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Mittwoch, 24. Auguft 1921
Nummer 393
Morgen- Ausgabe
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greiheit
der
Berliner Organ
bei Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Frontfämpfertag"
Was wir den Frontkämpfern zu sagen haben
Fronttämpfer! Kameraden! Genossen!
Die Gegenrevolution will Euren Namen mißbrauchen, um unter heuchlerischer Maste eine Heerschau ihrer Kräfte abs zuhalten. Der Nationalverband deutscher Offiziere" und der„ Bund nationaldenkender Soldaten" haben im Verein mit anderen alldeutschen, militaristischen und monarchistischen Organisationen für heute nachmittag einen„ Fronts tämpfertag" im Berliner Stadion angesetzt. Schon diese Bezeichnung ist eine höhnische Herausforderung. Obwohl wir nicht daran zweifeln, daß das Zehntausende fassende Stadion nicht Raum genug haben wird für alle diejenigen, die ihre gegenrevolutionäre Gesinnung, Sensationslust und Gedankenlosigkeit treibt, jeden nationalistischen Rummel mitzumachen, wird von den Millionen echter Frontfämpfer nur ein verschwindender Bruchteil dort fein. Nicht nur, weil die erbrüdende Mehrheit derer, die wirklich alle Schrecken und Leiden der Front mitgemacht haben, dieses Wohltätigkeitsfest" zugunsten der Kriegsopfer als einen blutigen Sohn empfinden, sondern auch, weil seine Beranstalter in fluger, aber nicht gerade tapferer Vorsicht Tag und Stunde so gewählt haben, daß es den Arbeitern unmöglich ist, zu Tausenden ins Stadion zu strömen und dort die Schändung des Andentens der toten Kameraden zu verhindern. So sind es ausschließlich die Frontkämpfer des Bürgerkrieges,
die Streiter gegen die Revolution, die Republik, die Arbeiterschaft, die die sich dort versammeln werden, und ihr Tun gilt nicht dem Gewesenen, sondern dem Zufünftigen, sie denken nicht an den Krieg, in dem fie und ihre Führer aufs Haupt geschlagen wurden, wie nur je ein Seer der Welt, sondern an jene Kämpfe, in benen sie über die demokratischen und sozialistischen Kräfte in Deutschland leicht zu siegen gedenten, um wenigstens nach innen die alte Macht und Herrlichkeit wieder aufzurichten. Wir wollen, Kameraden und Genossen, die Antwort darauf nicht schuldig bleiben: wir wollen sie vor wegnehmen! Wir brauchen nicht erst zu hören, was ein Pfaffe und ein Junker im Stadion sprechen werden. Wir wissen ohnehin: jener wird im Namen des Gottes der Liebe die felig sprechen, die gemordet wurden, weil sie selbst morden mußten, und dieser wird dazu auffordern, aufs Neue zu morden, insbesondere jene, die sich damals bemüht haben, dem Völkerwahnsinn Einhalt zu tun. Es wird sich nicht ein neuer Gedanke in ihrem überlieferten Programm der Brutalität und des Machthungers finden. Auch was wir ihnen zu antworten haben, ist längst und oft gesagt. sei in seinen wichtigsten Punkten heute wiederholt, man fann es nicht laut genug sagen, nicht oft genug hören, nicht scharf genug seine Folgerungen daraus ziehen.
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Es ist unerhört und beispiellos, daß Generale, die einen Krieg verloren haben, so verloren haben, wie Deutschlands militärische Führer,- drei Jahre nach ihrer Nieders lage wiederum die Gözen des chauvinistischen Zukunftsglaubens sind, daß die Urheber des Weltkrieges heute in Deutschland als Märtyrer und Helden der Zukunft gefeiert werden. Die erdrüdende Mehrheit der wirklichen Frontkämpfer weiß heute, daß sie im Sklavenrod des preußifchen Militarismus der
schlechtesten Sache der Welt
gebient haben. Wir brauchen feine Aften zu wälzen, um zu wissen, mit welcher Inbrunst das in Deutschland herrschende preußische Junkertum den Krieg herbeigesehnt, mit welchem Eifer, mit welcher Verschlagenheit es ihn herbeigeführt hat! Geht uns mit euren Aktenbergen, von denen das Wichtigste doch längst verbrannt ist, mit Euren Erinnerungen", die nichts beweisen, als euer Schuldbewußtsein! Wir wissen aus jahrhundertelanger Erfahrung, wie es in den Köpfen derer aussieht, die jetzt mit Eifer Bücher schreiben, wir hatten schon vor 1914 eine lange und bittere Zeit hinter uns, die uns zur Genüge gelehrt hat, den hatten( und deren Puppen Kanzler, Minister und oft auch baß diejenigen, die Deutschlands Schidsal wirklich in Händie Fürsten waren); für ihre Machtgier teine Grenzen fannten. Es ist sicher, daß es auch jenseits der deutschen Gren
zen Menschen gab, die unseren Kriegshehern geistes- und wesensverwandt waren, daß es auch in anderen Ländern eine Schuld am Weltkrieg" gibt. Wir wissen aber auch, daß der deutsche Militarismus diesen Krieg vom 3aune gebrochen hätte, selbst wenn es in jenen Ländern nur Engel gegeben hätte! Die preußisch- deutsche Kriegsmaschine, das ist: der preußische Militärsta at, mußte sich einmal in Bewegung setzen, sonst verlor das Leben deren Sinn und Ziel, die diese für die ganze Welt bedrohliche Maschinerie geschaffen hatten.
