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veutsthnationaler Volksbetrug. Als bei den letzten Reichstagswahlen eine große Anzahl Frauen den Deutschnationalen ihr« Stimme gaben, taten sie das in dem Glauben, daß diese Partei am ersten bereit sein würde, die Forderungen zu erfüllen, die sie an die Volks- Vertretung und die Regierung zu stellen haben. In den Wählerversammlungen sprachen die deuischnationalen�andi- daten so schön von der Aufwertung, von deutscher Politik, vom Schutz der Familie, sie wußten so beweglich über das Los der kleinen Sparer zu klagen, die durch die Inflation ihr ganzes sauer verdientes Vermögen verloren haben, und die man nun durch eine energische Aufwertung hier und da wurde eine hundertprozeiitige Auswertung versprochen retten müsse. Die Hörer und Hörerinnen waren so erfüllt von den herrlichen Aussichten, die ihnen da eröffnet wurden, daß sie am Wahltag in Massen erschienen, um dieser Partei zum Siege zu verhelfen. Sie wußten ja noch nicht, daß deutschnationale Wahlversprechungen nicht anders zu bewerten sind, wie unsichere Wechsel, deren Einlösung am Fälligkeits - termin sehr fraglich ist. Deshalb jubelten sie, als Deutsch- nationale in die Regierung aufgenommen wurden und dachten, daß nun endlich die Not ein Ende habe. So groß die Freude über denSieg" war, s>» groß ist jetzt die Enttäuschung. In der A u f m e r t u n g s- frage fühlen sich die Wähler betrogen! selbst bescheidene Hoffnungen bleiben unerfüllt, weil die Deutschnationalen sie verweigern, und dazu kommt jetzt noch ein neuer schwerer Schlag gegen die Schichten, die von ihrer Arbeit leben oder sich mit kleinen Pensionen einrichten müssen. Es genügt offenbar noch nicht, daß dem Volke die letzten Reserven aus- gepumpt wurden, man will auch verhindern, daß es jemals wieder zu Kräften kommt, daß es wieder ein wenig zurück- legen kann für Zeiten der Krankheit und Not. Denn diese Wirkung wird letzten Endes der neue Zolltarif für die Masse des Volkes haben, wenn er in der von der Regierung vorgelegten Form Gesetz wird. Manche Frauen mögen denken, was geht uns der Zoll- tarif an, wir taufen nicht im Ausland, also brauchen wir keinen Zoll zu bezahlen. Aber das wäre ein ungeheurer Irr- tum, denn nicht nur die aus anderen Länhern eingeführten Waren werden durch die Zölle verteuert, sondern sast den gleichen Betrag, den der Zoll ausmacht, schlägt auch der deutsche Produzent auf seine Ware auf. Er kann das nur, weil er weiß, daß die ausländische Konkurrenz infolge des Zollschutzes ihn nicht unterbieten kann. Der Unterschied liegt nur darin, daß die Zölle, die aus ausländische Waren bezahlt werden, in die Reichskasse fließen, die sie zur Begleichung der Reparationsschulden benutzt, während die höheren Preise auf inländische Erzeugnisse nur den deutschen Groß- industriellen und den Großlandwirten zugute kommen, wenn sie ihre Ware weiter verkaufen. Es wird höchste Zeit, daß sich die Frauen mit der�Zollpolitit der Regie- rung und der Deutschnationalen eingehend beschäftigen. Sie werden ihre Bedeutung für den Haushalt erkennen, wenn sie erfahren, daß die Verteuerung der a l l e r n o t w e n- d i g st e n Lebensmittel für eine Familie von zwei Er- wachsenen und drei Kindern ganz vorsichtig berechnet im Jahre allein 150 M. ausmachen wird. Das bedeutet, daß der Familienvater, wenn er das ganze Jahr hindurch Arbeit hat und einen Stundenlobn von l)2 Pf. erhält, davon den zehnten Teil nur für die Leben smjttelzälle ausgeben mußt Dabei sind nur die notwendigsten Lebens- mittel