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Einzelpreis 30 Pig.

3. Jahrgang

Beretheit erscheint margens and achmittags, Sonntags and Moxters einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freter Buftelung ins Sans für Groß- Berite 10,-. im saraus zahlbar, vor der Spedition felbft abgeholt 8,50 M. Für Bot bezug nehmen jämtliche Bestenkaltex Beftelungen entgegen. Unter Streifbarb bezogen für Deutf land und B 10,80., fie bas brige Wusland 21,50 ugelis Balute- Buffcolas, per tef für Seatfalen und Servei 30,- Mehobia pedition and Gerlag: Bertin 2 Breite Straße&.

Sonntag, 12. Dezember 1920

Nummer 528

Morgen- Ausgabe

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Sheachtgefpaftene Moupereffezette ob beren Reum teft&- Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigex: Das fettgebrakte Wert 2-98., febes meite Wort 1,50 R., einschließlich Tenerungssnfchlag. Zaufende Angelgen tout en Familien Ungeigen und Stellen- Befuche 3,20. wetts sro Belle. Stekenen Wort Angelgen hae fettgebrakte Wort 1,68.. jebes welters Won 1,-2 Serafprecher: Zentrum 2838, 2845, 4518, 4000, 4835, 4460, 482E

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Berliner Organ

ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Hohn und Spott statt Brot Französische Warnungen an Polen

Die Herren des deutschen politischen Simmels, bie Me, sierungen im Reiche und von Preußen, haben, in offens chtlicher Webereinstimmung mit der Reichstagsmehr. eitsfall eit, die Schleusen ihres 3orns geöffnet und Pech und erden Schwefel regnen lassen auf das Sodom und Gomorrha eines ündigen Beamtenvoltes. Eines Beamtenvoltes, bas ber Sünde geziehen wird, auch satt werden, au Stiefel und Kleider befigen, auch leben zu wollen mit Weib und M. Rind. Und das des weiteren Frevels bezichtigt wird, den ffenen Rampf für dieses Lebensrecht vorbereitet gu haben, nachdem es in namenloser Gebulb monatelang der Gnade jenes ärmlichen Simmels untertänig gewärtig war. Die Regierungen haben das Streifzecht ber Beam.

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en brutal vernichtet und die Interpellation un lerer Partei, die Gelegenheit bieten soll, fie deswegen zur Rechenschaft zu ziehen, wird von Tag zu Tag verschoben.

In einem fozusagen demokratisch und mit parlamentarischen Mitteln regierten Lande hat sich eine Regierung wohl noch nie so unverantwortlich und herausfordernd gegenüber den Bediensteten des Staates gezeigt wie die Stresemann- Regie tung in der Frage der Beamtenbesoldung und während der gegenwärtigen Krise im Beamtenlager. Seit einer fleinen Ewigkeit geht das Gerede über die Reform der Beamtenbe­oldung hin und wieder. Statt sie zu beschleunigen, wurde sie burch allerlei fleinliche bureaukratische Instanzenbedenten aufgehalten. Die gefügigen Beamtenverbände taten Bittgang auf Bittgang. Jeber dieser Wege zu den Borzim mern der Minister hatte eine neue Berlicherung des Bohlwollens, eine wiederholte Mahnung zur Geduld und Pflichterfüllung zur Folge, und nur lecht verbarg fich hinter den würdigen Reben das hämische Grinsen des Hohnes der in ihrer Position heren o brigen Bureautratie.

Diefer Sippe, die auch heute noch nach wilhelminischen Marimen die eigentliche Herrschaft führt, war es ein Ver­nügen, der Blaffe ber mittleren und unteren Beamten, der Untergebenen, die Macht der Herren und die Ohn macht der Kleinen fühlbar zu machen. Die Masse war auf­Mitmel fäffig geworden. Sie hatte sich organisiert und während der Rapp- Episode logar politisch gestreift. Nun hatte man Ge legenheit, fie mitbe werben zu lassen, und diese Gelegenheit ist weiblich benugt worden.

