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Prefett cridhet morgrass

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3. Jahrgang

achmittags, Gommage and tags s einmal Der Bezugsprets beträgt bet freter Suftellung tas Bans Mr Gruh Berlin 10,- soraus jablbar, von der Spedittoon felbft abgebolt 8,50 9. Far Botte begug nehmen fämtliche Be ftanstalten Beftellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutfchic ad und Defterreich 16,50., für das übrige Auslano 21,50. pasiglich Baluta- Aufschlag. oz Brief für Deutschland und Defterrei 30,-, Bobaktion, Expedition and Berlag: Berita& Breite Straße a

Freitag, 22. Oktober 1920

Nummer 449

Abend- Ausgabe

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Freiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Klaffenkampf in England

Sympathiestreik der Eisenbahner Außerordentliche Kommission der Unabhängigen Arbeiterpartei

London, 21. Oktober.

Di Konferenz der Eisenbahner hat beschlossen, am Sontag um Mitternacht in den Streit zu treten, wenn nicht vorher die Verhandlungen zwischen der Regierung und Der Bergarbeitern wieder aufgenommen werden.

Es stellt sich immer deutlicher heraus, daß die Erregung iber Arbeiterschaft in England deswegen eine so große gewor iben ist, weil die Arbeiterschaft in der auffallend schroffen Hal­tung der Regierung bei den Verhandlungen, die dem Streit voraufgingen, und nach Streifbeginn eine Herausfors derung an die Arbeiterschaft sehen. Die Folge davon ist, daß die streifenden Bergarbeiter die na chdrücklichste Unterstützung in der gesamten Arbeiter Ilasse finden, eine Sympathie, die sich nicht nur auf Worte beschränkt, sondern bereit ist, die ganze Macht der Organisationen für den Erfolg einzulegen. Die Situation ist nicht unähnlich der Lage in Deutschland. Wie bei uns das Unternehmerthim auf eine Gelegenheit wartet, um durch einen starten Gd lag gegen eine der großen Gewerkschaften der gesamten Arbeiterschaft eine Niederlage beizubringen, so scheint die englische Bourgeoisie in diesem Konflikt mit den Bergarbeitern eine solche Gelegenheit ge= if unden zu haben, obwohl die Lage in England immerhin noch ein wenig gemildert ist durch die allgemein herrschen­den milderen politischen Eitten. Durch diese aber lassen sich die Arbeiter nicht täuschen. Sie sind willens, die Heraus forderung der Kapitalistentlasse anzunehmen. Die Nachricht, die gestern über Paris fam und etwas undeutlich Tiang, daß die Delegierten der Trade Unions der Regierung ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt habe mit der Drohung, sie würden den Generalstreit erilären, wenn die Forderungen der Bergarbeiter bis dahin nicht erfüllt fein würden, wird durch eine Privatmeroung aus dem Haag bestätigt. Einzelheiten darüber fehlen, allerdings noch. Der Nationalrat der Unabhängigen englischen Arbeiterpartei betrachtet die age ebenfalls als fri­tisch. Er hat erflärt, daß er in der Haltung der englischen Regierung gegenüber den Grubenarbeitern eine ernste Her= ausforderung der ganzen Arbeiterbewe= gung erblidt. Der Nationalrat hat die Korporationen der Arbeiterbewegung aufgefordert, sofort eine außer ordentliche Kommission sämtlicher angeschlossenen Verbände zusammenzubenufen, damit jeder Schritt unter nommen werden kann, der nötig ist, um den plötzlich auf­getauchten ernsten Echwierigkeiten zu begegnen.

Die ernsteste Warnung an die bürgerlichen Klassen aber dürfte die oben wiedergegebene Meldung von dem Streif= beschluß der Eisenbahner sein. Auf der Konfe­

Staatsarbeiterstreik in Bremen

( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".). Bir emen, 22. Oftober.

