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Dienstag, 25. Januar 1921

Nummer 40

Abend- Ausgabe

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greiheit

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Die Pariser Konferenz

Paris, 24. Januar.

Der am Abend ausgegebene amtliche Bericht hat folgen ben Wortlaut: In einer Sigung, die von 4 bis 7 Uhr nachmittags bauerte, hat die Konferenz die Beratung der Entwaffnungsfrage Deutschlands fortgesetzt. Sie hat entschieden, daß die Sach ver ständigen für Heer, Marine und Luftschiffahrt sich morgen Dormittag unter dem Borsitz von Marschall Foch zusammenfinden follen, um die Maßnahmen festzulegen, die durch Deutschland ges troffen werden sollen, um die völlige Ausführung der Friedens vertragsklauseln, betreffend die Entwaffung, durchzuführen. Die Sachverständigen sollen der Konferenz alsdann berichten. In der morgen vormittag stattfindenden Sizung wird zunächst über die Lage in Desterreich gesprochen, alsdann wird in eine Prü fung der griechischen und der Orientfrage eingetreten. Einwohnerwehr und Bolschewistenschreck

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Paris, 25. Januar.

stimmigkeiten vorhanden, Japan hoffe jedoch, daß die bestehenden Gegenfäße ausgeglichen werden würden.

Die Erklärungen des japanischen Ministers unterscheiden sich in nichts von denen seiner Vorgänger oder seiner europäischen Kollegen. Den Worten nach ist Japan das friedfertigste Land der Welt, das nichts sehnlicher wünscht als die Abrüstung und den Frieden mit allen seinen Nachbarn. In Wirklichkeit jedoch steht der japanische Imperialismus stärker gerüstet da wie vor dem Kriege, und seine Politit in Ostsibirien und China trägt einen ausgesprochen räuberischen Charakter. Dieser aggressive Charakter der japanischen Politik auf dem astatischen Festland hat in Verbindung mit den Bestrebungen Japans, festen Fuß an der amerikanischen Westküste zu fassen, jene Unstimmigkeiten" mit den Bereinigten Staaten heraufbeschworen, über die der ja­panische Minister so ausführlich sprach. Die politische und wirt schaftliche Konkurrenz zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, den beiden stärksten Mächten am Stillen Ozean, ver­wandelt sich immer mehr in einen weltpolitischen Faktor von größter Bedeutung.

Das russische Problem

Wilson für die Unantastbarkeit Rußlands

Paris, 24. Januar.

In seiner armenischen Note an Hymans erklärte Wilson, die traurige Lage Armeniens sei nur eine Einzelfrage des großen russischen Problems. Die letzten traurigen Vorkommnisse an der polnischen und an der Krimfront feien ein Beweis für die Welt, daß bewaffnete Interventionen nicht der Weg seien, um dem russischen Volfe ben Frieden zu bringen. Die Er

Revolution in ihren Hauptwirkungen nüzlich gewesen sei. Man hätte ihr gestatten müssen, sich friedlich pon innen heraus zu ents wideln. Wilson fuhr fort, das Probelm sei ein Problem der Be­

Wie Matin" zu der gestrigen Sigung der Konferenz mitteilt, fönne man voraussehen, daß die englische Regierung nicht abs geneigt sei, den Einwohnerwehren, namentlich denen von Ost­preußen, eine Frist von mehreren Monaten zu bewilligen, die Frankreich für übertrieben halte. Der letzte deutsche Be­richt, der angesichts der Gefahr eines bolschewistischen Angriffes ben Auflösungstermin hinausschieben wolle, scheine auf Frankreichs Verbündete, insbesondere auf England, Eindrud gemacht zu haben. Auch Petit Parifien" erklärt, das Gerücht sei verbreitet gewesen, die von General Rollet und General Bingham vor­gebrachten Zahlen wären voneinander abgewichen. Echo be Baris" stellt fest, daß man sich gestern über die Entwaffeignisse hätten nur seine Ueberzeugung gestärkt, daß die russische nungsfrage nicht verständigt habe. Marschall& och habe als legten Termin für die Auflösung den 1. Mai vorgeschla gen. Der Hinweis des Marschalls Foch auf eine eventuelle Be= Segung des Ruhrgebietes habe sofortige Bemerkungen Lloyd Georges ausgelöst. Nach diesem Blatte hat auch zwischen Briand und Lloyd George nachmittags eine Privatunter­rebung stattgefunden, von der man sagen tönne, daß die beiden Männer nicht gleicher Meinung gewesen seien. Lloyd George ver­trete den Standpunkt, daß Deutschland bis jetzt bezüglich der Ent­waffnung seine Verpflichtungen annähernd erfüllt habe. Deutschland sei unfähig, einen ernsten Angriff gegen die Alliierten zu unternehmen. Die bolschewistische Gefahr sei sicher äußerst ernst und tönne nicht vernachlässigt werden. Deutschland tönne angesichts dieser Gefahr nicht verteidigungslos bleiben. Die öffentliche Meinung in Bayern verlange Schutz und Sicher­heit.

