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4. Jahrgang

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Sonnabend, 29. Januar 1921

Nummer 48

Abend- Ausgabe

einschliegtic

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greibeit

Berliner Organ

Der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Verpfändung der deutschen Zölle

Die Pariser Konferenz

Paris, 29. Januar.

Die Sigung des engeren Ausschusses ging heute Nacht 12,20 Uhr zu Ende. Nach einem arbeitszeichen Verhandlungstage gelangte der Ausschuß abends zu einem Uebereintommen, das, wie Havas meldet, heute morgen in der Bollsigung der Konferenz zu einem endgültigen fich gestalten wird. Das für die deutsche Reparationszahlung angenommene System ist das fol­gende: Zahlung in 42 Jahresleistungen ab 1. Mai 1921 nach folgender Staffelung:

Die beiden ersten Jahreszahlungen 2. Milliarden Goldmark, die drei folgenden drei Milliarden, die drei nächsten vier Mil­liarden, bie drei weiteren fünf Milliarden und die 31 legten sechs Milliarden.

Andererseits muß Deutschland während 42 Jahren eine Tage Bon 12 Prozent ad valorem auf seine Ausfuhr zahlen. Diese Tage wird von der Reparations? ommission erhoben werden.

Um Deutschland anzuspornen, ich möglichst rash seiner Ver­pflichtungen zu entledigen, wird ihm ein Diskont auf die feft­gesezten Jahreszahlungen gewährt und zwar bis zu acht Prozent in den beiden ersten Jahren, sechs Prozent in den beiden folgenden und fünf für den Rest der Frist, wenn es seine Zahlun­gen vor den vorgesehenen Zeitpunkten ausführt. Als Santtion" für die Ausführung seiner Verpflichtungen sieht das Uebers einkommen die Verpfändung der deutschen Zölle unter der Kontrolle der Reparationskommission vor, ferner die Festlegung neuer oder höherer Tagen ohne Rücksicht auf alle Maßnahmen, die bie alliierten Regierungen treffen tönnten, falls die vorhergehen ben Maßnahmen ungenügend sein sollten. Schließlich soll Deutsch­land feine auswärtige Anleihe aufnehmen können, ohne durch die Reparationstommission dazu berechtigt zu sein.

Die Konferenz wird heute morgen um 11 Uhr zu einer Voll­figung zusammentreten. Die endgültige Billigung des gestern abend ausgearbeiteten Entwurfs soll nach der Havasmeldung angeblich feinem Zweifel unterliegen. Auf diese Weise sei diese Kernfrage der Reparationen durch die Annahme eines Systems glüdlich gelöst, das gleichzeitig sofortige Festsetzung der Schuld=

Wie die Petersburger Dorftommune" meldet, betrachtet Krassin die Verhandlungen mit England als nicht abgebrochen, hält aber die Lage für ernst.

Berlin als Hafenstadt

Von Stadtrat Wilhelm Schüning

Berlin mit seinen vier Millionen Einwohnern hat natur

gemäß einen starten Güterverkehr. 75 Prozent des Gesamts verkehrs entfallen auf die Eisenbahn, 25 Prozent auf die Binnenschiffahrt. Wenn also ein Viertel des Gesamtgüter verkehrs durch die Binnenschiffahrt bewältigt wird, so dürfte es angebracht sein, einmal das Verhältnis Berlins zu der Binnenschiffahrt zu beleuchten und dabei auf die Bedeutung Berlins als Hafenstadt hinzuweisen. Kattowig, 29. Januar.

Kommunistische Träumer

( Eigene Drahtmeldung der Freiheit)