Da der Senat und der Schlichtungsaussdjuß die Lohnforde= tungen der Staatsarbeiter rundweg ablehnten, bes schloß gestern abend eine stark besuchte Bersammlung der Staats­arbeiter mit 2413 gegen 111 Stimmen ben Streit. Heute morgen um 8 Uhr verliehen sämtliche Etaatsarbeiter die Betriebe. Die Notstandsarbeiten werden ausgeführt. Die vom Strom abhängige Industrie feiert. Der Straßenbahnbetrieb ruht, dess gleichen das Gas- und Wasserwert. Die Zeitungen erscheinen heute nicht. Die Arbeiterschaft der Großbetriebe hat einmütig den Beschluß gefaßt, bei eventueller Herstellung des Stromes durch die Technische Nothie nicht zu arbeiten. Die Bremische Bürgerschaft wird heute nachmittag zufolge eines Dring­lichkeitsantrages der U. S. P- Fration, welche geschlossen zur Richtung Crispien- Ledebour steht, zu der Lage Stel­lung nehmen. Es handelt sich um einen rein wirts Ichaftlichen Streit. Die Staatsarbeiter lehnen es trift ab, sich durch die Berführungsparolen der Alts und Neukommunisten, welche die Forderung der politischen Arbeiterräte und bes Regierungssturzes in die Massen werfen, um die Früchte ihres Lohnfampfes prellen zu lassen.

Bremen, 21. Oktober.

Die Forderung einer Kommission der Arbeiterschaft, welche heute bormittag dem Senat überbracht wurde, die 12-14 000 durch die Betriebsschlichung betroffenen Arbeiter für den Lohnausfall zu entschädigen, ist unter Hinweis darauf, daß beim Wiederantritt der streitenden Heizer die Arbeit überall sofort wieder aufgenom men werden fönne, abgelehnt worden. Die Straßenbahn hat den Betrieb eingestellt.

renz der Eisenbahner war ebenfalls eine Strömung gegen den sofortigen Eisenbahnerstreit vorhanden, aber sie ist, wenn diese Meldung zutrifft, was sehr wahrscheinlich ist, unterlegen. Diese Richtung erflärte einen Eisenbahner­streif für verfrüht, da innerhalb eines oder zweier Tage ein Schritt zur Anbahnung neuer Berhandlungen zu erwarten sei. Die andere Auffassung argumentierte fehr glücklich damit, daß der Kohlenmangel ohnehin sehr schnell zu einer Einschränkung des Eisenbahnver fehrs führen werde, so daß es besser wäre, sich dem Streif sofort anzuschließen, um dadurch eine schnelle und erfolgreiche Beilegung zu erzielen.

Zu alledem fommt, daß immer größere Scharen von Ar­beitern durch Stillegung von Betrieben in die Bewegung hineingezogen werden, eine Erscheinung, die die Erregung in der Arbeiterschaft selbstverständlich nicht mindert. So soll die Zahl der durch den Kohlenstreit arbeitslos gewordenen Seeleute gestern bereits hunderttasend betragen haben.

Wie diese überraschend schnelle Ausdehnung des Streifs und das willensträftige Zusammenstehen der gesamten Ar­beiterklasse auf die bürgerlichen Klassen und ihre Regierung wirft, ist noch nicht zu übersehen. Hartnädig wird in den Meldungen über die Auffassung der Regierung wiederholt, die Regierung sei bereit, mit den Bergleuten erneut in Ver­handlungen zu treten, sofern diese grundsätzlich damit ein­verstanden sind, daß eine Lohnerhöhung von der Zunahme der Produktion abhängig gemacht werde. Das würde be­deuten, daß die Regierung einstweilen bei ihrem Standpuntt beharrt, die man, wenn man sie von allem drum und dran befreit, als eine schroffe Ablehnung der Bergarbeiterforderungen bezeichnen fann.

Eine bisher unbestätigte Meldung besagt, daß ich die Kohlenarbeiter in Frankreich ernsthaft mit der Frage einer Sympathie bewegung für die englischen Bergleute be­schäftigen. Die französischen Bergarbeiter verbinden mit dieser Be­wegung eigene Lohnforderungen in Höhe von 4 bis 5 Franken Zulage pro Tag.

