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Einzelpreis 30 Pfg. 3. Jahrgang

Die Bretheit erscheint morgens und nadmittags, Sonntags und Montags einmal. Der Bezugspreis beträgt bei freier Buftellung ins Haus für Groß- Berli 10, M. im voraus zahlbar, von der Spedition felbft abgeholt 8,50 m. Für Posts Unter Streifband beaug nehmen sämtliche Poftanstalten Bestellungen entgegen. bezogen für Deutschland und Österreich 16,50 m., für das übrige Ausland 21,50 9. juzilglich Baluta- Aufschlag, per Brief fir Deutschland und Österreich 30,- M. Redaktion, expedition und Berlag: Berlin C2, Breite Straße 8.9.

Freitag, 31. Dezember 1920

Nummer 558

Morgen- Ausgabe

Die achtgespaltene Nonpareilleselle ober deren Raum koftet 5,-. einschließlich Seuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., jebes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszufchlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gefuche in Wort- Anzeigen: das fettgedrudite Wort 1,50 m., jedes weitere Wort 1,- 2. Fernsprecher: Zentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4640, 4921

greibeis

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Broteit gegen die ungarischen Bluturteile!

An die deutsche Arbeiterschaft!

Die Gerichtshöfe der ungarischen Weißgardisten fällen fortgesezt Urteile gegen die proletarischen Vorkämpfer, die uns allen das Blut in den Adern erstarren lassen. Dieses Wüten gipfelt in den Todes- und Zuchthausurteilen am 27. Dezember gegen die ungarischen Volkskommissare und andere Sozialisten. Diese fortgesetzten Verbrechen an den ungarischen Arbeitern treffen das Proletariat aller Länder.

Jegt gilt es zunächst die Vollendung der schändlichen Grausamkeiten zu verhindern. Wir rufen Euch auf, in machtvollen Rundgebungen gegen die Vollziehung der Todes- und Zuchthausstrafen Protest zu erheben. Beweist Eure internationale Solidarität mit den Opfern des weißen Terrors!

Das Zentralkomitee der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei.

*

An die Groß- Berliner Arbeiterschaft!

Sonntag, den 2. Januar, mittags 12 Uhr im Lustgarten

Massenkundgebung gegen das ungarische Schreckensregiment! Massen heraus!

Redner: Breitscheid, Crispien, Brühl, Herz, Künstler, Ledebour, Moses, Nemiz, Rosenfeld, Wulff, Zieß, Zubeil.

Gegen die Schande Europas!

Ein Protest unserer Partei

Der Parteivorstand der Unabhängigen Sozialdemokratie übersandte der ungarischen Regierung folgendes Telegramm:

Herrn Ministerpräsident Teledi, Budapest. Parteileitung und Reichstagsfraktion der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands erheben schärf ten Brotest gegen die Berurteilung der ungarischen Boltstommiffare zu Todes- und Zuchthausstrafen. In der Bollstreckung dieser Urteile würden wir in Uebereinstim= mung mit den Arbeitern und Sozialisten aller Länder ein Werk niedrigster Rachsucht und eine Schändung der Mensch­heit erbliden.

Crispien,

Ledebour.

Der Protest unserer Parteileitung und unserer Reichstags= frattion leitet die Aftionen ein, die das deutsche Proletariat unternimmt, um dem Wüten der entmenschten ungarischen Justiz Einhalt zu gebieten. Zunächst gilt es, wie es im Auf­ruf unserer Parteileitung heißt, die Vollendung der schänd­lichen Grausamkeiten zu verhindern. Es gilt, die Voll­tredung des gegen die ehemaligen Volkskommissare gefällten Bluturteils un möglich zu machen. In dieser Forderung Find nicht nur die Arbeiter Deutschlands und der ganzen Welt einig, ihr müssen sich auch alle jene bürgerlichen Ele­mente anschließen, die auch nur einen Funken von Mensch­lichkeit und Gerechtigkeitsliebe. bewahrt haben. Das Urteil gegen die ehemaligen ungarischen Boltskommissare ist niedrigster politischer Rachsucht entsprungen und stellt einen Hohn auf die elementarste Rechtsprechung bar. Seine Bollſtredung darf nicht geduldet werden, wenn die europäischen Völker nicht selber auf die notwendigsten Voraussetzungen der kultivierten Staatlichkeit verzichten

wollen.

Unsere Genossen, die ihren Protest an die ungarische Re­gierung gerichtet haben, sprechen nicht nur im Namen der deutschen Arbeiterklasse, sie dürfen auch das Recht für sich in Anspruch nehmen, dem Gerechtigkeitsempfinden der über=

großen

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Bezirksverband Berlin- Brandenburg U. S. P. D.

