Frauenwelt

Nr.1+ 41.Jahrgang

Beilage zum Vorwärts

Geh fleißig um mit deinen Kindern!

Habe

Geh fleißig um mit deinen Kindern! Sie Tag und Nacht um dich, und liebe sie. Und laß dich lieben einzig schöne Jahre; Denn nur den engen Traum der Kindheit find Sie dein, nicht länger! Mit der Jugend schon Durchschleicht sie vieles bald rras du nicht bist, Und lockt sie mancherlei was du nicht hast. Erfahren sie von einer alten Welt,

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Die ihren Geist erfüllt; die Zukunft schwebt Nun ihnen vor. So geht die Gegenwart Berloren. Mit dem Wandertäschchen dann Boll Nötigkeiten zieht der Knabe fort.

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Du siehst ihm weinend nach, bis er verschwindet, Und nimmer wird er wieder dein! Er fehrt Zurüd, er liebt, er wählt der Jungfroun eine, Er lebt! Sie leben andre leben auf Aus ihm du hast nun einen Mann an ihm, Hast einen Menschen aber mehr fein Kind! Die Tochter bringt vermählt dir ihre Kinder Aus Freude gern noch manchmal in dein Haust Du hast die Mutter aber mehr fein Kind. Geh fleißig um mit deinen Kindern! Habe Gie Tag und Nacht um dich, und liebe sie, Und laß dich lieben einzig schöne Jahrel

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Leopold Schefer .

Frauenfragen.

Von Marte Juchacz.

Die Frauen stehen vor den Aufgaben des Lebens mit ihren Sorgen und ihrer Not, fühlen die Verantwortung der Zeit mit aller Wucht auf ihren Schultern und sind sich doch nicht immer klar über den Zusammenhang der Dinge.

Wir Frauen sind Einzelglieder der Gesellschaft und des Staates gleich dem Mann. Wir haben die gleichen sozialen Interessen, man verlangt von beiden Teilen die Erfüllung bestimmter Aufgaben. Leidet die Gesamtheit eines Boltes große wirtschaftliche Not, so sind die befizlosen Schichten der Bevölkerung besonders davon betroffen. Die Frau aber fühlt die. Not des Tages deshalb noch viel empfind­licher, weil ihr Pflichtenfreis sich aus tausend Kleinigkeiten zusammen. fegt und weil sie fast mit jeder einzigen Handlung für Menschen, die fie liebt, forgen muß.

Noch immer wird bei der Erziehung von Knaben und Mädchen unbewußt zweierlei Maß angelegt. Wenn auch hierbei schon vieles besser geworden ist, tragen wir doch noch an der Vergangenheit. Wenn der Knabe tollt und spielt, wird das Mädchen häuslich be Schäftigt. Hiermit ist nichts gegen den erzieherischen Wert der Arbeit gefagt, beide, Knaben und Mädchen, sollen der Mutter helfen, beide sollen Zeit zu fröhlichem Spiel haben.

Die Berufsausbildung wird für den Knaben möglich gemacht, wenn es irgend geht. Der Gedanke, daß das Mädchen womöglich nach dem zwanzigsten Jahr eine Ehe schließt, läßt die Kosten scheuen, auch da, wo sie noch mit Mühe und Not aufgebracht werden müffen. Und doch ist es so sehr notwendig, die Mädchen tüchtig für den Lebenskampf zu machen, gerade deshalb, weil sie bei dem allge­meinen Wettbewerb die schwächere Position haben. Wohl türmen fich hier Schwierigkeiten auf, über die in besonderen Artikeln ge­( prochen werden muß. Die Berufsausbildung und-tätigkeit schärft den Gelft, gibt einen weiteren Blick für die Umwelt und macht die Frauen von heute dadurch auch befähigter für die Ehe, wenn diefe eine wirkliche Lebenskameradschaft zweier Menschen sein soll.

10. Januar 1924

Stellung aufgibt, um sie mit den Pflichten einer Nur- Hausfrau zu vertauschen, gibt damit ihre wirtschaftliche Selbständigkeit auf. Je nach ihrer eigenen Individualität, je nach der Einstellung des Mannes zur hauswirtschaftlichen Leistung der Frau, je nach den der Frau zur Verfügung stehenden Mitteln und der Art, wie sie ihr gegeben werden, wird ihr persönliches Selbständigkeitsgefühl sich entfalten fönnen oder unterdrückt werden.

