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Einzelpreis 30 Pig.

3. Jahrgang

Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags and Montags m einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berli 10,- 9. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Posts bezug nehmen fämtliche Postanstalten Befteliungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 m zuzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- m. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin& Breite Straße 88.

Sonntag, 19. Dezember 1920

Nummer 540

Morgen- Ausgabe

Ole achtgefpaltene Nonpareillezetle aber beren Raum koftet- eufche Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte, Wort 2,- 9., febes weiters Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Sari Familien Anzeigen und Stellen Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- cu in Wort- Anzeigen has fettgedruckte Wort 1,50 m.. jebes weitere Wort 1.-M. Fernfprecher: Zentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4640, 4021

Freiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Der Reichstag

Der Reichstag ist gestern in die Weihnachtsferien ge­gangen. Man kann nicht gerade behaupten, daß er seine Arbeiten glorreich beendet habe, denn die Sigung schloß mit der Feststellung seiner Beschlußunfähigkeit. Dabei war das Haus besser besetzt als an sehr vielen anderen Tagen. Nur daß eben diesmal eine bestimmte Partei ein Interesse daran hatte, durch Anzweiflung der Beschlußfähig feit die Maschine lahmzulegen. Die bayerische Volkspartei wollte verhindern, daß unser Antrag auf Beseitigung Route des Ausnahmezustandes in Bayern zur Ver­handlung fäme. Der Schutztruppe des Orgesch- Ministeriums Kahr ist der Streich gelungen. Die Erörterung des Antrages, retbelt der bereits vor einem Monat eingebracht wurde, ist so auf Die zweite Hälfte des Januar verschoben worden und die bayerische Regierung fann unbehelligt auch weiterhin ohne Rüdsicht auf die verfassungsmäßigen Garantien sich der ihr o besonders am Herzen liegenden Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung widmen. Die an sich schon an Erfolgen lo reiche bajuvarische Reaktion darf einen neuen Sieg buchen. Er würde ihr nicht so leicht in den Schoß gefallen sein, wenn die Abgeordneten es mit ihren Pflichten etwas ernster nähmen. Damit find wir an einem der wunden Punkte unferes Parlamentarismus angelangt. Früher berief man lich zur Entschuldigung für die schlechte Besetzung des Reichstags auf das Fehlen von Diäten. Jetzt werden Diäten gezahlt und trotzdem ist das Parlament meist leer. Ein paar Dugend Volksvertreter erfüllen ihre Aufgabe mit einiger Regelmäßigkeit. Die große Mehrzahl gibt nur Gast­tollen und beschränkt sich im besten Fall darauf, ihre Namen in die Lohnliste" einzutragen, um nicht den Abzug von 50 M. erleiden zu müssen.

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Richt bei allen trägt mangelhaftes Pflichtbewußtsein die Schuld. Politit wird nicht nur im Parlament getrieben und manch einer leistet draußen unter Umständen für die von ihm Bed Dertretene Sache wertvollere Arbeit, als im Sizungsfaal. Aber es gibt doch nicht ganz wenige, die es vorziehen, ihren privaten Geschäften nachzugehen oder ihrer Bequemlichkeit zu leben, und sie sind es, die dazu beitragen, den parlamen­tarischen Apparat in Mißkredit zu bringen. Wenn sie sich darauf berufen, daß die Mühle zwar sehr start flappere, aber wenig Mehl produziere, so haben sie sicher recht, nur daß sie mit ihrer Methode den Zustand nicht bessern. Wer den Par­lamentarismus verachtet, soll sich nicht wählen lassen. Denn burch das Fernbleiben von den Sigungen macht er fein brauchbares Instrument aus dem Reichstag und noch viel weniger zeigt er damit den Weg zu einer besseren Regie­rungsform.

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Es ist sicher nicht zu verkennen, daß der ganze Betrieb einem sehr häufig ein starkes Mißbehagen verursachen fann. Die Qualität des Geleisteten steht in einem gar zu fras­en Mizverhältnis zu der Quantität des Geredeten. Das Reben wird vielfach zum Selbstzwed und leider find es vielfach Reden, an denen niemand anders eine Freude hat als der, der sie hält. Mit dem Spott darüber, daß hier hmirge einige unbedeutende Persönlichkeiten sich vor ihren Wählern großtun wollen, ist der Kern der Sache freilich nicht getroffen. Nicht daß sie sprechen ist das Uebel, sondern daß ihnen das ufer Augenmaß für die Bedeutung des Gegenstandes sowohl wie für die Wirkung auf den Hörer fehlt, muß beklagt werden. Eine der junferlichen Zierden des vorrevolutionären effing Reichstags, Herr v. Oldenburg Januschau, hat leinen Grundsatz einmal dahin formuliert, daß eine Rede furz und verlegend sein müsse. Zu verlegen ist nicht jedem Langegeben, aber der Kürze fönnten sich alle befleißigen. Daran

