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Einzelpreis 30 Pfg. 3. Jahrgang Sonnabend, 25. Dezember 1920
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Nummer 550
Morgen- Ausgabe
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greiheit
Berliner Organ
der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Nicht Glauben,
lichen primitiv- fommunistischen Form, vermochte zwar den Pauperismus, die ungeheure Not der zahlreichen Armen zu lindern, es war aber nicht imstande und konnte nicht im Soziale Revolution herbeizuführen.
sondern Erkenntnis! Stande fein, eine neue Produktionsweise zu begründen, eine Sieg des Bürgertums zugleich einen außerordentlichen Fort
„ O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit."
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Das Urchristentum war in dem Reiche der römischen Stlavenhalten und Latifundienbesizer eine revolutionäre Lehre, da es eine Umwälzung der Eigentumsverhältnisse, Nicht freudefpendend, sondern wie eine schneidende Aneine andere Verteilung des Besizes anstrebte. Aber der urflage flingen die Worte des Weihnachtsliedes in die trübe christliche Kommunismus fuchte sein Betätigungsfeld nicht in Gegenwart hinein. Frohsinn? Wer fennt ihn heute, mit ber Sphäre der Probuftion, sondern in der des Kon Ausnahme einer fleinen Schicht prassender Drohnen, die dem ums. Nicht die Bergesellschaftung der Erzeugung, nicht die Grundsah huldigen Nach uns die Sintflut!" Seligkeit und Schaffung einer vollkommeneren Produktionsweise war sein Gnade? Wer empfindet sie jetzt, mit Ausnahme jener wunZiel, sondern die Ausgleichung des Genusses, des Verbrauderlichen Käuze, die aus der düsteren Wirklichkeit in das Reich übersinnlicher Borstellungen und religiöser Mystitches. Dieser Verbraucher- Kommunismus" ist typisch für alle Zeiten und Länder mit unentwickelten Produktionsformen( so auch für den bolschewistischen Kommunismus in Ruß land). Er war deshalb nicht imstande, die soziale Frage der untergehenden antifen Welt zu lösen und das römische Reich vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Das Christentum verlor hierbei mehr und mehr seinen ursprünglichen fommunistischen Charakter. Es wurde zur Staatsreligion erhoben und in die starren Formen der offiziellen Kirche gepreßt. Diese jedoch wurde aus einer fommunistischen Anstalt, nach Kautstys Wort, die riesenhafteste Ausbeutungsmaschine, welche die Welt gesehen".
flüchten.
Es war immer eine fromme Lüge, wenn die Bertreter der Kirche, diese treuesten Diener der bestehenden Gesellschaftsordnung, die sozialen Leiden als gottgewollte" Dinge hin stellten und die Not und das Elend der unteren. Volksschich ten mit salbungsvollen Worten einhüllten. Die Priester logen, wenn sie die Lehre des Urchristentums, die Religion der Enterbten und Entrechteten, in eine Religion des Duldens und Entsagens umfälschten und sie in den Dienst der herrschenden gesellschaftlichen Sklaverei stellten. Doch wohl noch nie ist die offizielle christliche Lüge den breitesten Massen so deutlich zum Bewußtsein gekommen, wie in der heutigen Zeit, wo mit dem Zusammenbruch der überlieferten staatlichen und wirtschaftlichen Formen jene gewaltige Umwertung aller Werte" eingesetzt hat, die dem Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung, der Schaffung eines neuen, freien Menschenschlages vorausgehen muß.
Schon einmal haben die Bölfer des europäisch- asiatischen Kulturtreises eine Krise durdgemacht, die der heutigen Strife der tapitalistischen Welt sehr ähnlich fieht. Es war por 2000 Jahren, zur Zeit des Verfalls des römischen Weltreiches, des Unterganges der antifen Kultur, die an ihren inneren öfonomischen Widersprüchen zugrunde ging. Die heutige Zeit zeigt dieselben Widersprüche und Verfallserscheinungen. Die tapitalistische Wirtschaftsform, die sich mehr oder minder in allen Ländern und Erdteilen durchgeseht und die Produktivfräfte zur ungeheuren Entfaltung gebracht hat, ist gegenwär tig nicht mehr imstande, die ihr gestellten Aufgaben zu bes wältigen. Die periodijchen Krisen, die der kapitalistischen Produktionsweise eigen sind, sind jetzt, verschärft durch den We frieg und die Zerstörung der Wirtschaft, umgeschlagen in ein latente Weltwirtschaftsfrise, die auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens einen chronischen Krisenzustand bedingt.
