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Mittwoch, 27. Oktober 1920
Nummer 456
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Morgen- Ausgabe
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greiheit
Berliner Organ
ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Milderung des Friedensvertrages
Englisches Entgegenkommen
Berlin, 26. Oftober. Mit Bezug auf§ 18 der Anlage 2 zu Artifel 244, Teil 8 bes Friedensvertrages, der lautet:
„ Die Maßnahmen, zu denen die alltierten und assoziierten Regierungen, falls Deutschland vorfählich seinen Verpflichtungen night nachkommt, berechtigt sind und die Deutschland sich verpflich tet, nicht als feindselige Handlungen zu betrachten, tönnen in wirtschaftlichen und finanziellen Speers and Bergeltungsmaßnahmen, überhaupt in solchen Mak nahmen bestehen, welche die genannten Regierungen als durch die Umstände geboten erachten"
hat die großbritannische Regierung burch bie hie fige Botschaft dem Auswärtigen Amt am 16. Oktober eine Note zugehen lassen, nach welcher fie für den Fall einer vot lählichen Nichterfüllung der deutschen Ber pflichtungen unter Teil 8 des Friedensvertrages nicht beabsichtigt, von dem ihr nach§ 18 der Anlage 2 zu die sem Teil des Vertrages zustehenden Rechte zur Beschlagnahme des Eigentums deutscher Staatsangehöriger in Großbritannien Gebrauch zu machen.
Weiter wird mitgeteilt, daß dieser Berzicht sich auf in Groß britannien oder britischer Gewalt befindliches deutsches Eigentum bezieht, ob dieses nun in Bantguthaben oder in auf britischen Schiffen befindlichen Waren, ober in nach Großbritannien zum Verkauf gelandten Waren besteht.
Diese Entschließung der englischen Regierung ist deshalb von größter Wichtigkeit, da durch den Wegfall der obenge nannten Friedensvertragsklausel das deutsche Privateigenlum in England vor der Beschlagnahme sicher ist und infolge Meser Tatsache eine regelrechte Wiederaufnahme der gegenseitigen Handelsbeziehungen überhaupt erst möglich ist. Die Wiederzusammenfassung der zerrissenen
Einberufung der WiedergutmachungsKommission
DA. Paris, 26. Oftober. Das„ Journal des Debats" erfährt, daß die Wiebergut machungsfommission für den 30. Ottober einbes rufen wurde, um sich mit den Anträgen zu befassen, die der Borbereitung der alliierten Sachverständigenbesprechung dienen follen. Das Blatt schreibt dazu, daß der Borschlag, wonach die Deutschen an den vertraulichen Besprechungen teilnehmen sollen, für Frankreich völlig unannehmbar jei.
Das Ende des Bremer Streiks Ein Erfolg
( Eigener Drahtbericht der Freiheit".) Bremen, 26. Oftober.
Der Streit der Staatsarbeiter in Bremen endete mit einem Er. folg ber Streifenben. Der Senat, der sich auf den Standpuuft gestellt hatte, nicht zu verhandeln und nichts zu gewähren, wurde zu beidem gezwungen. Unter Hinzuziehung eines Reichs beamten wurden nach langwierigen Berhandlungen folgende 3 u= geständnisse gemacht: Es erhalten lebige Staats. arbeiter über 21 Jahre 5 M. pro Woche Zulage, Verheira tete 12 M., das Kindergelb wird von 6 auf 9 M. erhöht. Selbst diese geringfügige Lohnerhöhung wollte der Senat, welcher eine Prestigefrage daraus gemacht hatte, vorerst nicht anertennen. Die Staatsarbeiter waren sich selbst darüber klar, daß diese Zugeständnisse nur eine fleine bichlagszahlung darstellten. Um jeboch die Not der Bevölkerung nicht zu vers größern und weitere Aussperrungen der Jndustriearbeiter zu vers meiben, nahmen sie den Vergleichsvorschlag an, dem nun auch der Senat zugestimmt hat. Die Arbeit wird Mittwoch früh geschlossen wieder aufgenommen. Maßregelungen erfolgen nicht. Auch die Privatindustrie nimmt morgen den Betrieb in vollem Umfange wieder auf.