Sei es etwa gerecht, die Bewohner des Ruhrgebietes dafür zu bestrafen, wenn München einen Fehler begangen habe? Lloyd George ging soweit, die Frage zu erheben, ob es nicht besser wäre, nach den Erfahrungen von Spaa die Deutschen zur Kons ferenz nach Paris zu berufen, denn dann fönne man besser zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen entscheiden. Dieser Standpunkt wurde von Briand energisch abgelehnt. Der belgische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Jasper, hat sich mit Vorbehalten dem englischen Standpunkt genähert.

ziehungen zwischen Zentralrußland und den Randstaaten, zwischen denen ein gewisses Mißtrauen herrsche. Es sei klar, daß die Sand­Staaten Großrußland nicht angreifen würden, wenn sie nicht dazu durch Unterstützungen stärkerer Mächte ermutigt würden. Zum Schluß schlägt Wilson als Versuch zur Pazifizierung Armeniens und der anderen Randstaaten ein öffentliches und feier liches Abkommen zwischen den Mächten vor, die territo riale Integrität Rußlands nicht zu verlegen und nicht zuzulassen, daß sie verlegt wird.

Die Aeußerungen Wilsons bewegen sich auf derselben Linie wie die verschiedener Staatsmänner der Entente, die neuerdings mehr und mehr zu der Erkenntnis gelangen, daß das russische Problem nicht auf dem Wege der bewaffneten Einmischung und der Inszenierung neuer Kriege gegen Ruß­land gelöst werden kann. Bemerkenswert ist, daß Wilson die russische Revolution in ihren Hauptwirkungen als nu­lich anerkennt und es als einen Fehler betrachtet, daß man ihr nicht gestattet habe, fich friedlich von innen heraus zu ents wideln. Mit diesem Urteil schlägt freilich Wilson auch seiner eigenen Politif ins Gesicht, denn trog feiner öffentlich er flärten guten Absichten hat er lange Zeit jene Politit des Entente- Imperialismus mitgemacht, der in der ersten Phase der russischen Revolution diese für ihre 3wede zu miß­

Ein Habsburger im Dienste Petljuras brauchen suchte und dann, nach dem bolschewistischen Um­

ED. Warschau, 24. Januar.

Vor einiger Zeit erschien in einer Wiener Wochenschrift ein Artikel, der für eine unabhängige Groß- Ukraine vom San bis zum Kautasus eintrat und Wassily Wyschywanny" gezeichnet war. Unter diesem Namen verbirgt sich der Erzherzog Wil helm von Habsburg, der im Range eines Obersten der utrainischen Armee angehört und, wie polnische Zeitungen aus Anlaß seines Artikels mitteilten, als Bewerber um die utrainische Königstrone Don gewissen utrainischen Kreisen unterstützt wird. Nunmehr ist in der polnischen Presse eine amtliche Mitteilung der Betljura- ,, Regierung erschienen, daß der ukrainische Oberst Wassily Wyschywanny feine ehrgeizi gen Pläne habe und fich der Regierung der utrainischen Bolts­republik gegenüber vollkommen Ional verhalte.

Sturz, aus Furcht vor den Fernwirkungen der sozialen Ums wälzung in Rußland, drei Jahre lang einen blutigen Krieg gegen Rußland führte und die internationale Konterrevolus tion auf die Beine brachte.

