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3. Jahrgang

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Montag, 29. November 1920

Nummer 505

Abend- Ausgabe

Die echtgefpaltene Nonperetflegelle oder beren Stamm koftet-. enfchfteli Eeuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fertgedruckte Wort 2, M., fedes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufenbe Anzeigen laut Tarif Familien- Angeigen und Stellen- Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Befuche Wort Angelgen bas fettgebruckte Wort 1,50.. tebes weitere Wort 1.-. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4649, 4921

Freiheit

Berliner Organ

ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

in der tschecho­

Teuerungsunruhen in Spanien owakischen Arbeiterbewegung

Busammenstöße mit der Polizei

HN. Madrid, 28. November.

Es fanden Proteftfundgebungen gegen die Teuerung und den Mangel an Brot statt. Die Polizei griff ein. Bei den Zusammens tößen gab es eine Anzahl von Verletzten. Der Kampf zwischen Den revolutionären und den freien Arbeitsgemeinschaften nimmt an Schärfe immer mehr zu. Es gab bereits mehrere Opfer. Das große spanische Dampfschiff Alfons XIII"( 14 000 Tonnen), das erst fürzlich in Bilbao vom Stapel gelaufen ist, ist völlig ver brannt, offenbar infolge von Sabotage. Das Schiff loftete sechs Millionen Pesetas.

Barcelona, 29. November.

Die Polizei mußte ein Gebäude, auf dessen Dache sich die Ur­heber eines anarchistischen Attentats verschanzt hatten, förmlich belagern. Nach einem Kampfe, bei dem durch Revolver­hüsse 13 Personen verlegt worden waren, fonnten 8 Per­lonen verhaftet werden. In Saragossa ist in einem Omnibus cine Bombe explodiert.

Die Kämpfe in Irland Die Furcht vor Straßenkrawallen in London HN. London, 28. November.

schloß mit der Forderung, der Kommission folle eine Anzahl prak tischer Vorschläge unterbreitet werden, so daß noch in der ersten Bersammlung Borbeugungsmaßnahmen hinsichtlich der privaten Industrie beschlossen werden könnten. Sanzer- Italien er flärte sich mit dem Vorschlage da Cunhas einverstanden. Aubert­Frankreich erklärte, alle seine Kollegen feien einig, daß Artikel 8 des Wölferbundvertrages angewendet werden müsse, der dem Bölkerbundsrat die Aufgabe zuweist, Mittel und Wege zur Unter­drückung der schädlichen Folgen der privaten Herstellung von Kriegsmaterial zu suchen.

Die Abstimmung in Oberschlesien

Der Londoner Sonderberichterstatter der Agence Havas melbet, daß am 27. November in Paris über die Abstimmung in Ober schlesien verhandelt wurde. Um den Ungelegenheiten zu ent­gehen, die die Zusammenreise von vielen außerhalb des Boltss abstimmungsbezirks Wohnenden am Tage der Volksabstim mung haben tönnte, seien zwei Vorschläge gemacht worden. Nach dem einen sollen die außerhalb des Ab­Stimmungsbezirks Wohnenden nicht am gleichen Tage wie die Bevölkerung von Oberschlesien abstimmen. Nach dem anderen Vorschlag sollen die außerhalb Oberschlesiens Wohnenden außerhalb des Abstimmungsbezirks, aber in der Be­fegungszone, etwa in toIn, abstimmen. Zu dieser Lösung be merit der Berichterstatter der Agence Savas, fie stelle die Freiheit des Abstimmungsrechts und gleichzeitig die Aufrechterhaltung der Ordnung ficher. Es sei beschlossen worden, den letzten BorschlagPolen und Deutschland zur Annahme au unierbreiten. Werde er abge­lehnt, so werde man die andere Lösung zur Anwendung bringen. Der deutsche Plebiszittommissar Dr. Urbanet hat an die interalliierte Kommission in Oppeln den Antrag gerichtet, ben polnischen Abstimmungstommiffar Wojcich Korfanty aus dem Ab­

Seute wurden in Downingstreet Barrikaden als Vorsichts: maßnahmen gegen etwa mögliche Angriffe der Sinnfeiner errichtet. Die. Parlamentsgebäude werben für das Bu lifum ebenfalls ge­hlossen, um Ueberraschungen von der Galerie aus vorzubeugen. In Cort fanden gestern wiederum Schießereien statt. Einige Häuser in verschiedenen Stadtteilen, darunter ein großestimmungsgebiet auszuweisen. Bekleidungsgeschäft, sind in Brand gesteckt und vernichtet wor­den. Es werden Konzentrationslager für die Internierung der irischen republikanischen Heeresangehörigen gebildet, die hier bis zum Gerichtsverfahren untergebracht werden sollen. In der vorigen Woche Find 300 Personen verhaftet worden.