Friedrich Adler über die Internationale
Wien, 26. Oftober.
In einer sozialdemokratischen Parteiversammlung führte Friedrich Adler unter lebhaftem Beifall aus, daß die Sozialdemokraten in den Nationalrat als Oppositions. partei eintreten.
Die Methode der Moskauer Kommunisten, innerhalb der So zialdemokratie tommunistisme& eimzellen zu errichten, werbe sich die österreichische Sozialdemokratie nicht gefallen lassen. Die 3. Internationale sei nichts anderes als eine Zentralorganisation tommunistischer Parteien aller Länder. Seines
Fäden der Weltwirtschaft ist heute von so außerordentlicher Bedeutung, daß es wünschenswert erscheint, daß auch die übrigen alliierten und assoziierten Regierungen dem engli schen Beispiel folgen.
Der Streik in England Fortsetzung der Verhandlungen
HN. London, 26. Oftober. Die Borschläge, über welche jetzt die Minister mit den Rohlens arbeitern beraten, werden geheim gehalten, weil es sich vorerst nur um eine gegenseitige Annäherung handelt, und feine der beiden Parteien sich binden will. Gestern abend war die Berwaltung des Bergarbeiterverbandes noch nicht mit der Untersuchung der neuen Verhandlungsunterlagen fertig geworden. Ein Beamter des Gewerkschaftsverbandes erklärte später, daß bis jegt noch nichts geschehen ist, was einen Abbruch der Ver handlungen verursachen würde. Die Berichte der örtlichen Abs teilungen des Nationalverbandes der Eisenbahner bestätis gen, daß unter den Mitgliedern eine starke Abneigung gegen den Sympathießtreik herrscht.
Das Ausnahmegefeh
Lonbon, 25. Oftober. Unterhaus. Bor bez Annahme der Ausnahme- Bill stellte Bonar Law nachdrücklich in Abrebe, daß die Bill einen Angriff auf die Gewerkschaften bedeute, und sagte, sie werde nur in Kraft treten, wenn eine Aktion erfolge oder drohe, die zum Ziele habe, ben Staat der ihm notwendigen Lebensbedürf niffe zu berauben. Bonar Law erklärte, die Bill würde sicher als Herausforderung empfunden werden, wenn fie später sollten die Verhandlungen, die jetzt wieder aufgenommen worden sind, in ein fritisches Stadium treten- zur Verhandlung tommen sollte.
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Erachtens werde ber tommende Parteitag nur erflären fönnen, daß die österreichische Sozialdemokratie der zweiten Internatio nale nicht mehr angehöre, es aber auch ablehnen müsse, ber 3. Juternationale beizutreten. Ich erwarte, fuhr tragen wird, eine Konferenz zu organisieren, zu der sich jene der Redner fort, daß der Parteitag den Parteivorstand beaufParteien einfinden, die, wie die österreichische, weber der zweiten noch der britten Internationale angehören. Hierzu gehören vor allem die Franzosen, die Schweizer, die Unab hängige Arbeiterpartei Englands, die Sozialdemokratie in der Tschecho Glomatei und die Unab hängige Sozialdemokratie Deutschlands. Die auf biefer Konferenz vertretenen Parteien werden teine vierte Internationale bilden, sondern die Mittel suchen, um den bisherigen Zrrtümern auszuweichen. Nicht nach dem Typus der Barteien, sondern nach dem Typus des Arbeiterrates wird die fünftige Internationale ausgebaut werden müssen.