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Nicht nur die besiegten Staaten, die mehr und mehr auf das Niveau von Bettlerstaaten herabsinken, auch die Sieger: staaten spüren in zunehmendem Maße die heraufziehende Krise der Weltwirtschaft. Absatzftodung und Produktions: einschränkung in den siegreichen Ländern ist die natürliche Folge der zunehmenden Berelendung der besiegten Länder. Erst jetzt zeigen sich die ökonomischen Folgen des Weltkrieges, mit seiner wahnsinnigen Güter- und Menschenvergeudung, der namentlich in den mitteleuropäischen Ländern den Ruin der Wirtschaft und des Staatshaushaltes herbeigeführt hat. Der Kapitalismus, der den Weltkrieg heraufbeschwor, iit unfähig, seine Folgen zu beseitigen. Alle dahinzielenden Versuche sind sowohl auf internationalem wie auf nationalem Boden zum Scheitern verurteilt. Auf internationalem weil die flaffenden Gegenfäge zwischen den imperialistischen Gruppen eine Zusammenarbeit unmöglich machen. Auf die Produktion zu steigern, noch willens und fähig, die Eris nationalem weil die Kapitalistentlasse weder imftande ist, stenz der großen Masse der arbeitenden Bevölkerung sowie die Existenz des Staates sicherzustellen. In der jetzt zur Neige gehenden Geschichtsperiode war der Kapitalismus eine den Bedürfnissen der gesellschaftlichen Entwidlung angepaßte Wirtschaftsform. Jest jedoch wird er nicht nur zum Hemmnis der weiteren. Entwidlung, jegt re belliert das Lebensinteresse der Gesellschaft gegen die Fortbauer dieser Wirtschaftsform. Das Gesamtinteresse der Ge sellschaft verlangt die Ausschaltung des fapitalistischen Profits und die Ueberführung der Produktionsmittel in ben
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Kampf um die religiöse Freiheit begonnen und ihn schließlich in der französischen Revolution als Kampf für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Siege geführt. Da der schritt der gesellschaftlichen Entwidlung bedeutete, erschienen Jeine Forderungen auch den anderen unterdrüdten Klassen der feudalen Gesellschaft, dem Kleinbürgertum, den Bauern und Arbeitern als allgemein gültig. Die bürgerliche Jdeo logie beherrschte so alle fortschrittlichen Kräfte der das maligen Gesellschaft, bis dann im Laufe der Revolution es fich sehr rasch herausstellte, daß die gleichen ideologischen Begriffe bei den verschiedenen unterdrüdten Klassen ganz verschiedenen materiellen Inhalt bedten. Beschränkte das Bürgertum seine Gleichheitsforderung auf die formale Rechtsa gleichheit, so meldete das Proletariat damals schon die ökonos mische Gleichheit als seine Forderung an und innerhalb der selben noch gemeinsamen 3deologie begann der Kampf um ihre richtige Auslegung", dem in Wirklichkeit das verschies dene Klasseninteresse zugrunde lag.
Vor der Entbindung der Klassengegensätze in der revolua tionären Periode zeigte sich aber die Macht der hauptsächlich von der franzöfifchen Aufklärungsphilosophie geschaffenen beologie. Ueberall, wo politische oder soziale Kämpfe im Gange waren, beriefen sich die Kämpfenden auf diese Ideo Togie zur Verteidigung ihrer Sache. Absolutistische Herrscher, die wie Friedrich II. in Preußen oder Joseph II. in Defters reich die zentrale Staatsgewalt gegen die feudalen Privi legien festigen wollten, bekannten sich mit mehr oder weniger weitgehenden Einschränkungen zu den Gedankengängen, bie in ihrem Ursprungsland bestimmt waren, später als geistiges Rüstzeug zur Zertrümmerung des Absolutismus zu dienen Die re a le Rüdständigkeit Mittel- und Osteuropas hinderte die westeuropäische Ideologie nicht, zur allgemein herrschenden zu werden, fie bewirkte nur, daß die realpolitische Entwicklung trog gleicher Jdeologie sich ganz verschieden ges
Heute steht die fapitalistische Welt vor derselben Schicksals frage, wie die untergehende Antike. Doch heute leuchtet den Millionen der Unterbrüdten und Ausgebeuteten ein anderer Stern als der Stern von Bethlehem. Es geht zwar dasselbe Sehnen nach Gleichheit und Freiheit durch die Welt wie vor 2000 Jahren, als Tausende von Männern und Frauen fich für bas neue Evangelium ber Menschheit opferten. Aber der Inhalt dieses Sehnens ist, in gesellschaftlicher Beziehung, nicht rüdwärts, sondern vorwärts gerichtet. Nicht vor. übergehende Linderung der Not durch Ausgleichung des Gestaltete. nuses, bei gleichzeitigem Rüdgang der Produktion, sondern größtmögliche Steigerung der Produktion durch ihre Ueber nahme in gesellschaftliche Verwaltung ist das Ziel des moder: nen Sozialismus.
