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Einzelpreis 20 Pfg.. 3. Jahrgang

Die Freiheit erfcheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags mur einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buſtellung ins Haus für Groß- Berlin 10,- M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Bofts bezug nehmen fämtliche Boftanstalten Bestellungen entgegen. Unter Streifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 M., für das übrige Ausland 21,50 M. züglich Baiuta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Österreich 30,- m. Mebaktian. Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 8-9.

Montag, 20. Dezember 1920

Nummer 541

Abend- Ausgabe

Die achtgespaltene Ronpareillegeile oder beren Raum koftet 5,-. einschließlich Teuerungszufchlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., fedes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tark. Familien- Anzeigen und Stellen- Befuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Besuche In Wort- Anzeigen das fettgedruckte Wort 1,50.. jedes writere Wort 1,-. Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4040, 4821

greiheit

Berliner Organ

ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Die Peitsche der Agrarier

Teureres Brot und längere Arbeitszeit Nach einer Meldung des Berliner Tageblatts" hat der bayri­The Bauernführer Dr. Seim in mehreren Versammlungen des raße Bayrischen Allgäus ausgeführt, daß eine Verdoppelung des Brot preises eintreten werde, weil die Inlandsvorräte die Bedürfnisse nicht decken und wir sehr bald aus dem Auslande Getreide be= Biehen müßten Er stellte ferner die Forderung auf, daß länger als acht Standen gearbeitet werden müsse, daß man gegen das Streifen einschreiten und den Faulenzern die Peitsche geben solle, bann werde es besser werden. Der Sozialisierung der Landwirt haft tündet er den schärften Kampf an. Bayern müsse seine Einwohnerwehr behalten, General Rollet habe von bayrischen Berhältnissen feine Ahnung.

Diese Offenherzigkeiten des Dr. Heim sagen der Arbeiterschaft deutlich, was ihr harrt, wenn sie die Reaktion widerstandslos ge­währen läßt. Es ist Tatsache, daß die Agrarier mit ihren Ge­treibelieferungen bewußt zurüchalten, weil sie die völlige Auf­bebung der Zwangswirtschaft, und damit die Erhöhung der Ge­reidepreise zu wahnwiziger Höhe, durchsehen wollen. Es ist Tat­ache, daß riesige Mengen von Getreide der öffentlichen Bewirt­aftung entzogen, in den Schleichhandel oder über die Grenzen gebracht werden. Wenn die Agrarier ihre Pflicht gegenüber den Verbrauchern erfüllen würden, so wäre die Verdoppelung oder gar Verbreifachung des heutigen Brotpreises nicht nötig. Aber bie Sorge um das eigene Portemonnaie steht ihnen höher als das Gemeinwohl.

Wenn schon die Peitsche Anwendung finden soll, so müßte sie nicht gegen die ,, faulenzenden Arbeiter" geschwungen werden, son­dern gegen die Kreise der Bourgeoisie, die die Arbeiterklasse bis aufs Hemd auswuchern und ausplündern!

Bewegte Szenen in Italien

Sturm in und außer der Kammer

Wie die Agentur Stefani" aus Bologna meldet, wurden bie Jozialistischen Abgeordneten Riccolai und Bentini, welche die wegen der in Castelmaggiore verübten Gewalttätigkeiten angeklagten Sozialisten verteidigt hatten, beim Berlassen des Gerichtsjaales vom Böbel umringt. Niccolai wurde verwundet, Bentini fonnte sich mit Hilfe der Polizei retten. Als in der Rammer die Nachricht von diesem Vorfall eintraf, erhoben die Sozialisten Protest. Es fam zu einer Schlä serei mit den anderen Abgeordneten. Giolitti erklärte, die Regierung bedauere die Vorfälle in Bologna und werde alles tun, um die Unruhen zum Stillstand zu bringen. Die

Die Totengräber der Internationale

sich nach Bologna begeben wird.

Der Sieg liegt in unserer Hand!

In den Berliner Lurushotels hat man am Sonntag wieder das eine Woche lang entbehrte lustige Klaps pern der Eßgeräte gehört, und sicherlich ist auf den Sieg der Hotelbesizer über die Justiz manches Geftglas geleert wor­den. Ohne Zweifel haben sich Wirte und Gäste in bester Stimmung befunden, denn wenn ein Teil der Bourgeoisie einen Vorteil errungen hat, so nimmt gleich die ganze Bour­geoisie freudigen Anteil daran. Es ist bezeichnend für den Stand unseres öffentlichen Lebens, daß die offene Auf­Lehnung gegen die Just iz die Unterstügung des ge=

Rammer ernannte eine Untersuchungsfommission, die Auch die Kriegsbeschädigten hatten sich am Sonnabend vor dem Parlamentsgebäude in Rom zu Tausenden versammelt und die Erhöhung ihrer unzureichenden Renten gefordert. Die erregte Menge durchbrach den Polizeifordon und brang bis zum Eingang des Parlaments vor, gegen das sie einen Steinhage! richtete. Inzwischen hatte Giolitti einen Gesamten Bürgertums und ihrer Presse gefunden hat, und daß segentwurf zugunsten der Kriegsbeschädigten und Kriegsrentner eingebracht. Als eine Kommission dies den Demonstranten mitteilte, beruhigten sie sich und gingen aus­

einander.