Generalstreik in Rumänien
DA. Bukarest, 28. Ditober. Am 21. Oftober verkündigte die Allgemeine Gewert schaftstommission in ganz Rumänien den General. treit. Die Regierung antwortete mit der Verhängung bes Belagerungszukandes unter Einsehung der 3 en fur für die Breffe. Gleichzeitig erließ der Ministerpräsident General Averescu den Befehl zur Militarisierung der Eisenbahner. Mehrere sozialistische Abgeordnete und die hauptsächlichsten Gewerkschaftsführer wurden verhaftet, das Sigungslokal der Gewerkschaftstommiffion geschlossen. In Butaret und in der Provinz herrscht Ruhe. Der Berkehr wird im allgemeinen aufrecht erhalten. Die Zeitungen erscheinen in ver fleinertem Format.
Die rumänische Regierung und die hinter ihr stehenden Bojaren haben seit je die sozialistische Arbeiterbewegung mit den brutal. ften Mitteln niedergekämpft. Trotzdem wird man auch in Rus mänien auf die Dauer mit diesen Gewaltmaßnahmen der Ar beiterbewegung nicht Herr werden. An dieser Aufgabe haben sich Schon ganz andere Kräfte nuglos verzehrt.
Escherich flagt. Wie die Korrespondenz Aufbau" erfährt, hat Dr. Elderich gegen die Breslauer Polizeibehörde, die das Berbot Jeiner Versammlungen ausgesprochen hat, die Klage im VereinsStreitverfahren erhoben.
Die Gemeindewahlen in Italien. Bei den Gemeindewahlen erhielten nach den bisherigen Ergebnissen von 4560 Gemeinden 2357 eine bürgerliche und 1270 eine sozialistische Mehr= heit.
China wünscht teine Beziehungen mit Sowjetrugland. Wie aus Beting gemeldet wird, lehnt die chinesische Regierung die Ver antwortung für das Borgehen des Generals Thang und des handlungen mit der Sowjetzegierung begeben haben, ab und Konsuls Tschu, die sich nach Mostau zur Einleitung von Vers hat beiden Persönlichkeiten den Befehl erteilt, Rußland zu per: Lassen und unverzüglich nach China zurückzukehren.
Die Vereinigung mit den Kommunisten
Die„ Rote Fahne" veröffentlicht heute einen Aufruf, in dem nach einer Zusammenstellung der üblichen tommunistis schen Redensarten und Beschimpfungen zur Vereini gung in der Kommunistischen Partei Deutsch lands aufgefordert wird.
Der Aufruf wendet sich an die Genossen der U. S. P. D." und behauptet von ihnen:„ Jhr habt alle die, die sich zwischen Euch und den Kommunismus stellten, beiseite geschoben. Ihr habt das letzte Hindernis beseitigt. Genossen: Ihr seid teht dahin gekommen, was wir und Ihr längst wußten, daß Ihr tommen würdet: zum Kommunismus.
Dann werden die Genossen von der K. A. P. D. aufgefor bert, ihren Standpunkt in der Frage des Parlamentarismus und der Gewerkschaften aufzugeben. Um sie dazu geneigter zu machen, wird Rühle als„ Wirrkopf, der den Leuten der antibolfchewistischen Liga zu Silfe" fomme, beschimpft. Der Aufruf behauptet, daß die revolutionären Arbeiter auf verschiedenen Wegen zu dem einen Ziele zugewandert sind: zum Kommunismus. Jetzt sei es notwendig, sie alle in der Kommunistischen Partei Deutschlands zusammenzus schließen.
Das bemerkenswerte an diesem Aufruf ist, daß er nicht nur von der Zentrale der K. P. D. und von Sinowjew un terschrieben ist, sondern auch von dem 3entralfomitee der Neutommunisten, von Däumig, Adolf Hoffmann, Koenen, Stoeder usw. Damit ist beren politische Bereinigung mit der K. P. D. in der Tat voll.
zogen.
Aber auch die organisatorische Vereinigung ist bereits durch Einsetzung eines gemeinsamen Attionstomitees in die Wege geleitet. Und die Kommu nistische Zentrale tut alles, um die Verschmelzung zu be Schleunigen.