modernen
die Lehren der französischen Enzyclepädisten bedeute, das be Was für das Jahrhundert der bürgerlichen Aufklärung deutete für das 20. Jahrhundert der Maryismus. In den industriell entwidelten Gebieten ist er nichts anderes als bas Selbstbewußtsein der Arbeiterklasse über ihre historische Aufgabe. Hier deckt sich das Klasseninteresse und seine wiffenes Phasen der Arbeiterbewegung, wo das dauernde revo lutionäre Ziel hinter den Gegenwartsintessen zurücktritt und zu einer reformistischen Umbeutung der revolutionären marristischen Lehre führt. Daß aber diese Umdeutung vo genommen und nicht etwa der Marrismus selbst preisgegeben wird, beweist, wie start und allgemein herrschend sein geistiger Einfluß geworden ist.
Die gewaltige Steigerung der Produktiofräfte in der fapi talistischen Periode, die Fortschritte der Technik und die Ber herrschung der Naturfräfte durch den Menschen schufen die Vorbedingungen für die Verwirklichung des neuen gesell- chaftliche Formulierung. Aber selbst in diesen Gebieten gibt schaftlichen Ideals. Gleichzeitig entstand im Proletariat jene Macht, die allein imftande ist, jenes Ideal in die Wirklichkeit umzusehen. Das Proletariat schöpft seinen Antrieb zum Kampf nicht aus irgendeinem Wunderglauben, sondern aus der Erfenninis, die ihm der wissenschaftliche Sozialismus. verleiht. Es wartet nicht auf den Erlöser", denn die Geschichte der Klassentämpfe hat ihm die Ertenntnis eingebläut, daß es sich nur aus eigener Kraft zu erlösen vermag. War diese Kraft und diese Erkenntnis bisher nicht genügend entwidelt ober durch Rüdfälle in fleinbürgerlichen Reformismus gehemmt, so hat der Krieg wenigstens das eine Gute vollbracht, daß er den Blick des Proletariats für die sozialistischen Endziele schärfte und seine revolutionären. Energien steigerte, während andererseits die durch den Krieg heraufbeschworene wirt schaftliche und politische Krise vor der gesamten Gesellschaft schaft des römischen Weltreiches, in Barbarei zu verfinken, oder sich auf sozialistischer Grundlage neu zu gestalten. Die entscheidende Frage unserer Zeit ist, daß die Arbei: tezlasse die Kraft und die Fähigkeit aufbringt, der Trös ger der neuen Gesellschaft, der Baumeister der neuen Welt zu sein. Die Geschichte hat ihr, als der Totengräberin der alten Gesellschaft, diese Aufgabe zugewiesen. Von ihrer Entschloffenheit, ihrer Erkenntnis, ihrer geistigen und organisatorischen Reife hängt es ab, daß die Agonie den verfaulenden tapitalistischen Gesellschaftsförpers abgefürzt wird und die Menschheit endlich jenen Sprung wagt, der sie aus der Abhängigkeit von von ihr selbst geschaffenen Dingen befreit: den Sprung aus dem Reich der Rotschen Revolution bekannten sich fast alle politischen Intellet wendigkeit in das Reich der Freiheit".
