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3. Jahrgang

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Dienstag, 19. Oktober 1920

Nummer 442

Morgen- Ausgabe

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greiheit

Berliner Organ

ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Das Ringen der englischen Bergleute Das Ergebnis von Halle

Eine Solidaritätskundgebung

der U. S. P. D.

Der große Streit in England, der von der Gruben­arbeiterbewegung ausgegangen ist und bereits weitere Ins dustriezweige in feinen Kreis gezogen hat, ist von ungeheurer Bedeutung nicht nur für die fernere Gestaltung der wirt­schaftlichen und politischen Verhältnisse in England, sondern auch weit über die Grenzen des Inselreichs hinaus. Hier steht eine geschlossene, glänzend disziplinierte Arbeiterschaft mit flaren Kampfzielen der Regierung und dem Bürgertum gegenüber. Es ist noch nicht abzusehen, welche innerpoliti: schen Wirkungen, neben den rein wirtschaftlichen, von dieser Bewegung ausgehen, der die englische Regierung schärfste Gegenwehr angesagt. hat.

Die Bedeutung dieses gewaltigen Kampfes fand ihren Widerhall auf dem Parteitag der Unabhängigen Sozials demokratischen Partei Deutschlands. An seinem letzten Ber­handlungstage wurde folgende Sympathieresolution für die englischen Bergarbeiter beschlossen:

Der Parteitag der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands verfolgt mit gespanntem Interesse die Ent: widlung Eures großen Kampfes. Er entbietet Euch seine brüderliche Sympathie und die Versicherung seiner under­brüchlichen Solidarität.

loren hätten. Sie wären sich wohl bewußt, welche Opfer der Streit ihnen selbst, ihren Familien und der Allgemeinheit aufers legen würde, aber die Haltung der Regierung lase ihnen keinen anderen Ausweg.

Englisches Kohlenausfuhrverbot

Ueber die allgemeine Lage meldet Sollands Niewsbureau" aus London: Am Montag fand eine Konferenz zwischen dem Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei und den parlamentari­schen Arbeitervertretern statt. Man ist der Ansicht, daß sich mor­gen bei der Debatte im Unterhaus die friedliebenden Clemente geltend machen werden. Es heißt, die Regierung wünsche nichts sehnlicher als die Wiederaufnahme der Unterhand= lungen zu erleichtern. Man erwartet, daß Lloyd George morgen an der Debatte teilnehmen wird. Clynes erflärte, wenn beide Parteien zusammengebracht würden, sei ein Ueber­eintommen innerhalb einer Woche möglich. Bei allen Gewerk­schaften bestehe die Neigung, eine versöhnende Atmosphäre zu fchaffen.

,, Daily Chronicle", das Regierungsorgan, sagt: Bis jetzt haben die Bergarbeiter ihre Angelegenheit allein behandelt. Man hat die Vermittlung der anderen Organisationen nicht verlangt und fie sogar als unwillkommen angesehen. Die Entwicklung der Krise aber hat die Gemertschaften gezwungen, ihre passive Haltung aufzugeben und in den Vordergrund zu treten, um über den toten Buntt hinwegzuhelfen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß vor Ende der Woche neue Versuche gemacht werden, um die Kluft zwischen den Parteien zu überbrüden.

Die britische Gesandtschaft teilte dem holländischen Auswärtigen Amt mit, daß infolge des Kohlenarbeiterstreits tein Schiff gegeben, bie unentbehrliche Dienste Teifteten.

Hodges über den Bergarbeiterstreik Kohlen laben tönne. Bunterkohle werde nur denjenigen Schiffen

TU. London, 18. Oktober.