Der Deutsche Bergarbeiterverband hat an die fämpfenden eng lischen Grubenarbeiter nach dem Vorwärts" folgendes Teles gramm gerichtet: " In Eurem schweren Kampf wünscht Euch guten und raschen Erfolg der Deutsche Bergarbeiter- Verband.

Sajemann, Borsigender."

Bergarbeiterkonferenz

London, 22. Oftober.

Eine Glasgower Meldung besagt, die Führer der Berg arbeiter seien aus den verschiedenen Distrikten nach London mittag eine Konferenz stattfinden wird. zurüdberufen worden. Es wird erwartet, daß Freitag nach

Der Frieden im Osten

Warschau, 22. Oftober.( Savas.) Die Kommiffion des polnischen Landtages für auswärtige Angelegenheiten prüfte gestern das in Riga unterzeichnete Waffenstillstands- und Friedensablommen. Die Regierung wird heute dem Bandtage eine Vorlage unterbreiten zur Ratifizierung dieses Uebereinkommens. Die Frage Wilna wird heute nicht zur Erörterung gelangen.

Polen und Litanon

London, 22. Oftober.( Reuter.)

Die polnische Antwort auf die englisch- französische Note gibt dem Bedauern Ausdruck über das Vorgehen der Truppen, die Wilna besetzt haben und dadurch dem Wunsche der polnischen Regierung, die Streitfrage mit Litauen auf fried lichem Wege zu lösen, in den Weg getreten sind. Die Note besagt weiter, Polen sei entschlossen, dem Wunsche des Bölterbundes nachzukommen und sei bereit, den Versuch, die Wilnafrage auf der Grundlage unparteiischer Gerichtsbarkeit zu regeln, zu unterstützen.

Seligers Bestattung

Teplit, 21. Oftober. Unter ungeheurer Beteiligung der organisierten Arbeiterschaft, aber auch der Bürgerschaft von Teplitz fand heute das Leichen­begängnis Josef Seligers, des Führers der deutschen Arbeiter. bewegung in der Tschechoslowakischen Republit statt. An dem Leichenbegängnis nahmen außer den deutschen auch tschechische Politiker teil. Am Grabe hielten u. a. der Präsident der Natio­nalversammlung Tomaset, der Führer der tschechischen Sozials demokratie Nemec und der Führer des linken Flügels der sozial­bemplratischen Partet Emera I Ansprachen.

Sozialisierung und Klaffenkampf

In einer furzen Betrachtung über den Parteitag in Kassel haben wir schon einmal die Bemerkung gemacht, es habe einen doppeldeutigen Sinn, wenn die rechts­Sozialistische Partei beteuert, sie stehe auf dem Boden der Verfassung. Damit wird nicht allein gesagt, daß die Kasseler feine Monarchisten, sondern bereit sind, die republikanische Verfassung zu schützen. Diese oft und mit Pathos gebrauchte Wendung bedeutet zugleich, daß die Politit der Partei sich jedem revolutionären Vorwärtsschreiten über die Weimarer Verfassung, für die sie mit verantwortlich zeichnet, hinaus zum Sozialismus widersetzt oder doch zum mindesten nur mit Widerstreben anschließt. Wie einst im November! Das Verlassen der verfassungsmäßigen Bahnen erscheint den Scheidemännnern und Co. vor allem aber bei der Auswahl der Kampfesmittel der Arbeiterklasse in ihrem Ringen um den Sozialismus bedenklich und nicht rat­sam, wenn nicht gar unerlaubt. Der Verlauf des Kasseler Parteitages hat das von neuem erkennen lassen. In seinem Mittelpunkt stand wohl die Wirtschafts debatte, das Duell Wissell- Schmidt, bei dem nur Schmidt don Sekundanten unterstützt wurde, während Wissell allein auf weiter Flur fämpfte. Es ging um die Frage der Plan­wirtschaft oder etwas anderes, was nicht so genau gekenn zeichnet wurde. Immerhin führte die nicht uninteressante Auseinandersetzung zu einem fonfreten Resolutions. ergebnis: Der Parteitag entschied sich in der aktuellen Frage der Sozialisierung der Kohlenwirtschaft für den die Sofortige Bollsozialisierung fordernden Vorschlag I der Sozialisierungstommission und versprach, die Sozialisierung überall dort tatkräftig zu fördern", wo die Voraussetzungen gegeben sind.

