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Nr. 245.

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Erscheint täglich außer Montage.

Vorwürts

Berliner Volksblatt.

14. Jahrg.

Die Insertions- Gebühr

beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für Beretns- und Versammlungs- Anzeigen, fowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tft an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittags geöffnet.

Ternsprecher: Amt I, Mr. 1508. Telegramın Adresse: » Bozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Mittwoch, den 20. Oktober 1897.

Grillenberger

Dienstag, den 19. Ottober.

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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Grillenberger's Leben hier zu erzählen, fehlt uns der Naum. Grillenberger's Leben erzählen Ein schwerer Verluft hat die Sozialdemokratie getroffen; einer unserer tapfersten und heißt die Geschichte der Partei erzählen. Seit seinem 28. Jahre, d. h. seit Anfang der mannhaftesten Vorkämpfer, der seit dreißig Jahren in den vordersten Reihen focht: Karl 70er Jahre, steht er in der Sozialdemokratie, und wächst mit der Sozialdemokratie ftets Grillenberger ist heute- Dienstag- Abend 6 Uhr 35 Minuten, an den Folgen eines fämpfend und stets lernend. Schlaganfalls, der ihn nach einer Rede in der bayerischen Kammer gegen Mittag traf, im Denn dieser Schlossergeselle" mit dem Riefentörper und den Cyklopenarmen hatte einen Krankenhause von München , wohin er sofort gebracht wurde, gestorben. Zum Bewußtsein tam gewaltigen Wissensdurst und einen gar hellen, für alles Wissen offenen" Kopf. Grillenberger er nicht mehr. Er hat also den schönsten Tod gehabt, den Tod auf dem Schlachtfelde ist einer der wenigen deutschen Arbeiter, die fehlerlos in Grammatik und Stil- deutsch der Pflicht, mitten in Bethätigung der höchsten Lebenskraft vom Tod weggemäht. schreiben gelernt haben. Die Erinnerungen aus seinem Handwerksburschen- Leben, die er soeben Was Grillenberger war? Wer kennt ihn nicht, diesen naturwüchsigen, kraftstrotzenden im Wahren Jakob" zu veröffentlichen begann, sind Meisterstücke des Stils. Recken, dessen Siebe so wuchtig auf den Feind niederfausten und niemals ihr Ziel verfehlten? Der immer gerade aufs Biel losging, fich durch nichts ablenken ließ, immer den Kern der Sache erfaßte? Wer kennt ihn nicht? Unter den Rednern unserer Partei: in der Agitation, auf den Parteitagen, im Reichstag, in den Landtagen war keiner eindrucks- und wirkungsvoller. Durch Mutterwitz, Humor, Schlagfertigkeit, leichten Nedefluß und ein prächtiges, mächtiges Organ, war er ohne Frage der beste Volksredner, den die deutsche Sozialdemokratie hervorgebracht hat. Aber auch seine Parlamentsreden gehören zu den besten, welche die Partei aufzu weifen hat.

Und dabei war er ein Mann der That flug und kühn. Unter dem Sozialistengesetz hat er hundertmal seine Freiheit, seine Existenz aufs Spiel gesetzt. Der Sinn für Gefahr fehlte bei Grillenberger . Und wenn er, namentlich in neuerer Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten sich auf seiten der sogenannt gemäßigteren Elemente in der Partei zu neigen schien, so war er in seinem ganzen Sein eine durch und durch revolutionäre Natur.

Und er war ein Drganisator, wie wir einen besseren nicht gehabt haben und nicht haben. Selbst Arbeiter, wurde er in frühester Jugend auf die Nothwendigkeit der gewert schaftlichen Organisation hingewiesen, und auf diesem Gebiet hat er Großes, hat er Unvergängliches geleistet.

Gleich allen Kraftnaturen war er mitunter ungerecht, allein, ward er überzeugt, daß er im Unrecht war, so schlug sein Gefühl auch blitschnell um.