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Deutschland in Brüssel

Die deutschen Vorschläge

Brüssel, 18. Dezember. In der heutigen Bolligung der Sachverständigen Konferenz, die um 10 Uhr vormittags abgehalten wurde, er­griff sofort Staatssekretär Bergmann das Wort. Er sfizzierte in großen Umrissen das deutsche Programm in der Reparations frage, wobei er auf den in Spaa gemachten Vorschlag hinwies und den deutschen Wunsch betonte, daß eine Gesamtent schädigung festgelegt werde. Mit Bezug auf die Sachs leistungen, die in Anneg 4 des Friedensvertrages von Versailles vorgesehen sind, verwies er auf die Möglichkeit einer anders weitigen Regelung auf dem Wege eines limitierten Sondertrebites. Sonderkrebites, Bezüglich der Geldleistungen betonte Staatssekretär Bergmann besonders die schwierige Lage, in der fich Deutschland befinde, wobei er auf die gestrigen Darlegungen des Staatsfretretärs Schröder und des Reichsbantpräsidenten Savenstein Bezug nahm. Er schloß mit einem furzen Hin weis auf die Schwierigkeiten, die überhaupt jede Leistung be hinderten: Die hohen Besagungskosten, die Unsicherheit des Schicksals Oberschlesiens, die Ungewißheit mit Bezug auf das deutsche Bermögen im Auslande, die fehlende Meistbegünstigung im Zoll und Handelsverkehr, sowie schließlich das Fehlen von Handelsschiffsraum. Zur Prüfung der einzelnen Vorschläge emp fahl Staatssekretär Bergmann die Bildung von Unters ausschüssen.

Die Delegierten der Alliierten hielten darauf eine Beratung unter sich ab, welche faft eine Stunde dauerte. Nach Wiederaufnahme der Volligung teilte Präsident Delacroig mit, daß die Bildung einzelner Unterausschüsse, insbesondere für die Sachleistungen, die Staatssekretär Bergmann vorgeschlagen hat, erfolgen joll

Ueber die Nachmittagsfihung berichtet Havas- Reuter: Jm Berlaufe eines Meinungsaustausches zwischen den alliierten Delegierten wurde der Beschluß gefaßt, bestimmte Persönlichkeiten aus ihrer Mitte damit zu beauftragen, daß sie sich mit der deutschen Delegation in Verbindung segen, um von ihr nähere Erklärungen über einige Punkte zu erhalten, welche in dem bisher von ihr vorgeschlagenen Expose behandelt find. Die Delegierten werden ihre Kollegen von dem Ergebnis ihrer Unter­haltungen Bericht erstatten. Eine Sigung mit der deutschen Delegation wird morgen vormittag stattfinden. In ihr soll das Expose, das die deutsche Kommission der Konferenz zu unterbreiten wünscht, zu Ende geführt werden.

Rußland und Rumänien

Die russische Regierung hat nach einer Wolff- Meldung an Rumänien erneut die Bitte gerichtet, zum Zwecke von Frie bensverhandlungen Ort und Datum der Verhandlungen zwischen Rußland und Rumänien festzusetzen. Die russische Re­gierung betont, es sei trotz der eheblichen Befestigung der politi

auch die Regierung legte den größten Wert darauf, die Be­sprechung dieser Frage noch vor Weihnachten vorzunehmen, wobei der Regierung darum zu tun war, den schlechten Ein­druck der deutschnationalen Interpellation über die Zustände in den russischen Internierungslagern zu verwischen. Aber bie widerspenstigen Bayern brachten auch diesen Punkt der gestrigen Tagesordnung zu Fall. Sie haben andere Gorgen als die Herstellung normaler Beziehungen zu einem Lande, das wirtschaftlich für uns von der höchsten Bedeutung ist.

fehlts, weil manch einer glaubt, er müsse bei jeder Gelegenheit Jeine ganze Weisheit auf den Tisch des Hauses niederlegen. So wird aus dem Reben ein Schwagen ohne Selbst beschränkung, und so haben wir feine Debatten, in denen der eine die Argumente des andern bekämpft, sondern eine Kette von Monologen, in denen hundertmal Gejagtes Es ist schon allerhand, daß wenigstens noch die Novelle noch einmal wiederholt wird. Mit Geschäftsordnungsvor zum Reichsnotopfer unter Dach und Fach gebracht Pappe chriften wird diesem Uebel kaum beizukommen sein, es bleibt worden ist. Auch das wäre beinahe gescheitert. Freilich nichts anderes übrig, als immer wieder an die Vernunft der nicht sowohl an dem schlechten Arbeiten der Parlaments­einzelnen Mitglieder und der Fraktionen zu appellieren. maschine, als an dem gar zu guten der fapitalistischen Par­Trotz allem fann der Reichstag sich, wenn er jetzt in die teien. Darüber, daß das Reich Geld braucht, sind sich alle Ferien geht, darauf berufen, daß er eine große Reihe von einig, aber die Bourgeoisie will die Notwendigkeit Gesetzesvorlagen erledigt habe. Nur find es leider vielfach des Steuerzahlens für sich schlechterdings nicht an erfennen. Dem Arbeiter werden 10 und 15 Prozent vom berhältnismäßig belanglose Gegenstände, die er auf seinem Ronto buchen kann. Vor allem steht er mit dem Etat für Lohn abgezogen, die befizenden Klassen aber erheben ein das laufende Finanzjahr, das am 31. März endet, noch in den großes Geschrei und rüsten sich zum schärfsten Widerstand, Anfängen, und andere sehr wichtige Dinge, zu denen wir wenn ihr Geldbeutel bedroht ist. Ursprünglich sollte bekannt lich jeder zum sogenannten Notopfer Verpflichtete die auf ihn fallenden Beträge in 30 Jahren und bei Grundbesitz in delsbeziehungen mit Rußland rechnen, sind liegengeblieben. Nicht nur wir, sondern, soviel wir wissen, 50 Jahren ratenweise abzahlen können. Jegt verlangte die

