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Sonnabend, 11. Dezember 1920
Nummer 526
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• Morgen- Ausgabe
De achtgefpaftene Stonpareillegeile oder beren Raum koftet 5,-. etnfchließlich Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., fedes weitere Wort 1,50 m., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen lant Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gesuche in Wort- Anzeigen has fettgedruckte Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1,- Fernsprecher: Zentrum 2030, 2645, 4518, 4603, 4635, 4849, 4921
greiheis
Berliner Organ
Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Die Königsmacher
Die„ Heilige Allianz" der Reaktion
-
Oberst Bauer als Drahtzieher- Die Aufgaben der Orgesch
In seiner Broschüre„ Der dreizehnte März 1920" schreibt Oberst Bauer, der Intimus Ludendorffs und Hauptleiter des Kapp- Putsches, am Schluß seiner Ausführungen: Preußen, einst der Vorfämpfer und Gründer des Deutschen Reiches, hat abgewirtschaftet. Es ist in den Händen von Juden und Umstürzlern. Aber das Volt ist gesund, es wartet nur auf eine entschlossene Führerschaft und wird dann das fremde Joch entschlossen abschütteln. Wird ein anderer Bundess kaat die Führung übernehmen? Das beutsche Bolt wartet mit Spannung."
Der Ruf des Obersten Bauer wurde bald erhört. Die wurde Don Führung der deutschen Konterrevolution Ba ayern übernommen. Hier fonzentrierte sich unter dem Schutz der bayerischen Regierung alles, was auf eine Wiederholung des Kapp- Putsches, auf eine Wiederherstellung der Monarchie, auf einen neuen Krieg gegen die Entente hinarbeitet. Alle tompromittierten Führer des Kapp- Putsches flüchteten nach Bayern, wo unter der Beteiligung General Ludendorfis, des Obersten Bauer, des Majors Stefani( des Mörders der„ Borwärts"-Parlamentäre), des Spigels Trebitsch Lincoln und anderer eine Reihe von Konferenzen stattfand.
So tagte Anfang Mai in Regensburg eine Konferenz monarchistischer Organisationen, in der ein vom Obersten Bauer ausgearbeitetes Programm angenommen wurde. Kurz danach reisten Bauer und Trebitsch- Lincoln über Wien nach Budapest. In der Wiener Ungarischen Gesandtschaft wurden sie von dem berüchtigten Dr. Graeg mit falschen Pässen versehen und zwar reiste Oberst Bauer auf den Paß eines Dr. Bürger und Trebitsch- Lincoln auf den Paß eines Dr. Legoti. Am 16. Mai fand in Budapest eine Ronferenz mit dem ungarischen Major Pronay und am folgenden Tage mit Edardt und Humbert statt. Es ind Angaben vorhanden, wonach Oberst Bauer dem Admiral Horthy einen eigenhändigen Brief General Luden dorffs überreichte. Am 26. Mai nahmen die Verschwörer Den allgemeinen Plan des Obersten Bauer an, der am 1. Juni auch die Zustimmung Admiral Horthys fand. Da= nach wurde beschlossen, daß Ludendorff selbst und offizielle Vertreter der bayerischen Regierung nach Budapest kommen müßten. Zu diesem 3wed wurde ein entsprechendes Telegramm an Major Stefani nach München gerichtet.
In Anbetracht der Reichstagswahlen, die Anfang Juni in Deutschland stattfanden, mußte die Reise der erwähnten Personen verschoben werden. Oberst Bauer verließ zeitweilig Budapest und begab sich auf das Gut eines ungarichen Grafen. Am 21. Juni traf einer der Hauptteilnehmer Der monarchistischen Verschwörung, der russische General Biskupski, der schon während des Baltikum- Abenteuers, Der Bermondt- Affäre und des Kapp- Putsches als Vertreter der russischen Konterrevolutionäre mit den deutschen Monarchisten in engste Fühlung getreten war, in Budapest ein. Am 22. Juni fand eine Plenarsigung der deutschen, russischen und ungarischen Verschwörer statt, in der eine Denisórift des Obersten Bauer angenommen wurde, die nach den Angaben der in Prag erscheinenden sodialrevolutionären Zeitung Wolja Roffii" folgenden Wort
laut hat:
feine Grenzen.