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Einige der Beamtenorganisationen halfen fogar selber, milde Tröftungen und väterliche Mahnungen statt reichliches ten Brotes auszuteilen. Ihre Leitungen find von einer Ge finnung erfüllt, die sie viel zu eng verbündet mit ben regie. tenden Parteien, als daß sie es wagen würben, sich gegen die Macht der oberen Beamten, der willigen Diener und häs mischen Ohrenbläser eines reaktionären Regimes, zu erheben. Die Organisationen der Beamten find zerstädelt und uneinig und von ganz verschiedenen Tendenzen geleitet,

baß im Falle des Aufbegehrens einer Gruppe andere, will­fährige Schichten bereitstehen würden, um die Auffässigen nie berzwingen zu helfen. Die obere Bureaukratie hatte es sich angelegen fein lassen, diese Gegensäge zu vertiefen. Sie tonnte ihr Spiel also mit Ruhe fortsegen und hatte noch die Aussicht, daß es ihr gelingen würde, im Falle von ernsthaften Schritten der Beamtenmassen einen Teil der unruhigen Elemente" abzustoßen. Nicht umsonst fehrt in dieser Arise bie Andeutung immer wieber, daß die Erhöhung der Ge hälter den ,, Abbau des bureaukratischen Apparates" und die wirtschaftlichere Gestaltung der Betriebe nötig mache-

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Beginnende Einsicht?

Baris, 11. Dezember. Sumanité teilt mit, daß Ministerpräsident Leagues gestern im Rammerausschuß für Auswärtige Angelegenheiten zugegeben hat, bak Polen imperialistischen Zielen nachjagte und das es von bieler Arautheit nicht geheilt sei. Er fügte hinzu: Wir empfahlen Bolen, auf leine hohfliegenden Bläne zu vers zigten und fordern die poluifhe Regierung auf, sich ruhig zu verhalten, wenn fe einem Zusammenbruch entgehen will, ber einem zweiten Angriff gegen Rußland folgen würde. Die Herrscher in Warsan haben. besseres zu tun, als ben Krieg wies der anzufangen. Sie müssen baran benken, sich zu organisieren, und vor allen Dingen versuchen, ihrem Finanz- und Wirtschafts­elenb ein Ende zu bereiten.

Die hochbedeutsame Erflärung des französischen Ministers präsidenten ist ein Beweis dafür, daß nun auch die fran­öfifchen imperialistischen Kreise, bisher die fanatischsten Be fürworter ber Intervention in Rußland, einzusehen bes ginnen, daß weder die Förderung Wrangels und anderer Abenteurer, noch die Unterstützung Bolens gegen Sowjet­Rußland der franzöfifchen Politit Erfolge verspricht. Die Erflärung von Lengues genügt natürlich nicht, um das russische Bolt von der Friedensbereitschaft Frankreichs zu überzeugen. Den Worten des franzöfifchen Ministerpräsiden überzeugen. Den Worten des franzöfifchen Ministerpräsiden ten müssen entsprechende Taten folgen, die vor allem in ber Bergichtleistung auf jede Intervention und in der nerfennung der Sowjet- Regie zung bestehen müßten.

Die sächsische Regierung

Dresden, 11. Dezember.

Die Besprechungen des Ministerpräsidenten Bud mit den un abhängigen Abgeordneten Bisiusti, Fleißner und Jäckel, haben gestern nachmittag in dem Ergebnis geführt, daß Lipinski bas Ministerium des Janern, feigner bas Kultusministes rium und Jädel bas Arbeitsministerium übernimmt, so bag nunmehr das Rabinett felgenbermagen zusammen gelegt ist: Ministerpräsident: Bud( Sez.), Wirtschaftsministes

ber gefährlichsten antidemokratischen Rückstände aus der guten alten wilhelminischen Zeit.

Die Propaganda gegen das Streifrecht ber Beamten it feineswegs, wie Unfundige vielleicht glauben mögen, neuesten Datums. Die jüngste herausfordernde Rundgebung der Regierung und die Sonderaktion des Herrn Giesberts fonnten nur erstehen auf einem gut vorberei teten Boden. Die Regierung war in der Lage, sich auf eine bereits am 20. Februar 1920 abgegebene Erklärung der preußischen Staatsregierung gleichen Sinnes zu berufen. Uber auch innerhalb der Reihen der Beamten wird diese Bropaganda bereits seit längerer Zeit betrieben. Die Schrift bes Herrn Allefotte, bie mit mehrfach erwähnen mußten, ist wohl eine der bebentenbften, aber bei weitem nicht die ein jige Erscheinung dieser Art. Andere Geister von gleicher Ge finnung arbeiten beständig im felben Sinne. Das hat zahl reiche Beamte unfisher gemacht, hat ihr Selbstbewust lein, ben Glauben an ihre Kraft zermürbt. Go tonnte man es wagen, ben jüngsten Generalangriff auf das Streifrecht der Beamten zu führen.

