liche Papiere in Photographie abgebrudt. Die Verwirrung im monarchistischen christlich- fozialen Lager ist ungeheuer. Weitere Lompromittierende Veröffentlichungen stehen bevor.

Die Arbeiterzeitung" veröffentlicht authentische Angaben über bie Berteilungsstärke ber Horthy Armee. Der Friedensvertrag erlaubt 35 000 Mann, die Horthy- Armee verfügt jeboch über 120 000. Große Truppenmassen find an der östers reichischen Grenze zusammengezogen. Die Jahrgänge 1894-1900 find vollständig mobilisiert, ältere Jahrgänge auf acht Wochen unter dem Vorwand des Gendarmeriedienstes eingezogen. Budapest trafen aus Baffau auf dem Donauweg sechs Schlepper mit franzöfifchem und teilweise beutschem Kriegsmaterial ein. Die Transporte gehen unter französischer Bebedung nach Ungarn. Horthy tauft in Desterreich, Jugoslawien und der Tschechoslowakei Ausrüstungen.

In

Dieser ungarischen Bolitik gegenüber erklärt der Außenminister Renner in Graz: Die ungarische Politit hat' immer Neigung Au Abenteuern und Experimenten. So war es unter der Rom munistenherrschaft, so ist es auch heute. Das reattionäre und monarchistische Ungarn will jeht Defterreich ins Schlepptan frem­der Intereffen nehmen und Desterreich in einen Krieg verwideln, um Ungarns alte Grenzen wiederherzustellen. Renner deutete an, daß die durch die Enthüllungen bekanntgewordenen Methoden der

Staat gefallen lassen könne.

Der englische Bergarbeiterkonflikt Erklärungen von Lloyd George und Smillie SN. London, 25. September.

Der Bergarbeiterführer Smillie eröffnete die geftrige Zusam mentunft, in welcher zuletzt beschlossen wurde, auf Grund des Ers fuchens von Lloyd George, die Streifankündigung um eine Woche hinauszuschieben, mit der Erklärung, daß die Bergarbeiter biesen Streit mit ehrlichem Widerwillen beginnen würden, weil fie feinerlei Berlangen trügen, ber Nation einen fo großen Schaden zuzufügen. Der ausführende Rat fönne aber nichts anderes tun, als seinen Anhängern zu befehlen, für den Streit einzutreten. Er fügte aber hinzu, daß Maßnahmen getroffen feien, durch die das Instandhalten der Rohlengruben ges sichert werde.

Blond George erklärte, daß bie Ankündigung Smillies file Millionen Menschen von schweren Folgen sein würden. Die Res gierung bebaure aufrichtig, baß die Bergarbeiter nicht dazu zu bes wegen gewesen seien, einen unparteiischen Gerichtshof anzunehmen und daß fie Gewaltmaßnahmen den Vorzug geben. Er jei davon überzeugt, daß sein Vorschlag einer Lohnerhöhung der von der Höhe der Erzeugung abhänge, nicht nur den Berg arbeitern das sicherstellen würde, was sie verlaugen, sondern daß fie auf diese Weise im allgemeinen mehr verdienen würden, als fie je durch den Streit erzielen tönnten. Die Regierung hat aber jedenfalls für den Fall eines Streites alles unternommen, baß es für das Land nicht zu Schwierigkeiten komme. Die Regier

rung halte die vorhandenen Kohlenvorräte für genügend und habe alle Transportmittel ficher gestellt. Weiter habe man, um vor­zubeugen, die Sommerzeit, die in der Nacht vom Sonntag zum Montag zu Ende gehe, um vier Wochen verlängert. Lloyd George erflärte zulegt, ihm sei eine Einigung lieber als ein Sieg, auch wenn es fich um einen Sieg der Regierung handele.

Bur Nachahmung empfohlen

Paris, 24. September.

Bie Intranfigeant mitteilt, haben die Syndikate ber Behrer in threr heutigen Sigung befchloffen, der Aufforderung ber Regierung, ihre Synbilate bis zum 80. September aufzulösen, nicht nachzukommen.

Die Ernährungswirtschaft

Die Darstellung des Ministers

Bon der Reichsfettstelle wird vorläufig eine tändige Schmalzreserve von 20 000 Tonnen gehalten. Aus ihr werden neben dem, was der Bevölkerung infolge Zulassung einer fontingentierten Einfuhr durch den freien Handel zur Ver fügung stehen wird, bie bisherigen Rationen auf dem üblichen Wege weiter ausgegeben werden. Die Res gierung wird. ihre weiteren Maßnahmen auf diesem Gebiet von der Entwicklung des nunmehr zugelassenen freien Handels ab­hängig machen.