Die Rote Fahne" zerbricht ich den Kopf, ob es eine objektive Lösung der oberschlesischen Frage geben fönne. Sie fräumt selbst­verständlich schon wieder von einer 3uspigung des oberschlesischen Konflikts in einer Situation, in der die Arbeiterschaft handelnd auf den Plan treten tann". Deshalb haben die Weisen aus der Zentrale in Berlin auch die Parole für eine Sowjetrepu­blit in Oberschlesien ausgegeben, die hier nur allgemeines Hohngelächter der eigenen Parteimitglieder ausgelöst hat. Selbst die von Berlin hierher gesandten kleinen Dittatör­chen haben daran nichts ändern können. Wenn die Rote Fahne" auch nur die Spur einer Erfahrung von den Arbeiterverhältnissen in Oberschlesien hätte, so würde sie verstehen können, daß ihre Phrasen von der revolutionären Lösung bei der oberschlesischen Arbeiterschaft nur ein mitleidiges Lächeln auslösen. Was durch die Volksabstimmung bisher erzielt worden ist, ist nicht Revolutio nierung der Massen, sondern das muß festgestellt werden: nationalistische Verhehung, die sogar weit in die Arbeiterparteien hineingedrungen ist. Wir können der Roten Fahne" verraten, daß die Folgen der bisherigen Agitation ein Erstarten der reaktionären Kräfte, Berwirrung der Arbeiterschaft und nationalistischen Taumel beim Bürgertum her vorgerufen haben. Wenn das die richtigen Vorbedingungen für eine revolutionäre Lösung des oberschlesischen Problems sind, so hat die Rote Fahne" Recht. Vielleicht erkundigt sie sich aber vorher, was die Mitglieder ihrer Partei in den bürgerlichen Selbstschukorganisationen treiben, die vom Gelde der Magnaten und Großgrundbesizer leben. Wir als Sozialisten fönnen nicht begreifen, was eine solche Verwirrung der Arbeiter­schaft in der Abstimmungspropaganda zur revolutionären Lösung der sozialen Fragen beitragen soll.

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forderung der Allierten intet se tient ellen Möglichkeiten Die wandlungsfähige Einwohnerwehr

Zahlungsfähigkeit verbinde.

Die Konferenz wird alsdann die Entwaffnungsfrage behandeln. Sie wird weiter Maßnahmen treffen, um Desters reich Unterstügung zu gewähren. Die Frage der Kohlens lieferungen Deutschlands und des Ablaufens des Abtoms mens von Spaa Ende dieses Monats wird an die Repara tionstommiffion verwiesen werden, die sich bereits mit dieser Frage befaßt. Die Sachverständigenkonferenz, die vor dem in Brüssel tagte, wird nächstens ihre Arbeiten wieder aufs nehmen, um über die Ausführungsmöglichkeiten des gestern abend abgeschlossenen Abkommens über die Reparationen zu beschließen.

Die englisch- russischen Verhandlungen Der russische Gegenentwurf

D. E. Kopenhagen, 28. Januar. Die Veröffentlichung des englischen Entwurfes für das Han delsabkommen mit Sowjet- Rußland beantwortet die Londoner ruffische Sowjet- Delegation mit der Veröffentlichung des russi­schen Gegenentwurfs, mit dem Vorbehalt, daß dieser von Kraffin erst jetzt persönlich der Moskauer Regierung vorgelegt werden soll und deshalb noch Aenderungen erfahren könne. Nur für die Einleitung und zwei von den 14 Paragraphen des eng­lischen Entwurfs sind von der russischen Delegation Abänderungen vorgeschlagen. Während der englische Text eine ausdrüdliche Ber zichtertlärung der Sowjet- Regierung auf jede Schädigung der britischen Interessen in Klein- Asien, Persien, Afghanistan und In­dien enthält, bestimmt der russische Entwurf, daß die Einzel­heiten, die sich aus dem gegenseitigen Verzicht auf Feindseligkeiten­und Propaganda ergeben, einer besonderen Konferenz vorbehalten bleiben sollen. An Stelle der Zusicherung des englischen Ents wurfs, wonach die Landesdelegierten beider Parteien vor Fest­nahme und Durchsuchung gesichert sein sollen, verlangt der russi­Iche Gegenentwurf, daß die Delegierten die für diplomatische Ver­treter üblichen Privilegien genießen sollen. Zu den Bestimmun gen über die Einfuhr des russischen Goldes nach England verlangt bie russische Delegation auch die Freiheit der Ausfuhr des einges führten Goldes aus England und will der britischen Regierung nur das Optionsrecht für den Antauf des Goldes zu dem jeweili gen Marktpreis einräumen. Der russische Entwurf enthält teine Bestimmungen, die eine gerichtliche Besgnahme russischer Werte auf dem Wege der Zivilflage in England unterbinden sollten, und auch die ursprüngliche Forderung Kraſſins auf Gewährung eines Moratoriums für die von früherher datierenden Privat­forderungen an Rußland ist infolge des entschiedenen Wider­Standes der britischen Regierung in den Entwurf nicht aufge­

nommen worden.

Einem Vertreter des Stockholmer fommunistischen Foltets Dagblad" gegenüber hat Krassin geäußert, daß die britische Regierung nach Ablehnung der von Rußland gewünschten Be Stimmungen, es übernommen habe, eine andere Methode zu finden, um über die Meinungsverschiedenheiten hinwegzukommen.

