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Montag, 18. Oktober 1920 tag, 18. Oktob

Nummer 441

Abend- Ausgabe

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greiheis

Berliner Organ

Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Manifest an das deutsche Proletariat!

Die Entscheidung ist gefallen. Ein Teil der Delegierten zu dem vom Zentralfomitee der U. S. P. D. einberufenen Parteitag hat seinen Austritt aus der Partei vollzogen und ist in das kommunistische Lager übergegangen. Die revolutionäre Arbeiterbewegung ist durch diese Spal­tung für den Augenblid geschwächt worden. Statt 3u sammenfassung aller Kräfte im Kampf für die Eroberung der Macht und für die Verwirklichung des Sozialismus haben die Kommunisten unter dem Drud von außen die revolutio­näre Massenpartei des deutschen Proletariats zersetzt und ihre Kraft zersplittert. Die U. S. P. D. hat stets uner­Schütterlich und unter großen Opfern den

Kampf für die Grundsäge des revolutionären inters nationalen Sozialismus geführt.

Sie ist entstanden im Kampfe gegen die Preisgabe der sozia­liftischen Prinzipien durch die Reformsozialisten, und sie hat schon während des Krieges in Zimmerwald und Kienthal für eine Internationale der revolutionären Tat zur Beendigung des imperialistischen Krieges und zur Niederringung des Kapitalismus gewirkt.

Während der Revolution setzte sich die Partei ein für bie Diftatur des Proletariats bis zur endgültigen Sicherung der proletarischen Herrschaft und der Beseitigung aller poli­tischen und ökonomischen Machtpofitionen der Bourgeoisie.

Die Politik der U. S. P. D. wurde vereitelt durch die Rechtssozialisten.

Sie hielten an der Koalition mit dem Bürgertum feft, polis tisch, indem sie ihnen die Ministerien überließen, die sofortige Einberufung der Nationalversammlung forderten und der Ablösung der proletarischen Diktatur durch den bürgerlichen Parlamentarismus die Wege ebneten; ökonomisch, indem sie an Stelle der sofortigen Verwirklichung des Sozialismus in den entscheidenden Wirtschaftszweigen die Politik der Ar­beitsgemeinschaft mit dem kapitalistischen Unternehmertum fortsetten.

Auf der anderen Seite haben die Kommunisten in dieser Entwidlungszeit die gemeinsamen Aftionen des revo Lutionären Proletariats aus Eigensüchtelei durch die skla­vische Nachahmung russischer Methoden durchkreuzt und ge­schwächt. Die U. S. P. hat solchen sinnlosen Putschereien, hat fonfusen syndikalistischen und antiparlamentarischen Parolen stets ihre Politik der

Sammlung aller Energien der Arbeiterklasse zum Kampf für die Eroberung der politischen Macht ent­gegengestellt. Erfüllt von dem Bewußtsein, daß die Krise des Kapitalismus von der Arbeiterklasse zum revolu tionären Vorst ausgenutzt werden muß, aber auch im Besiz der marristischen Einsicht in die ökonomischen Be: dingungen des Kampfes, vertrat sie in jeder Phase der revo­lutionären Entwicklung das Gesamtinteresse der Bewegung gegenüber der rechtssozialistischen Kom promißpolitif wie gegenüber der kommunistischen Revolu tionsmache.

In diesem Kampfe wurde die U. S. P. zur revolutionären

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los ausgeübt werden könne, mußte die U. S. P. gespalten werden. Alle, die den kommunistischen Wahn erkannt hatten, die russischen Methoden auf Deutschland uneingeschränkt zu übertragen, mußten ferngehalten werden. Daher die Be­dingungen und Thesen der Moskauer Internationale, die die Spaltung der Arbeiterparteien forbert, um über den verbleibenden Rest uneingeschränkt herrschen zu können.

Die U. S. P. D. hätte mit der Annahme der 21 Bes dingungen nicht nur ihr Wesen geopfert, sondern auch die Zukunft der revolutionären Arbeiterbewegung in Deutschland.

