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Frauenstim Nr.lb�ch�Iahrga�'ßCXiüQC ZUM BOttüStfe| b. August 1925 . W Jeiert den Tag öer Republik ! Zum sechsten Male jährt sich der Tag. an dem Fritz Ebert sein« Unterschrift unter das Berfassungswert von Weimar fetzte Zum ersten Male begehen wir den Gedenktag ohne den Mann, der mehr als fünf Jahre seine ganze Persönlichkeit der Wahrung und dem Schutze der Verfassung weihte. Auf den Trümmern des Alten. Morschgewordenen hals sie den neuen Staat errichten. Daß wir stark genug waren, in den Iahren der Ver- elenimng und Verarmung als Folge des verlorenen Krieges, trotz iminer erneuter Anstürm« von außen, gegenüber den Selbstzerfleischungskämpfen im Innen: die Verfassung zu schützen und zu erhalten das ist trotz allem ein Zeichen der inneren Reife und des lebensbejahenden Zukunftswillens der deutschen Republik. Daß diese Verfassung nicht nur weiter besteht, sondern daß darüber hinaus ihre großen Ziele Wirklichkeit werden das muß das Werk der Erziehung des ganzen Voltes, vor allem der Erziehung unserer Jugend und Kinder fein! Voraussetzung dieses Erziehungswerkes, an dem die republikanischen Männer und besonders die Frauen teilnehmen müssen, ist, daß der Inhalt der Verfassung Gemein- gut des einfachen Mannes und der einfachsten Frau werden muß. Heute bekämpft ein großer Teil des deutschen Volkes die Verfassung. Ja. kennen diese tapferen Kämpen sie denn überhaupt? Oder kennen sie auch nur die alte Verfassung des kaiserlichen Deutschland , deren Wiederinkraftsetzung sie so begeistert verlangen? Es ist kein Geringerer als der Ham- burger Professor der Rechte, Dr. Liepmann, der in seiner tlemen SchriftDie Bedeutung der Reichsverfassung für die geistige Kultur Deutschlands" sagt:Es war ja nicht etwa so, daß die alte Verfassung ein Gemeingut des deutschen Volkes oder auch nur seiner Gebildeten geworden war. daß sie getragen wurde von dem Verständnis oder gar der Liebe jedes Deut- schen. Im Gegenteil: es gab nicht viele Dinge in Deutschland , von denen der Deutsche so wenig wußte, wie von diesem Geisteswert kluger Berechnung, aber auch nur Berechnung." Aber wie konnte das anders fein? Die alte Verfassung war nicht das Wert des Voltes. Die Könige schloffen den Bund, dem sie den NamenDeutsches Reich " gaben und erließen die Verfassung. Sie, die Fürsten , hatten die Macht; das Volk war Objekt, über dessen Schicksal bestimmt wurde. Das Volt nahm diese Verfassung hin, selbstverständlich oder nicht selbst- verständlich zufrieden oder nicht zufrieden; aber sie konnte ihm keine Begeisterung einflößen. Wie anders jetzt: An Stelle der Fürsten hat sich das Volk selbst die Verfassung von Wei- mar gegeben, durch seine von ihm auf dein Wege sreiesten Wahlrechts gewählten Vertreter. In dieser Tatsache liegt zugleich die Möglichkeit der Begeisterung für das Verfassungs- lvert. Aber nicht nur hierin, sondern noch mehr in den großen Zielen der Verfassung: Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkekt zu erneuen und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu diene» und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Ver- fassung gegeben." Ist es möglich, diese Eingangsworte der Verfassung zu lesen, ohne daß das Herz höher schlägt, ohne daß der Blick gerichtet wird in eine schönere Zukunft, und ohne daß die große Verantwortung für jedes einzelne Mitglied des deutschen Volkes auf die Seele