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Freitag, 19. November 1920
Nummer 489
Abend- Ausgabe
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greiheit
Berliner Organ
Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Escherich mobilisiert in Tirol!
Landesschießen in Innsbruck. Die Arbeiterwehr auf der Wacht
( Eigene Drahtmeldung der Freiheit".)
München, 19. November.
Gegen das Landesschießen der Tiroler Heimatwehr vom 20. bis 22. November in Innsbrud hat die Entente Einspruch erhoben und mit dem Entzug der Mehllieferungen gedroht. Der Orgesch- Häuptling Escherich wird mit einer großen An zahl bayerischer bewaffneter Wehrmänner an dem Schießen teilnehmen. Die Innsbrucker Arbeiterschaft wendet sich aufs schärfte gegen diesen Aufmarsch der monarchistischen Konterrevolution. Es find Zusammenstöße zu befürchten. Die sozialdemokratische Frattion des Tiroler Landtags hat einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der von der Landesregierung ein Berbot des Landesschießens fordert. Genosse Dr. Grüner hat als Landeshauptmann- Stellvertreter im Namen der sozialdemokratischen Fraktion an den Staatskanzler Dr. Meyer in Wien ein Schrei ben gerichtet, in dem er sich gegen das Landesschießen wendet und mit Recht die Tiroler Heimatwehr als Bestandteil der bayerischen Drgesch bezeichnet. Es heißt in diesem Schreiben u. a.:,,Die Landesregierung Tirols hat gegen meinen Einspruch die Anettennung der Heimatwehren beschlossen. Wir haben gegen die Bewaffnung seit langem protestiert, mit eigener Bewaffnungsattion gedroht, ohne bisher einen Ausgleich erzielen zu können. Die Arbeiterschaft hat es fatt, länger zuzusehen. In der Versammlung in Innsbrud am 12. November haben die Anwesenden der Aufforderung, sich dem Aufmarsch zu widerlegen, stürmischen Beifall gespendet. Wir verwahren uns dagegen, daß eine private Volksausrüstung mit inneren und äußeren Zielen unsere Anerkennung fordert. Wir haben die Regierung gewarnt, die Regierung trägt die Verantwortung.“
Escherich hat vor einigen Tagen dem Vertreter des„ Manchester Guardian" erklärt, daß es sein Bestreben sei, die Or gefch international auszubauen. Schon heute reichen die Fäden der Verschwörung von Bayern über Tirol nach Wien und Budapest. Die Tiroler Einwohnerwehren sind von Escherich ins Leben gerufen worden, Bayern hat sie aus
Die Völkerbundstagung Polen erhält das Danziger Mandat Nach der offiziellen Mitteilung hat der Bölferbundrat ben Be
Bayern schickt Verstärkung
Abwehrstreik der Eisenbahner
feinen riesigen Geheimbeständen mit Waffen verforgt. Das Landesschießen in Innsbruck soll, wie das Königsschießen in München, eine Probealarmierung sein. Escherich will seine Mannen mustern, um zu sehen, wie weit die Schlag. fertigteit gediehen ist. Die Tiroler Arbeiter. schaft hat die Gefahren dieser monarchistischen Banden ers fannt. Sie wird nicht dulden, daß vor ihren Augen die Me thoden erprobt werden, mittels derer fie eines Tages ers würgt werden sollen. In Innsbrucist die Arbeiter. wehr mobilisiert. Die Straßen und 3ugänge zur Stadt sind mit bewaffneten Arbeitern besezt. Die Eisenbahner sind in den Gene. ralstreit getreten. Sämtliche 3ugverbins dungen von und nach Bayern sind stillgelegt
worden.