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Daß in Deutschland der Schwindelhafer des Anarchismus nicht unter den sozial­demokratischen Weizen gesät wardan Versuchen hat's wahrlich, weiß Puttkamer! nicht ge= fehlt, ist wesentlich das Verdienst Grillenberger's, der in politischen Dingen einen wunderbaren Takt hatte, und zu den fleißigsten Begründern jener Partei Zattit zählt, die sich in unseren ununterbrochenen Kämpfen so glänzend bewährt hat. Eine Kampfnatur, hat Grillenberger sein Leben lang gekämpft und ist er im Kampf ge storben.

Seine vorletzte Rede galt dem Unfug der jüngsten Prunkmanöver, und seine letzten Worte prach er für die Erweiterung der Volksrechte. Deutschlands als letter 2ille Grillenberger's der Verwirklichung näher geführt Bei den nächsten Wahlen werden seine letzten Worte von den Arbeitermassen

werden.

Gegen den Militarismus zu Wasser und zu Lande, für die Ausdehnung der Volks­rechte! Der Schlachtruf wird Millionen begeistern.

Du bist todt, treuer Freund und Vorkämpfer! Wir werden Dich nicht vergessen! Und die Millionen deutscher Arbeiter, die Du zum Klassenbewußtsein und zur politischen Mündigkeit haft heranziehen helfen, sie werden im Andenken an Dich mit verdoppelter Kraft an der Vollendung des Baues arbeiten, dem Dein Leben gewidmet war!

Du bist todt, treuer Freund, doch Du lebst in unseren Herzen, und Du lehst in Deinem Werk. In der Ruhmeshalle des internationalen Proletariats glänzt unverlöschlich der Name

Karl Grillenberger .

11

Dir

Sozialdemokratie

im Rothen Haus.

