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Einzelpreis 1.50 Mk.

Die retbett" erscheint täglich einmal als Morgenausgabe und Montage als Abenbausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freie Welt", Frauen- Weit" und Der Jugend- Genosse". Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins Haus für den Monat Mai 35, M., im boraus zahlbar. Bestellungen nehmen sämtliche Bostanstalten ent­Unter Streifband bezogen für Deutschland, Danzig, das Saar Luxemburg 69, M., für das übrige Ausland 87,- M.

gegen.

unb Memelgebiet sowie die früheren deutschen Gebiete Bolens und

5. Jahrg, Nummer 219

Freitag, den 19. Mai 1922

Die zehngefpaltene Ronpareillezetle oder deren Raum loftet 18,- M., einschließlich Inferatensteuer. Aleine Anzeigen: Das fettgedruckte Bort

2,50 M., iedes weitere Wost 1,75 M. einschließlich Inseratensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gesuche 12 m. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fett gebrudte Wort 2.- M., iedes weitere Wort 1,50 M. Fernfprecher Zentrum 152 30-152 89

greiheis

Berliner Organ

der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands

Die österreichische

Wirtschaftskrise

Von Dr. Otto Beichter( Wien).

Die Aus­

Die schwere Weltwirtschaftskrise, die seit nunmehr fünfviertel Jahren auf der Weltwirtschaft lastet, hat in allen betroffenen Ländern im wesentlichen die gleichen Erscheinungen hervorgerufen. dehnung des Produktionsapparates im Westen- das gilt insbesondere von Amerika- der Fortfall des russischen und zum großen Teil auch des mittel­europäischen Absatzgebietes waren der Anstoß zu der Krise, die Geldwertsteigerung, die Verringerung des Banknotenumlaufes wirkte neben den schlechten Ab­jazzverhältnissen bei der Verbilligung der Waren mit, obwohl die Arbeitslosigkeit darüber hinaus viel grö= Beren Lohndruck bewirkte, als durch die Senkung der Lebenshaltungskosten gerechtfertigt war; immerhin in den Ländern mit gesundem wirtschaftlichen Unterbau, wie es die großen kapitalistischen Staaten des Westens find, hat die Strise neben ihren notwendigen ungünsti­gen Wirkungen, der Arbeitslosigkeit und den schlechten Absatzverhältnissen, noch einige gesunde Wirkungen ge­habt: sie hat die Preise start herabgesetzt und mit der Banknoteninflation aufgeräumt.

ijt.

Schwere Arbeitskämpfe überall

Die Anssperrungen in Süddeutschland

find in allen Betrieben des Bezirks Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Hanau, Oberursel und Bad Homburg burchgeführt. In höchft a. M., das in der besetzten Zone liegt, bürfen keine Aussperrungen erfolgen. Da die meisten Betriebe der Metallindustrie sechstägige Kündigung haben, würden die Aussper­rungen vom nächsten Montag ab in Kraft treten. Die Mög­

ben dauern. Heute bleibt Prag ohne Zeitungen. Vom Streit aus. geschlossen sind allein die lebenswichtigen und humanitären Be triebe. Inzwischen werden die Verhandlungen zur Beilegung bes Metallarbeiterstreits weitergeführt. Die Löhne der Metallarbeiter dürften um etwa 15 Prozent herabgesetzt werden.

lichkeit, daß es vorher noch zu einer Einigung fommt, ist nach der Kämpfe in der

" Frankfurter Zeitung" nicht ausgeschlossen.

Auch die badischen Metallindustriellen sperren aus Nach einer Drahtmeldung der D. A. 3." hat der Verband der Metallindustriellen Mittel- Badens beschlossen, mit Wirkung vom 2. Juni sämtliche Metallarbeiter der dem Verbande angeschlossenen Betriebe auszusperren, um dadurch die Einmütigkeit der füddeutschen Arbeitgeber in der Frage der 48- Stunden- Woche zu bekunden. Die

Kündigung in den einzelnen Betrieben erfolgt allgemein mit Wir­tung vom 2. Juni ab.

Jmmer herausfordernder gebärdet sich das Unter­auf die Straße geworfen und Hunderttausende von nehmertum. Rücksichtslos werden die Familienväter Arbeitskräften dem Wirtschaftsleben entzogen. Mag darüber ber vielgepriesene Biederaufbau" noch so

sehr leiden, was schert das den Unternehmerinteressen.

Wenn nur der Profit vergrößert und gesichert wird.