Die Abwehrattion der Tiroler Arbeiterschaft ist lebhaft zu begrüßen. Wenn es die bayrischen monarchistischen Banden wagen sollten, dennoch in Tirol einzubringen, so werben sie die Folgen eines solchen Treibens selbst zu verantworten haben. Und was geschieht in Deutschland? Auch hier sehen wir, wie vor den Augen der Regierung die Orgesch von Tag zu Tag herausfordernder auftritt. Trok des Verbotes der Orgesch durch Severing hält fie fogar in Berlin regelmäßig Bersammlungen ab. Wenn die Regierung nicht die Macht hat, den Gesezen Geltung zu verfchaffen, dann muß, wie in Tirol, die Arbeiterschaft handelnd auf den Plan treten. Der Selbstschuß" organisation Escherich, bestehend aus Monarchisten und reaktionären Offizieren, muß die repu blitanische Schuhwehr der Arbeiter entgegengestellt werden. Für diese Forderung müssen sich vor allem die Ge wertschaften einsehen, denn das Versprechen der Regierung vom März 1920 ist noch nicht erfüllt. Aber es muß schnellstens erfüllt werden, wenn sich die Republit vor der ständig wachsenden Gefahr der Gegenrevolution zuverlässig schüßen will.
zig erhalten soll. Der Bölferbund, der der Erhaltung des Fries bens bienen soll, sündigt somit gegen seinen eigenen Geist, indem er die deutsche Stadt Danzig den Polen überantwortet.
Wo bleiben deine Steuern?
Von Jgnaz Wrobel
II.
Wir haben hier voriges Mal betrachtet, welchen Anteil die Reichswehr an ihrem Fünfmilliarden- Etat hat. Stolz weht die Flagge schwarz- weiß- rot auch über der Verschwenbungssucht der föniglich republikanischen Marine.
Die Marine hat eine Haushaltsstärfe von 14 920 Köpfen. Diefe 14 000 Leute werden von 1111 Beamten verwaltet, so daß also auf je 14 Mann ein Schreiber fommt. Der allgemeine Werftbetrieb der Marine ist mit 78 283 480 Mt. veranschlagt. Die Kosten für die Admirali. tät( die der Heeresleitung entspricht) betragen allein 9 124 965 M, also annähernd ein Reuntel des Werftbe triebes. Man muß aber sehen, was es da alles gibt: die paar Schiffe, die man uns gelassen hat, haben immerhin noch 8 Kontreadmirale, 3 Vizeadmirale und was sich alles in der Admiralität herumbrückt, ist nicht zu sagen.
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Der Chef der Admiralität hat für geheime Ausgaben einen schwarzen Fond von 50 000 m. Welches Kap um guten Spigel umsegelt er damit? Die sogenannte geistige Wohlfahrtspflege verschlingt 865 125 0. Man muß die Klagen aus den Seegarnisonen und Hafenstädten kennen, um den tiefen Abstand, der zwischen Zivils und Marine offizieren herrscht, zu ermessen. Rechnet euch aus, in welchem Sinne die Gelder für den neuen vaterländischen Unterricht verwandt werden!
Der Gesamtetat für die Marine von 15 000 Mann beträgt 513 530 086 m., also über eine halbe Milliarde. Bei diesen Betrachtungen ist die Existenz der noch immer bestehenden Heeresabwicklungsstellen nicht berücksichtigt. Die tosten dem Staat abermals Hunderte von Millionen.
Die Ehrfurcht des Deutschen vor jedem behördlichen Appa rat ist riesengroß. Zweifellos halten alle diese unformier ten und chargierten Arbeitslosen eine gewisse Dienstzeit ein: Der Bureaufrat tut seine Pflicht... Sicherlich tun diese Oberkriegsgerichtssekretäre, Vermessungsdirigenten, Oberstabsapotheker, Rachrichtenoffiziere, Ministerialräte sicherlich tun diese alle irgend etwas.
Aber es ist eine Arbeit in sich. Einer gibt immer dem andern zu schreiben und was dabei herauskommt, ist ziemlich dürftig.