1. Grundlegende Idee
Alle beteiligten Länder: Deutschland, Desterreich, Rußland( sowie die Grenzländer Utraine und Weißrußland) ,, Bulgarien, die Türkei und Jrland, führen den Schlag möglichst gleichzeitig zu einem noch festzusetzenden Zeitpunkt, der zwischen dem Herbst dieses Jahres und dem Frühling des nächsten Jahres vorgesehen wird. Hierbei bleibt Ungarn nur in Bereits schaft, um irgendwelche Eventualitäten abzuwehren, und schließt Allgemeine Durchführung. In allen Ländern bestehen bereits Organisationen, die unverändert bleiben. Es wird jedoch ein Ständiges Eretutiotomitee eingesetzt. Das. Hauptquartier befindet sich an einem von Ungarn bestimmten Orte und besteht aus je einem mit Stimmrecht versehenen Vertreter jeder der be: teiligten Gruppen. Den Borjih führt Deutschland( Bayern). Alle örtlichen Einzelheiten regelt Ungarn. tomitee hat seine Vertreter sowohl in den beteiligten, wie in anderen wichtigen Staaten.
Das Zentral- Exekutiv
Presse. Es ist wichtig, eine gleichartige Leitung der
werden.
Deutsch- russisch- ungarische Verbrüderung Die Führerrolle Bayerns - Der Revanchekrieg
Ausführende Organe. Das Zentrale Exekutivkomitee bildet, unter Ausnutzung der bereits bestehenden geheimen Organisatio= nen, einen allgemeinen Aktionsausschuß zur Beseitigung verräterischer oder gefährlicher Elemente. Dieser Ausschuß arbeitet nur auf Befehl des zentralen Exekutivkomitees.
Finanzfrage. Die erforderlichen Gelb mittel werden nach Möglichkeit von jedem einzelnen Staat für sich beschafft. Der Un terhalt des zentralen Exekutivkomitees und die für die Unterstüßung der einzelnen Organisationen und Führer, sowie zur Dedung der geheimen Ausgaben( Ochrana) erforderlichen Mittel werden leihweise von der weißrussischen Regierung beschafft. ( Herstellung von Papiergeld in Ungarn). Ueber diesen Bunkt ver ständigen sich die deutschen Vertreter mit Weißrußland.
Konspiration. Das zentrale Erefutinfomitee tritt mindestens einmal wöchentlich zusammen; in jeder Sigung berichtet jeder Vertreter vollkommen offen über alle Vorgänge in seinem Lande; es wird auch die allgemeine politische Lage erörtert. Alle Teils nehmer verpflichten sich durch besonderen Eid ihr Geheimnis zu wahren. Der Bruch des Eides wird mit dem Tode bestraft. Aue Delegationen, sowie einzelne Personen aus den verschiebenen Staaten, einerlei welche Ziele sie auch verfolgen, müssen ohne vorherige Befragung unmittelbar dem betreffenden Mitglied des zentralen Exekutivkomitees zugeführt werden.
2. Die militärische Bereitschaft gegenüber der Entente Die militärische Macht aller Teilnehmer muß wiederhergestellt werden, um erstens die Einmischung der Entente in unsere Aktion zur Beseitigung der Umsturzelemente zu verhindern und zweitens, und vor allem, um die Annulierung aller sogenannten Friedens verträge zu erzielen.
1. Die Organisation der einzelnen militärischen Kräfte ist Sache eines jeden Landes. Deutschland stellt auf Wunsch die nötigen Offiziere zur Organisation und gleichartigen Formierung der Truppenteile zur Verfügung und liefert die erforderlichen organi satorischen Angaben.