berechnet, nicht ein Pfennig für Obst, keine Ausgabe für frisches Gemüse außer Rot- und Weißkohl, kein Getränk außer Malzkaffee und Milch ist angesetzt. Aber nicht nur hie Ernährung wird verteuert. Was die Frau im Haushalt anfaßt, vom Geschirr bis zu den Koch- töpfen, von den Bettlaken bis zur Leibwäsche, von den Strümpfen und Schuhen bis zum Mantel und Hut, die Seife zum waschen, kurz alles wird teuer, da überall zum mindesten auf den Rohstoff, also auf Eisen, Wolle, Garn, Leder usw. ein Zoll erhoben werden soll. Es ist nicht möglich, hier die Summen anzugeben, um die sich die Haushaltskosten erhöhen, da der Verbrauch von Hausrat Stoffen und Wäsche zu ver- schiedenartig ist. Aber wenn man weiß, wie schwer es schon jetzt einer Arbeiterfamilie wird, die nötige Kleidung und Wäsche zu beschaffen, so verzweifelt man bei dem Gedanken, daß sie nach Annahme des Zolltarifs für alles noch mehr be- zahlen soll. Der Einwurf der Regierung und der Rechtsparteien, daß der Zolltarif ja nur dazu dienen soll, um günstige Rondels- vertrage mit den anderen Staaten zu ermöglichen, daß man die Zollsätze der anderen herunterdrücken und im Austausch auch die eigenen dann nachlassen werde, kann uns nicht be- ruhigen. Denn gerade bei der enormen Höhe unserer Zoll« sätze ist es nur allzu wahrscheinlich, daß auch die anderen Staaten hohe Kampfzölle aufstellen, daß keiner nachgeben will, und daß wir schließlich in einen Zollkrieg geraten und auf den hohen Zollsätzen hängen bleiben. Deutschland muß für die Ausfuhr arbeiten, wenn es seine Arbeitskräfte im Lande beschäftigen und seinen Schuldverpflichtungen nach- kommen will. Errichten wir aber hohe Zollmauern, so schließen die anderen Länder ebenfalls ihre Grenzen und treffen Schutzmdßnahmen vor dem Dumping. Dann können wir nicht mehr auf dem Weltmarkt konkurrieren, und die Folge wird entweder ein �unerträglicher Lohndruck sein, um auf diese Weise die Waren doch noch billiger anbieten zu können, oder aber was wahrscheinlicher ist der Export wird unmöglich, Fabriken werden stillgelegt, und wir be- kommen wieder eine große Arbeitslosigkeit. Denn die Kauf- kraft im eigenen Lande ist nicht groß genug, um ausreichende Mengen der deutschen Industricerzeugnisse auf dem inneren Markt loszuwerden, so daß die Industrie auf den Absatz im Ausland vekzichten könnte. Was aber vermehrte Arbeits- losigkeit bei erhöhten Lebenskosten bedeutet, das brauchen wir hier nicht weiter auszumalen. Das sollten sich die Herren von der Rechten einmal über« legen, die so viel vom Schutz der Nationalen Arbeit im Wahltampf geredet haben. Sie scheinen eine sonderbare Auf- fassung von diesem Schutz zu haben, und ma» darf sie bei der Gelegenheit wohl auch an die große Zahl der Sozialrentner er- iniicrn, für die jede kleine Verteuerung bereits schwerwiegende Folgen haben muß. Wir haben in Deutschland heute unge- säbr 1 500 000 Invalidenrentner, 200 000 Invalidenwitwen, 1 200 000 Invalidenwaisen. Rechnen wir die Unfallrentner, die Kriegsbeschädigten, die Kriegerwitwen und Waisen, die ehemaligen Offiziere, die Armenunterstützungsempfänger, die Kleinrentner,>ie Krankenunterstützungsempfänger usw. hinzu, so kommen wir auf die Zahl von beinahe 9 Millionen, deren Bezüge zum Teil noch unter dem Existenzminimum liegen, keinesfalls aber ausreichend find. Was soll aus all diesen bemitleidenswerten Menschen werden, wenn ihre Existenz noch weiter erschwert wird? Für die Politik, deren Wirkungen wir soeben geschildert haben, ist die Deutschnationale Partei in vollem Maße