Reuter meldet aus Biverpool: In der Nacht zum Sonntag wurden in Liverpool- Bootle 18 Lagerhäuser, hauptsächlich für Baumwolle, in Brand gestedt. Es wurden Petroleum­fannen und mit Paraffin getränkte Baumwolle an der Brandstätte gefunden. Fünf Männer wurden verhaftet. Zahlreiche Anzeichen beuten darauf hin, daß Sinnseiner die Brandstifter sind. Zwei Baumwollager in Liverpool sind vollständig niedergebrannt.

In London war am Sonnabend ein großangelegter Brand­Riftungsversuch der Sinnfeiner vereitelt worden. Die Brandstifter flohen ebenfalls unter Zurüdlassung von Petroleumkannen und paraffingetränkter Baumwolle.

Internationaler Gewerkschafts­

Kongreß

Gegen die Besetzung des Ruhrgebiets Der internationale Gewerkschaftsfongreß hat auf Vorschlag von Thomas eine Ergänzung zu der Beschließung angenommen, in der, bie Saltung der Moskauer Internationale abges lehnt wird. Dieser Anhang erklärt, daß die Aufgabe, ein Land au regieren, nicht mit der gleichzeitigen Leitung der Arbeiter die Chefs der Regierungen gleichzeitig Chefs der internationalen internationale zu vereinigen sei und daß es unmöglich wäre, wenn Arbeiterbewegungen sein würden.

Gehr interessant war der Bericht von Jouhaug über die Delegation, die das Ruhr beden besuchte. Darin wird erklärt, ts bestände für eine Besetzung durch die Alliierten nicht der mins beste Grund. Es sei die Pflicht der deutschen Arbeiter, die Arbeit in einem solchen Falle zu verweigern und die Pflicht der alltierten Gewerkschaften, mitzuhelfen, wenn es zu einer solchen Besetzung tommen sollte. Der deutsche Vertreter 2egien[ prad) über die Schwierigkeiten der Arbeiter im Ruhrbezirk und die Erfüllung der Bertragsverpflichtungen infolge des großen Lebensmittelmangels. Thomas bedauerte, daß Frankreich entschlossen zu sein scheine, im­hen Kameraben ihre Verpflichtungen anerkennen und erfüllen, müßte die organisierte Arbeiterbewegung der Welt ihnen helfen. Der Kongreß wurde am Sonntag geschlossen.

Die Abrüstung

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In der Unterkommission für die Abrüstungsfrage schlug auf der Böllerbundstonferenz der Vorsitzende Fisher- England vor, die Frage der privaten Herstellung von Kriegsmaterial wegen der unvorhergesehenen Abwesenheit eines Vertreters der Militärtom­mission nur provisorisch zu besprechen. Da Cunha Brasilien ertlärte, daß bei der Durchführung seines Vorschlages, ein Staatss monopol für die Herstellung von Kriegsmaterial zu schaffen, die Gefahr neuer Kriege in der Hauptsache beseitigt werde. Gleich zeitig würde auch die Kontrolle der Kriegsrüstungen erleichtert. Lange Norwegen hob hervor, die öffentliche Meinung sei gegen die Herstellung von Kriegsmaterial. Auch sei jeht der Augenblid tur Durchführung von einschneidenden Maßnahmen gekommen. Ge

Die Dynastie Nimm

Die offene Hand der Hohenzollern

Die Kapitalschiebungen der Hohenzollern haben die Ge schäftstüchtigkeit dieser Dynastie gezeigt. Sie besteht seit langem und ist früher nur sorgsam ber Deffentlichkeit vors enthalten worden.