Diese wäre rettungslos ausgeliefert worden den Bedürfnissen der russischen kommunistischen Partei. Die deutsche Arbeiters bewegung wäre das Objekt einer Hasard politik ge­worden, auf die sie keinen selbständigen Einfluß mehr gehabt

hätte.

Das durfte nicht geschehen und das wird nicht geschehen! Die U. G. P. D. bleibt bestehen als die deutsche revolutionäre, sozialistische Partei! Sie muß bestehen bleiben, weil nur sie imstande ist, die Aufgaben zu lösen, die die laffe stellt. revolutionäre Situation der Arbeiter.

Wir halten fest an unserem Leipziger Aftionsprogramm. Wir erstreben mit allen Mitteln die Eroberung der politischen Macht und ihre Behauptung durch die Dittatur des Proletariats. Wir führen den Kampf wei­ter gegen die rechtssozialistische Politif des Reformismus, der koalition mit den bür gerlichen Parteien und den Arbeitsgemein schaften mit dem Unternehmertum.

Wir lehnen es aber ab, die Arbeiterschaft mit täg­durch Täuschung über die wirklichen Machtverhältnisse un­lich wechselnden Parolen in neue Putsche hineinzuhehen und Teutschland einen harten und schweren Kampf gegen einen erfüllbare Jllusionen zu weden. Das Proletariat führt in gutgerüsteten, gutorganisierten, starken Gegner, der ihm einig und geschlossen entgegentritt.

In diesem Kampf lann die deutsche Arbeiterklasse nur den Sieg in einem zähen Ringen erobern, wenn sie selbst einig ist.

zentralen, voreilige Schaffung politischer Arbeiterräte und Geeint fann das Proletariat nicht werden durch Einigungs­andere Organisationsspielereien oder durch ausgeklügelte

Parolen. Einigfann das Proletariat nurwer den im revolutionären Kampf um 3iele, die aus seiner Klassenlage, aus seinem Klassenbewußtsein sich mit Notwendigkeit ergeben. Deshalb muß das Proletariat in den Kampf um fonkrete Ziele, die ihm reale Machterweite rung bringen, geführt werden. Nur in diesen Kämpfen, die mit zunehmender Energie, zunehmender Geschlossenheit und Einigkeit geführt werden müssen, werden die Massen zum Entscheidungskampf um die Eroberung der politischen Macht

Maſſenpartei und die Hoffnung war begründet, unter ihrer gesammelt werden. Im Vordergrund dieser Kämpfe muß

Fahne das gesamte Profetariat zu sammeln, zu einigen, und es so bereit zu machen für den Entscheidungskampf gegen den Kapitalismus.

In diesem Augenblid wurde die Partei überfallen. Die russischen Kommunisten fordern zu ihrer Unterstügung die sofortige Entfachung des Bürgerfrieges und der Revolution in allen Ländern, ohne Rücksicht auf die Verschiedenheit der ökonomischen und politischen Voraus­setzungen für das Proletariat ad ohne Rücksicht auf die Folgen. Die deutschen Kommunisten sind infolge ihrer Poli­tit einen einflußlose Sette geblieben, zu schwach, um als revolutionärer Stoßtrupp gebraucht zu werden. Deshalb sollten die Massen der U. S. P. D. unter die kommunistische Dittatur tommen. Damit aber diese Diktatur widerstands Halle, den 17. Oftober 1920.

aber immer die Verwirtligung des Sozialis

mus stehen.

Deshalb fordern wir in der gegenwärtigen Situation die proletarische Massenaktion zur sofortigen Jnangriff­nahme der Sozialisierung in den entscheidenden Wirts schaftszweigen, insbesondere den Kampf um die sofortige Sozialisierung im Bergbau.

Wir fordern angesichts der schweren ökonomischen Krise die Arbeiter und Angestellten auf zum Kampf um die Erwei terung der Rechte der Betriebsräte zur Er ringung der Produktionstontrolle.

Die wichtigste Aufgabe ist gegenwärtig der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Da die Arbeitslosigkeit die untrenn

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bare Begleiterscheinung des kapitalistischen Wirtschaftslebens ist, so ist die Verwirklichung des Sozialismus die wirksamste Hilfe für die Arbeitslosen.