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Ausführungen über die Aufnahme, welcher dieselben sich in ses der erste Leiter des Gemeindeschulwesens, der es mit der der Stadtverordneten- Versammlung zu erfreuen hatten. Erhaltung der Familie für unvereinbar erklärte, die Schüler Um mit der Kinderarbeit zu beginnen, so müssen wir danach zu fragen, ob sie Frühstück bekommen haben. Es ist fonstatiren, daß vor den Thoren Berlins Zustände existiren, unglaublich, zu welchen Thorheiten die blöde Furcht vor dem Seit einigen Wochen beschäftigt sich die Berliner Stadt- wie es schlimmer nicht in den Gefilden des ostelbischen Schnaps Sozialismus die herrschenden und besitzenden Klassen treibt. verordneten- Bersammlung mit sozialdemokratischen Anträgen, und Krautjunker- Paradieses getrieben werden kann. Die Geben wir den hungernden Schulkindern von Stadt wegen Früh die bestimmt sind, eine vernünftigere und gerechtere soziale Fürsorge, welche der freisinnige Magistrat von Berlin stück, so führen wir den Kommunismus ein." Mit solchen Mitteln Behandlung wichtiger Gebiete der städtischen Verwaltung für die schulpflichtigen Kinder seiner Tagelöhner entfaltet, arbeitet der Herr Geheimrath Bertram und das Berliner Philisters herbeizuführen. Die Herren vom Freisiun- unumschränkte gipfelt in der Bestimmung, daß ausschließlich Kinder über thum freut sich, daß die Pflege des höchsten Gutes, der Schul­Herrscher im Rothen Haus drücken und winden 11 Jahre und jüngere ausnahmsweise nur dann, wenn sie in jugend, den Händen eines so weitsichtigen Mannes anvertraut sich unter allerlei Verlegenheits-, oder sagen wir ihrer förperlichen Entwickelung den älteren Altersklassen ist. Anstellung von Schulärzten! Hochgradige Entrüftung am richtiger Verlogenheitsphrasen um die unbequemen Ausgleichwerthig sind, fernerhin der Regel nach nicht beschäftigt Magistratstisch. Herr Bertram, dieses Mal unterstützt von träge herum, versuchen der Diskussion durch wahrhaft werden sollen über die Dauer von fünf Stunden hinaus." feinem medizinischen Kollegen Stadtrath Dr. Straßmann, tindische Manipulationen Hindernisse zu bereiten und werden Es handelt sich um die mit etwa 20 Pf. pro Tag entlohnte Feld- bekämpft auch hier wieder den sozialdemokratischen Antrag, hierin vom Magistratstisch nach Kräften unterstützt. Die sozialarbeit von Kindern, die vormittags 4-5 Stunden in der Schule dessen Annahme nach Meinung dieser Vorkämpfer des demokratischen Anträge verlangen Fürsorge für die städtischen sigen und sich nachmittags noch 5 Stunden im Dienste der Liberalismus zur Aufhebung der Familie führen würde. Arbeiter, welche nach langjähriger Dienstzeit arbeits- und städtischen Verwaltung abracern müssen, um den Eltern ein Untersuchung der Kinder durch Schulärzte sei ungerechtfertigter erwerbsunfähig werden, durch Errichtung einer Pensionskasse. paar Pfennige zu verdienen. Und auf die berechtigte Ent- 3wang, bedeute einen Eingriff in die Rechte der Eltern und Ferner fordern unsere Genossen, daß für sämmtliche direkt oder rüstung unserer Genossen über die Ausbeutung der Arbeits- wie die schönen Redensarten sonst noch lauteten. Daß mit indirekt von der Stadt beschäftigten Arbeiter durch Kranken- traft widerstandsunfähiger Schulkinder, findet die freisinnige solchen Grundsätzen alle Schulhygiene zum Teufel geht, daß und Unfallversicherung Fürsorge getroffen wird. Außerdem soll Majorität der Stadverordneten keine andere Antwort, als daß Schulzwang, Impfzwang, Vorschriften bei Epidemien, ärzt­ein Ortsstatut gemäß§ 120 Abs. 3 der Gewerbe- Ordnung erlassen sie den Magistratsvertretern zujubelt, die, gleich Herrn liche Untersuchung beim Eintritt in das Militär furz all' werden, durch welches den männlichen Arbeitern unter 18 Jahren Spinola, das Recht der Eltern, ihre Kinder ge- und jede gesellschaftliche Schußeinrichtung preisgegeben werden die Verpflichtung zum Besuch einer Fortbildungsschule auf- werblich auszubeuten, proklamirten. Währlich ein netter Frei- das sehen die vom Beifall der liberalen Stadtväter umtoften Ver erlegt wird. Auf das Gebiet der städtischen Krankenpflege sinn, der den Kindern des Bürgerthums die goldene Jugendzeit treter der heutigen gesundheitsschädlichen Berliner Schuleinrich übergehend beantragen die Arbeitervertreter in der Gemeinde fichert die Kinder der Arbeiter aber faltherzig dem Moloch tungen natürlich nicht ein; es reicht für diese Sorte Sozialpolitiker die Bermehrung