An Kartoffeln steht aus den zwischen Erzeugern und Kom munalverbänden abgeschlossenen Lieferverträgen eine Reserve von 32 Millionen 3entnern zur Verfügung. Hierzu tritt die

Wie amtlich berichtet wird, nahm gestern der Wirtschafts= ausius des Reichskabinetts, bet unter dem Vorsitz des Reichswirtschaftsministers tagte, die Beratung des Wirts schaftsprogramms auf. An die Spize wurde die Erörterung Der Ernährungslage gestellt. Der Retchsernährungs­minister erging fich in längeren Ausführungen über dieses Thema. Er relapitulierte turz die Ernährungswirtschaft der letzten Jahre, die angebahnten Loderungen der Zwangswirtschaft, betonte, daß besonders für Getreide, Milch und 3uder die öffentliche noch unbedingt notwendig Bewirtschaftung durchführbar set und daß die Regierung hier die staatlichen Machtmittel mit um so größerer Schärfe zur Anwendung bringen 3entner bleiben nur unerheblich hinter der Menge zurüd, die im müsse. Die Regierung müsse auch auf anderen Gebieten, z. B. bei Kartoffeln und Fleisch, wo der freie Verkehr wieder hergestellt sei, die Preis- und Marktverhältnisse mit schärft er Aufmertfamteit beobachten und tatkräftig eingreifen, so­bald sich Stodungen und Mißstände in der Versorgung der Lebens­mittel ergeben. Der Minister appellierte an die verständnisvolle Busammenarbeit sämtlicher Boltstreife.

und

von der Reichstartoffelstelle sichergestellte Reichsreserve von 20 Millionen 3entnern. Diese mehr als 50 Millionen Borjahre von der öffentlichen Wirtschaft für die Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden konnte.

Margarine und Kunstspeisefeite wird der Bevölke rung im Wege des freien Handels in reichlicherem Maße als bis­her zugeführt werden.

Ueber die Brot- und Mehlversorgung wiederholte ber Minister, was wir an anderer Stelle mitteilen.

Der Wirtschaftsausschuß nahm von diesem Bericht des Reichs­ernährungsministers Kenntnis. Es bestand volle Ginmütig, ernährungsministers Kenntnis. Es bestand volle Einmütig des Getreides, der Milch, des Milchfettes and teit darüber, daß die öffentliche Bewirtschaftung des 3uders bis auf weiteres aufrecht erhalten werden müſſe. Es wurde zunächst beſchloſſen, die Kartoffelversorgung ber Bevölkerung in den Bergbaubezirken durch besondere Dispositionen

Labor Day"

in den Vereinigten Staaten

Bon B. Rudner.

Anfang September wird im ganzen Gebiet der amerikani schen Union der sogenannte Labor Day"( Tag der Arbeit) gefeiert, gefeiert bis auf den heutigen Tag.

Dem Labor Day" fäme eigentlich die Bedeutung unseres 1. Mai zu, an dem eine Heerschau des Proletariats statt. fände, die die Größe und Kraft der amerikanischen Arbeiter schaft veranschaulichen sollte; des weiteren müßte er dazu bienen, für die Forderungen an die bürgerliche Gesellschaft, zu demonstrieren.

Der amerikanische Labor Day" ist aber kein selbst errun­gener Tag der Arbeiter, sondern unter dem Köder der natio nalen Phrase ein ihnen zugeworfener Brocken, der lediglich dem einen 3wed dienen soll, sie von ihren wahren Klasseninter­effen abzulenten.

Der 1. Mai wird aber in den Vereinigten Staaten fast faum beachtet. Eine kleine Elite feiert in den Großstädten. In ber Montan- und Schwerindustrie ist der 1. Mai fast unbe fannt, der ja den Arbeitern von der ganzen fapitalistischen Presse als überflüssig hingestellt wird, überflüssig um so mehr, als sie ja ihren Arbeitertag haben, einen Feiertag, der den gleichen öden feuerwerksspettafelnden Inhalt hat, wie der Fourth July"( 4. Juli) der Feier" der Unabhängigkeit. Der ganze Tiefstand der amerikanischen Gewerschafter in ihrer Majorität fann nicht besser illustriert werden, als durch eine fleine Schilderung einer solchen Feier, die der Schreiber oft genug ,, das Vergnügen" hatte, mit anzusehen.

Der Labor Day ist nationaler Feiertag, dem auch die Kirche, ganz gleich welcher Couleur, ihren Segen gibt,

Für die sogenannten Arbeiterpolitiker, die um die Stimmen der Arbeiter buhlen, ist dies eine glänzende Gelegenheit, sich zeigen zu können, ihnen ihre Referenz zu erweisen und in der Bresse genannt zu werden. Und die Prominenten der Ges sellschaft, Bürgermeister, Pfaffen usw., hinwiederum nehmen an vielen Orten die Parade ab, und lassen sich nach schwung­vollen Reden anhochen.