Konstantin in Athen

Athen, 20. Dezember.

König Konstantin ist gestern vormittag hier einge troffen. Er begab sich unter unbeschreiblichem Jubel ber Bevölkerung zunächst zur Kathedrale und dann in den Königlichen Balajt.

Keine Abberufung der Ententegesandten italienischen Regierung der Plan gescheitert ist, die Ge­,, Echo de Paris" stellt fest, daß an dem Widerstand der sandten Frankreichs, Englands und Italiens in dem Augenblick aus Athen abzuberufen, in dem König Konstantin dort feinen Einzug hält.

Das teure Syrien

lebhafter Genugtuung begrüßt worden sind. Der Kampf im die Aktionen der Hoteliers in den bürgerlichen Kreisen mit Hotelgewerbe ist auch erst abgebrochen worden, nachdem den Hoteliers zugesichert worden war, daß sie von nun an mit sanfterer Hand angefaßt werden sollten.

Man vergleiche damit die Stellung der öffentlichen Ge­walten und der bürgerlichen Presse gegenüber der Arbei terschaft, wenn diese es sich beikommen läßt, zur Abwehr der schlimmsten Ausbeutung oder zur Erhaltung auch nur der geringsten Lebensnotwendigkeiten in Aktion zu treten. Staatsanwaltschaft, Gerichte, Ausnahmegesetzgebung, alles wird sofort gegen das Proletariat mobil gemacht. Für die Arbeiterklasse soll die bürgerliche Justiz, soll die bürgerliche Ordnung ein unantastbares Heiligtum bleiben; die Ange­hörigen der befizenden Klassen aber fümmern sich um diese Ordnung nur soweit, als sie ihren eigensüchtigen Interessen entspricht.

Vielleicht hat man gestern an den wieder reichbesetten Tafeln der Berliner Schlemmerhotels auch der guten Richter von Kassel gedacht, die an den braven Korpstudenten von Marburg feine Schuld finden fonnten. 15 Arbeiter modern nun in ihren Gräbern, auf der Flucht erschossen nach allen Regeln der bürgerlichen Ordnungsretterei. Und die ihnen die mörderischen Kugeln nachsandten, gelten jetzt als Helden. Sie werden in einigen Jahren von der Kanzel oder vom Richterstuhl herab der Menge Moral, Recht und alle Tugenden des Klassenstaates lehren. Derselben Menge, die von Unterernährung und Wohnungsnot, von Arbeitslosig feit und Krankheit heimgesucht wird, deren Kinder förperlich und geistig zugrunde gehen, die ihre Blößen mit Lumpen bedecken muß, deren Hausstand verfällt, weil das Einkom men noch nicht einmal zur Dedung des notwendigen Nah­rungsbedarfs ausreicht. Derselben Menge, der die Agrarier jetzt die Getreidelieferungen sperren, weil ihnen der Staat nicht die ungeheuerlichen Wuchergewinne zugestehen will.

Der Finanz ausschuß für auswärtige Angelegen heiten hat am Sonnabend, wie Wolff aus Paris berichtet, mit Bezug auf die Politit Frantreichs in Syrien und Celicien eine Tagesordnung angenommen, in der zum Aus­druck kommt, daß die Sorge, Frankreich seine Handlungsfreiheit für die Verteidigung seiner Grenzen und für die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles zu erhalten, es notwendig mache, in weitestem Maße und in einer möglichst kurzen Frist die Opfer, die die Politit in Syrien und Cilicien Frankreich auferlege, herabzu sezen. Matin" meint, diese Tagesordnung mißbillige zwar die Regierungspolitik im Orient nicht, aber sie beruhe doch auf einer scharfen Kritik, die die Ausschußmitglieder an ihr geübt haben.

Der Matin" hat recht, wenn es ihm auch schwer fällt, das zu fonstatieren. Der Raub der Beute ist um vieles leichter als die Erfüllung der Verpflichtungen, die aus ihm erwachsen. Das dide Ende fommt immer hinterher.

es begrüßt ausdrücklich die Spaltung der schweizerischen Partei und fordert die abgesplitterte Minderheit auf, sich mit dem völlig bedeutungslosen Häuflein der schweizerischen Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß das fa­mose Exekutivkomitee der 3. Internationale, entgegen seinen Kommunisten zu einer Kommunistischen Bartei zu vereini fortgesetzten anderslautenden Versicherungen, nichts weiter gen. Damit wird erneut die Richtigkeit unserer Feststellung Spaltung erwiesen, daß die ganze Aktion der Moskauer Internationale und Zertrümmerung der sozialistischen Bar- lediglich darauf hinausläuft, den schwindsüchtigen kommu­teien aller Länder, so wird dieser Beweis durch ein nistischen Parteien und Gruppen der einzelnen Länder durch Telegraphenagentur( Rosta") aus Riga übermittelt wird.