der Heimstätten für Brustkrante, sowie die Kapitalismus vorwirft, unbekümmert darum, ob die Kinder hin, daß Sozialdemokraten etwas beantragen, um sofort den Errichtung einer Heilanstalt für Tuberkulose beiderlei Ge- dabei zu grunde gehen- Menschenfleisch ist ja billig. Kampf dagegen aufzunehmen. Daß der Magistrat für seine schlechts. Wie mit den Kindern, so mit den Alten. Der An Haltung in diesen Fragen sich des lebhaftesten Beifalls der Der Gemeindeschule find ebenfalls einige Anträge gewidmet. trag auf Errichtung einer Pensionskasse für die städtischen Kreuz- Zeitung " erfreut, ist zwar hart, aber nur gerecht, denn Es wird beantragt unentgeltliche Verabfolgung der Lehr Arbeiter wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Die verkommenste Junkergesellschaft kann nicht reaktionärere mittel, Erhebungen über die Zahl der ohne Frühstück Vergeblich war der Hinweis auf das Ausland und auf andere Ansichten in Fragen der Schulhygiene haben, als sie im Rothen zum Unterricht kommenden Schüler, Anstellung von Städte des Reiches. Vergeblich die Vorführung des Hause zum Besten gegeben wurden. Schulärzten, sowie der Erlaß einer Polizeiverordnung, von Frankfurt a. M. und Stuttgart gegebenen Beispiels. Jn der Stadtverordneten- Versammlung fand sich immerhin durch welche gewerbliche Beschäftigung von Schul- Bergeblich der Nachweis, daß die Reichshauptstadt in etwas mehr Verständniß für die schulhygienischen Aufgaben findern vor Beginn der Echulzeit( Austragen von Milch, bezug auf die soziale Fürsorge für ihre Arbeiter der Gemeindevertretung. Man überwies diesen Antrag einem Backwaaren, Zeitungen) verboten wird. Endlich sollen Beweit weit hinter viel weniger finanzkräftigen Städten zurücksteht Ausschuß zur Vorberathung. Die Berathung der übrigen An­rathungen stattfinden, welche Einrichtungen zu treffen sind, um es nußte alles nichts, im Namen und unter Anrufen seines träge mit Ausnahme des auf bessere Versorgung der die Beseitigung der sogenannten fliegenden Klassen und die Heiligen Sankt Manchester lehnt der Berliner Kommunal- Lungenkranken gerichteten, der ebenfalls an einen Ausschuß vers Herabsetzung der Maximal- Schülerzahl für die einzelnen freifinn jede Sicherstellung alter erwerbsunfähiger Arbeiter ab, wiesen ist steht noch aus, und wir wollen abwarten, wie sich Klaffen( jetzt 70) herbeizuführen, über Einführung des acht um das freie Spiel der Kräfte" nicht zu stören. unsere Freisinnshelden damit abfinden werden. klassigen( jetzt sechsklassigen) Gemeinde Schulsystems, sowie Die unentgeltliche Hergabe der Lehrmittel hat man ebenfalls Biel Gutes ist dabei nach den Verhandlungen der letzten beiden darüber, ob zu gunsten einer besseren Ausbildung geistig zurück- durch Tagesordnung zu erledigen beliebt. Warum? In der Be- Versammlungen gewiß nicht zu erwarten, denn Eigensinn gebliebener Schulkinder Hilfs oder Sonderschulklassen einzufürchtung, daß Mißbrauch damit getrieben wird, und namentlich und Rechthaberei werden zweifellos auch bei den übrigen richten sind. ans der zarten Fürsorge, die wohlhabenden gutfituirten Eltern, Anträgen jeden gesunden Fortschritt, jede dem arbeitenden Nebenher wurden zwei Anfragen von unseren Genossen deren Kinder die Gemeindeschule besuchen, nicht durch kostenlose Bolt zu gute kommende Entwickelung zu verhindern suchen. an den Magistrat gerichtet, welche über Art und Umfang der Hergabe der Lehrmittel zu beleidigen. Die naiven Seelen im Die bisherigen Verhandlungen haben aufs neue gezeigt, daß Kinderarbeit auf den städtischen Rieselgütern, sowie darüber Stadtverordneten- Saal! Ein unentgeltliches Lehrbuch vereint sich bei dem Freisinu weder Verständniß für die sozialen Aufgaben Auskunft verlangen, ob einem Bauunternehmer seitens der nicht mit der Ehre des Bürgers aber der unentgeltliche zu finden, noch der Wille vorhanden ist, die sozialen Noth städtischen Verwaltung aus Aulaß eines Arbeiterausstandes Unterricht, den kann die Freisinnsehre vertragen. Abgelehnt stände in der kommunalen Verwaltung zu beseitigen. Anstatt eine Verlängerung der Baufristen zugestanden ist. wurden auch die beantragten Erhebungen über die Zahl der ohne anregend und vorbildlich zu wirken, durch eine vernünftige,

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Dies die sozialdemokratischen Anträge; und nun einige Frühstück zum Unterricht kommenden Schüler. Hierbei war dem Arbeiterschutz gewidmete kommunale Fürsorge die städtis