Dies geht sehr flar hervor aus dem Bericht der Gizung des Zentralausschusses der K. P. D. Referent war Thal heimer. Er führte nach der Roten Fahne" aus:
Ueber die Zusammenarbeit in den Zentralinftanzen war eine Einigung nicht schwer herbeizuführen. Es soll eine gemeinsame paritätisch zusammengefehte provisorische Zentrale unter dem Borsig eines Bertreters der Egetutive der Kommunistischen Inters nationale gebildet werden. Einige Differenzpunkte er gaben sich dagegen bei der Frage der Berschmelzung der Ortsver eine, auf die wir das Hauptgewicht legen müssen. Bei der linken U.S. P. besteht das Bestreben, die beiderseitigen Ortsvereine und Mitgliedschaften voneinander fernzuhalten bis zu einem Einigungsparteitag, der dann erst die Verschmelzung beschließen soll. Wir fordern zunächst, daß eine gemeinsame Arbeit in den Mitgliedschaften sofort beginnt, gemeinsame Versamm lungen abgehalten werden, den Mitgliedern beider Parteien Zu tritt zu den beiderseitigen Bersammlungen gewährt wird. Die Genossen von der U. S. P. haben uns den Vorschlag gemacht, daß überall die kleinere in die größere Gruppe eintreten soll. Dem gegenüber schlägt das Eretutinkomitee der Kommunistischen Infernationale die Verschmelzung beider Parteien zu einer Ver einigten Kommunistischen Bariei vor.
In der Diskussion wenden sich die Genossen einheit lich gegen den Vorschlag eines Uebertrittes der fleineren Or ganisationen in die größeren, der einen Uebertritt zur U. S. P. bebeuten würde. Nicht die Kommunisten find Unabhängige ge worden, sondern Massen der Unabhängigen Partei haben sich zum Kommunismus bekannt. Der Vertreter Schlesiens fordert ben Eintritt der U. S. P.- Genossen in die K. P. D. Der Vertreter Württembergs betont demgegenüber die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der tommunistischen Arbeiter und verlangt die Jofortige Jnangriffnahme und Durchführung der Verschmef= zung in den Ortsvereinen. Er wendet sich dagegen, daß die Zentrale eigen mächtig den Namen der Partei mit der Fortlassung der Klammer Spartatusbund" und der Hinzufügung der Klammer Sektion der Kommunistischen Internationale" abgeändert habe. Auch hat er Bedenten gegen einen Sah im Rund Schreiben 21 der Zentrale, nach dem politische Direktiven allein von der Zentrale ausgegeben werden sollen.
Genoffe Wagner fordert der linten U. S. P. gegenüber Jo fortige Verschmelzung ohne jeden Hinterhalt, ohne jede organisatorische Kleinlichkeit. Die organisatorischen Scheidewände werden. müssen eingerissen Organisations fragen müssen zurücstehen hinter der politischen Frage, der Lebensfrage der deutschen Revolution, der Schaffung einer starten, at tionsfähigen Kommunistischen Partei.
Genosse Lanae hält die 21 Bedingungen für feine glüdliche 6 ndlage der Spaltung der U. S. P Große Massen wcben für die Bedingungen eintreten, ohne den Willen, sie tatsächlich durchzuführen. Mostau sei eine Mode ge morden und viele derer, die diese Mode mitmachen, und heute bei ber linken U. S. P. D. Ständen, seien teine ernsten und zuverlässi gen Kämpfer.
Genosse Wagner erflärt für die dringendste Aufaabe den Kampf, den wir gemeinsam mit der linken gegen bie rechte U.S.P. führen müssen. Gegenüber Lange glaubt er, daß die K. M. R. Elemente enthält, die, wenn auch nicht über ausreichende Klar heit, so doch über einen starten revolutionären Elan verfügen. Vor der Machtergreifung aber Jei das Zerstörungswert am Kavis talismus die Hauptarbeit. Hierzu ist nicht so sehr prinzipielle Klarheit. als Attivität erforderlich.
Im Schlußwort forderte Thalheimer nochmals die fofor tige Durchführung der Verschmelzung; alle organisatorischen Bedenken müssen zurückgestellt werden.