Indessen, die Pläne der Unternehmer müssen zu­

Das

österreichischen Metallindustrie

( WTB.) Wien, 18. Mai Lant Arbeiterzeitung hielten die Betriebsräte der Wiener Metallindustrie über ihre Stellungnahme zur Kündigung ber Rollektivverträge eine Beratung ab. In der einstimmig angenommenen Resolution wurden alle beabsichtigten Lohn­tützungen abgelehnt und die Verbandsleitung aufgefordert. alle Kampfmittel zur Abwehr gegen jede Verschlechterung der materiellen, sozialpolitischen und rechtlichen Lage der Metallarbeiter in Anwendung zu brin

( Intel.) Wien, 18. Mai

Eine Versammlung der Betriebsräte der Metallindustrie von Wien und Niederösterreich beschloß gestern, die von den Industriellen geforderte Lohnverkürzung abzulehnen und beauftragte den Vorstand des Metallarbeiterverbandes, alle Mittel anzuwenden, um eine Verschlechterung der wirtschafts

Ganz anders verläuft die Linie der österreichischen irtschaftsentwicklung, obwohl äußerlich Desterreich während der letzten Monate dieselben Symptome zeigte wie der Westen. Auch in Oesterreich herrscht seit 4 bis 5 Monaten Arbeitslosigkeit, die sich immer mehr ver­schärft, auch die österreichische Industrie leidet stark an Beschäftigungsmangel, auch die österreichische Baluta ist in den letzten Monaten im ganzen großen nicht mehr gesunken, was ja wenigstens ein Antlang an die Geldverhältnisse im Westen während des letzten Jahres Die Krone hat seit der Revolution auf den Geldmärkten dieselbe Entwicklung genommen wie die deutsche Reichsmark, die österreichische Wirtschaft ge= staltete sich ähnlich wie die deutsche. Nach dem Umsturz das vollkommene Darniederliegen der Produktion, weil einfach die notwendigsten Rohstoffe zur Umstellung und zum Wiederaufbau der Produktion fehlten. Was Die Christlichen Gewerkschaften in Desterreich an territorialen Verschiebungen durch den Friedensvertrag, die Trennung der Wiener und niederösterreichischen Industrie von ihren in der Tschecho- Slowakei gelegenen Rohstoffen ausmachten, das rief in Deutschland neben der Abtretung wirt­schaftlich wichtiger Gebiete der Zwang zur Ablieferung von Rohstoffen an die Entente hervor. Bald belebte sich jedoch die deutsche wie die österreichische Wirtschaft Der rapide Sturz der Krone und Mark brachte die In­dustrie wieder in Gang und die Zeit bis Ende 1921 war bon fortwährenden Balutenschwankungen erfüllt, die es ermöglichten, daß Deutschland und Oesterreich auf dem Weltmarkt noch konkurrenzfähig waren und Ab­faz für ihre Produkte fanden, als schon längst die Fa­brifen in Amerika und England stillstanden. Vollends heldentum mit sadistischer Begier sein Ergößen an nuk=

lichen Lage der Arbeiterschaft zu vermeiden.

Aussperrung der Berliner Holzarbeiter?

Wie wir furz vor Redaktionsschluß erfahren, planen die Eine Bestätigung dieser Meldung konnten wir bisher nicht erhalten.

Berliner Solzindustriellen die Aussperrung der Holzarbeiter.

nichte werden an dem unzweideutigen Solidaritäts­willen der gesamten Arbeiter- und Angestelltenschaft. Er darf nicht zulassen, daß die Klaffengenossen vom Hunger zur Niederlage gezwungen werden. Unterstügungswert für die streitenden und ausge­sperrten Kollegen muß verdoppelt, wenn nötig verdreis Neue Forderungen der facht werden. Ihr Kampf ist unser Kampf!

der

ungeheuerliche, schwindelerregende Sturz der Krone

und Mart im Herbst 1921 machte es insbesondere mög lich, auf dem Weltmarkt zu konkurrieren, als die west­

während der Krise bereits herabgesetzt hatten.

während der Vermehrung des Banknotenumlaufes Indes die Frische der österreichischen Wirtschaft glich immer mehr der Lebhaftigkeit eines im schwersten Fieber Delirierenden. Die Krone sant immer tiefer,

vor dem Streikbruch?

gestrigen Ausgabe an erster Stelle einen Artikel, der sich Stegerwalds Zeitung Der Deutsche" bringt in seiner mit dem süddeutschen Metallarbeiterstreik beschäftigt. Nach­dem einleitend der Zusammenbruch des füddeutschen Metall­arbeiterstreits als sicher hingestellt wird und den christlichen und Sirsch- Dunkerschen Gewerkschaften vorgeworfen wird, daß sie sich nur im Schlepptan der freien Gewerkschaften be=

fänden, wird dann ziemlich unverhüllt zum Streitbruch angeraten. Das Handeln nach feften Grundfäßen fei allem Paktieren und Lawieren vorzuziehen.

Im November 1918 fei das sozialistische Dogma" vom

Achtstundentag zum Staatsdogma" erhoben worden. Dens

aber in das Maul­

Iosen Arbeitskämpfen."

Sollte wirklich die Leitung der christlichen Gewerkschaften die Absicht haben, den ausgesperrten Metallarbeitern just in dem Moment in den Rücken au fallen, wo die Unternehmer

rücksichtslos weitere Tausende von Arbeitern auf die Straße

werfen? Das ließe allerdings sehr bezeichnende Schlüsse zu.