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Befits und die Berwaltung der Geſamtheit; es fest an die Der Kommunismus
Stelle der fapitalistischen Anarchie die planmäßige sozialisti. sche Bedarfswirtschaft. Der Inhalt des Gesellschaftstörpers empört sich gegen die überlebte äußere Form, und aus dem Chaos der in Blut und Elend untergehenden fapitalistischen leuchtet als einziger Wegweiser in eine neue beſſere Zukunft die Idee des Sozialismus hervor.
als Jdeologie
Das zeigt sich noch deutlicher in öfonomisch rüdständigen Gebieten. Hier wird der Sozialismus zur Ideologie für alle unterbrüdien oder kämpfenden Schichten. Er hört auf, das Rüstzeug für die proletarische Opposition zu sein, und seine Losungen werden zu denen aller Unterbrüdten. Das ertlärt ich einerseits daraus, daß die sozialistische Opposition die wirklich gründliche, radikale Opposition gegen jede Unters drückung darstellt, weil sie mit der Beseitigung der Klassen herrschaft jeder Unterdrüfung von Menschen durch Menschen bäuerliche Schichten oder auch ganze unentwidelte Rationen fich unterdrüdt fühlen, find sie und insbesondere ihre Intelligenz gerade den radikalsten Gedanken zugänglich. Erst wenn sie siegen und infolgedessen aus beherrschten zu herra ichenden Schichten werden, zeigt sich der nur ideologische Charakter, den die sozialistischen Gedankengänge bei ihnen in Wirklichkeit gehabt haben. Das allgemein sozialistische Bes fenntnis wird verlassen zugunsten der Durchführung bes Schränkter Klasseninteressen.
Schon in einer früheren Periode war diese Umwandlung des wissenschaftlichen Sozialismus zu einer allgemeinen pos litischen Ideologie deutlich erkennbar. Vor der ersten russi
tuellen Rußlands zum Marxismus, Als aber die Revolution den akuten Klassenkampf entband und die verschiebenen Klassen vor die Verwirklichung ihrer wahren Ziele stellte, ba wurde der Marrismus sehr bald beschränkt auf die eigent fichen Wortführer des industriellen Proletariats, während bie bürgerlichen Intellektuellen meist nach einem furzen Gasts [ piel beim Revisionismus zum größten Teil seine heftigsten Bekämpfer wurden.
do
Der Sieg der zweiten russischen Revolution gab aber bent Marrismus als allgemeine revolutionäre 3beologie eine neue Verbreitungsmöglichkeit und Expansionskraft. In seiner wieder zu der Ideologie aller derer, die von einer Untera neuen fommunistischen Auslegung und Anpassung wird er
Interessen erwarten. Dieser Kommunismus verliert jede
Die materialistische Geschichtsauffaffung hat uns gelehrt. bie großen foaialen und politischen Jbeen nicht als selbständig wirkende Kräfte aufzufassen, sondern als Ziele, die sich die verschiedenen Schichten und Klassen ber Gesellschaft gemäß ihren ökonomischen Interessen geben. Jebe Klasse versucht Die christliche Legende erzählt von dem Stern von die ihr eigentümlichen besonderen Interessen als das Ge- ftützung der ruffischen Somjetmacht eine Förderung ihrer Bethlehem, der über ber elenden Krippe leuchtete, in famtinteresse der Gesellschaft darzustellen und es als ein allder Jesus, der Erlöser der Welt, geboren wurde. Für die gemeines, für alle verbindliches de al zu formulieren. Zu Beziehung zu der ökonomischen Basis, er hört auf, das pos untergehende Welt der römischen Sklavenwirtschaft war gleich verschwindet in dieser Formulierung das beschränkte, litische System des Proletariats zu sein. Er wird zu einer beer Stern bas Symbol der Befreiung. In leidenschaft night einer angeicht oder Klasse angemessene Interene allgemeinen oppofitionellen Machtideolo licher Sehnsucht harrten die Millionen der Armen und un- zugunsten allgemeinen, möglichst umfassenden, alle Geterbrüdten, die Millionen der Sklaven des Erlösers, ber das ſellschaftsmitglieder verpflichtenden Idee. teen jonte. Doch das Christentum, in seiner ursprüng tausendjährige Reich der Gerechtigkeit und Liebe auf Erden errichten sollte.
nur der besonderen
So hat das Bürgertum in feiner ersten Epoche in der Re
gie. Türkische Nationalisten, die die Herrschaft der türki fchen Herrenklasse wieder qufrichten wollen, arabische Stämme, die gegen den Drud der westeuropäischen Mächte
formation der Kampf gegen die feudalen Gewalten aankämpfen, indische Muselmanen und ägyptische Nationa
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