Der Tatbestand ist der: Die Entente hat dem Lande ein Seer von 100 000 Mann gelassen, das eine rein repräsentative Rolle spielt. Für die internationale Kriegsführung ift Deutschland( offiziell) entwaffnet. Für die Aufrechterhaltung der Verfassung nach innen ist dieses Heer wie jedes Heer nur für fleine Störungen von links zu verwerten, denn wenn eine große Welle das ganze Volt erfaßt und es der Wille des ganzen Volkes ist, zu stürzen und zu ändern, so wird ein solches Heer mit Recht als nebensächlich wegs
ticht bes japanischen Vertreters über die Berfaſſung und die poli Englisch- russisches Handelsabkommen gespült. Und wenn der Buch von rechts kommt, with bieles
tische Stellung der freien Stadt Danzig genehmigt. Der Ber treter Japans beantragte die Streichung des Wortes hanseatisch" in der amtlichen Bezeichnung der Freien Stadt Danzig. In der Sprachenfrage Joll im gleichen Artikel bestimmt werden, daß die amtliche Sprache die deutsche ist, und bak die Gesetzgebung und die Verwaltung dem polnisch sprechenden Teile der Bevölkerung die Freiheit seiner nationalen Entwidlung verbürgen und ihm insbesondere ben Gebrauch seiner Muttersprache in den Schulen, in der inneren Berwaltung und vor den Gerichten sichern muß. Militärish darf Danzig nicht als Militär. oder Glottenbasis bienen, auch feine Befestigungen errichten, noch Munitions- oder Kriegsmaterialfabritation auf seinem Ge biet gestatten. Im Falle eines Angriffs gegen Danzig, besonders wenn hierdurch Bolen bedroht ist, wird der Böllerbundrat, so weit is heute vorauszusehen ist, sich an Polen wenden, um von ihm eine bewaffnete unterstügung für die Verteidigung des Gebietes der Freien Stadt Danzig zu verlangen.
Ein Beschluß der englischen Regierung
TU. London, 19. November. Lloyd George hat gestern nachmittag im Unterhause bie Erklärung abgegeben, daß die englische Regierung be. schlossen habe, ein Sandelsabkommen mit Rub land abzuschließen. Der Ministerpräsident fülgte hinzu, er hoffe, bas Ablommen der Moskauer Regierung in den nächsten Tagen zugehen zu lassen.
Heer auch keinen Widerstand leisten. Es wird entweder fräftig mitwirken oder sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen" stellen.
Und diese Institution fostet dem schulben. überladenen Staat augenblidlich fünf Milliarden Mart jährlich.
Für einen gewandten Verwaltungsbeamten- und weiter find diese Soldaten heute nichts ist nichts einfacher, als die Notwendigkeit jeder einzelnen Stelle schriftlich ausführ lich zu begründen. Das besagt gar nichts. Der Versorgungs wunsch ist der Vater all dieser Aemter, und wenn man feine
Vom östlichen Kriegsschauplat Vom östlichen Kriegsschauplatz Arbeit hat, dann macht man sich welche. Der Etat wäre
Aus Moskau wird gemeldet: Die Roten Truppen, die von zwei Seiten in die Krim eingedrungen sind, griffen die Zentralstation der Krim- Eisenbahn Dihantoi an und nahmen fte mit einer gewaltigen Beute in Besitz.
In der Ukraine dringen die Bolschewisten trotz der heftigen Gegenwehr der ukrainischen Truppen immer weiter vor. Die Stadt Kamenez- Bobols ist von den Roten Truppen völlig eingeschlossen und steht vor der Uebergabe. Nach nichtamtlichen Meldungen soll auch Kiew von den Utrainern geräumt sein.
