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Einzelpreis 20 Pfg. 3. Jahrgang

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Dienstag, 26. Oktober 1920

Nummer 455

Abend- Ausgabe

Ste echtgefpaftene Ronparelleseffe aber beren Raum koftet 5,-. einschließlic Teuerungszufchlag. Kleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort 2,-, jedes weiters Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszufchlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Befuche Wort Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 M., jebes weitere Wort 1,- Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4510 4603, 4635, 4648, 4921

greiheit

Berliner Organ

Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Ein Erfolg der englischen Bergarbeiter

Die Lohnerhöhung zugestanden

Nach einer Meldung aus London soll bei den Be­sprechungen zwischen den Regierungsvertretern und den Bergarbeiterführern eine Einigung auf folgende drei Punkte zustande gekommen sein.

1. Die Bergarbeiter erhalten die geforderte Lohus erhöhung und verpflichten sich,

2. für eine Erhöhung der Rohlenprobuftion mu forgen,

3. wird die Regierung für Verbesserung der Berge werksbetriebe Gorge tragen.

Diese Bedingungen würden einen bedeutenden Erfolg der Bergarbeiter darstellen. Sie sollen am heutigen Nach mittag im Vollzugsausschuß der Bergarbeiter zur Beratung tommen; die Regierung hofft, daß sie endgültig angenom­

men werden.

London, 26. Oktober.

Vor der Wiederaufnahme der Besprechungen zwischen der Res gierung und den Bertretern der Berglente hielten die Minister eine Konferenz mit den amtlichen Sachverständigen ab. Gemäß den Bedingungen des neuen Angebots sollen den Bergleuten die verlangten 2 Shilling Lohn mehr zugestanden werden. Das Abkommen würde aber gleichzeitig eine erhebliche Steigerung der Förderung sicherstellen.

Die Streikverluste Englands

TU. London, 26. Oftober. Die britische Nation hat durch den Ausstand der Bergleute bereits vier Millionen 15 000 Tonnen Kohle eingebüßt. Die Ge samtlohneinbuße der Grubenarbeiter beläuft sich auf 5 400 000 Pfund Sterling. Mindestens 220 000 Arbeiter anderer Industrien find zur Zeit beschäftigungslos.

Die Aussprache über das Notgesetz

SN. London, 26. Oftober.

Im Unterhaus wurde gestern mit der Aussprache über das Not­standsgesetz begonnen. Die Bertreter der Arbeiterpartei wiesen auf die Möglichkeit hin, daß der Streit sehr schnell beendet sein fönnte und protestierten gegen die Beratung. Bonar Lam er­widerte jedoch, das Gesetz bedeute durchaus teinen Angriff auf die Gewertschaften und solle nur bei unerwarteten Ereignissen zur Anwendung gelangen. Die Regierung brauche besondere Macht befugnisse, wenn das heute noch in Wirksamkeit befindliche Gesez der nationalen Verteidigung einmal nicht mehr bestehe. Ueber die Verhandlungen fönne im jezigen Stadium

Die Reaktion in Bayern ( Eigener Drahtbericht der Freiheit".)

München, 26. Oftober.

Dienstag früh wurde Genosse Auwed wegen Hochverrats und Aufreizung zum Klaffenhaß verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Auwed hatte am 20. Oftober in einer Mitglieder­versammlung in München gesprochen und gestern abend in der Funktionärversammlung der U. S. P. München über den Partei­tag in Halle Bericht erstattet. Es ist anzunehmen, daß einer der Spigel des Münchener Polizeipräsidenten Böhner über die Ver­sammlungsrede und den Parteitagsbericht Auweds Meldung er stattet hat und daraufhin wegen irgendeiner Aeußerung heute morgen die Verhaftung erfolgte. Näheres ist noch nicht bekannt.