In den letzten Tagen wurden jedoch einige neue bemer tenswerte Tatsachen festgestellt, die zeigen, wie gerissen die Hohenzollern es verstanden haben, Staatsbesiz für nichts und wider nichts in Hohenzollernbesitz umzuwandeln. Schloß und Part Sacrow ift entgegen den rechtlichen Bestimmungen ohne irgend ein Entgelt in den Privatbesig der Hohenzollern überführt worden. Für Schloß und Park Babelsberg haben die Sohenzollern durch eine ganz gewöhnliche Schiebung nur 1000 Taler bezahlt. Roch be zeichnender ift bie Tatsache, daß das fabemtestertel in Berlin, das dem Staat gehörte, für rund 12 Millionen Mark von den Hohenzollern an den Staat verkauft wor den ist. Auf diese Art und Weise haben es also die Hohen­zollern verstanden, den Staat um Millionen zu betrügen, und hierauf fußend, verlangen sie jetzt auch noch die recht­liche Anerkennung dieser von ihnen geraubten Güter. Und die bürgerlichen Barteien sind geneigt, diesen Betrug mit­zumachen!

Der Schwindel von ben ,, notleidenden" Hohenzollern wird in einer Zuschrift an das Berliner Tageblatt" trefflich ents Tarot. Sie lautet:

Im Hinblick auf die Reichstagsdebatten über die notleibenden Hohenzollern" dürfte es vielleicht nicht ohne Interesse sein, die

wirkliche Bermögenslage des vormaligen Kaisers und bes Kron­prinzen festzustellen. Merkwürdigerweise habe ich darüber in deutschen Zeitungen noch nie eine zutreffende Notiz gelesen, wäh

rend man in Solland genau informiert ist, denn seit furzem Find sowohl Wilhelm II. wie der frühere Kronprinz zur Steuer veranlagt worden. Danach wurde der taiserliche Privatmann mit einer Jahrestente opn 1% Millionen holländi­

Icher Gulben zur Steuer herangezogen, und zwar, wie aus­drücklich vermertt war, mit seinem Einverständnis. 3ur gleichen Jeit wurde das zu versteuernde Jahreseinkommen bes& tons

prinzen von ber zuständigen Behörde mit 40 000 holländischen Gulden festgestellt. Bei Wilhelm II. wurde von den Zeitungen anläglich seiner Steuerveranlagung noch besonders betont, daß der Erkaiser sich auch darin flug gezeigt habe", daß er sich in einer ber finanziell am besten gestellten Gemeinden, nämlich in Doorn, angetauft habe, wo die Kommunallaften gering find. In Doorn zahlt er jährlich etwas über 38 000 holländische Gulden Gemeindesteuer. Umgerechnet in Mart beläuft sich also die jeste Jahresrente des ehemaligen Kaifers augenblidlich auf 30 Millionen, die kapitalisiert einem Vermögen von etwa 600 millionen Mart entsprechen würden. Das Jahresein­tommen des früheren Aronprinzen in Höhe von 40 000 holländi schen Gulden entspricht nach dem heutigen Balutastand einer Rente von 800 000 t a r 1. Unbegreiflich muß es danach an­muten, wenn Graf Westarp in seiner Reichstagsrede vom 21. No­sember behaupten tonnte, die Revolution habe das ganze Privat Dermögen der Hohenzolles weggenommen.

Der starken Persönlichkeit des leider zu früh verstorbenen Genossen Seliger war es zu danken, daß die deutsche sozial­demokratische Partei in der Tschechoslowakei am Karlsbabez Parteitage ihre Einheit bewahren fonnte. Die damals ans genommene Deklaration löste die Streitfrage zwischen links und rechts in wahrhaft genialer Weise dadurch, daß sie statt der schroffen Problemstellung: Diftatur ober Demo fratie, erklärte: Demokratie solange, als burch fte eine fortschreitende Machterweiterung bes Proletariats gesichert ist, Dittatur des Proletariats dann, wenn eine Diktatur der Bourgeoisie einzufegen droht. Die Linfe fonnte fich der Richtigkeit dieser Formulierung nicht verschließen, dies um so weniger, als ja auch von ihrer Seite ernsthaft ein sofortiger gewaltsamer Umsturz nicht gefordert wird.

So schien der gegenseitige Friede gesichert und befde Pars teiflügel verpflichteten sich, in Zukunft die Richtungsfämpfe innerhalb der Partei einzustellen. Run tagte am 1. November demokratischen Arbeiterjugend, ber ebenfalls Stellung ebenfalls in Karlsbad ein Kongreß des Verbandes der sozial zu nehmen hatte zu der Frage der Tiftatur fomie au iener her britten Internationale. Die Mehrbeit des Verbandsvors standes unterbreitete dem Kongreß einen Antrag, der den vorbehaltlosen und unverzüglichen Beitritt zur tommunistis schen Jugendinternationale vorsah. Der Verbandsvorstand sollte dann in Konsequenz dieses Beschlusses beauftragt wer dent, sofort durch eine außerordentliche Kommission ein nenes Verbandsprogramm ausarbeiten zu Taisen und einer nach zwei Monaten zusammentretenden Verbandskonferenz zu unterbreiten. Als 2. Punft der Konsequenzen wurde dann erklärt: Der anßerordentliche Verbandskongreß beauftragt den Verbandsnorstand, die vollständige Selbständigkeit der Jugendaraanilation von ber sosialbemokratischen verwirklichen." Dies ging logischerweise aus dem Beschluß des Beitritts zur dritten Internationale hervor, nachdem die Partei ja die Frage vorläufig ungelöst gelassen hatte.

Demgegenüber beantragte die Minderheit des Verbandss vorstandes, auszusprechen, daß es nicht möglich sei, in allen Punkten dem Programm der kommunistischen Jugendinter­nationale nachzuleben. Die Erklärung wendet sich naments lich gegen den Bunft 4 des Programms, das die Arbeiter Jugend als den aftivsten und revolutionärsten Teil des Pro Tetariats bezeichnet, dessen Pflicht es sei, politische Aktionen vorzubereiten und unter den Maffen zu wirken. Der Vers bandsvorstand sollte beauftragt werden, mit der kommunistis schen Jugendinternationale unter Wahrung der Selbständig­feit der Organisation Verhandlungen über den Beitritt zu pflegen, deren Ergebnis einer Urabstimmung zu unterbreiten wäre.

Die Debatte über diefen Hauptpunkt der Tagesordnung nahm einen äußerst lebhaften Nerlauf. Unter anderem griff auch der Sekretär der fommunistischen Jugendinternationale, Milli Münzenberg, ein. Als dann hie Minderheit rdrionate, daß auch Genosse Hillebrand als Vertreter des Parteivora standes unbeschränkte Redezeit erhalten solle, wurde dies bes zeichnenderweise abgelehnt und erst nach heftigem Protest zugebilligt, daß. Genosse Hillebrand die Erklärung des Bars teinorstandes zur Kenntnis bringen fonnte.

Unter großer Begeisterung wurde dann der Mehrheitss antrag mit 82 gegen 22 Stimmen bei 5 Enthaltungen anges nommen. Damit trat die Jugendorganisation faftisch aus der sozialdemokratischen Partei aus, wie sie übrigens durch Puntt 5 des Programms dazu verpflichtet wird und fona stituierte fich als fommunistische Jugendorganisation. Die Minderheit erklärte barauf. daß sie sich vorbehalte, nach diesem schwerwiegenden Beichluk in der ihr gutscheinenden Form unter der sozialdemokratischen Jugend zu agitieren. Damit ist nun eigentlich in der Jugend die Spaltung volla zogen, weil voraussichtlich die Sozialdemokraten sich des Recht der Propaganda unter den Jugendlichen nicht nehmen lassen werden. Diese Spaltung ist bitter genug, allein sie ließe sich verschmerzen, wenn die Partei als solche intakt bliebe. Doch nun trat etwas ein, was zum mindesten sehr merkwürdig anmutet. Der Reichenberoer Vorwärts", das Organ der Linken, widmete diesem Beschluß der Jugends lichen einen außerordentlich begeisterten Artifel, indem er ihn als den ersten Schritt zur Schaffung eines tommunistis schen Verbandes feiert. Es sei ein stiller Vorwurf, den die Jugend der Partei mache, doch hoffen die Genossen vom " Vorwärts", bald in gemeinsamem Kampfe mit der Jugend zu stehen. Dies werde dann sein, wenn wir uns zu einer wahren fommunistischen Partei entwifelt haben werden". Gleichzeitig veröffentlichte Genosse Karl Kreibich, der Führer der Linfen, in der Wiener Roten Fahne" einen Ar­fifel, in dem er offen erklärt: Das Ziel unseres Kampfes ist auf jeden Fall die internationale fommunistische Partei in der tschechoslowakischen Republit." Tas find recht deuts fiche Worte, die für die Zukunft der deutschen Partei von ziemlich entscheidender Wirtung sein dürften. Interessant ist hierbei, daß die deutsche Linte sich langfam in einen gewissen Gegensatz zur Linken innerhalb der tschechischen Partei segt, mit ber fie vor der Parteispaltung im tschechischen Lager

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