fällt? Denn die g r o ß e, in diesen Worten, in diesem Programm liegende Verpflichtung für jeden einzelnen von uns das ist das Bedeutungsvollste an der Umgestaltung des Alten zum Reuen. Nicht mehr sind wir Objekt, über das bestimmt wird; wir sind Subjekt, wir selbst sind Bestimmende. Der Staat, das sind wir! das haben die Männer vom 9. November uns zugerufen: das haben die Verfassunggeber uns gesagt. Nur wenn wir das fühlen, diese große Ver- antwortung gegenüber dem Staat, dann kann das Ziel des 11. August sich erfüllen. Wie unser Genosse Dr. C o h n es im Verfassungsausschuß in Weimar aussprach:Gemeingut des letzten Mannes und des letzten Kindes unseres Voltes muß die Auffassung sein, daß jederder Staat" ist, daß jeder ein Teil des Volksganzen, daß der Staat die Sache jedes einzelnen ist, daß jeder für alle und alle für einen einzustehen haben," so und nur so kann der republikanische, kann der soziale Staat aufgebaut werden. Wie wir vom Staate fordern, daß er als Ganzes sich um das Wohl jedes einzelnen Mitgliedes, des heranwachsenden Menschen sowohl wie des Greises, des Arbeitsunfähigen sowohl wie des Arbeitslosen sorgt, daß er die Vorbedingungen schafft für die bestmögliche Ausbildung der Fähigkeiten jedes Einzel- individuums, so auch ist es die persönliche Pflicht jedes Staatsbürgers, mitzuwirken an der Erziehung der Menschen, die fälstg sind, den Geist des republikanischen Staatsgedankens voll zu erfüllen. Und dieser Erziehungsarbeit liegt noch ein gewaltiges Maß vor uns, in erster Linie vor uns Frauen: Ein militärisch, wirtschaftlich, körperlich und seelisch zusammen- gebrochenes Volk hat seine letzte Kraft zusammengerafft, um seine Staatsform zu ändern. Um den wirtschaftlichen Wieder» aufbau auf Grund des gesellschaftlichen, das heißt des sozio- l e n Fortschritts zu vollziehen, dazu bedarf es einer kräftigen, gesunden, einer mit sozialem Mollen erfüllten Jugend. Das alles kann nicht werden, wenn wir passiv sind. Es kann auch nicht werden, wenn wir nur gelegentlich den Ber- fassungstag feiern. Das kann nur werden, wenn wir Kämpfer find mit unserem ganzen Sein für unsere Ziele; wenn wir wahre Erzieher unserer Jugend sind zu unseren Ideen. Alle die, die den Rückschritt wollen, die das Böse wollen, die die Wiederkehr des Krieges wollen sie sind nicht passiv, sie sind aktiv. Wieviel mehr müssen wir es sein, die wir das Reue bauen, neuen Ideen zum Durchbruch verhelfen wollen. Pioniere, Soldaten im besten Sinne gilt es zu erziehen für den Fortschritt, für die soziale und kulturelle Ausgestaltung unseres eigenen Staates, für den Frieden! In dieser unserer Lebensaufgabe wollen wir uns gewiß nicht beirren lassen durch die Enttäuschungen des letzten Jahres. Gewiß, von den Bestimmungen der Verfassung sind einzelne schon wieder rückgängig gemacht ich brauche nur zu erinnern an die Frau im Wirtschaftsleben, an die weibliche Beamtin; gegen andere rennt die Reaktion mit aller Macht Sturm. Die Forderungen der Verfassung sind zum Mßten Teil unerfüll t. Die Männer der Regie- rung fühlen zum kleinsten Teil, wenn ukrhaupt, republita- nisch. Auf dem Stuhle Friedrich Eberls sitzt der Mann des alten Regimes. Für Mutlose Grund genug, mutlos zu werden. Aber sicher nicht für den Republikaner, noch weniger für den Sozialisten. Wir wissen, daß das Neue wollen kämpfen heißt! Und deshalb wollen wir gerade unseren Kindern die schwarzrotgoldenen Fähnlein der Republik in