2. Waffen und Ausrüstung werden, soweit sie noch vorhanden sind, von deutschen Vertretern in Deutschland mit Hilfe von pri vaten Firmen beschafft und entsprechend den Anforderungen ver teilt. Bezahlung wird vom entsprechenden Staat geleistet. Aufträge zur Beschaffung von Waffen und Ausrüstungsgegenstände auf anderem Wege müssen eingestellt werden. Angaben über die nötige Anzahl von Waffen müssen schleunigst gemacht werden.
3. Es muß an die Herstellung spezieller neuer Waffen und Ausrüstungsgegenstände geschritten werden. Soweit Deutschland selbst nicht in der Lage ist, Waffen zu liefern, stellt es Maschinen, Rohstoffe und Personal zur Verfügung. Die Unterhandlungen werden nur von deutschen Vertretern geführt; die anderen Staaten teilen lediglich mit, welche Fabriken bei ihnen Bestellungen übernehmen tönnen, und machen Angaben über die Konstruktion und die Menge der angeforderten Waffen.
13. Wirtschaftliche und politische Vereinbarung
1. Die Teilnehmer garantieren sich schon jetzt gegenseitig die Grundsäge der Meistbegünstigung.
2 Die ungarische Regierung stellt fest, wieviel Getreide, Vieh, Wein usw. sie auszuführen vermag. Die Ausfuhr selbst wird in die Hände einer privaten deutsch- ungarischen Gesellschaft gelegt, die vom zentralen Exekutivlomitee insgeheim geschaffen und kontrolliert wird.
3. Die politischen Ziele sind für Deutschland und Ungarn festgelegt. Für die übrigen Länder müssen sie im zentralen Exekutivfomitee erörtert werden.
4. Es muß die Erhaltung des zentralen Erefutivkomitees in veränderter( offizieller) Form auch nach Erreichung der jetzt festgesetzten Biele angestrebt werden.
4. Die Ansiedelungsfrage
Um die besten deutschen Truppenteile, die jetzt der Zersehung preisgegeben sind, für deu, Kampf gegen die Urheber des Umsturzes in besonders bedrohten Orten( beweglichen. Reserven) oder für den Kampf gegen die Entente zu erhalten, wird die Auswanderung vorgesehen. Zu diesem Zwed gibt die ungarische Regierung der Deutsch ungarischen Siedelungsgesellschaft m. b. 5." die Genehmigung zur Organisation der Siedelung. Mit der Gründung dieser Gesellschaft werden die deutschen und ungarischen
Vertreter.
tutiotomitee ein Pressebureau angegliedert werden. Es ist sellschaft arbeitet laut den geheimen Anweisungen der erwähnten außerordentlich wichtig, durch dieses Bureau die mit uns sympa thiefierende Presse zu beeinflussen. Wo teine Organisation der Bresse vorhanden ist, muß eine solche von Fall zu Fall geschaffen
In Verbindung mit dieser Denkschrift des Obersten Bauer wurde folgender militärische Plan auf der Konferenz auss gearbeitet: Die deutschen weißen Garden werden in
Bayern konzentriert; in Desterreich wird mit Hilfe der örtlichen Organisationen die Konterrevolution energisch vorbereitet. Ungarn fonzentriert jeine Truppen an der westlichen Grenze, deutsche Kräfte werden mit Hilfe der Orgesch gruppenweise nach Desterreich geschafft um zu ents sprechender Zeit in Aftion zu treten. Dieser Plan wurde vom Obersten Bauer in allen Einzelheiten ausgearbeitet, die im wesentlichen darauf hinausliefen, daß Kärnten, Steiermark und Tirol als Brüde zwischen Bayern, Desterreich und Ungarn benutzt wurden. Der Orgesch wurde vor allem die Organisation der Bewegung in Tirol und Salzburg überwiesen. Zur festgesetzten Zeit sollten die sozialdemo fratischen Führer in allen Zeilen Desters reichs in der Nacht verhaftet und erschossen werden. Auch die führenden Politiker in der TschechoSlowakei sollten mit Hilfe einer geheimen Organisation ermordet werden. Zur Unterdrüdung irgendwelcher gegnerischen Handlungen in der Tschecho- Slowakei werden in dem Pian des Obersten Bauer bestimmte militärische Operationen in Deutsch- Böhmen sowie von seiten Ungarns. vorgesehen.