In einem Telegramm, das Tschitscherin an Lord Cur 3on gerichtet hat, heißt es:
Wenn Polen durch irgend einen Staat, entgegen dem Völkers bundvertrag, angegriffen wird, wird der Völkerbundrat sich genötigt sehen, die Mittel ins Auge zu fassen, um den Schutz der Freien Stadt gegen jeden Angriff zu sichern, der die Tätigkeit im baß der Völkerbundrat Bolen ersuchen würde, dieses Schuß die Absicht bestehe, englische Schiffe zu benutzen, um Aus verschiedenen Quellen ist uns Nachricht zugegangen, daß recht zu übernehmen, allein oder unter Mitwirkung anderer Wrangels Heer nebst allen Gütern, die Wrangel sich in SüdStaaten, die Mitglieder des Bölterbundes find. Der Schuß rußland angeeignet hat, aus der Krim wegzuführen. des Bölterbundes erstredt sich ebenso auch auf die Unleugbar brüdt die Teilnahme der britischen Marine an der Einfuhr von Munition und anderem Kriegs. Bewegung der Aufständischen, die gegen Rußland gekämpft haben, material nach Polen während der Dauer der eine feindliche Saltung ber britischen Regierung Feindseligteiten. Die polnische Regierung scheint demnach gegenüber der russischen Sowjetregierung und einen Bruh der besonders geeignet, um eventuell vom Völkerbund das Versicherungen aus, die uns die britische Regierung verschiedents Mandat zur Sicherung der Verteidigung der Freien Stadt zu erhalten. Aber dieses Mandat darf niemals ausschließlich ihm übertragen werden, und es wird ihm nur übertragen werdurch den Völferbund selbst, um zu verhindern, daß der Bölferbund, der Beschüßer der Freien Stadt, in einem anderen Falle in einem internationalen Kampf Partei ergreifen müßte, als ihn die bringung russischer Flüchtlinge und Sofbaten ersucht. Die Flücht Bestimmungen des Völkerbundvertrages vorsehen.
lich gegeben hat.
Auch die Belegung Batums durch britische Truppen wird von Tschitscherin in einem Funtspruch an Curzon als eine ern ft liche Bedrohung der Räteregierung betrachtet, die die entsprechenden Konsequenzen ziehen würde.
General Wrangel hat die südslawische Regierung um Unter
linge und Soldaten, die mit Wrangel Rußland verlassen haben,
bas politische und militärische Mandat über die Freie Stadt Dan- und Südslawien verteilt werden. Diese Entscheidung des Bölkerbundes bestätigt also, daß Polen werden auf Griechenland, Rumänien, Bulgarien
allenfalls für eine schlagfertige Armee eines bedrohten Landes verständlich- heute ist er nichts als der Schrei von hun derttausend Mann( und ganz besonders ihrer Offiziere) nach Versorgung.
hätschelt im Kriege, überzahlt, mit Spiritus und Butter geEs ist eine Herzenssache, die hier abgehandelt wird. Ver. tränft, von den Frauen und den Reklamationsbedürftigen gözen ihr Leben nicht mehr anders vorstellen, als so: bei überlaufen, fönnen sich diese Kasinogötter und Etappen einem Minimum von wirklicher nugbringender Arbeit mit einem Maximum staatlichen Einkommens erhalten zu wer den. Es find bunte Drohnen.
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Es sind aber auch gefährliche Drohnen. Das Militär hat fich, erzogen durch eine jahrhunderte alte Tradition, einmal geschlagen, und dann wieder aufgemuntert durch Gustav Roste, an eine Vormachtsstellung in Deutschland gewöhnt. öffentliche Einrichtung zum allgemeinen Besten wie etwa Man stelle fich nur einmal vor, daß irgend eine andere das Unfallwesen oder die viel wichtigere Feuerwehr fo viel von ihrer Arbeit hermacht wie diese wenigen Soldaten. Was leisten sie denn? Dafür, daß sie ein ungestörtes Wachtstubenleben führen, aufgeschredt nur durch die Schikanen ihrer Vorgesetzten und durch die Angst, einmal thre Stelle zu verlieren, werden sie sinnlos überzahlt. Dazu kommt, daß fie ihr Amt mißbrauchen.
Es ist nicht Sache des Militärs, ben beut. schen Geist zu pflegen, denn das sind zwei unüber. brüdbare Gegenfäge. Es ist aber ganz gewiß unehrlich, wenn ein Teil dieser Reichswehroffiziere, nach wie vor stramm wilhelminisch gesinnt, von der Republik Geld nimmt, um einen breimal verfluchten preußischen Geist in den Ka