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Einzelpreis 20 Pfg.

3. Jahrgang

Die Freiheit erfcheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags was einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,- m. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 m. Für Posts bezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m. zuzüglich Baluta- Aufschlag, ser Brief für Deutschland und Ofterreich 30,- m. Redaktion. Expedition und Verlag: Berlin C, Breite Straße 80.

Mittwoch, 8. Dezember 1920

Nummer 521

Abend- Ausgabe

Die achtgefpaltene Ronparelllegeile sber beren Raum koftet 5,-. einschließlich Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2,- M., jebes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gefuche Wort Anzeigen das fettgebruckte Wort 1,50 M., jebes weitere Wort 1.- M. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4649, 4921

greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

England und Sowjetrußland

Bon unserem Londoner Rorrespondenten.

II.

Die englischen Unternehmerkreise unterstützen ihre Pro­teste gegen das Handelsabkommen, durch den Versuch, seine praktische Bedeutung herabzusehen. Einerseits weisen sie dars Stellauf hin, daß Rußland nichts exportieren fönne; deshalb bleibe das russische Gold als einziges Tauschgut für Waren­lieferungen. Nun drohen die bedeutendsten Banten, daß sie Fich weigern werden, dieses Gold in Empfang zu nehmen, beil Rußlands, Gläubiger die Möglichkeit haben, rechtliche Ansprüche darauf zu erheben und die Sendungen gegebenen­gerichtlich mit Beschlag zu belegen. Jedenfalls werden es die nichtenglischen Gläubiger tun fönnen, und es ist tein Geheimnis, daß die französische und rumänische Regierung

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Absicht haben, ihre Ansprüche auf das russische Gold gel­tend zu machen. Für die mit Rußland Handel treibenden englischen Unternehmer ist aber das Gold wertlos, wenn sie ten, es nicht absetzen oder ausführen fönnen. Das wichtigste Ab­fazland für Gold ist Amerika, und die amerikanische Regie­tung hat bereits jede russische Goldeinfuhr verboten.

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Beendigung der Berner Konferenz

Internationale sozialistische Konferenz am 22. Februar

Bern, 7. Dezember.

Die sozialistische Bortonferenz hat ihre Arbeiten beendet. Sie bejchloß, auf den 22. Februar eine inters nationale sozialistische Konferenz nach Wien eins zuberufen mit der Tagesordnung:

Der Jmperialismus und die soziale Revolution. Methoden und Organisation des Klassenlampjes. Der internationale Kampf gegen die Gegenrevolution. Zur Vorbereitung der Wiener Konferenz wurde eine Rom. mission eingeseht, die sich Ende des Jahres in Wien versam meln dürfte. Die Kommission, die der Konferenz bestimmte An träge unterbreiten soll, besteht aus je einem Delegierten aus England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz.

Die Brüsseler Sachverständigen­

Konferenz

Aufschub bis zum 16. Dezember

HR. Haag, 8. Dezember.

Aus Brüssel wird gemeldet, daß die Sachverständigenkonferenz auf Erfuchen Deutschlands erst am 16. und nicht am 13. Dezember stattfinden wird. Borsitzender der Konferenz wird, wie schon gemeldet, Delacroig sein. Die englischen Des legierten find: Brantbury und der englische Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, die französischen Delegier. ten: Chenssen, der Frankreich in der Wiederherstellungstom­million vertritt, und Seydou, Direttor für Handelsangelegen heiten im Auswärtigen Amt.