Das Problem Hausfrau und weibliche Persönlichkeit" ist in der Frauenbewegung und von den verschiedensten Seiten durchge. sprochen worden. Die Wertung der unbezahlten Hausfrauenarbeit, die Möglichkeiten der Vereinfachung des Einzelhaushalts von der. primitiven Wohnung der Mietstaferne bis zum Einfüchenhaus, wurden eifrig erörtert. Wenn diese Fragen jetzt durch Krieg und andere Lebensnot zurüdgedrängt wurden, so find fie deshalb nicht bedeutungslos geworden. Eins aber muß den Hausfrauen start ins Bewußtsein dringen. Ihre Arbeit ist nicht wertlos. Sie erhält dadurch die durch menschliche Arbeitskraft geschaffenen Werte. Die Frauen stehen mit ihrer Hausfrauentätigkeit mitten im Kreislauf des volkswirtschaftlichen Lebens. Bohlstand und Notstand eines Boltes haben ihre Rückwirkung im Einzelhaushalt, das letztere erfahren wir seit Jahren besonders schmerzlich. Jede einzelne Frau, die Haushalt und Familie betreut, führt einen aufreibenden Kampf gegen die Not, von der die Gesamtheit heimgesucht wird. Wenn die Berarmung, Krankheit und Sterben noch vergrößert hätten werden fönnen, ist das zweifellos auf die Tüchtigkeit, Imsicht und Sparsam. teit der Hausfrauen zurückzuführen.

Wir sollen aber mehr sein Nicht nur die guten Hausfrauen, die kein anderes Ziel fennen, als Einkaufen, Kochen, Waschen, Buzen, für das leibliche Wohl unserer Familie zu sorgen. Die Ehe foll Lebensfreundschaft sein in guten und bösen Tagen, sell geistige Kameradschaft sein. Die neue Zeit mit ihren Stürmen zwingt Männer und Frauen zur Anteilnahme. Da gibt es tein Beiseite. stehen mehr. Treten wir nicht selbst heraus aus unserem begrenzten Pflichtenfreis, so tritt das, was man Politit, Deffentlichkeit oder soziales Leben nennt, an uns heran. Kriegsgefahr und Reparatio nen, Steuern, Kohlennot, Lebensmittelverteuerung, Wohnungselend zeigen uns ihr graufigstes Gesicht. Und wenn es manche von uns felbst nicht mit ganzer Härte trifft. Dürfen wir blind sein und gefühllos gegen fremde Not, die morgen die eigene fein fann? Wir Frauen stehen, nicht nur wenn wir unverheiratet sind, als Arbeiterin im Getriebe des volkswirtschaftlichen Lebens, in der Fabrit, im Laden und Bureau, als Poft- oder Eisenbahnbeamtin. Oft sind wir Hausfrau und Mutter daneben. Die wirtschaftliche Selbständigkeit erlaufen wir mit Schwierigkeiten, die sich aus der dreifachen Last ergeben. Haben wir ein Recht auf Arbeit? Mal fdyeint es so, dann auch wieder nicht. Jede Krise auf dem Arbeits. markt, jede Umwälzung im Beamtenkörper des Staates( wie wir es jeßt erleben), äußert sich für die Frauen besonders empfindlich, zwingt eine große Anzahl ven Frauen zur Umstellung ihres Lebens. Sie, die schon durch die Verbindung ihrer Berufspflicht mit ihrem Mutterfein und durch ihre Pflichten als Erzieherin ihrer Kinder in tausend Konflikte kommt, muß sich mit dem Auf und Ab des Arbeits­marftes umstellen.

Groß ist die Not der jungen Mädchen, die in solchen Zeiten arbeitslos werden ganz besonders, wenn zu Hause Armut, Not und Elend ist oder wenn sie ganz alleine stehen. So manche wird heute für immer aus der Bahn gerissen oder erleidet Wunden, die nie wieder heilen.

Demokratie und Parlamentarismus haben das Frauenrecht in der Ehe noch nicht umgestalten können, zu fehr drängten die poli tischen Bedürfnisse des Tages, zu start war der Widerstand der Mehrzahl der bürgerlichen Vertreter gegen diese Aenderung des öffentlichen Rechts,

Die berufstätige Frau empfindet die Ehe, wenn sie damit zu gleich ihren Beruf aufgibt, zuerft oft genug als Einengung ihres bisherigen Lebens. Mit Recht. Wenn der Mann eine Ehe schließt, Durch ihre Mitarbeit sollen die Frauen dazu beitragen, daß die bleibt er in der Regel im Berufsleben, feine Berantwortung wird Entwicklung des öffentlichen Lebens in einer Weise gefördert wird, größer. In seiner Stellung als felbständiger Mensch, gewohnt sich wie sie es für sich, ihre Kinder und für die menschliche Gesellschaft durch seine Arbeit zu erhalten, ändert sich nichts. Die Frau, die ihre i wünschen.