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Katzenjammer

Die Spaltung der italienischen sozialistischen Partei, die wir als den Anfang vom Ende der 3. Internationale be zeichnet haben, hat merkwürdigerweise der Roten Fahne" nicht jene Jubelhymnen entlodt, die sonst nach jedem After Spaltung einer proletarischen Partei in dem fommunistischen Organ zu finden waren. Der Leitartikler in der Sonntage ausgabe der Roten Fahne" ist vielmehr sehr wehmütig ge stimmt und desavouiert offen die engeren Freunde" in der jetzt gebildeten italienischen fommunistischen Partei, deren unversöhnliche Haltung gegen die Gruppe Serrati er nicht teilt. Doch diese Verurteilung der engeren Kommunisten in Italien ist gleichbedeutend mit der Verurteilung des Mos fauer refutipfomitees, nach dessen Anweisungen ( man dente nur an das unverschämte Schreiben des Erefutin. fomitees an den italienischen Parteitag) die äußerste Linke gehandelt hat. Diese Verurteilung offen auszusprechen wagt die Rote Fahne" nicht. Sie handelt vielmehr nach dem Grundsay: Den Sad schlägt man, den Esel meint man", und haut deshalb, in angeborener Bescheidenheit, auf die ,, engeren Freunde" in Italien Ios.

"

Im übrigen ist das, was die Rote Fahne" über die Serrati- Gruppe sagt, nicht übel. Das Blatt schreibt:

,, Wir haben nicht die Absicht, uns mit irgendeiner Person der mittleren Gruppe zu identifizieren. Wir betrachten lediglich die Tatsache, daß in dieser mittleren Gruppe der italienischen Partei ein Kern sozialistisch geschulter Arbeiter ist, der seinen revolutio nären Willen und die Gradlinigkeit seines revolutionären Dentens in mehr als einem Falle erwiesen hat zu Zeiten, in denen das ganze europäische Proletariat noch schlief. Dort ist der Kern, der die Ausschließung der Reformisten auf dem Barteitage von Reggio Emilia im Jahre 1912 durchgeführt hat. Dort ist der Kern, der die Opposition' gegen den Krieg vom ersten Tage des Krieges an

trug. Dort ist der Kern, der der russischen Revolution zujubelte und ihr begeisterter Künder in ganz Europa gewesen ist, selbst zu einer Zeit, in der die Macht und der Glanz der russischen Ar beiterregierung noch nicht so weit hin strahlte, wie er es jetzt tut. Die Tatsache, daß dieser Kern bei der jegigen Spaltung von un jerer engeren Kommunistischen Graftion getrennt ist, ist unbestreits bar, und wir sehen darin eine beträchtliche Gefahr für die Entwick lung der Kommunistischen Partei in Italien; eine Gefahr, die wir um so größer anschlagen, als wir die Befürchtung nicht verhehlen wollen, daß innerhalb der engeren Kommunistenfraktion der Strös mungen, Stimmungen, Neigungen und Regungen allzuviele find, als daß man schon heute innerhalb dieser unserer Kommunistischen Fraktion von einem festen und flaren kommunistischen Kern sprechen fönnte."

Das Urteil, das die Rote Fahne" über die Serratis Gruppe, d. h. die Mehrheit der sozialistischen Partei fällt, entspricht vollkommen dem Standpunkt, den wir stets gegen. über dieser Mehrheit eingenommen haben. Wie aber hat die Rote Fahne" noch vor kurzem über Serrati und seine Gruppe geurteilt? Anläßlich der Antwort Serratis an Lenin schrieb die Rote Fahne" am 22. Dezember v. J.:

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Jetzt schlägt Wilson ein öffentliches und feierliches Ab­fommen zwischen den Mächten vor, die territoriale Unantasts barkeit Rußlands zu schützen. Dieses Abkommen ist not­wendig. Es ist aber nur der erste Schritt, den die Mächte gehen müssen. Untrennbar damit verknüpft ist der folgende Schritt, der in der Anerkennung der Sowjet- Regierung und der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen und politischen Betonterrevolutionären Gewerkschaftsbureaus ziehungen mit Sowjet- Rußland bestehen muß. Nur auf diesem Wege tann, wenn überhaupt, das russische Problem seiner Lösung entgegengeführt werden.