Bayern hat eingesehen, daß es seine Einwohnerwehr auf die Dauer nicht halten kann. Es versucht nunmehr mit Hilfe eines durchsichtigen Trids der Entwaffnung zu ent­3eitung" aus München: gehen. Man beachte die folgende Meldung der Boffischen

Der Landesausschuß der Einwohnerwehren Bayerns hat in diesen Tagen in seinen Sagungen die§§ 9 und 10 gestrichen, worin bestimmt war, daß dem bayerischen Landeshauptmann der Einwohnerwehren der Verkehr mit den Wehrkreisfommandos und dem Wehrkreishauptmann, der Verkehr mit den Reichswehrbris gaben der einzelnen Wehrtreise obliege. Damit ist in dem von der Entente als militärische Organisation" beanstandeten Aufbau und Zusammenhang der Einwohnerwehr mit der Reichswehr eine doppelte Bresche gelegt."

Die Kahrregierung mit ihrem Orgeschanhang versteht es meisterhaft, den Harmlosen zu spielen. Aber die Tatsachen kann sie doch nicht aus der Welt schaffen, die Tatsachen, dak die Einwohnerwehren militärische Organisationen sind, ganz gleich ob sie ihre Statuten ändern oder nicht; denn das Papier ist geduldig, besonders das, welches den Herren Kahr und Escherich zur Verfügung steht. Seit zwei Jahren ichon verwandelt sich die Einwohnerwehr, je nachdem es der 3wed erheischt: sie ist verfassungstreu, solange sie noch nicht fertig gerüstet ist, ist sie gerüstet, dann putscht sie wie am 13. März. Thre Führer predigen den Revanche frica. tommt eine Note der Entente, dann liegen die tapferen Mannen auf dem Bauch und versichern, daß sie keine agressiven Absichten verfolgen, im Gegenteil bereit sind, zu­fammen mit der Entente den Bolschewismus" zu befämpfen.

Die richtigen deutschen Militaristen: frech, wenn sie sich start genug fühlen, feige und unterwürfig, wenn die Sache schief geht. Aber auf alle Fälle blutdürftig und ge­fährlich, nach inen und nach außen!

Untersuchung gegen Hermes

In Ausführung des Beschlusses auf Antrag unserer Fraktion im Reichstage, einen Ausschuß einzusehen, der die gegen den Reichsernährungsminister Hermes erhobenen Vorwürfe prüfen soll, hat der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstages beantragt, jeder der acht Fraktionen des Reichstages einen Sig in dem Aus­schuß zuzubilligen.

Die Provinziallandtagswahlen und Kreistagswahlen im bes legten Gebiete. Wie der Kommissar für die besezten rheinischen Gebiete mitteilt, hat die Interalliierte Rheinlandskommission feinen Einwand gegen die Wahlordnung für die Provinzialland­tags- und Kreistagswahlen erhoben. Die Wahlen tönnen daher auch nach dem Gesez, betreffend die Wahlen zu den Provinzial landtagen und Kreistagen vom 5. Dezember 1920 in den beset­

ten theinischen Gebieten von statten gehen.

Die Märkischen Wasserstraßen verbinden Berlin mit den Stromgebieten Elbe und Oder. Die Wasserstraßen länge dieser Stromgebiete beträgt: für die Märkischen Wasserstraßen 1451 Kilometer, für das Elbegebiet 1774 Kilo meter, für das Odergebiet inkl. der Pommerschen Küsten flüsse 2232 Kilometer, zusammen 5457 Kilometer. Berlin hat also nicht nur direkte Schiffsverbindung nach den wichtig, sten Hafenstädten der Nord- und Ostsee, Hamburg und Stettin, sondern auch mit dem Industriegebiet Oberschlesien. Wir haben direkten Schiffsverkehr mit der Provinz Sachsen, dem industriellen Freistaat Sachsen und der Tschechoslowakei. Demzufolge ist der Schiffsverkehr äußerst rege. Jm Jahre 1913 famen weit über 30 000 Schiffe nach Berlin. 1919 betrug der Schiffsverkehr in Berlin und Charlottens burg 14 000; währen eines Halbjahres 1920 ca. 9000. Auch die Benutzung der Berliner Schleusen veranschaulicht deutlich die Bedeutung der Binnenschiffahrt für Berlin. Bom 1. Januar 1920 bis zum 30. September 1920 passierten 23 471 Schiffe die Berliner Schleusen. Davon entfielen auf die Mühlendamm- Schleuse 13 702, Stadtschleuse 1233, Obers Schleuse 4429, Unterschleuse 2042, Köpenider Schleuse 456, Neuköllner Schleuse 1609.