Ein Schiebertrick

Durch die Enthüllungen über sein Berhalten im Fall Auguftin ist der Reichsernährungsminister Hermes außerordentlich schwer belastet. So schwer, daß ihn auch die Erklärungen feiner Ministerkollegen in den Augen der Deffentlichkeit nicht haben entlasten tönnen. Ihm nahestehende Blätter versuchen nun, Sers mes dadurch aus der Schlinge zu befreien, daß sie nach dem Beis Ipiel des verfolgten Diebes rufen: Haltet den Dieb!" In einer

Don

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einer Korrespondenz vertriebenen Mitteilung wird der Staatsjefretär Ramm im preußischen Landwirtschaftsministes rium und in Verbindung damit der preußische Landwirtschaftss minister Braun bezichtigt, von der Bestechlichkeit Augustins lange vorher gewußt und geschwiegen zu haben. Die Germania", die bei unseren Enthüllungen über Hermes Werbegang als Minister sehr schweigsam geworden war, benutzt diese Mitteilungen, um sowohl den Staatssekretär Ramm, als auch den Landwirtschaftsminister Braun ber Pflichtvergessenheit zu zeihen. Aus einer Er!! ä. rung aber, bie der Staatssekretär Ramm zu diesen Beschuldis gungen abgegeben hat, geht einwandfrei hervor, daß Ramm in bem Augenblid, in dem er von der Bestechlichkeit Augustins er

nichts bekannt gegeben werden. Ein Mißerfolg fei noch immer nicht gänzlich ausgeschlossen. Thomas bemerkte, daß die Annahme des Rotstandsgefeges bei den Bergarbeitern eine schlimme Wir tung auslösen würde. Der Führer der Arbeiterpartei Adamson trat für die Verwerfung des Gesetzes ein.

Die Solidarität der Arbeiter

TU. Paris, 26. Oftober. Nach einer Meldung bes Matin" aus Marseille fonnte der Dampfer Itlebothen", der eine gemischte Ladung aus den Verbandsländern nach der Krim bringen sollte, den Hafen nicht verlassen, weil die Besatzung die Ausladung der für General Wrangel bestimmten Munition, die sich unter der Ladung bes findet, verlangte

Das ganze Unternehmen des Generals Wrangel hängt von der Unterstügung ab, die ihm Frankreich gewährt. Segt unter der dortigen Arbeiterschaft eine Gegenbewegung ein, wird die Herstellung und der Transport von Munition für Wrangel verweigert, dann wird das Abenteuer in der Krim sehr schnell zusammenbrechen: Die französische Arbeiterklasse fann den Kampf gegen den Imperialismus nur erfolgreich führen, wenn fie einig und gefchloffen auftritt. In bem aber die Mostauer Internationale die Arbeiterklasse in allen Ländern zerspaltet, hemmt sie die proletarische At­tion zur Abwehr ber fonterrevolutionären Angriffe auf Sowjet- Rußland und schädigt damit also nicht nur die Ar beiterbewegung in den einzelnen Ländern, sondern sie fügt auch Rußland den erdenklich größten Schaden zu.

Entente- Ultimatum an Ungarn Ungesäumte Abrüstung gefordert

TU. Wien, 26. Oftober.

Nach Meldungen aus Budapest hat die Note der Entente an bie ungarische Regierung zweds Ratifizierung des Friedensvers trages von Trianon am 1. November den Charakter eines UI. timatums. In der Note wird ausgeführt: Die ungarische Re gierung habe ich bisher außerstande gezeigt, die militäris

en Kräfte des Landes in Einklang mit den Bedingungen des Friedensvertrages zu bringen. Die Note erwähnt auch die vorige Woche in der ungarischen Nationalversammlung erörterte Affäre Sandau, ferner die Mihhandlung des rumänischen Obersten Popescu und fordert ungefäumte brüstung ber ungarischen Armee. Die ungarische Regierung wird unter Berufung auf technische Schwierigkeiten um einen furzen Aufschub der Frist vom 1. November erjuchen.

fuhr, an Hermes herangetreten ist und ein Einschreiten gegen Augustin verlangt hat. Daraufhin ist aber auf Beranlassung von

Oberschlesische Autonomie

An den Straßeneden fleben seit einiger Zeit grellfarbige Platate, scheußliche Farbentlecsereien, die den von den Polen. beabsichtigten Raub Oberschlesiens darstellen sollen. Es muß gesagt werden, daß diese widerlichen Veröffentlichungen nicht nur ein Attentat auf den Geschmad darstellen, sondern daß sie eine ebenso einfältige wie furzsichtige Propaganda für deutsche Art" sind.