Der Führer der Rohlenarbeiter, Hodges, jandte der Bresse eine Mitteilung, in welcher er behauptet, die Saltung der Regierung habe den Kohlenarbeitern teine andere Alternative übrig gelassen. Er führt die langhingezogenen Verhandlungen als Beweis für den Wunsch der Arbeiter nach Frieden an und recht fertigt die Forderungen einer Lohnerhöhung mit den täglich steigenden Preisen aller Bedarfsartitel. Die Arbeiter fönnten fich nicht darauf einlassen, die Lohnfragen einem Schiedsspruch zu unterbreiten, das selbst bei voller Unparteilichkeit den Arbeitern feine Garantien bieten tönne. Tatsache sei eben, daß die Kohlen arbeiter jeg liches Vertrauen zu der Regierung ver

Die Wahlen in Desterreich

Am Sonntag fanden in Deutschösterreich die Parlaments­wahlen statt. Sie zeigten dieselbe Erscheinung, wie die Wahlen zum Deutschen Reichstag am 6. Juni. Obwohl das endgültige Ergebnis noch nicht vorliegt, steht doch schon fest, daß die sozialdemokratischen Stimmen zurückgegangen find. Auch in Desterreich fühlten sich nach der Revolution flein­bürgerliche Bevölkerungsschichten zur Sozialdemokratischen Partei hingezogen. Sie glaubten, daß nach dem Zusammen­bruch die Sozialdemokratie in der Lage sei, auf den Trüm­mern des Weltkrieges blühende Gärten zu errichten. Diese Wählerschichten wandten sich nun zum Tei Iwieder von der Sozialdemokratie ab, weil ihre Wünsche nicht in Erfüllung gingen. Sie glauben nunmehr, daß die bürgerlichen Par teien in der Lage sein könnten, die früheren gesegneten Zu­stände" wieder herzustellen. Auch diese Hoffnung wird sich sehr bald als ein Trugbild erweisen.

Einen großen Reinfall haben bei den Wahlen die Kom= munisten erlitten. In Wien, wo sie sich schon als die

Alleinherrscher betrachteten, brachten sie ganze 14 000 Stimmen auf. Es wird ihnen nicht gelingen, in ganz Defter reich auch nur ein Mandat zu erobern. Nach den bisherigen Feststellungen sind 51 Sozialdemokraten, 62 Christlichsoziale und 12 Großdeutsche gewählt. Die Sozialdemokratie, die in der Nationalversammlung die stärkste Partei war, ist damit

Smillies Haltung

London, 18. Oftobèr. Wie gemeldet wird, glauben die Bergleute imitande zu sein, ben Streit mindestens leds een lang durchzuführen. Smillie begründet jeine vor Abbruch der Berhandlungen eingenommene Saltung in einer Erflärung, in der es heißt, das Scheitern der Einigungsverhandlungen sei durch die Harts nädigteit der Regierung verschuldet, die doch eigentlich hätte wissen müssen, daß noch weitergehende Forde rungen begründet gewesen seien.

für sofortige Aufhebung der Ausweisungsverfügungen und für die Beseitigung der Gesezesbestimmungen Sorge zu tragen, auf Grund deren Ausländer als lästig" ausgewiesen werden können."

Damit hat die Unabhängige Fraktion zum Ausdruck ge­P. D. durch Sinowjew und Losowsky nach wie vor auf dem bracht, daß sie trog der wüsten Beschimpfungen der U.S. länder zu wahren und sie bereit ist, es für jeden Ausländer Standpunkt steht, daß das Asylrecht gegenüber jedem Aus­zu verlangen.

Sinowjew und Losowsky find als lästige Ausländer aus Preu­lassen und find unter Bewachung einiger Polizeibeamten gestellt. Ben ausgewiesen worden. Beide dürfen ihre Wohnung nicht ver­Ein telephonischer Verkehr mit der Außenwelt ist beiden nicht gestattet. Gegen die Ausweisungsverfügung haben sowohl Sinow­jem wie Losowsky Einspruch erhoben und Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld ihre Veriretung übertragen. Genosse Rosenfeld hat gestern mit den beteiligten Ministerien verhandelt, und wir erwarten bestimmt, daß die Regierung alle weiteren polizeilichen

Scherereien aufgibt und die Ausweisungsbefehle zurüdnimmt. Losowsky ist übrigens die Einreiseerlaubnis nach Italien nicht er­teilt. Er sowohl wie Sinowjem haben ohnedies die Absicht, so schnell wie möglich nach Rußland zurückzukehren.