Wer nach den geistigen
Ursachen der deutschen Niederlage
forscht, braucht in der Geschichte des Krieges nicht weit zu blättern. An dem Tage, wo wir die Grenze des neutralen Belgiens überschritten, begann, zunächst nur bei wenigen, die Erkenntnis dessen, daß wir für teine gute Sache fochten. Diese Erkenntnis hat lange gebraucht, um sich trok aller Lügen in Heeresberichten, Regierungstundgebungen und im vaterländischen" Unterricht durchzusetzen. Aber sie ist eine der Hauptursachen der deutschen Niederlage.
Aber, Kameraden, nicht nur das war es. Selbst wenn wir Frontfämpfer nicht in steigendem Maße das Empfinden gehabt hätten, für eine verwerfliche Sache, für die Frivolität des preußischen Junfertums zu fämpfen, so mußten wir doch schnell erkennen,
daß dieses Deutschland es nicht wert war,
daß man seine Knochen seinetwegen zu Martte trug! Was hatte man uns in den ersten Tagen alles persprochen, als man das Bolt brauchte, wie hat man uns betrogen, als wir uns hatten fangen lassen. In welch irrfinniger Weise hat man uns bluten, verbluten lassen. Vergessen wir doch nicht: die Beliebtheit des Marschalls Hinden burg an der Westfront hatte ihren Ursprung in der Hauptsache darin, daß er der menschlichere" Nachfolger des Blutsäufers" allenhayn war, der entfernt wurde, weil viermalhunderttausend deutsche Soldaten seinetwegen vor Verdun sterben mußten!
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Man hat in diesem Kriege auch den Dümmsten und Stumpfesten gelehrt, Vergleiche zu ziehen, und darf sich nicht Stumpfesten gelehrt, Bergleiche zu ziehen, und darf sich nicht wundern, wenn diese Vergleiche nicht so ausfielen, wie man gewünscht hatte. Die Kameraden aus Ostelbien z. B. lernten in Frankreich große, schöne Bauernhöfe kennen, und immer wieder versicherte man ihnen, daß diese Höfe seit
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einem Jahrhundert oft schon Eigentum der Bauern seien, während in Mecklenburg, Pommern, Ostpreußen der Groß grundbesitz nichts duldete als Knechte und allenfalls noch Pächter. Da wurde es auch dem Beschränktesten flar, daß er auch im Soldatenrod nichts war, als ein Junkers knecht, während in den feindlichen Schüßengräben frete Männer standen.
Und, Kameraden, wie war es benn mit unseren politischen Rechten? Erinnert Ihr Euch noch der furchtbaren Erbitterung, die es hervorrief, als wir in Preußen das Dreiflassenwahlrecht abgeschafft wissen wollten und man um fleine und wertlose Reformen widerlich feilschte? Erinnert Jhr Euch noch des maßlosen Erstaunens, des Neis des, den gerade damals die Kunde hervorrief, daß man in England die Frage diskutierte, nicht ob die Soldaten in den Schüßengräben zum Parlament wählen sollten, sondern wie man es ihnen möglichst leicht und bequem machen könne! Als wir das damals hörten, haben wir uns in tiefster Seele geschämt
vor unseren Gegnern. Wir erkannten wiederum, daß unser Kampf nicht für uns, sondern für die Reaktion geführt wurde und gegen Menschen, deren politische Rechte für sie so selbstverständlich waren, wie unsere Rechtlosigkeit für uns ers niebrigend. Auch hier bedurfte es nicht erst der ,, Vergiftung", um uns sehen zu lehren. Der Krieg selbst riß uns die Binde von den Augen.
Wer sich aber etma um politische Dinge nie gefümmert hatte, mußte aus anderen Erlebnissen lernen. Es fam der Sunger, in der Heimat und an der Front. Er fam für Soldaten und die übergroße Mehrheit des Volkes, er fam nicht für Kriegsgewinnler und Offiziere! Es tam die Zeit, in der der Mann im Schützengraben sich von Dörrgemüse nähren mußte, während der Divisionsgeneral trotz aller Bahnsperre seinen Burschen dienstlich" allwöchentlich nach Deutschland schichte, um gestohlene Lebensmittel zu befördern. Wer von Euch ist nicht erstaunt gewes sen, in französischen und englischen Gräben stets Nahrungs mittel in Menge, aber nie einen besonderen Offiziersunterstand" zu finden? Wer hingegen ist nicht so und so oft aus dem Grabendred in ein Waldlager oder in ein Stabsquartier gekommen( von der Etappe ganz zu schwei gen) und hat sich dort von einem geschniegelten und gebü gelten Lumpen mit Achselstücken und vollgefressenem Gesicht
Die Frontfämpfer der Gegenrevolution Wollt Ihr sie wieder zur Macht bringen?
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