Der Streit um Wilna

Das Dementi ber sogenannten Regierung der ukrainischen Volksrepublik, hinter der niemand steht, außer einer fleinen Schar politischer Briganten unter Führung Betljuras, besagt natürlich gar nichts gegen die Richtigkeit der aufgestellten Be­hauptung, das Erzherzog Wilhelm auf die utrainische Königs­frone spekuliert. 3war haben alle bisherigen Spekulationen Wie die Litauische Telegraphen- Agentur meldet, gab der Bor bem der arbeitslosen Prinzen aus dem Hause Hohenzollern und Habsigende der Völferbundstommission, Oberst Charbigny, burg auf diverse Königstronen im Osten schmählich Schiffbruch litauischen Außenminister die offizielle Erklärung, daß der Bölter erlitten. Aber noch am Grabe pflanzen sie die Hoffnung auf, daß bund der polnischen Regierung einen Protest gegen die Ein= berufung der Wilnaer Nationalversammlung es ihnen dennoch irgendwo und irgendwann gelingen würde, den übersandt und die Einstellung der Sejmwahlen verlangt habe. monarchistischen Plunder wieder lebendig zu machen. Chardigny versicherte, daß die Wilnaer Versammlung nicht zu­sammentreten werde.

Die japanische Außenpolitik

Der japanische Minister des Aeußern Uchida hat sich in einer Rebe über die Richtlinien der japanischen Außenpolitik geäußert. Rach einem sehr abfälligen Urteil über Rußland sprach er die Soffnung aus, daß Deutschland binnen turzem in den Völkerbund aufgenommen werde. Das englisch- japanische Bündnis soll im Einklang mit der veränderten Situation umgestaltet werden. In China verfolge Japan lediglich wirtschaftliche Interessen. In Den Beziehungen zu den Bereinigten Staaten feien zwar Un­

Das bleibt abzuwarten. Tatsächlich ist der polnisch- litauische Konflikt über das Wilnaer Gebiet der erste politische Streitfall von Bedeutung, in den der Völkerbund aktiv eingegriffen hat. Seine Lösung wird uns zeigen, wie weit dieser Völkerbund seinen Namen verdient.

Ueberfüllung des Kohlenmarktes in Südwales. Daily Chro nicle" meldet, daß die Abnahme der Nachfrage nach Südwales Kohlen infolge der Ueberfüllung des Konti­nents mit deutscher und englischer Kohle zu einer ernsten De pression in Cardiff geführt hätte, die die Schiffahrt unmittelbar in Mitleidenschaft zieht. In Cardiff sind bereits 50 Schiffe auf gelegt worden.

,, Aus diesem Schreiben, wie aus der ganzen Saltung Serratis geht hervor, daß die italienischen Einheitsfommunisten" nicht gewillt sind, die Scheidungslinie zu ziehen zwschen sich und den Reformisten, die zwar in der Kriegspolitit einen flaven antipatrio tischen Pazifismus verfolgten, gegenüber der proletarischen Res volution und den Grundsägen des Kommunismus aber ganz offen eine ablehnende opportunistische Haltung einnehmen. Trok des Lippenbekenntnisses zu den 21 Bedingungen, deren Anwendung und Durchführung gemäß den besonderen Verhältnissen des Landes" abgewandelt, d. h. zentristisch verbessert" werden soll, beweisen die Einheitsfommunisten" Italiens durch die Tat, durch ihren Kampf gegen die unabwendbar notwendige Spaltung von den Reformisten, durch ihr inniges Zusammenhalten mit der tratie D'Arragonas, daß sie sich den Namen Kommunisten mit Unrecht zulegen. Wenn die antibolschewistische Berliner reiheit freudig Auszüge aus den Artikeln Serratis bringt, wenn Longuet in seinen Bolemiten gegen die französischen Koms munisten sich auf ihn stügt, ist das nur die logische Folge seiner Saltung gegenüber der Kommunistischen Internationale.... Es ist zu hoffen, daß die breiten proletarischen Massen, die Fidj heute noch unter dem ideologischen Einfluß des Pazifisten und Antimilitaristen Serrati befinden, durch die praktische Lehre der verschärften Klassentämpfe in Atalien mit der Zeit zur Scheidung von den Einheitskommunisten" gedrängt werden."

Der großmäulige Stil dieser Auslassungen entspricht volls tommen der ganzen Politit, die Sinom je w, und mit ihm bas Moskauer Erefutivfomitee gegen die italienische Partei betrieb. Man hoffte, die Italiener durch Schläge und Beschimpfungen gefügig zu machen, und die Rote Fahne" hat wader bei diesem edlen Wert mitgeholfen. Nun, wo die Spekulation auf die Knechtseligkeit mißalüdt ist, zieht die Rote Fahne" mildere Saiten auf und appelliert an die Einsicht" und das Gefchic" des Moskauer Erefutive fomitees, dem es gelingen müsse, die italienischen Sozialisten bei der Dritten Internationale zu halten.