Der Deutsche Beamtenbund hat dieser Brutalität feinen Widerstand entgegengefekt, obwohl gerabe die gegen wärtige Situation die abwehr leicht gemacht hätte. Es ist ein Sohn, dem Briefträger, der mit seiner Familie hungert, oder bem nieberen Eisenbahnbeamten und Taufenben von anderen Staatsbediensteten gleicher Kategorie vom Dient. eib und von flighten zu sprechen in dem Augenblid, ba

rium: Shwarz( Soz.), Juftizministerium: Dr. Sarnisch( Soz), Ministerium des Innern: Lipinski( Unabh.), Kultusministe rium: Fleißner( Unabh.), Arbeitsministerium: Jätel ( Unabh.), Finanzministerium: Selbt( Soz.)

Die eingeworfenen Fensterscheiben Auch Amerita protestiert gegen die deutschen Ministerreben DA. Paris, 11. Dezember.

Die Mehrzahl der Pariser Zeitungen läßt sich von ihren Ber finer Rorrespondenten melden, daß sich der ameritanishe Geschäftsträger in einer besonderen Berbalnote bent englisch- franzöfifch- belgischen Protest gegen die Reben deutscher Minister im besetzten deutschen Gebiet angeschlossen habe. An Berliner zuständigen Stellen war bis zur Stunde über dieses Vorgehen Amerikas nichts Näheres zu erfahren.

Beamtenstreik in Desterreich

Die Bewegung beendet

Ein Streit der Staatsbeamten in Wien, ber einige Zeit an hielt, ist abgebrochen worden. Verhandlungen zwischen der Re gierung und den auskändigen Staatsbeamten, die am Freitas stattfanden, haben zu einer Einigung geführt. Das Altions fomitee der ausständigen Beamtenschaft betont in seinem Auf ruf zur Aufnahme der Arbeit, daß die Beamten zwar tellwelle Zugeständnisse gemacht hätten, angesichts der bedrohlichen Finanzlage des Staates aber doch dem Grundfage gleidet Behandlung aller Staatsangestelltengruppen zum Durch bruche verholfen hätten.

Gerüchte über Longuets Tod

In den Abendstanden serbreitete Rh gestern auf den Berliner Mebaftionen das Gerücht, daß der Genese Jean Benguet in Baris gestorben sei. Raferschungen, feweit te in später bend unbe noch möglich waren, ergaben indes teine Bestätigung dieses Gerätes, je bak anzunehmen ist, bah cin Jrrtum vorliegt. Soffen wir, baß unsere Annahme sich bestätigt.

Man fann behaupten, daß die Beamten fein Streifret befiken, aber man fann nicht bestreiten, daß sie sich dieses Recht unter Umständen einfach nehmen werden." Auf den gleichen Ton find die ganzen Ausführungen des Artifels gestimmt, so daß der Leser den Eindrud hat, als zähle jemand an den Westenknöpfen ab: fe haben es, Sie haben es nicht. Das Streifrecht nämlich. Wir finden, bak die Beamten in ihrer gegenwärtigen fozialen Lage das Streifrecht einfach nicht entbehren fönкen und barum fämpfen müssen, wenn man es ihnen widerrecht lich vorenthält.

Der Deutsche Beamtenbund hat bas nicht getan. Seine Erklärung zur Lage ist der Verzicht auf das Streif. recht. Das Vertrauen breiter Schichten von mittleren und unteren Beamten an ihm muß dadurch auf schwerste erschüt tert werden. So brennend notwendig die Lohnzulagen find,

wichtiger als sie war in diefer Stunde die Wahrung des

Streifrechts. Der Beamtenbund aber hat badurch, daß er die Reaktion in diesem Augenblid gewähren läßt, ft felbft ber Möglichkeit beraubt, in 3ufunft einmal ernsthaft das Streit teht für seine Organisationen in Anspruch nehmen zu fön nen. Niemand with ihn bann ernst nehmen.