Neben diefem militärischen Plan wurde auf der Geheims fonferenz in Budapest vom 21. Juni auch der Beschluß gefaßt, die erforderlichen Mittel mit Hilfe der Anferti gung falscher russischer Tausend Rubel= scheine zu beschaffen, die in Höhe von zwei Milliarden Rubel in Ungarn angefertigt werden sollten. Anfang Juli kamen die Bayern nach Budapest, allerdings ohne Ludendorff. Am 11. Juli fand eine Zusammenkunft zwischen ihnen und dem Admiral Horthy in Gödöllö statt. Schon vorher hatte Horthy den General Biskupski bei sich empfangen.
Am 12. Juli fand eine neue allgemeine Gigung der monarchistischen Verschwörer in Budapest statt, in der alle Finanzfragen erledigt wurden. Der russische Oberst Sijatin, der schon früher 100 000 kronen erhalten hatte, wurde zu Baron Wrangel nach der Krim delegiert, um mit ihm Unterhandlungen zu führen. Ferner wurde be= schlossen, daß General Biskupsti 1 Million Kronen erhalten sollte.( Dieser Betrag wurde ihm am 23. Juli in Horthys Militärkanzlei ausge zahlt.) Ferner beschloß die Konferenz, ihm alle erforder= lichen Mittel zur Herstellung des falschen russischen Geldes und außerdem 6 Millionen Kronen zur Organisation der militärischen Abteilungen und Spionagebureaus zur Verfügung zu stellen. Große Geldbeträge wurden von den deutschen und österreichischen monarchistischen Organisationen beschafft.
Das monarchistische Schuß- und Trutzbündnis Am 26. Juli verließ General Biskupski Budapest, nachs dem er vorher der monarchistischen Konferenz ein ausführ liches Memorandum unterbreitete, in dem er unter Anlehnung an die Denkschrift des Obersten Bauer die Ziele der monarchistischen Verschwörer mit voller Klarheit offenbarte. Dieses Memorandum beweist erneut, daß die russi schen Reaktionäre und Weißgardisten, die sich der besonde ren Sympathie der reaktionären Kreise in Deutschland er freuen, gemeinsam mit den deutschen und ungarischen Mili tärs die treibende Kraft der fortgesetzten Berschwörungen und Zettelungen in Mittel- und Osteuropa find. Sand in Hand mit ihren Gesinnungsgenossen in London, Paris, Rom usw., die engster Berbindung mit den reaktios nären Parteien der Ententeländer stehen, suchen sie die Regierungen der Entente zur Fortsetzung ihrer ver brecherischen Interventionspolitit in Rußland anzustacheln. Gleichzeitig jedoch schaffen sie im Bunde mit den deutschen, ungarischen und österreichischen Monarchisten die Grundlagen für eine neue Seilige Allianz", die ihre Spike nicht nur gegen die revolutionären Bewegungen in Mittel- und Osteuropa, sondern auch gegen die Ententemächte richtet.
Es ist ferner charakteristisch, daß die militärischen Ver schwörer um General Biskupski, die offensichtlich mit gegenrevolutionären Elementen innerhalb der russischen roten Armee in Verbindung stehen, mindestens im Sommer und Herbst auch auf den Vormarsch der russischen roten Armeen spekulierten, um einerseits die Wiederherstellung Großrußlands in den alten Grenzen von 1914 und andererseits die dadurch verstärkte antirussische und antikommunistische Be wegung in den mitteleuropäischen Ländern zu fördern. Dieser wahrhaft teuflische Plan ist in folgendem Abschnitt des Momorandums des Generals Biskupsfis niedergelegt: