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i7ir.i4«45.3at>r�i] Beilage zum Vorwärts I 5.3v,i49Ts!
Gegen das Volksgist. Von Chloroform, Morphium und Alkohol.
Die Dinclen Wük
Di« Menschen kennen eine Reihe von sogenannten Rauschgiften, zum Teil schon seit uralten Zeiten. Da» sind Mittel, durch deren Genuß man sich über Schmerzen, wohl auch über trübe Gedanken vorübergehend hinweghelfen kann. Unsere Aerzte operieren kaum mehr ohne Narkose; denn die furchtbaren Schmerzen, die ein Operierter auszuhalten hätte, würden eine Neroenleistung von ihm verlangen, die man ihm besser erspart. Chloroform oder A e t h e r lassen ihn unempfindlich werden. natürlich nicht ohne daß dadurch seinem Gehirn und Nervensystem auch ein gewisser Schaden ge» fchieht. Narkose heißt Lähmung gewisser Hirnzellen, von deren Tätigkeit unser bewußtes, waches Leben abhängt. Eine einmalige Narkose wird mit einer ein- maligen Schwächung dieser Ner- oenzellen bezahlt. Der Körper aber hat die wunderbare Fähig- keit alle» Lebendigen, Schäden wieder auszugleichen, und diese Fähigkeit ist vielleicht am stärk- sten während der Bettruhe de» Gesundenden, wo alle» eben nur auf die Wiederherstellung der Gesundheit eingestellt ist. So wirkt diese Narkose sehr segens- reich.— Auch noch anderer Rauschgifte bedient sich der Arzt. Durch Morphium einspritzun- gen übertönt er die beunruhigen- den Schmerzen, die den Kranken hindern, still zu liegen und die Heilkräfte der Natur wirken zu lassen. Durch Morphiumein- spritzungen erleichtert er dem hoffnungslos Kranken die letzten qualvollen Tage oder Stunden, hält ihn in einem tröstlichen Düinmerzustand und hilft ihm auf diese Weise den Weg in das Nichts ohne allzu große Qualen zu finden. Es ist Sache des Arztes, genau abzuwägen, wieweit er hier helfen darf. Und Vorficht ist geboten. Gar mancher Genesene besinnt sich wohl noch daraus, unter wie großen Qualen es ihm erst möglich geworden ist, die während der Krankheit gewohnt gewordene Morphiumdosis sich wieder abzugewöhnen. Der Körper und besonders das Nerven- system hatten sich an diese Lähmungserscheiiuingen durch die Morphiumspritze gewöhnt. Er sehnte sich nach diesen be- täubenden Wirkungen, auch wenn die Schinerzen nicht mehr da sind. Nun hilft uns hier das Gesetz. Der Laie darf sich nicht selbständig Morphium verschaffen. Hält der Arzt es nicht mehr für nötig, so muß der Körper init der Entziehung fertig werden, und er wird es natürlich auch, wenn nicht Sorglosig- keit des Arztes eine zu feste Gewohnheit geschaffen hat, und wenn nicht etwa eine ererbte Neigung des Menschen zur Be- täubung durch Rauschgifte, eine ererbte Schwäche seines Seeleniebens der Naujchgistwirkung so entgegenkommt, daß
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Trat? Stahl und Stein, und Qualm und Dampf, Trot? Asphalt, L&rmen und Geltampf Ift üher sreller Großftadtnacht Die Lrindenhlüte aufgewacht. Sie FiÄngt in goldnen Tropfen Und läßt das Her? dir klopfen. Auf einmal mußt Du stille ftchn. Du atmest tief, mußt aufw&rts lehn. Wie's aus den BlÄttcrherjfen quillt, Wie süßer Duft verehht und schwillt. Und jede Lindenblüte Wird sommerliche Güte. Schon stehen andre wie gebannt Und fühlen Dorf und wette» Land. Sie seh n(ich an und blicken groß. Und Worte ringen tief fleh los, Und find wie taufend Lieder: Die Linden blühen wieder. Bruno Scf» JnlanÄ
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auch schon an sich geringe Gaben, die im allgemeinen un- schädlich sind, einen solchen Hunger nach diesem Eist erzeugen, daß der Kranke zum Morphinisten wird. Am leichtesten geschieht das beim Arzt, der ja das Recht hat, Morphium zu verschreiben. Aber auch andere Menschen fallen so stark in diese Gewohnheit, daß sie auf tausend schwierigsten Umwegen sich das Geld verschaffen, es vielfach mit dem wirtschaftlichen Ruin ihrer Familie erkaufen und selbst einem qualvollen zerrütten- den Niedergang versallen. So steht es auch noch mit jenem berüchtigten weißen Pul- ver, dem— Kokain, das in ge- wissen Kreisen der Lebewelt nach dem Kriege viel genommen, durch Schmuggler und Hehler in den Handel gebracht wurde. Aber Kokain und Morphium und die meisten anderen Rauschgifte, die dem freien Handel entzogen sind, haben eigentliche soziale Bedeutung nicht erlangt. Von gesellschasllicher Wich» tigkeit ist nur das Rauschgift Alkohol geworden. Denn dieses Gift wird in Verhältnis- mäßig starker Verdünnung als Schnaps. Bier oder Wein in un- geheuren Mengen hergestellt, ist frei verkäuflich und kann seine Wirtungen infolgedessen auf einen ganz großen Kreis von Menschen ohne jede äußere Hem- mung ausüben. Die'Wirkungen sind ja be- tannt. Wir alle kennen Lebens- geschichten von Menschen, die einmal brav, begabt und voll Hoffnung auf eine schöne Ge- staltung ihre» Lebens angefangen habe»; irgendwo haben sie dann den regelmäßigen Trunk gelernt, vielleicht als Studen- ten bei ihren Korporationen, vielleicht als junge Arbeiier, die sich aus der Not der zu engen Wohnung ins Wirtsl)aus flüchteten. Es ist in der heutigen Gesellschaft nichts leichter zu lernen als das Trinken. Nur sehr gefährdete Menschen werden schon jung zum Trinker. Meist geschieht das erst in den Dreißigern. Die Wirkung ist sehr allmählich. Ich denke an eine Köchin, eine besonders tüchtige Frau, die nach ihrer Lehrzeit sich zu einer gewissen Berühmtheit als Köchin eines Nestau- rants am Rhein ausschwang. Arbeit am heißen Herd. Arbeit mit den Massen von Fleisch und anderen Lebensmitteln, das oerschlägt ja so einer Köchin leicht den Hunger. Und zu un- geheuer vielen Speisen. Saucen, braucht sie einen Schuß Arrak, ein Glas Weißwein, und wenn sie sich schlecht fühlt, dann hilft sie sich über diese Schwäche dadurch, daß sie einen kleinen Schluck trinkt und doppelt gut geht die Arbeit weiter. Und den Gästen draußen, den srohlicheu Rheinländern, schmeckt est Gern lassen sie die Kochin kommen und laden
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