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Frauenstimme

Nr.16 46.3ahrgang

Beilage zum Vorwärts

22. August 1929

Der Wert der Haushaltsarbeit.

Ernährt der Mann die Frau?

Wie schließen die Diskussion über diese Frage mit dem| Mengelberg Die wirtschaftliche Technit der Ehe"), die den obersten Abdrud zweier weiterer Beiträge ab.

Bisher ist jeder Meinungsaustausch in sozialistischen Streifen über die Arbeitsleistung der Hausfrau zunächst zu der Feststellung gelangt, daß diefe Arbeit, zumal wenn mehrere Kinder vorhanden sind, in ihrem Umfang und ihrer Schwierigkeit einer vollen Berufs. arbelt gleich tommt und oftmals über sie hinausgeht, um dann in die Forderung einzumünden, auch der Ehefrau einen Anteil am Einkommen des Mannes für ihre persönlichen Bedürfnisse festzu­sezen. Wo die Einkommensverhältnisse dies gestatten, ist es eine Anstandspflicht des Mannes, seine Ausgaben für Bier, Bigarren, Sport, Liebhabereien oder Kulturbedürfnisse auch im gleichen Um­fang feiner Frau zuzugestehen für ihre Wünsche und Bedürfnisse, oder seine Ausgaben einzuschränken, damit sie im gleichen Maße zu ihrem Rechte fommt. Praktisch liegen die Dinge aber so, daß der schmale Lohn in der sorgenvollen Frau und Mutter solche Be dürfnisse gar nicht auftommen läßt, und sie ebenso not gedrungen wie aus eigenstem Antrieb alles bis auf den letzten Pfennig der Haushaltskaffe zuführt, um damit den Kindern, dem Mann und den Haushaltsnotwendigkeiten zu genügen. Troß alle dem aber behält der Mann sich weiter das Recht vor, sein ,, per­dientes" Taschengeld für sich zu verbrauchen, und die Frau ge. steht ihm dieses. Recht, wenn es nicht in Mißbrauch ausartet, gern zu. Sie sieht nicht, welch schreiendes Unrecht es im Grunde ist. Die große Mehrheit der Arbeiterfrauen wird mit mir einig sein in dem Wunsche an die Männer: beweist eure Anerkennung der Hausfrauenarbeit als volle Arbeitsleistung dadurch, daß ihr jene fragwürdigen Genüffe( Tabat, Alkohol!), an denen die Frau nicht teilnimmt, einschränkt oder auf sie verzichtet; fämpft vor allemn auch dafür, daß der 3wang, mit Arbeitskollegen bei Partei und Gewerkschaftsveranstaltungen diese Gifte zu konsumieren, aufhört, verwendet die spärlichen Groschen, die die Notdurft des Lebens überhaupt für Lebensfreuden übrig läßt, mit Frau und Kindern zusammen für wahrhaft aufbauende Werte!

Die Unproduktivität der Hausarbeit.

D. G.

Grundsatz aufstellt: in jedem Fall müssen Mann und Frau soviel erhalten, daß sie ungefähr in gleichem Maße zu persönlichen Aus­gaben in der Lage sind, ganz gleich, ob Vermögen von einem der Partner oder nur der Arbeitsverdienst des Mannes vorhanden sind. Die Frau muß stets das Gefühl der wirtschaftlichen Freiheit im Rahmen der Mittel behalten, der Mann darf sie feiner fleinlichen Kontrolle unterwerfen, es ist für sie unerträglich, unter dem Zwang der Not oder Einschränkung zu stehen, wenn der Mann sich für feine Person Ausgaben erlaubt, die über das Niveau der häus lichen Lebenshaltung hinausgehen. Selbst wenn der Mann für seine Berson bedürfnislos ist, dürfe er doch der Frau nicht zwangsweise eine rigorose Sparsamteit zumuten, die ihr nicht liegt, die nicht durch die Niedrigkeit des Einkommens bedingt ist. Diese Ausführungen zeigen mit aller Deutlichkeit, daß im Bürgertum die Leistung der Hausfrau voll gefchäft wird, auch wenn sie durch Haushilfen wesentlich erleichtert wird. Die Auffassung des bürger­lichen Verfassers von der Che tritt in den Worten hervor: Die Frau erhebt den Anspruch darauf, Gefährtin des Mannes zu fein und kommt damit seinen tiefsten Bedürfnissen entgegen". Um wieviel höher sollte da der Arbeiter die Leistungen seiner Lebens. fameradin veranschlagen, die

ganz allein die schwierige und unendlich vielseitige Aufgabe der Haushaltführung und Kinderpflege bewältigt!

Welch ein Mangel an Zartgefühl, Achtung und Einsicht offenbart sich in dem Vorwurf, daß er seine Frau ernährt" und sie nicht arbeitet"! Wir Sozialisten wollen aber doch nicht nur den Stand­punkt des Kulturbürgertums uns zu eigen machen, sondern darüber hinausgehen! Und da muß bei aller Anerkennung der gewaltigen Arbeitsleistungen der Arbeiterehefrau und mutter doch immer wie der die heillose Unproduttivität vieler ihrer Be­mühungen betont werden, an denen sie persönlich nicht schuld ist, und die nur durch den Fortschritt vom fräftezersplitternden Klein­haushalt zum fräftevereinenden Großhaushalt überwunden werden tann. Aber gerade die Angst, dem Manne nicht genug Arbeits­Im Laufe der Aussprache wurde ganz richtig einmal darauf gegenleistungen in der Ehe zu bieten, und somit von ihm ernährt" hingewiesen, daß bei den Wohlhabenben und im gebildeten Bürger zu werden, steckt bewußt oder unbewußt dahinter, wenn selbst tum die Redensart des Mannes, daß er die Frau erhalte, nicht sozialistische Frauen zeit- und fräftesparende Einrichtungen wie üblich ist. Nun erlaubt ja einerseits der Besitz an sich eine groß. 3entralheizung, gemeinsame Waschküche, Gemeinschaftsküche uſw. zügigere Haltung in Gelddingen den Angehörigen gegenüber; fieht ablehnen! Aber nur auf dem Wege der Umwandlung der un­doch der haftende, raffende Geschäftsmann, der in nervöser Eile bezahlten Hausarbeit in Berufsarbeit werden wir allgemein zu einer selbst gar nicht die Muße zum Genießen des Erworbenen findet, gesellschaftlichen Wertung dieser Arbeit fommen und wird ihre Ein­das Ziel feines Strebens in materieller Sicherstellung der Familie, fchäßung nicht mehr von der Einsichtigkeit oder Anständigkeit des dem Aufbau einer schönen, behaglichen Häuslichteit und der Ele- Herrn des Hauses" abhängen. Sicher steckt hinter der Gering­ganz und Gepflegtheit seiner Frau, als in Dingen, die seinem Jagen schäßung des Arbeiters für die Tätigkeit seiner Frau unbewußt auch nach Erwerb einzig Sinn, wenn auch feine Berechtigung die Erkenntnis ihrer fleinlichen Verzettelung und geben. Tatsache aber ist doch, daß, je größer die Verhältnisse und Unproduktivität, je zahlreicher die zur Verfügung stehenden Hausangestellten sind, deflo geringer die Arbeitsgegenleistungen der Frau für ihren Unterhalt

ausfallen. Ein erfolgreicher moderner Luftspielschlager zeigt uns eine Ehefrau der großbürgerlichen Kreise, die aus der Erkenntnis hreaus, daß fie ihrem Manne als einzige Gegenleiftung für einen recht luguriösen Unterhalt nur Geliebte ist, als eine Constanze, die sich in diesem Punkte durchaus richtig verhält, indem sie sich ent­schlossen beruflich auf eigene Füße ftellt. Als ein anderes Symptom für die Einstellung des Bürgeriums in dieser Hinsicht sei genannt eine jüngst erschienene Schrift eines Rechtsanwalts( Dr. Bauer

da er durch die Arbeit im rationalisierten Wirtschaftsleben weiß, was zwedmäßiges, sinnvoll durchdachtes Zusammenarbeiten be Deutet!

Bulegt sei noch eine zweifellos peinliche Tatsache berührt. Der Mann ist soziologisch gesehen der Frau gegenüber der Arbeitgeber und verwechselt wie viele Arbeitgeber trotz Ausbeutung und An­gewiesensein auf ihre Arbeit seine Stellung ihr gegenüber mit der des Ernährers". In der auf den Kopf gestellten tapitalistischen Wirtschaft werden nun nicht die Konsumgüter an die Gesamtheit verteilt, sondern die Arbeit" muß forgfam vertellt und zugemessen werden. Auch der Konkurrenztampf der Frauen um den Mann­

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