Wer ist dafür verantwortlich? Sat man diese Finnlosen und verlogenen Bilderbogen auch in Oberschlesien anschlagen lassen? Wir wissen, wie die von der polnischen Bourgeoisie ausgeübte Herrschaft beschaffen ist, und die So­zialdemokraten in den von Deutschland abgetrennten Ges bieten bekommen die ganze Brutalität beider zur Macht ge langten rüdständigen tapitalistischen Kreise zu spüren. Ist es aber darum nötig, alle Polen als Räuber und Diebes gesellen abzumalen? Nein, mit solchen Platatmethoden wird man ebensowenig Freunde unter den polnisch sprechen­den Oberschlesiern wie unter den objektiv urteilenden deutschen Arbeitern werben tönnen.

Auch nicht mit jener Art, die fürzlich der Reftor der Breslauer Universität in einer öffentlichen Kund­gebung anzuwenden beliebt hat. Es wird dort von den früheren Kriegsgegnern Deutschlands behauptet, daß sie die Welt mit Gewalt und Unrecht überschwemmen und dann drohend daran erinnert, daß die Befreiung Europas von dem Gewaltmenschen Napoleon von Schlesien ausgegangen fei. Um die oberschlesischen Polen noch mehr zu reizen, wird ihnen gesagt, daß der Aufbau des schlesischen Reichtums ausschließlich deutsche Tat und Leistung" gewesen sei. Und zum Schluß der Rundgebung heißt es: Die Universität Breslau, deren Aufgabe es ist, die Wahrheit zu suchen und für das Recht zu streiten, erhebt Einspruch gegen das Vers brechen, das in Oberschlesien geschehen soll."

Das Verbrechen", das jetzt in Oberschlesien begangen werden soll, ist dasselbe, das die deutschen Macht. haber Jahrzehntelang an der Bevölkerung in den Fremds Sprachengebieten Deutschlands geübt haben und das dazu führte, daß diefe uns jetzt verlorengegangen sind. Es sind dieselben Verbrechen, die die deutsche Regierung während des ganzen Krieges hundertfach überall dort begangen hat, wo der deutsche Militarismus fiegreich war. Hat die Bress lauer Universität, haben die Professoren der anderen deutschen Hochschulen je Einspruch in die Herrschaft der Ges walt dann erhoben, wenn sie von der deutschen Bour geoisie ausgeübt wurde?

Nun hat auch die Reichsregierung wieder ein Wort zur oberschlesischen Frage gesagt. An zwei Tagen der vorigen Woche wurde im Ausschuß für auswärtige An gelegenheiten über die Gewährung der bundesstaatlichen dieser Verhandlungen wurde bekanntgegeben, daß demnächst Autonomie für Oberschlesien verhandelt. Als Ergebnis ein Gesetz eingebracht werden solle, das in Oberschlesien nach dessen Entscheidung für Deutschland die volle bundes Staatliche Autonomie einführt, wenn die oberschlesische Be völkerung fich für diese Autonomie erklärt.

Die Annahme des Gesetzes im Reichstag ist nach den

Hermes der Staatssekretär Huber zu Ramm gekommen und hat Berhandlungen des Ausschusses und den von den Ver

Ramm gebeten, im Fall Augustin Milde walten lassen zu wollen. Ramm hat dieses Verlangen aber entschieden ab. gelehnt.

Die ganze Veröffentlichung entpuppt sich demnach als ein ge­wöhnliches Manöver zur Jrreführung der öffentlichen Meinung. dessen innere Motive durchaus flar sind.