Borsak, der löblich wäre, wenn man nicht wükte, was das hinter verborgen ist, wenn die Reinigung" der Eisenbahn­merfstätten im vorigen Winter nicht bewiesex hätte, bak immer gerade die Bertrauensleute gewiffer Dr. ganisationen für die Unwirtschaftlichkeit der Betriebe Berantwortlich gemacht und mit der Entlassung beftraft wer ben. Man denkt ja nicht daran, die Organisation der Be triebe und die Fähigkeiten ihrer Leiter zu prüfen, um hier bie Gründe für die Schuldenwirtschaft zu suchen. Ades das glaubt man fich leisten zu können. Spinnt doch die abere Bureaufratie ihre Fäden bis in die lesten Teil betriebe ber Berwaltung hinein. Ueberall fist ein fleiner Despot, die Augen gehorsamst nach oben, den Stiefelablas der Staat seine Pflichten gegenüber seinen Angestellten halten fönnen. So aber hat der Deutsche Beamtenbund brutal nach unten gerichtet. Wie einft im Mai. Ein hmählich verlegt unb te obendrein die Macht bes Wint der höheren oder höchsten Herren und ein Bericht liegt vor, mit bem man alles begründen und erreichen fann, was ein beamtenfeindliches, reaktionäres Herz begehrt. Rechte und fie leiden infolge ber 3ersplitterung der Organis lationen zubem an innerem Kräfteschwund. Sie dürfen das lhaft stärken" und die Interessen der Beamten vertreten Vertrauensverhältnis zwischen Berwaltung und Beamter. behufs Erhaltung ihrer Arbeitsfreudigkeit und Bermeibung von Reibungen". Im übrigen darf der Ausschuß fich fiber

Unterbrüders fühlen läkt. In der Erklärung ber Regierung gegen das Streifrecht wird gesagt, ber Staat müsse mit ben Beamten ein Berhältnis eingehen, daß diese zur völligen

Den Beamtenausfüllen fehlen exifcheibende Singabe an den Staat verpflichtet". Sat der Staat

feinerseits etwas dazu beigetragen, baß ein solches Verhält wis entstehen fonnte? Das Verhältnis zwischen Beamten Shaft und Staat aber ist ein reines Arbeitsverhält xis, und der Beamte hat seine Tätigkeit auf Grund eines Arbeitsvertrages ans, genau wie jeder Arbeiter und Angestellte der privaten Industrie. Er muß mithin allgemeine, innerdienstliche Angelegenheiten gutachtlich auch das Recht haben, ander Gestaltung dies äußern" und ebenso gutamtlich Stellung nehmen zum Jes Arbeitsverhältnisses durch Anwendung Erlak von Anordnungen, die ben inneren Dienst und perfon, berlegten gemerffhaftlichen Mittel mitzu liche Angelegenheiten betreffen, sofern der Chef den Fall für geeignet" hält, um ein solches Gutachten des Ausschusses zu Bulassen. Darüber hinaus beherrscht Jahrantenlos das Feld ber ebenso langsam wie fidher funktionierende Berord nungsbetrieb und die Personalaften, zwei Grundsay:

wirtex.

Der Borwärts" führt einen geradezu lächerlichen Eier­tanz auf, um fi um die Beantwortung der Frage des Bes amtenstreits herumzubrüden. Er erhebt folgendes sum

Dez Beamtenbund hat anscheinend auf das Streifrecht ver statet in ber Hoffnung, die Lohnzulagen debuts in Ruhe unter Dach bringen zu können. Wir fürchten, er hat falsch falfuliert. Einez Beamtenschaft, die den Widen und die Araft zur Wahrung ihres Streifrechts gezeigt hätte, hätte man auch die Besoldungsverbesserungen nicht vorent

wie ein Judaslehn erscheinen, für den bas Streifrecht preisgegeben wurde. Ober hat fi der Deutsche Beamten bunb bie Kraft zur Führung des Rampfes um das Streif recht nicht zugetraut? Dann fall er abtretex und bie Aufgabe der Organisation ber Beamten anderen Kreisen überlassen, benen es ernst ist mit der Kampf der Beamten Lebenshaltung. um ihr freies Bürgerrecht und um eine menfchenwürdige

Aber mögen sich die Dinge im Deutschen Beamtenband fo ober so entwideln, bas abgemürgte Streitrect ber Beamten muß wieber hergestellt werden. Den energischeren Elementen in bez Beamtenschaft ist eine neue große Aufgabe erwachsen. Sie werden jest begriffen haben, daß e te nur lösen fönnen im engen Anjing an unsere artei, bez einzigen, bie für das Re ber Beamten fämpft und ihrer Lage Rechnung trägt. Mögen fie fich bellen schon bei den bevorstehenden Landtags. wahlen in Breußen erinnern.