Diese Schwierigkeiten sind nicht zu unterschätzen. Aber sie machen feinen besonderen Eindrud, weder auf die Deffents lichkeit, noch auf die Regierung. Gewiß ist vorläufig die Golddeckung unentbehrlich, um den Handel mit Rußland in Bang zu bringen. Aber es ist nicht das einzige und auch nicht s wichtigste Zahlungsmittel Rußlands. Der russische Gold­atz ist schließlich nicht allzu groß, und wenn die Einfuhr nur mit Gold bezahlt werden sollte, dann würde sie taum stausreichen, um die dringendsten Bedürfnisse des ausges ungerten Landes zu befriedigen. Das Handelsproblem bleibt ein Kreditproblem. Das Gold fann nur die Rolle eines Garantiedepots spielen. Man weiß in England, welche immensen Reichtümer der russische Boden birgt, und daß nach einigen Jahren, namentlich nach Wiederherstellung feines Verkehrssystems, Rußland imstande sein wird, die ein geführten Waren gegen eigene Erzeugnisse auszutauschen. Es ist auch nicht unbekannt, daß Sowjetrußland bereit ist, zum Austausch für die benötigten Produkte und Rohstoffe bedeutende Konzessionen, vor allem Bergwerksrechte, zu erteilen. Das jüngste Abkommen mit dem Amerikaner Banderlip ist nicht ohne Eindruck auf die englischen Un­ternehmerkreise geblieben und hat so manchen profitgierigen Mund wässerig gemacht. 3war warnen die vorhin erwähn ten Freunde gegen diese Angebote der Sowjetregierung, indem Sie erklären, daß keine zukünftige russische Regierung der artige Konzessionen anerkennen werde. Aber nach der Nie­derlage Wrangels haben sogar ihre intimsten Freunde wenig Bertrauen in ihre politischen Prophezeiungen, geschweige denn Angst vor ihren Drohungen.

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Die deutsche Regierung hat den Aufschub damit begründet, daß the erster Abgesandter Bergmann, der aus dienstlichen Grün­den noch bis zum 13. Dezember in Paris zurückgehalten wird, noch vor der Konferenz nach Berlin fommen muß, um dort seine Weisungen in Empfang zu nehmen.

Die Abstimmung in Griechenland

Paris, 7. Dezember.

Bis zum Spätnachmittag lagen in Paris noch keine Einzel­heiten über die Volts abstimmung in Griechenland

wert ist, daß fie demzuliebe ihre Freunde Mustapha| Kemal und Enver Pascha fallen lassen wird. Der Widerstand der öffentlichen Meinung in England gegen die großen Ausgaben für die Erhaltung von Truppen in diesen fernen Regionen, insbesondere die sich mehrenden Proteste aus Indien, das den größten Teil dieser Kontingente liefert, zwingen aber England, darauf zu finnen, seine Vorherrschaft in Asien weniger mit militärischen Mitteln sicherzustellen. Noch ernster als die Revolte der Steuerzahler daheim ist aber der dauernde Widerstand der englischen Ar­beiterschaft gegen die Bekämpfung Sowjetrußlands.

vor. Die griechische Gesandtschaft in Paris teilte der Presse mit, es hätten 300 000 Wahlberechtigte mehr gestimmt als bei den letzten Kammerwahlen. In Thrazien habe sich die Bevölkerung mit wenigen Ausnahmen für König Konstantin Offiziere und Soldaten an der Abstimmung teilgenommen und ausgesprochen. Von der Garnison von Smyrna hätten 12 000 nur 900 hätten sich gegen König Konstantin ausgesprochen.

Rücktritt des Bremer Senats

TU. Bremen, 8. Dezember. Wegen des Mißtrauensvotums der sozialdemokratischen Mehr. heit der Bürgerschaft in der Frage der Auflösung der Stadtwehr ist der aus Angehörigen der bürgerlichen Parteien bestehende Teil des. Genats zurüd getreten. In einer Erklärung sagt er, daß der Beschluß der Bürgerschaft das 3iel verfolge, den Senat zum willenlosen Werkzeug der Mehrheit der Bürgerschaft zu machen, was der Verfassung widerspreche. Der Senat, der den Schutz der Berfassung unter seinem Eide gelobt hat, tönne eine solche Politik mit seiner Verantwortung nicht decken. Der Senat wird die Ge­schäfte weiterführen, bis der Voltsentscheid die endgültige Entscheidung getroffen haben wird.

Hilfe für die Beamten

Ein Antrag der Unabhängigen Sozialdemokraten Die Reichstagsfraktion der Unabhängigen Sozialdemokratie hat einen Antrag eingebracht, die Regierung zu ersuchen, sofort mit ben beteiligten Großorganisationen in Verhandlungen einzutreten, um die Teuerungszulage für die Arbeiter und Angestellten der Reichsbetriebe, rüdwirkend ab 1. Oftober 1920 neu zu regeln. Ein zweiter Antrag ersucht die Reichsregierung, die Teuerungszu­schläge rüdwirkend vom 1. Oftober 1920 für alle Reichsbeamten einschließlich der Diätare auf 10 000 m. jährlich festzusetzen. In diesem Antrage wird ferner gefordert, daß die Kinderzuschläge und die dazu gewährten Teuerungszulagen einheitlich neu zu regeln find.

Die Rechtssozialisten haben gleichzeitig einen Antrag einge­bracht, der eine Erhöhung des Teuerungszuschlages bei den nied­rigen Grundgehältern bis 8100 M. auf 60 vom Hundert festgesetzt wissen will.

Berhandlung gelangen.

Diese Anträge werben am Donnerstag im Reichstag zur

und Vorsicht über den Haßgefang der Churchills die Ober hand gewonnen, und so fonnte man am 12. November von Sir Robert Horne in einer Rede in Orford folgende ver­nünftige Worte hören:

,, Solange Sie die großen Reserven Rußlands nicht wieder auf

den Weltmarkt bringen, werden Sie die Unruhe unter den ar­

beitenden Massen dauernd erhalten, infolge des Mangels an Lebensmitteln, die immer mehr fosten, wenn es zur Zahlung der Wochenrechnung fommt."

Darum ist anzunehmen, daß es schließlich zu einem San­delsabkommen mit Rußland fommen wird. Gewiß werden fich die Gegner innerhalb der Regierung bemühen, den Ver­trag in einem den Kreisen der Hochfinanz günstigen Sinne abzuändern. Aber die Regierung wird faum die Verants wortung für den Abbruch der Verhandlungen übernehmen wollen. Die einzige Aenderung dürfte darin bestehen, daß in dem besprochenen Punkte 8 das Wort Kompensation" regierung für die Erteilung von Ronzessio. nen an auswärtige Unternehmer sind gleichfalls danach an= getan, den Eifer gewisser Kreise zu erhöhen, um anderen Bekanntlich wurde schon im Sommer, als die Gefahr der zuvorzukommen. Den unentwegten Bolschewistenfressern, mit Hilfeleistung an Polen im Kriege gegen Rußland afut war, lungen zu sein, die Verhandlungen wiederum um Wochen Kampforgan der Arbeiterpartei und der Trade Unions zur ein Attionsausschuß gebildet, ein gemeinsames Churchill an der Spitze, scheint es aber immerhin ge zu verschleppen; sie haben es durchgesetzt, daß versucht wird, Berhinderung des Krieges. Der Ausschuß hat in den letzten auch die Zustimmung der Alliierten für die Politik der eng= Monaten wenig Initiative gezeigt, aber er fann jeden Augenblic seine Aftion erneuern und ist sicher, die tätige gewordenes Ausfluchtsmittel der imperialistischen Scharf- Unterstützung der britischen Arbeitermassen zu finden. An­Unterstützung der britischen Arbeitermassen zu finden. An­macher Englands, in schweren Augenbliden die französischen fang November griff der Aktionsausschuß in den Kampf um Freunde zu Hilfe zu rufen. Aber es scheint, daß sie diesmal den Handelsvertrag durch den Erlaß eines fräftigen Manis wenig Glüd haben werden. Auf Italien ist natürlich festes ein. Es heißt u. a. darin: Der britische Imperialismus beherrscht die Lage, und reaktio­gegenwärtig fein so großes Gewicht auf Handelsbeziehungen näre Einflüsse innerhalb des Kabinetts verhindern die Wieder­mit Rußland lege, fand eine scharfe Abfuhr seitens der hiefies aufnahme von Handelsbeziehungen mit Rußland. Wir wünschen gen italienischen Legation. Andererseits kam die über­taschende Meldung aus Paris und Brüssel, daß man auch dort geneigt ist, den Handel mit Rußland sozusagen als Privatsache zu dulden, wenn man auch nach wie vor jebe politische Anerkennung der Sowjetregierung ablehnt. Jedenfalls wird sich England kaum von seinen Alliierten be­Für die Haltung der britischen Regierung sind Momente legenheit vermehren und die Preise niederbringen... der äußeren und inneren Politit ausschlaggebend. Vor allem braucht England Ruhe und Sicherheit in Vorder- und Mittelafien. Der Handelsvertrag wird als ein brauch englischen Proletariat so greifbare Vorteile von dem Handel Indien zu mildern. So wirken verschiedenartige Einflüsse