Imperialismus oder Vandalismus?

Die Sumanité" gibt in ihrer geftrigen Ausgabe die Aeußerung eines Ingenieurs Ripert wieder, der aus Deutsch­land zurüdgelehrt und sich über die Frage der Dieselmotoren aus­gesprochen hat. Die Beseitigung der Dieselmotoren werde für Deutschland den materiellen Zusammenbruch bedenten. Der Dieselmotor sei der wirtschaftlichste Erzeuger von Kraft. Es han­dele sich hier um eine große deutsche Erfindung. Nicht nur Deutschland, sondern die gesamte Welt tönnte von dieser Er findung die vollkommene Umgestaltung des Eisenbahnbetriebes erwarten. Ripert erinnert mit Jronie daran, daß es schlechte Franzosen gegeben habe, die diese Motoren schon in Deutschland getauft hätten. 1914 hätten die französischen Unterseeboote ihre Dieselmotoren von Nürnberg erwartet. Könne man nicht, da man die Fabrikation nicht improvisteren fönne, den Gedanken des Herrn de Dion wieder aufnehmen? Es genüge nicht, den fremden Import zu verbieten. Gehe man doch zu den Konkurrenten und mache ihre Maschinen taputt. Das wäre entscheidend und logisch. Er sagt auch, es sei ein Vorwand, wenn man behaupte, daß die Dieselmotoren während des Krieges von den deutschen Untersee­booten benutzt worden seien. Diese Motoren würden auch für friedliche Arbeit verwendet. Der Artifet trägt die Ueber­schrift: Imperialistischer Bandalismus.

tretern sämtlicher Parteien abgegebenen Erklärungen ge sichert. Die deutsche Regierung tommt damit nicht nur um einen Posttag, sondern um reichlich drei Monate zu Spät. Schon am 14. Juli ist ein polnischer Verfassungs Schlesien genannt wird, die Stellung einer besonderen Won­entwurf herausgegeben worden, der Oberschlesien, das dort wodschaft verspricht. Dieses polnische Versprechen gibt den Oberschlesiern weniger, als das Versprechen, das jetzt von

deutscher Seite abgegeben wird. Fällt Oberschlesien an

Polen, so wird es eine autonome Provinz mit einem von der Warschauer Regierung bestimmten Statthalter an der Spitze. Bleibt es bei Deutschland, so fann es, wenn die Ber pölferung darnach verlangt, ein selbständiger Bundesstaat im Rahmen des Reiches bleiben mit eigenem Parlament und mit eigenem Beamtenkörper.

Wer in diesem Wettstreit um die Gunst der Oberschlefter Sieger bleiben wird, ist nach wie vor recht ungewiß. Auch len, und daneben machen sie alle Anstrengungen, um die die Polen lassent es an nationalistischer Verhegung nicht feh Abstimmung, die nun bald erfolgen muß, in ihrem Sinn zu beeinflussen. Sie verlangen von den Alliierten, daß niemand an der Abstimmung teilnehmen darf, der nicht feinen Wohnsitz in Oberschlesien hat. Die 250 000 bis aber im Reich wohnen, sollen also nicht abstimmen dürfen. 300 000 Oberschlesier, die in Oberschlesien geboren sind, jetzt Die Abstimmung soll ferner in einzelnen 3onen und in einem Wintermonat vorgenommen werden. Sechs Wochen lang soll der Eisenbahnverkehr nach Oberschlesien ganz eine gestellt, das Stimmrecht der Frauen soll beschränkt werden. Daß der Oberste Rat der Alliierten auf diese unsinnigen Forderungen eingehen wird, ist faum glaublich. Aber selbst wenn er ablehnt, selbst wenn die 250 000 bis 300 000 im Reich wohnenden Oberschlesier nach dem Beispiel von Schless Der König von Griechenland ist nach einer Meldung aus Athen wig- Holstein und Ostpreußen mitstimmen dürfen, so ist es noch immer fraglich, ob die Abstimmung ein für Deutsch

gestorben.