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Freitag, 12. November 1920

Nummer 478-

Morgen- Ausgabe

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greiheit

Berliner Organ

ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Die Bergarbeiter für die Bollsozialisierung

Gegen die Stinnefierung beitertagungen, bie fich für die Bollfozialisierung

Der Bergarbeiter Verband sendet uns folgendes Telegramm: Bochum, 11. November.

Der unterzeichnete Borstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands erflärt in Uebereinstimmung mit dem Gesamtvorstand:

Die Beschlüsse unserer maßgebenden Organisationsvertretungen und der einstimmige Beschluß des internationalen Bergarbeiter Kongresses, der in Genf stattfand, forderten die Sozialisie zung des Bergbaues.

Der Vorschlag der Unterkommission des Reichswirtschaftsrats, Kleinaftien auszugeben, ist eine plumpe Fälschung des for zialistischen Gebantens und läuft auf eine Berstärkung bes Privattapitalismus hinaus.

Der Verbandsvorstand verlangt daher von allen Verbandsmit gliedern, baß fie die Stinnes- Silverbergschen Barschläge betr. Kleinattien oder einen ähnlichen Plan energisch belämpfen, andernfalls würden die in Frage lommenden Kameraden gegen die Beschlüsse ihrer Organisation handeln und müßte daraus bie einzig richtige Folge gezogen werden.

Der Borstand: Sulemann, Walbheder, Bittner, Wismann, Schmidt. Es ist bankenswert, daß der Verband so rasch Stellung genommen hat. Der Inhalt seiner Kundgebung fonnte nach

den Beschlüssen der internationalen und der deutschen Berg ausgesprochen haben, gar lein anderer sein, als die schärfste Ablehnung des Stinnes Vorschlages und die völlige Des a vouierung der Arbeitervertreter, die einer, wie richtig gesagt wird, plumpen Fälschung des Sozialisierungsgedankens" unglaublicherweise zugestimmt haben.

Es ist zu ermarten, daß diese Kundgebung auch auf alle Arbeitervertreter im Reichswirtschaftsrat die entsprechende Wirkung ausüben wird. Die Verhandlungen, die dort ge­pflogen werden, haben gar feinen Sinn. Kapitalisten und Arbeiter werden fich über die Sozialisierung überhaupt nicht einigen. Die Verwirklichung des Sozialismus ist eine Machtfrage, und da die Sozialisierung des Bergbaues den Beginn des Kampfes um die Berwirklichung des So­zialismus bedeutet, so muß eben die Arbeitertlaffe ihre Macht in die Wagschale werfen, wenn sie vorwärts tommen will. Verhandlungen im Reichswirtschaftsrat sind die reine Zeitvertrödelung und die Arbeitervertreter täten gut daran, dort Schluß zu machen und die Propaganda für die Sozialisierung des Bergbaus in die Massen zu tragen.

Die Vorschläge von Stinnes haben nur das eine gute, daß fie aufrüttelnd auf die Arbeiterschaft wirken werden. Von der sozialistischen Energie und der Kampfentschloffenheit par allem der Bergarbeiter, dann aber auch von der Unter ftügung, die fie bei der gesamten Arbeitertlase finden müssen, wird der Ausgang dieses Kampfes abhängen.

Ende des Elektrizitätsstreiks

Der Vorstand des Verbandes der Maschinisten und Heizer erläßt folgende Erklärung:

Nachdem in der geftrigen Funktionärsigung der Streifen­ben beschlossen wurde, erneut eine Abstimmung über das legte Angebot vorzunehmen, hat diese im Laufe des Tages stattgefunden. Das Ergebnis dieser Abstimmung ist fol­gendes: Für die Aufnahme der Arbeit wurden 691 Stimmen abgegeben, für die Aufrechterhaltung des Streils 989 Stim men, ungiltig 44 Stimmen. Die erforderliche Dreiviertel majorität für Fortführung des Streits ist hiermit nicht er­reicht und somit ber Streif beendet. Berhand Iungen über die Wiederaufnahme der Arbeit mit der Direktion Find bereits durch die Betriebsratsmitglieder ein: geleitet.

Unsere Rathausfraktion

zum Streik

Der falsche Weg

Der Streif der städtischen Elektrizitätsarbeiter, burd deffen sichtbare Wirkungen auf Industrie, Verkehr und Pri vatleben Berlin am Sonnabenbmorgen überrascht wurde. endete mit einem Mißerfolg der Arbeiter. Das heißt, es ist für die beteiligten Arbeiterfategorien nichts er­reicht worden, was nicht auch ohne diesen Streit hätte er­reicht werden können. Dieser Ausgang war vorauszu fehen in dem Augenblid, als der Streit der Elektrizitäts­arbeiter beschlossen wurde.