Die bürgerliche Presse des In- und Auslandes hat den Verhandlungen unseres Halleschen Parteitages ein größeres Interesse entgegengebracht, als sie es sonst gegenüber den sozialdemokratischen Tagungen befundete. Maßgebend war hierbei weniger der grundsätzliche Inhalt der Auseinanders fegung, als die Erwartung, daß es zu einer Spaltung der Unabhängigen Sozialdemokratie, der revolutionären Partei des deutschen Proletariats fommen werde.

Die Mächte der bürgerlichen Reaktion sind auf ihre Rech nung gekommen. Das Werk der Parteizertrümmerung, das die verkappten Kommunisten seit Monaten in eifriger Minierarbeit in unserer Partei begonnen und durch die Ans nahme der 21 Punkte vollendet haben, fann das Bürgertumt aller Länder mit Freude und Genugtuung erfüllen. Genosse Longuet hatte vollkommen recht, als er in seiner Rebe auf dem Parteitag erklärte, auf diesem Kongreß werde es feine Sieger geben, aber wenn es zur Spaltung fäme, dann sei die deutsche Arbeiterklasse die Bes [ iegte.

Die Spaltung ist nun eine vollendete Tatsache ges worden. In unheilvoller Verblendung sind die Anhänger des Anschlusses an Moskau auch vor der Spaltung der Partei nicht zurückgeschredt. Sie wußten, daß die Annahme ihres Beschlusses die Spaltung der Partei bedeutete. Sie wußten, daß sie durch die bedingungslose Annahme der 21 Punkte den organisatorischen Zusammenhang mit der Partei lösten, da diese Punkte das Aufgehen der Unab­hängigen Sozialdemokratischen Partei in der Kommunistis schen Partei fordern und damit eine Gelbstaufgabe ber Partei bedeuten.

Die Minderheit des Parteitages hat es mit ihrem Ges wissen und mit ihrer Parteipflicht nicht zu vereinbaren ver mocht, den von ihr geforderten Selbstmord der Partei mite zumachen und die Massen der Parteigenossen, ohne deren vorherige Einwilligung einzuholen, auf dem Umwege über Mostau in die Reihen der Kommunistischen Partei hinein zu bugieren. Wäre die Frage vor dem Parteitage flar und offen so gestellt worden, daß es sich um die Ver schmelzung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei mit der Kommunistischen Partei handele, so hätten die Parteigenossen diese Frage mit der gebotenen Gründ lichkeit und Sachlichkeit prüfen können. Der Trick der Parteizertrümmerer bestand aber darin, daß sie die Massen der U. S. P. D., ohne daß diese sich dessen be­wußt waren, durch die Annahme der Anschluß­bedingungen über Nacht in Mitglieder der Kommunistischen Partei verwandeln wollten. Die Verhandlungen auf dem Parteitage, das Schreiben des Erefutinfomitees und die Er flärungen Sinomjews haben dieses unehrliche Spiel ent­hüllt. Und die Gegner des Anschlusses haben nur der elementarsten Pflicht der Selbsterhaltung der Partei Genüge getan, als sie durch die vom Genossen Crispien am Sonnabend verlesene Erflärung feststellten, daß jene Dele­gierten, die für die Resolution Däumig- Stoeder stimmten, aufgehört hatten, Mitglieder der U. G. P. D. zu sein.

Die Feststellung dieses Tatbestandes ist zunächst notwendig, um den organisatorischen Rahmen der U. S. P. zu um Wer mit der Resolution Däumig­Stoeder solidarisch ist, hat ebenso wie jene Delegierte, die auf diesem Barteitag für diese Resolution stimmten, aufgehört, Mits glied unserer Partei zu sein. Für ihn ist im

Rahmen unserer Organisation tein Raum. Er muß in Ez­füllung der 21 Punkte der Kommunistischen Partei beitreten, und feine noch so spitfindige Auslegung der 21 Punkte und fein talmudistischer Kommentar Sinowjews wird ihm das Recht verleihen, auch weiterhin den Namen der Unab hängigen Sozialdemokratie für die Zwede der Kommunisti

an zweiter Stelle gerüdt. In Wien haben die Sozials Schutz den Gehezten und Verfolgten fchen Partei zu mißbrauchen.

demokraten 28 Mandate erhalten( 3 verloren), die Christlich­sozialen 16 erhalten( 5 gewonnen), die Großdeutschen 5 er= halten( 1 gewonnen).