Nun aber zum Labor Day selbst, der mehr einem Faschings umzug als einer Arbeiterdemonstration ähnlich sieht:

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Schon wochenlang vorher haben die vereinigten Körper schaften der Gewerkschaften alle Hände voll zu tun. Die Funktionäre werden ernannt. Da gibt es militärische Rang­stufen, u. a. auch einen Marschall. Desgleichen wird ein Heer führer gewählt. Truppenführer bekommen ihren Standplat und ihre Kompagnie zugewiesen. Musikkapellen en masse wirken mit. Beinahe jede Gewerkschaft hat ihre Musikkapelle. Pferde müssen besorgt werden! Wozu Pferde? Ja, zu einer echten Parade, die nach etwas aussehen soll, gehören eben Pferde, die von ernannten Funktionären geritten werden. Hunderte von Uniformen resp. gleiche Hüte, Kappen, Hemd­blusen, Gürtel, Stöde müssen ebenfalls her. Die Eisentons beren Farbe aber durchaus in feiner Beziehung zu einer struktionsarbeiter z. B. trugen immer gleich rote Hemden, etwaigen roten Gesinnung stand, sondern auf die mit rotem Bleiweiß angestrichenen Eisenteile vielleicht zurückzuführen ist?! Die einzelnen Gewerschaften müssen wieder Brauereien, Speditionsfirmen, Lastfuhrwerkbesizer usw. um Ueberlassung eines Wagens mit Gespann angehen. Diese Firmen sind sehr fonziliant und gewähren das beste Fuhrwert mit totem und lebendem Inventar. Die Wagen werden mit den Landess farben dekoriert, Fähnchen befestigt, geputzt, und geschniegelt, daß alles glänzt.

Endlich ist der große Tag da! Erst die unvermeidliche Hermandat, Trommelwirbel, Musik, der Führer der Heer­Hermandad, Trommelwirbel, Musit, der Führer der Heer­her die auf Schusters Rappen in Schritt und Tritt, und dann wieder Musik. Dann kommen die Fuhrleute mit ihren über und über geschmückten Wagen( eine billige Reklame für die Unternehmer) mit doppelter bis achtfacher Bespannung, die Wagen bemannt mit Mitgliedern, die aus Langeweile oft die Schnapsflasche herumgehen lassen, bis der Umzug beendet ist. In New York geht es durch die 5. Avenue, der Straße der Bourgeoisie.

Unseren klassenbewußten Genossen drüben ist diese Feier schon lange ein Dorn im Auge. Zum Beweise für die Schil­derung dieser Zeilen sollen aus der Feder eines amerikani­schen Genossen, der zur Ehre" des Tages seinerzeit einen Auffah in mehreren Parteiorganen veröffentlichte, folgendes wiedergegeben werden. Genosse Mc. Devitt schrieb u. a.:

In seinen weiteren Ausführung Schaffung ausreichen Mit teilungen von der beabsichtigten Re­terben von Lebensmitteln. Diese en badu bienen, etwaige Stodungen in der Bersorgung zu beseitigen und erforderlichenfalls Preisjentenb zu wirfen. Um 1 Ottober 1920, bem Tage bes Außertrafttretens der Fleischzwangswirtschaft, wird die Reichs­fleischstelle über mehr als 70 000 Tonnen Auslands. fleisch, Auslandssped und sonstiger Fleischwaren verfügen. Die Auslandsfleischreserve wird ständig auf 30 000 Tonnen erhalten werben, die für brei Monate bie Stop Der Betriche Ausgabe bisherige von 125 Gramm Fleisch auf den Kopf Bevölkerung in den großen Bedarfsgebieten für den Stotfall sicherstellen. Daneben schreibt eine am 19. September 1920 erlassene Verordnung die Genehmigungspflicht für das Gewerbe des Bieh­handels, den Schlußscheinzwang beim gewerblichen Vieh­handel, in gewissem Umfange die Genehmigungspflicht für das Fleischergewerbe und den Aushang der Kleinhandelspreise in den beringen innerhalb eines noch festzulegenden Rahmens bem effengemeinschaft von Kapital und Arbeit nachzuweisen, urd

Ladengeschäften vor.

der Reichstartoffelstelle über die Reichsreserve sicherzustellen. Bei ben weiteren Arbeiten des Ausschusses soll insbesondere versucht werden, die Wucherbekämpfung schärfer und wirkungs­werden, die Wucherbekämpfung schärfer und wirkungs voller au gestalten. Soweit die deutsche Ernährungswirtschaft auf Zufuhren aus dem Auslande angewiesen ist, kann sie nach Ansicht des Wirtschaftsausschusses nur unter nachhaltiger Mit­wirtung der alliterten und assozierten Mächte durchgeführt

werden.

Jm einzelnen beschloß der Ausschuß noch, zur Besserung der Ernährungslage vom 15. Dezember ab die Einfuhr von Salz

freien Handel zu überlassen. t

Labor Day" fieht einem 1. April, einem Narrentage, ähn licher, als einem Tage der triumphierenden Arbeiterschaft. Der fonventionelle Labor Day ist ein Tag des Kompromisses, des Masterade- und Versteckensspielens. Unter diesem Ge­ſichtswinkel erscheint dieser Tag nur als ein Fastnachtsspiel, in dem die Kapitalisten und ihre Handlanger mit Schmeiche leien und schönen Worten und allerlei Gaukelwerk den Lohn­Sklaven über die eigentlichen Ziele zu täuschen versuchen. Um diese Farce der Massentäuschung und des Masserbetruges vollkommen zu machen, erscheint schließlich noch der Pfaffe auf der Schaubühne, um aus der Heiligen Schrift die Inter

den Frieden zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten herzus