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schen und militärischen Lage der russischen Republit ihr Friebens wunsch und ihre feste Entschlossenheit, freundschaftliche Beziehungen mit den anderen Staaten anzufnüpfen, derart, daß sie bereit fei, in breitem Maßstabe die Wünsche zu erfüllen, welche die rumänische Regierung äußern fönnte. Von der Zusicherung der strengen Neutralität nimmt die russische Regierung Kenntnis, bittet jedoch Rumänien um genaue Mitteilungen über die bewaffneten Kräfte der Gegenrevolution, die von den rume nischen Behörden entwaffnet wurden.

Die Adria- Frage

Der Vertrag von Rapollo, der die italiensch- südslawischen Differenzen an der Adria regelt, ist vom italienischen Senat ratifiziert worden. Vor der Abstimmung im Senat erklärte Giolitti, die Abstimmung müsse ein flares Ergebnis zum Ausdruck bringen, da die Meinungsäußerung des Senats es in Fiume deutlich machen müsse, daß Italien über allem ste he. Giolitti erklärte sich für folgende Tagesordnung: In der Ueberzeugung, daß der Vertrag den Beginn aufrichtigen, bauern den Friedens bedeutet, billigt der Senat den Vertrag und geht zur Tagesordnung über. Bei der namentlichen Abstim. mung wurde diese Tagesordnung mit 262 gegen 22 Stima men angenommen. Sodann wurde der Gesezentwurf betreffend die Ratifizierung des Vertrages mit 215 gegen 29 Stimmen an genommen.

Die Aeußerung Giolittis ist ein Wint für d'Annunzia, der sich durch seine Extratouren immer mehr in Widerspruch mit dem offiziellen Italien setzt.

Die deutschen Zahlungen im Aus­gleichsverfahren

Ueber die Höhe der bisher im Ausgleichsverfahren an England und Frankreich geleisteten Zahlungen sind in der legten Zeit viel fach irrige Mitteilungen durch die Presse gegangen. In Wahrheit handelt es sich dabei um folgende Beträge.

An England sind bisher entrichtet worden:

Anfang August 1920

Anfang September 1920. Anfang Ottober 1920

Anfang November 1920

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86 311 Pfd. Sterling 3 230 750 3fb. Sterling

2 363 317 Bfb. Sterling 3143 071 3b. Sterling

im ganzen also 8 823 449 Pfd. Sterling.

An Frankreich sind bisher zum Zwede der Abdeckung bes Oftober- Debetsaldos im Ausgleichsverfahren mit Eljak- Lothringen Anfang November 1920 48 158 051 franzöfifche Frants gezahlt worden.

Das amerikanische Antistreitgefek. Der amerikanische Senat hat ein Gesetz angenommen, das die Streits untersagt und ser bietet, die eine Lahmlegung des Handels und der Industrie zur Folge haben könnten.

Regierung, die nicht mehr ein und aus weiß, die sofortige Einziehung von einem Drittel der Abgaben in zwei Raten am 1. Februar und am 1. August 1921. Die ganze fapitalistische Clique geriet in Aufruhr. Indem fie die für sie viel günstigere 3wangsanleihe in die Debatte warf, suchte sie sich um das Zahlen zu drüden, und es mußte erst eine fleine Regierungsfrise kommen, um mit Ach und Krach und unter Festsetzung von einigen Aufnahmeerleich terungen ein Gesetz zur Annahme zu bringen, daß ben Reichen etwas abnimmt und dem Reich eine Kleinigkeit an Barmitteln zuführt.

Nein, wir haben wirklich keinen Grund, auf das deutsche Parlament stolz zu sein und auf seine Arbeiten Hoffnungen zu setzen. Seine Politik ist so fläglich wie seine Methoden, und wenn wir nicht schon ohnehin vom Standpunkt der proa letarischen Interessen aus dem Parlamentarismus auger ordentlich skeptisch gegenüberständen, so fönnten uns die Ers fahrungen, die wir bisher mit dem ersten Reichstag der deute schen Republik gemacht haben, die Begeisterung austreiben. Das Parlament ist und bleibt uns nur ein Notbehelf. Die entscheidenden Schlachten der Arbeiterklasse würden auch dann außerhalb seiner Mavern geschlagen werden, wenn die formelle Seite seiner Tätigkeit zu feinen Anständen Bere anlassung böte.

Metallarbeiter! Die Entscheidung fällt heute!

Alle Stimmen für die Liste Ziska- Urich!