Junterkaste Ausdruck verleiht, nicht gleichgültig sein, wie sich die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes zu ihr und ihren Handlungen verhält. Sie kann das um so weniger, als der Protest unserer Genossen im Inlande wie im Aus­lande lebhaftesten Anklang finden wird. Die Arbeiter in Berlin und im Reiche werden in den nächsten Tagen Gelegen heit nehmen, ihrem leidenschaftlichen Protest gegen das un­garische Blutregiment, ihrer Sympathie für die Opfer des weißen Terrors in Ungarn, Ausdruck zu verleihen. Und überall in der ganzen Welt wird diese Bewegung Nach­ahmung finden und alle jene Kräfte gegen Horthy- Ungarn zusammenschweißen, die das gegenwärtige Regime in Un garn als einen Schandfled der europäischen Kultur betrachten.

Sozialisierung des Bergbaues

Vorlage des Gesetzentwurfes noch im Januar Amtlich wird mitgeteilt: In seiner Sigung vom 21. b. M. hatte das Reichstabinett beschlossen, wenn möglich, noch im Monat Januar dem Reichstag einen Entwurf über Sozialisierung des Kohlenbergbaues vorzulegen. Der Reichswirtschaftsminister war beauftragt worden, den Sozialisierungsausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates um Beschleunigung. seiner Arbeiten zu bitten, damit die Ergebnisse der Beratungen noch für die Aufstellung des Ents wurfes benutzt werden könnten. In Ausführung dieses Auftrages hat der Reichswirtschaftsminister an den Vorsitzenden des Sos zialisierungsausschusses ein Schreiben gerichtet, in dem er von der Absicht des Kabinetts Mitteilung macht, und ihn ersucht, auf Beschleunigung der Arbeiten des Verständigungsauss

Fort mit der Geheimdiplomatie! uses zu wirken.

Die Zustände in der Regierung werden immer unhaltbarer. Das Verhältnis zur Entente verschlechtert sich von Tag zu Tag, ohne daß die Regierung sich veranlaßt sieht, das Bolt und seine parlamentarische Vertretung über den Stand der Dinge zu unterrichten. Ganz wie zu Zeiten der Hohenzollern soll das Volk auf die Gestaltung seiner Ge schide teinen Einfluß ausüben dürfen, sondern alles ruhig

hinnehmen, was in den dunklen Kabinetten der Geheimdiplomatie bereitet wird. Der Fraktions­vorstand der Unabhängigen Sozialdemokratie im Reichstag hat nunmehr durch den Genossen Ledebour an den Reichstagspräsidenten das folgende Schreiben ge­richtet:

Im Namen des Vorstandes der Reichstagsfraktion der U. G. P. D. ersuche ich Sie, den Reichstag fofort zu sammenzuberufen.

Das Verhalten der Regierung bei den Verhandlungen mit den Ententemächten, insbesondere die Berheimlichung ents Scheibender Noten macht es dringend notwendig, daß der Reichstag seinen Einfluß auf diese Verhandlungen zur Geltung bringt.

Wir erwarten, daß der Reichstagspräsident diesem Antrag stattgibt und das Parlament sofort zusammen­beruft. Es artet schon zum größten politischen Standal aus, in welcher Weise die Regierung in dieser gespannten Situation ihr Spiel mit der Deffentlichkeit treibt!

Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß das Sozialisie rungsgesetz einer bürgerlichen Regierung nichts damit zu tun hat, was wir unter Sozialisierung verstehen. Wir be grüßen trotzdem die Vorlage des Gesezentwurfes, weil das durch die Frage der Sozialisierung endlich auf die politische Tagesordnung gesetzt wird. Die Vorlage dieses Gesetz­entwurfes bedeutet für die gesamte Arbeiterschaft das Signal, den Kampf um die Verwirklichung des Sozialismus mit verstärften Kräften fortzusehen, indem sie die Ausschaltung der Kapitalisten aus dem Bergbau und die Ueberführung der Bodenschäze in die Verfügung der Allgemeinheit durchsetzt.

Dieser Kampf muß von der Arbeiterschaft mit aller Energie, Einheit und Geschlossenheit geführt werden. Dieser Kampf, der das Bürgertum von den Deutsch nationalen bis zu den Demokraten zu einer Front zusammen­Schweißt, fann nur erfolgreich geführt werden, wenn sich die Arbeiterschaft der Größe ihrer Aufgabe bewußt ist und dem antisozialistischen Bürgertum die geschlossene Front des Pro­letariats gegenüberstellt.

Dänemarks Zahlung für Nordschleswig. Die Reparationss tommission gibt bekannt, daß Dänemark am 25. Dezember der Reparationstommission 65 Millionen Goldmart über. geben hat. Diese Summe stellt den Anteil des an Dänemart ab. getretenen Nordschleswigs dar 1. an der deutschen Cchuld nach dem Stand von 1914, 2. den Anteil an der Schuld des deutschen Bundesstaates, zu dem dieses Gebiet gehörte, ebenfalls nach dem Stand vom 1. 8. 1914, und 3. den Wert der Güter und sonstigen Eigentums des Deutschen Reiches.