Wir fordern das Verbot der Stillegung der Be triebe, ihre Fortführung zur Herstellung von Bes barfsgegenständen des Massentonsums.

Wir fordern zur Linderung der augenblidlichen Not a use reichende Arbeitsgelegenheit für die Arbeits­losen und burchgreifende Erhöhung der Unter­stügung bis zur Garantie des Éristenzminimums, das unter Mitwirtung der Gewerkschaften und Betriebsräte fest­zusetzen ist.

Unsere Vertreter in den Gemeinden müssen eine ener= gische Kommunalisierungspolitit betreiben, insbesondere eine sozialistische Wohnungspoli= tit, unterstützt durch eine Sozialisierung des Baugewerbes und der Bauhilfsindustrien und der Forsten.

Wir fordern die sofortige rücksichtslose Erhebung der Besiz- und Vermögenssteuern, die Durch­brechung der bürgerlichen Finanzpolitit durch die sofortige Sozialisierung der entscheidenden Produktionszweige. Wir fordern ausreichende soziale Fürsorge, insbesondere für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Arbeitsinvaliden und Altersrenter.

Forderungen des Proletariats eine Machtfrage ist, die nicht Die Partei ist sich bewußt, daß die Erfüllung aller dieser durch parlamentarische Entscheidungen gelöst werden kann. Die gesamte politische und ökonomische Macht der Arbeiters tlasse muß in diesen Kämpfen zur Anwendung gelangen. Deshalb müssen auch die ökonomischen Organisationen der Hand- und Kopfarbeiter mit revolutionärem Geist erfüllt den Gewerkschaften und Betriebsräten, unablässig die werden. Deshalb verpflichtet die Partei ihre Vertreter in Politit der Arbeitsgemeinschaften zu be= fämpfen. Sie lehnt alle paritätischen Selbstverwaltungs­förper ab und erblidt in einer von diesen getragenen Plan­wirtschaft" auf fapitalistischer Grundlage eine schädliche Illusion, die die Arbeiterklasse von dem Kampf um den So­zialismus ablenft. Gewertschaften und Betriebs­räte müssen sich vor allem als Organisation zur Verwirklichung des Sozialismus bes trachten. Die Gewerkschaften werden diese Aufgabe um so besser erfüllen, je mehr sie sich auch organisatorisch für die Kämpfe stärken. Deshalb unterstützen wir die Um wand­Iung der Gewerkschaften in Industrieorga= nisationen und lehnen jebe Berſplitterung

und Spaltung der Gewerkschaften auf natio­naler oder internationaler Basis mit aller Entschiedenheit ab.

Getreu ihrer bisherigen Haltung ruft die U. S. P. D. alle Arbeiter auf, fich im Kampf um sie zu scharen!

Die Entwicklung seit dem 9. November hat den Bankes rott des Reformsozialismus besiegelt. Seine

Politik hat der Bourgeoisie zur Herrschaft geholfen, das Pro= hat ebenfalls die Politit des wissenschaftlichen Sozialismus letariat gelähmt. Die fommunistische Partei aber aufgegeben und verfällt immer mehr dem Abenteurer. tum durch putschistische Aktionen von Minder­heiten, die Revolution erzwingen zu wollen. Diese Politik führt nur zur neuen Zersplitterung und zu gefährlichen Niederlagen.

Die U. S. P. D. ruft die Arbeiterklasse auf gegen den Opportunismus rechts und den Putschismus links zur Führung einer energischen Politik, die den Kampf um fon­frete Ziele der Arbeiterklasse steigert bis zur Entscheidung um den Besitz der politischen Macht.

Es lebe die Unabhängige Sozialdemokratie Deutschlands! Es lebe der internationale revolutionäre Sozialismus!

Das Zentralkomitee der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Vorsitzende: Crispien, Ledebour.

Zentralkomitee: Brühl, Dittmann, Künstler, Moses, Nemitz, Rosenfeld, Schneider, Math. Wurm und Zieh. Beirat: Dißmann, Donalies, Henke, Knauf, Kürbs, Lipinski, Ludwig, Sender,( Tony), Simon. Kontrollkommission: Agnes( Lore), Bock, Fuchs, Güth, Karsten, Schwarz, Wengels.