Sympathiestreik in der Tschechoslowakei

Der Metallarbeiterstreit in der Tschechoslowakei ist nach einer

Die Arbeiterschaft von Prag und Umgegend hat beschlossen, für bic Metallarbeiter einen allgemeinen Sympathiestreit zu veranstalten.

dieser Prager Streit sollte heute Mitternacht beginnen und 24 Stun­

der Moment schien bedenklich nahe, wo die österreichische Dauer von zwei Wochen in ein entscheidendes Stadium getreten. Krone sowie der Sowjetrubel nicht mehr auf den inter­nationalen Geldmärkten notiert wird, wo sie als angenommen wird. Unter dem Eindruck dieser be= Regierung infolge des Druckes des sozialdemokratischen aber sofort zeigten sich die schlechten Wirkungen in der zu entwickeln als bis dahin. Und wiederum unter dem Gindruck dieser Maßnahmen gelang es der österreichi­ſchen Regierung, fleinere Aredite zu erhalten. Der erste dieser Kredite war der tschecho- slowakische, der vor allem die fortwährenden Zahlungen des österreichischen Staates- der Bahnen besonders für tschechische Kohlen erleichtern spute, dann tam der englische, fran­zösische und italienische Stredit, die alle zusammen aller­dings noch so flein sind, daß sie zu einer Stabilisierung den österreichischen Krone und insbesondere au einer Bedeckung für neuauszugebende Banknoten nicht ge­nügen, die aber für den Augenblick ein weiteres ganen der österreichischen Krone verhindern. der Krone war dadurch ein wenig Ginhalt geboten,

Industrie bisher nur dadurch möglich gewesen, daß die Krone fortwährend sank, daß bei jedem neuen Sinken die Lebenshaltung für ausländische Valuta immer billiger, für inländische aber um so unerschwing­licher wurde, daß die Lohnerhöhungen der Arbeiter­schaft nicht einmal die Aufrechterhaltung des bisherigen Lebensstandards ermöglichten, daß also bei jeder neuen Senkung der Krone den Unternehmern als Er­gebnis eine höhere Ausbeutungsrate in den Schoß fiel, so zeigte sich sofort beim Fortfall dieses Betäu­bungsmittels, daß die österreichische Industrie ohne diese Strüde ihre Konkurrenzfähigkeit nicht behaupten

konnte. Dazu kam der Sturz der Mark während des

Jahres 1922. War Desterreich früher auf dem Welt­markt Deutschland gegenüber im ganzen großen kon­

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Berliner Gemeindearbeiter

Das Lohnfartell der städtischen Arbeiter Berlins hat am Dienstag dem Tarifamt des Magistrats neue Forderungen überreicht. Für Juni wird eine allgemeine Erhöhung der

ne um 7 M. pro Arbeitsstunde verlangt, so daß sich der

Lohn für den ungelernten Arbeiter auf 20 bis 21 M., für den Handwerfer auf etwa 23 M. pro Stunde stellen würde. Die Lohnerhöhung, im Mai von 50 Pf. habe in feiner Weise die Teuerung ausgleichen können, weshalb für alle städ­tischen Arbeiter für den Monat Mai eine Entschuldungs­beihilfe von 1000 m. verlangt wird.

Die Verhandlungen über die neuen Lohnforderungen werden zwischen dem Tarifamt und dem Lohnkartell in näch­ster Woche erfolgen. Tas Reichsarbeitsministerium hat den Schiedsspruch über den Manteltarif vom 14. April für ver bindlich erklärt bis zum Jahre 1924.

Der Landarbeiterstreik in Pommern

in Mecklenburg- Strelitz( Band Stargard), der seit dem 20. April wegen des Abschlusses eines Tarifvertrages dau­ert, soll nach einer T. U.- Meldung zusammengebrochen sein. Die Unternehmer haben, wenn diese Meldung zutrifft, mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaften der Soldaten, also der Roßbach- Streifbrechergarden, sowie der Technischen Nothilfe, die Landarbeiter niedergerungen.

Neue Unruhen in Irland

( WTB.) Belfast, 18. Mai.

Die Schießereien begannen heute von neutem. Dabei wurden vier Zivilisten getötet und mehrere verwundet. Auf seiten der Polizei wurde ein Beamter getötet und einer verwundet.

kurrenzfähig, so schlug jest Deutschland auch diesen legten Konkurrenten mit der schlechtesten Valuta, da die deutsche Mark zu einer Zeit weiter fiel, als die österreichische Krone stabil blieb. Die österreichische Industrie leidet seit Beginn des Jahres an Beschäfti­gungslosigkeit, obwohl nicht in dem Maße, wie die Unternehmer es darstellen, die Arbeitslosigkeit nimmt aber doch konstant zu und erreicht schon ein ziemlich bedenkliches Ausmaß.- Insoweit bietet Desterreich das normale Krisenbild. Das Abnormale, Gefährliche der österreichischen Wirtschaft liegt aber darin, daß elle Preise seit Jänner noch immer steigen. Während in den Weststaaten der Preissturz parallel mit der Krise, ja sogar schon vor Beginn der Krise teilweise einsetzt, haben wir in Desterreich trotz der Krise fortschreitende Peiserhöhungen zu verzeichnen. Was sonst das nor­male Hilfsmittel des Kapitalismus gegen die Krise ist,