Städtische Arbeiter und Angestellte hatten Forderungen erhoben und standen in einer Lohnbewegung. Ein Schieds [ pruch war gefällt, und am Sonnabend sollten die Ab ft- immungen der in der Bewegung stehenden Angestellten und Arbeiter über ihre Stellung zu diesem Schiedsspruch stattfinden. Da erklärten die Arbeiter ber Elettrizitäts werte, sie würden die Abstimmung nicht abwarten, sondern sofort in den Streit treten und noch in der Nacht zum Sonn­abend die Werke stillegen. Und so geschah es.

Wir nehmen an, daß die Führer der Arbeiter der Kraft merke, die diesen Streit empfohlen haben, in diesem Bor­gehen einen tattischen Schachzug sahen, der der schwe benden Lohnbewegung aller Arbeiter der städtischen Be­triebe von Nugen sein sollte.

So etwas ähnliches ist tattisch möglich und Bewegungen solcher Art sind im Gewerkschaftstampfe wiederholt in An­wendung gekommen. In fritischer Situation fann man ver suchen, durch einen überlegen geleiteten Borstoß gegen die empfindlichste Stelle der in Frage kommenden In­bustrie eine Pression auf den Gegner auszuüben, bamit der Bewegung eine entscheibenbe Wendung zu geben. So handeln die Gewerkschaften, wenn zwar ber Streit auf der ganzen Linie nicht zwedmäßig erscheint, die erhobenen Forderungen aber doch nicht fampflos preisge geben werden sollen.

Bon Erfolg begleitet mirb aber diese Methode des Kampfes nur dann sein, wenn der Borstoß einer einzelnen Gruppe nicht isoliert erfolgt, sondern nach eingehen­der Beratung ber Vertrauensmänner aller an der Bewegung Beteiligten plans voll eingesezt wird. Der Stoßtrupp darf nicht auf eigene Verantwortung vorauslaufen, sondern muß von der Bertretung der Gesamtheit vorgeschidt werben. Alle Gruppen müssen nother befragt werden und vorher darum miffen, wenn sie nicht durch einen spontanen Borstoß über­rascht und in Berwirrung gebracht werden sollen. Darin

Die Frattion der Unabhängigen Sozialisti en Partei in der Berliner Stadtverordnetenversammliegt der Sinn des gewerkschaftlichen Zen­lung beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit dem Streit der städtischen Arbeiter. Sie gab der Meinung Aus: brud, daß bei der jetzigen Zusammenfegung in der Gemeinde bie Möglichkeiten für eine friedliche Verständigung nicht entfernt erschöpft morden sind, und daß deshalb der Streif nach feiner Richtung hin als gerechtfertigt er achtet werden fann.

Wir fordern hiermit alle Kollegen auf, die Arbeit sofort und geschlossen wieder aufzu Die Fraktion erhebt aber den schärfsten Protest nehmen, wie fic fie niebergelegt haben. Im gegen die Verordnung des Reichspräsiden­Interesse aller beteiligten Kollegen hat der Verbandsvorsten, die in der schwersten Weise in die Selbstverwal­stand alles aufgeboten, die Bewegung zu einem ordentlichen Abschluß zu bringen. Wir fordern die Kollegen auf, and fernerhin Ruhe und Besonnenheit zu bewahren. Rol. legen, weist alle Berdrehungen und Ber: bächtigungen unverantwortlicher Personen zurüd und haltet felt an Curer Gewertschaft.

Der Verbandsvorstand.

Hermann Klebe, Rudolf Schlichting.

Wiederaufnahme der Arbeit

Um 2 Uhr mittags fand in der Streifleitung eine Konferenz der Vertrauensleute und Betriebsräte der einzelnen Werke statt. Obschon die Resultate der beiden Werle Oberfpree und Rummelsburg noch nicht vorlagen, ließ sich doch bereits über= Jehen, daß der Streit sich nicht mehr durchführen ließ. So wurde der Beschluß gefaßt, den Streit als beendet zu erklären und so fort mit der Wiederaufnahme der vollen Arbeit zu beginnen. Die Funktionäre begaben sich in die Kraft- und Unterstationen, wo sie zunächst den bereits persammelten Arbeitern den Beschluß der Streitleitung mitteilten und bann ben Betriebsleitungen Nach richt gaben. Um vier Uhr nachmittags wurden sämtliche Kessel in Betrieb gesezt und um 6 Uhr abends tonnte bereits an fast alle Stadtteile Licht abgegeben werden. Durch Umschaltung wurde der aus Golpa kommende Strom auf die Hauptwerke verteilt.