einflussen laffen.

So hofft die Regierung Lloyd Georges, durch das Handels­abkommen mit Rußland, ihre äußere und innere Lage zu stärken: die Ruhe an den Grenzen der britischen Besizungen in Asien zu gewinnen, im Wett bewerbe um russische Konzessionen und den russischen Absagmarkt sich den Vorrang zu sichern und durch den Friedensschluß mit Rußland bie politische Opposition im Lande teilweise zu entwaffnen. Bringt das Handelsab tommen teine greifbaren Resultate, gelingt es nicht, durch vermehrte Ausfuhr der Arbeitslosigkeit zu steuern, dann ist Sowjetrußland an der Enttäuschung schuld, und die Bolsche= wistenfresser werden um ein Argument reicher. 3Zugleich werden Pläne geschmiedet, um eine eventuelle Fortfehung der revolutionären Propaganda im Orient unwirksam zu machen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Konferenzen von Lloyd George mit Lengues und Sforza in London zu einer Revision des Friedensvertrages mit ber Türkei führen werden. Man wird möglicherweise die Griechen für die Rüdberufung Konstantins bestrafen" burch Konstantins, bestrafen" Damit hofft man, Kemal Pascha zu verföhnen und aus dem die Rüdgabe von Smyrna und Thrazien an die Türkei. Bundesgenossen Mostaus ein Werkzeug der Weſtmächte berung des Aufteilungsvertages von Sevres mag auch dazu gegen Sowjetrußland in Mittelafien zu schaffen. Eine Mil­beitragen, den Groll ber 80 Millionen Mohammedaner in und Interessen für einen Sandelsausgleich mit Rußland, während man zugleich in Aften politische Sicherungen gegen fein Vordringen Jucht, ja möglicherweise eine neue Kampf

nicht nur Handel mit Rußland, wir wünschen Frieden... Friede mit Rußland ist von vitaler Bedeutung für unsere Ar beitslosenfrage. Reißt die Schranken nieber, die den freien Warenaustausch zwischen Rußland und Großbritannien hindern, und eine sofortige Nachfrage nach britischen Fabrikaten wird ent stehen, und ein gleichzeitiger Zuftrom von nötigen Rohmaterialien in Austausch dafür. Friede mit Rußland würde die Arbeitsges für die Arbeiter, Friede dem Bolke, Freihandel mit Rußland." Es mag bahingestellt bleiben, ob es zweckmäßig ist, dem

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bares Mittel betrachtet, um die revolutionäre Propaganda mit Rußland als unmittelbar bevorstehend hinzustellen. Aber gegen das Britische Reich in Anatolien, Persien und Indien der Aufruf zeigt, daß die englische Arbeiterschaft bereit ist zu unterbinden. Man ist sich nur nicht darüber im flaren,

und sehr gut, weiß, welche gefährlichen Kampfmittel die ge­

cb bet Friebe mit England der Moskauer Regierung so viel genwärtige Krise ihr liefert. Darum haben Besonnenheit front gegen Sowjetrußland vorbereitet.