Der Umfang des Güterverkehrs sei durch fol gende Zahlen illustriert: Die Einfuhr durch die Eisenbahn betrug 1913 für Berlin und Vororte 12 694 545 To., die Auss fuhr 4 209 294 Tonnen; 1919 Einfuhr 10 700 438 Tonnen, Ausfuhr 3 453 879 Tonnen. Durch die Binnenschiffahrt wur den 1913 eingeführt in Berlin und Charlottenburg 4 735 710 Tonnen. Der Versand betrug 603 167 Tonnen. 1919 betrug die Einfuhr per Schiff 1900 742 Tonnen, die Ausfuhr 831 006 Tonnen. Die Zahlen zeigen, daß der größte Anteil des Gütertransportes der Eisenbahn zufällt. Dieses Mißvers hältnis zwischen Eisenbahn und Schiffahrt hat seine bes

fonderen Gründe. Statt sich im Interelle urenbahn und

Binnenschiffahrt als konkurrenten gegenüber. schaft organisch zu ergänzen, stehen sich Während der Kriegszeit ruhte der Kampf, weil die Eisen­bahn aus strategischen Gründen entlastet werden mußte. Die Eisenbahn arbeitet mit billigeren Frachtsägen, hat dafür aber ungeheure Defizite aufzuweisen. Die Binnenschiffahrt fordern. Das Reichsverkehrsministerium muß darauf hinwir­muß sich selbst erhalten, und demzufolge höhere Frachtsähe fen, daß Eisenbahn und Binnenschiffahrt zur Bewältigung des Verkehrs ihren Leistungsfähigkeiten entsprechend heran­gezogen werden.

Die Stadtgemeinde Berlin hat durch die Errichtung von Hafenanlagen alles getan, um den Verkehr auf den Wassers Straßen zu fördern. Die bedeutendste, jetzt im Betrieb bes Die Gesamts findliche Safenanlage ist der Osthafen. anlagekosten betrugen 17 981 143 M. Die Länge des Hafens beträgt 1390 Meter. Die Breite des Hafengeländes 56 bis 105 Meter. Der Getreide- und Warenspeicher hat ein Fassungsvermögen von rund 24 000 Tonnen. Die beiden Lagerhäuser je 11 400 Tonnen. Die Größe der Freiladepläge beträgt 13 000 Quadratmeter. Als technische Hilfsmittel sind feststehender Kran zu 30 Tonnen, eine Ziegelverladebrüde zu vorhanden zehn fahrbare Krane zu 1,5 bis 5 Tonnen, ein Getreideelevatoren. Ueberhaupt find die modernsten tech­nischen Einrichtungen vorhanden. Außerdem verfügt des Osthafen über ein Benzinlager mit 36 Tants, die zusammen eine Million Liter Benzin fassen.

Am Humboldthafen befindet sich eine Lagerhalle, deren Errichtung 261 686 M. foftete. Es muß hier erwogen werden ob der Humboldthafen, welcher sich wegen seiner zena tralen Lage besonders für den Güterverkehr eignet, nicht zwedentsprechend ausgestaltet werden muß. Dies würde viel zur Entlastung der anliegenden Ladestraßen beitragen.

Die Errichtung des Spandauer Südhafens tostete 5 113 098 mt. Die Hafenanlage in Tegel fostet 1970 671 Mt. Gegenwärtig wird dort ein 5 To.- Kran errichtet, der etwa 1 200 000 mt. fosten wird. Neukölln hat für seine Hafen­anlagen insgesamt 53 000 000 Mt. aufgewandt.

Die bedeutendste Hafenanlage, welche allmählich ihrer Vollendung entgegengeht, der Westhafen, hat bisher eine Ausgabe von 66 Millionen erfordert. Davon entfallen für Grunderwerb 17 500 000 Mt., Baukosten 48 500 000 Mt. Für das Jahr 1922 find 50 Millionen M. für Baukosten vora gesehen. Die Gesamtkosten, welche der Westhafen verursachen wird, lassen sich zurzeit nicht genau berechnen. Der West hafen wird mit 18 Krane mit einer Tagesleistung von 10 000 To. versehen. Außerdem ein Schwerlasttran mit einer Tragfähigkeit von 30 To. und einer Kohlenverladeanlage. Von den 18 Kranen sind 4 bereits betriebsfähig mit einer