Die Arbeiter der Charlottenburger Gaswerke beschlossen, in ihrer gestrigen Betriebsversammlung, den Streit abzubrechen uns heute früh 6 Uhr die Arbeit in vollem Umfang wieder aufzu дейтер.

tung der Gemeinden eingreift und auch an dem Roalitionsrecht ber Arbeiter rüttelt. Die Frattion verlangt mit aller Entschiedenheit, daß diese Berordnung schleunigst zurüdgezogen wird. Ueber die städtischen Betriebe hat nur die Stadt Berlin allein zu bestimmen.

Kein Streik der städtischen Hilfskräfte

Wie bereits gemeldet, hatten die städtischen Hilfskräfte dem Ma fegung ber Gehälter für die städtischen Silfskräfte zu verhandeln, giftrat ein Ultimatum gestellt, mit ihnen über eine neue Fest­Der Magistrat hat daraufhin geantwortet, daß er prinzipiell bereit sei, mit den Hilfskräften über ihre Forderungen zu ver handeln. In einer Sigung der Tariffommission und der in Frage fommenden Verbände, die am Donnerstag Rachmittag stattfand, wurde daraufhin beschlossen, daß die Hilfskräfte, um die Finanzen der Stadt nicht unnötig zu beschweren, bis zur Auf­stellung des neuen Etats von weiteren Lohnforderungen absehen

wollen.

Die Hilfskräfte des Magistrats erhalten jetzt bei einer 182 stündi­gen Arbeitszeit im Monat Gehälter von 626 bis 1050 Mart. Sierzu tritt ein Stundenzuschlag von 20 Bfg. pro Arbeits­stunde, entsprechend dem am verflossenen Donnerstag gefällten Schiedsspruch des Magistrates. Obwohl die Silfskräfte den Schiedsspruch als solchen abgelehnt haben, haben sie einem Streit nicht beigeftimmt, sondern die Anordnung ausgegeben, daß in allen Bureaus weiter gearbeitet werde.

( Siehe auch 3. Geife.).

tralismus, daß die beauftragten Vertrauensleute gemeinsam kämpfenden Arbeiter- und Angestelltengruppe in aller Angehörigen einer geschlossenen organisierten oder allen Phafen einer Bewegung die Führung und Entscheidung haben. Der 3wed des Zentralismus ist nicht der, daß eini­gen Zentralbonzen die entscheidende Gewalt gegeben wird. Das ist ein Nebenprodukt, das unangenehm ist, dessen Wir­fung abgeschwächt oder, wenn man will, beseitigt wer ben muß, das uns aber nicht veranlassen darf, ben Zentra lismus aufzuheben, indem sich einzelne Arbeiter­gruppen der Pflicht zur Befragung der Gesamtheit vor fedem entscheidenden Schritt entziehen, und die Gesamtarbeiterschaft mit schwerwiegenden Entschlüssen und

Sandlungen überrumpeln.

Um eine solche Ueberrumpelung handelt es sich im Falle des abgeschlossenen Streits der städtischen Glettriker und. Wir deuteten schon an, daß die Gesamtbewegung dadurch nur barin lag von vornherein der Reim zum Mikerfolg. in Berwirrung gebracht werden fonnte.

Gilt das alles schon für den alltöglichsten Gewerkschafts. fampf, so gilt es doppelt für den Streit einer Gruppe, deren Arbeitseinstellung die gesamte Industrie und alles Leben bes Einzelnen und der Gesamtheit der Bevölkerung lahm

legt.

Wir sprechen nicht nom Streifrecht der Arbeiters kategorien, denen sogenannte lebensnotwendige Betriebe an vertraut find. Daß sie das Recht zur Anwendung des Streits unter den gegenwärtigen Verhältnissen in demselben Maße befizen müssen, wie alle anderen Arbeiter, darüber besteht für uns gar fein 3weifel. Und wir würden von der Gesamtarbeiterschaft jederzeit for bern, daß fie für dieses Recht ihrer Brüder in jenen Betrieben mit ihrem ganzen Ein fluß eintreten, falls es bedroht sein sollte. Die Verordnung des Reichspräsidenten hat schon gezeigt, wie notwendig das ist. Aber dann müssen wir von der Beleg fchaft der lebensnotwendigen Betriebe auch fordern, daß sie sich ihrer Verantwortlichfeit gegenüber der Arbeiterklasse bewußt bleiben.

interesse der Arbeiter, Angestellten und Beamten eines gans Trifft ein Streit der Berliner Elektriker nicht das Lebens­zen großen Wirtschaftsbezirts mit einer Millionenbenölte rung, die vorwiegend ben arbeitenden Echichten angehört? Haben die Vertetungstörperschaften dieser fast durchgehend organisierten Massen dann nicht das Recht, über einen Streit von solcher Bedeutung mit zu bestimmen? Ist ein Elef trizitätstreif nicht geeignet, zahlreiche andere Organis

Fre

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