Das Telegramm lautet:

Das Egetutivlomitee der Kommunistischen Internationale lendet seinen brüderlichen Gruß den Genossen, welche den Kongres

material zuzuführen. Und was gegenüber den politi schen Parteien im Gange ist, wird gegenüber den Ge= wertschaften in die Wege geleitet. Das Moskauer Ere futivfomitee fann tatsächlich für sich das Recht in Anspruch Internationale genannt zu werden.

berließen, auf dem die schweizerischen Rautstyaner nehmen, der Totengräber der proletarischen und Scheidemänner das Uebergewicht erhielten. Unge­achtet der schlauen Kunststücke der Gruppe Grimm und trog Bers lagen Nobats habt Ihr auf dem Kongreß 213 Stimmen gegen 350 erlangt. Das ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein nennenswerter Erfolg. Wir richten an Euch die Bitte, Euch möglichst rasch mit der schweizerischen Kommunistischen Partei lu vereinigen und dadurch gegen die Sozialverräter und 3entrumsleute eine Einheitsfront zu bilden. Nach und Rach werden sich alle selbstbewußten Arbeiter der Schweiz uus anschließen. Es lebe die Vereinigte Kommunistische Partei der

Schweiz.

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Parteispaltung in Belgien

Paris, 19. Dezember.

Wie dem Temps" aus Brüssel mitgeteilt wird, hat sich eine Spaltung der belgischen sozialdemokratischen Partei vollzogen. Das Organ der Minderheit der belgischen Sozialdemokratie, L'Exploité", veröffentlicht heute vormittag eine gemeinsame Erklärung der Führer der Minderheit, in der gesagt wird, fie feien infolge des Beschlusses des am legten

Das fommunistische Exekutivfomitee bringt es nicht nur fertig, unsere Schweizerischen Genossen, die sich schon vor Sonntag abgehaltenen Barteitages gezwungen, aus der bel längerer Zeit von den rechtsstehenden Grütlianern" getrennt gischen Arbeiterpartei auszutreten. Es sei nicht und fich jetzt in ihrem Programm auf den Boden der Dif- angängig, einem großen Teil der belgischen Sozialisten die Hand tatur des Proletariats und des Rätesystems gestellt haben, lungs- und Gedankenfreiheit zu nehmen, wie es der Beschluß des

» Gheidemänner" und Sozialverräter" zu beschimpfen,

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legten Barteitages vorfehe.

Metallarbeiter Berlins!

Die Bourgeoisie hat allen Grund zur Freude und Befrie­digung. Die Gewinne ihrer Unternehmungen haben eine schwindelnde Höhe erreicht. Die Geldentwertung, die die arbeitende Klasse ins Hungerdasein schleudert, dient den be sigenden Kreisen zum Vorwand, um die Erträgnisse aller Unternehmungen auf ein vielfaches ihres Friedensstandes zu steigern. Die Attiengesellschaften fönnen den Gewinn­fegen faum bergen. Ungeheuere Dividenden werden verteilt, daneben erhalten die Aktionäre noch besondere Gewinne in Form von Gratis- oder Pari- Aktien, von besonderer Vers gütung, von Sonderrüdlagen und Sonderabschreibungen.

Wirtschaftlich und politisch geht es der Bourgeoisie zurzeit glänzend. Die Staatswirtschaft freilich steht inmitten des Bankerotts und die politische Verfassung des Landes fällt der Verfaulung anheim. Aber die Bourgeoisie läßt das falt, wenn nur ihr eigener Weizen blüht. Der Staat hält sich

nur noch aufrecht, weil ihn die werktätige Bevölkerung er hält. In Form der indirekten Steuern und des Lohnabzuges nadten Existenz bedarf. Der Besis hat bisher nur wenig fließen dem Reich die Mittel zu, deren es zur Fristung iner zur Erhaltung des Staatslebens beigetragen und es besteht nur geringe Aussicht, daß es damit in der nächsten Zeit besser werden wird. Insbesondere das Reisnotopfer hat jegt eine Form bekommen, daß die Bourgeoisie mit ihm durchaus zufrieden sein kann.

In Bayern ist die Orgesch Trumpf. Dort hat sich die Gegenrevolution bereits eine gesicherte Heimstätte bereitet. Bon Bayern aus wird die Wiederherstellung der alten polie tischen Verhältnisse mit aller Macht betrieben. Die Fäden Spinnen sich nicht nur über das ganze Reich, sie gehen nach Desterreich, nach Ungarn, überall hin, wo die Reaktion ihren Boden schon vorbereitet glaubt. Auch in Ostpreußen und in den anderen gefegneten Gefilden des Ostelbiertums fühlt sich die Gegenrevolution als Herrin der Lage. Großgrund­befiz, Militarismus und Bureaukratie arbeiten Hand in Hand, um ihre Ziele zu erreichen. Auch der Reichstag wird, wie der Vorstoß der bayrischen Orgesch- Leute in der legten Reichstagssigung bewies, in den Dienst der bayrischen Konterrevolution gestellt.

Das Find Tatsachen, die jedem Arbeiter geläufig sind. Sie brauchten die Arbeiterklasse nicht zu schreden, wenn sie ent

Nügt die letzten Stunden der Wahl aus! Stimmt für die Lifte

Ziska- Urich!