Genoffe Seliger gestorben

( Eigener Drahtbericht der Freiheit".) Zeplig, 18. Oftober.

Heute abend um 7 Uhr starb an den Folgen einer Blutver giftung der Vorsitzende der deutschen sozialdemokratischen Ars beiterpartei der Tschechoslowakischen Republit, Genosse Joseph Seliger, im 50. Lebensjahre.

Gegen die Ausweisung Sinowiews

Antrag der Unabhängigen Fraktion Die Unabhängige Fraktion des Reichstags hat folgenden schleunigen Antrag eingebracht:

Der Reichstag wolle beschließen, gegen die auf Beschluß der Reichsregierung erfolgte Ausweisung Einowjews und Losows­fys Protest zu erheben und die Reichsregierung zu ersuchen,

Eine Amnestieforderung der U. S. P. D.

Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei hat auf ihrem Parteitag in Halle am Sonntag folgende Resolution Barth­Rosenfeld einstimmig angenommen:

In der Erwägung, daß noch zahlreiche politische Gefan gene in Deutschland hinter Kertermauern jamachten, daß die blutbefledten Realtionäre Ungarns, Bolens and Ruh­lands hier angehindert für die Reaktion tätig sind, daß jedoch die Opfer des weißen Schrestens eller Länder von den deutsmen Schergen verfolgt, gehegt, ausgewiesen und ausgeliefert werben, beschließt der Parteitag ber u. S. B. D. in Halle im Of tober 1920, die Reichstagsfraktion zu beauftragen, mit aller Kraft darauf hinzuwirken, bak 1. eine Amnestie aller politischen Ge­fellt wird. Der Partditas erwartet von der Fraktion der fangenen, bak 2. bas Bijylrecht aller politischen Gefangenen sicher U. S. P. D., bak fie alles tun wird, um die Annahme dieser Ge­jege zu erzwingen. Allen hinter Kerfermauern schmachtenden Re­

volationären, sowie allen Gehegten politischen Flüchtlingen

entbietet der Parteitag feinen Gruß und verpflichtet die Parteis gensen, überall Untertügungsfommissionen ins Leben zu rufen, die sich aus Bertretern aller Arbeiterparteien zus jammenjehen."

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Ueber diese Feststellung hinaus, die für das Verhalten unserer Genossen in den Organisationen richtunggebend sein wird, bedeutet die Abspaltung der neukommunistischen Elemente von unserer Partei einen Vorgang von weit­tragender grundsätzlicher Bedeutung. Der Zwiespalt, der unsere Partei von Anbeginn en in ihrer Entwidlung hemmte, wird, nun durch das Ausscheiden der offenen und verkappten Kommunisten, denen die Partei nur ein schützen­des Dach und ein Objekt für ihre Minierarbeit war, aus der Welt geschafft werden. Alle jene Elemente, denen un fere Partei immer nur als Zielscheibe für. gehässige Angriffe und unwürdige Treibereien, als Rahmen für geheime Kon­Dentifel und kommunistische Zellen" mit beutlich aus­geprägtem Spaltungs charakter diente, können nun gemäß ihrer Ueberzeugung ihr Wirkungsfeld in die Reihen der Kommunistischen Partei verlegen. Unsere Partei, die fest auf dem Boden des Leipziger Aftionsprogramms steht schen Proletariats bewährt hat, wird durch das Ausscheiden und fich in den bisherigen Kämpfen als Führerin des deut

dieser Elemente nur an innerer Geschlossenheit und Aktions­fähigkeit gewinnen.

Gemiß ist es bebauerlich und niederdrüdend, daß diese Umgruppierung der proletarischen Kräfte, die mit einer