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Wissell wurde geschlagen. Das war nicht anders möglich. Die Entscheidung des Parteitages ist teine positive Leistung für den Sozialismus, sondern zunächst nur eine brennend notwendige Aftion zur Erhaltung der sozialistischen Reputation der Partei oder des Restes ihrer Re­putation. Wie man will. Wissells Planwirtschaft, mit der wir uns mehrfach beschäftigt haben, ist nicht nur unsozia­listisch, sondern geradezu antifozialistisch. Schmidt fagte feinem Gegnet, daß man sich gegen die Planwirtschaft gewehrt habe, um nicht den Vorwurf zu verdienen, man habe zur Befestigung des Kapitalismus beigetragen. Bauer glaubte Wissell daran erinnern zu müssen, daß er sein System empfohlen habe, weil es geeignet sei, die Go­zialisierung überflüssig zu machen. Und der ,, Vorwärts", der bis dahin den Wissellschen Plänen sehr ge­wogen war, schrieb in den Kongreßtagen, Wissell komme von der Idee der Planwirtschaft aus. dazu, auf die Ausschaltung des Kapitals zu verzichten, selbst dort, wo sie möglich ist. Aus diesem scharfen Kampfe gegen Wissell geht hervor, daß er, der wo er ging und stand Planwirtschaft predigte, der Partei unbequem geworden war. Man mußte endlich in der Oeffentlichkeit und vor allem bei der Arbeiterschaft die Vorstellung zerstreuen, die Konstruktionen Wissells, der auf tausend Kongressen als wirtschaftlicher Referent und erster Sachverständiger erschien, seien die wirtschaftliche Theorie der Partei. Die Planwirtschaft anerkennen, heißt den So­zialismus aufgeben. Das ging nicht so weiter, und darum mußte die scharfe Absage fallen.

Wir haben nachgewiesen, daß Wissells Planwirtschaft nicht nur eine für den Sozialismus gefährliche ökonomische Wahn vorstellung ist, sondern zugleich Ausgangspunkt einer Politik der Gemeinsamteit von Kapital und Arbeit. Wissell will die Gesellschaft zu einer einzigen großen Ar­beitsgemeinschaft" ausbauen. Er gebraucht dieses Wort selbst, und wir wiederholen es, weil sich die Arbeiterschaft, die jene anderen in den Novembertagen 1918 entstandenen und vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes heute noch gepflegten Arbeitsgemeinschaften fennt und zu be urteilen weiß, durch einen Vergleich zwischen ihnen und den Konstruktionen Wissells am besten eine Vorstellung machen fann vom Wesen und von den Wirkungen der sogenannten Planwirtschaft. Die Verwandtschaft zwischen beiden Erscheinungen besteht nicht nur im Wort, sondern in der Tat. Wissells Borschläge laufen hinaus auf eine Zusammenkoppe lung der beiden im fapitalistischen Produktionsprozeß gegeneinander wirkenden sozialen Fattoren: Bours goisie und Proletariat, für die er ein gemein­james Interesse erfindet, das in der Steigerung der Produktivität bestehen soll. Genau so haben es die Gewerkschaften in den Arbeitsgemeinschaften bereits in die Praris umzusetzen versucht, nur daß die planwirtschaft­lichen Körperschaften Wissells mit weit größeren und damit schädlicheren Befugnissen ausgerüstet sein sollen als die bestel enden Arbeitsgemeinschaften. Wenn sie bisher fümmerliche, nahezu bedeutungslose Gebilde geblieben sind, so darum, weil sich allen Arbeitsgemeinschaften zum Troh der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit beständig durchsetzt. Wenn wirklich ein gemeinsames Interesse an der Ergiebigs feit der Arbeit besteht, so sind um so weniger gemeinsam die Mittel, mit denen dieses wünschenswerte Ziel erstrebt wird. Die eine Seite, die Unternehmertlasse, will