Für unsere Kinder Nr. 22 o o o O o o o Beilage zur Gleichheit o o o o o o o l9l0

Inhaltsverzeichnis: Mittag. Bon Theod. Fon tane.(Bedicht.) Der SchmettcrlingSweg. Bon Jürgen Brand. Der Lumpenmatz. Von Emma Döly. Thidher. Bon Friedr. Rüclert.(Gedicht.) Bickbeerenferien in der Lüncburger Heide. Bon Elise Jensen. Der Regenbogen. Bon Sophie Reinheimer. Tanzliedchen.(Gedicht.)

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen, Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach. Und doch, es klingt, als ström' ein Regen Lei» tönend auf das Blätterdach. ovo Der Schmetterlingsweg. Sommertag in Ulenbrook. Zehn Uhr morgens -s- 25 Grad Celsius im Schatten! Rock und Weste hängen längst am Haken. Seit einer Stunde liege ich im Schalten einer dicken Kieser und blinzele mit zusammengekniffenen Augen nach dem klaren Himmel und den weihe» Wolken; die eine, etwas abgesondert von den anderen, nimmt allmählich die Gestalt einer weißen Katze an. Vortrefflich! Die weiße Wolkenkatze hat ein ebenso weiches, molliges Fell wie die allerschönste Pußikatze daheim. Ach, ach, da seht: das Kätzchen zerfließt in eitel Schaum. Noch ein Weilchen, und ihr seht nur noch das Schwänzchen am blauen Himmel schweben. Schade. Im Nistkasten am Hause piepsen die jun'gen Fliegenschnäpper. Alle paar Minuten kommt Vater und Mutter und stopft den jungen Freßsäcken die Schnäbel voll. Heute nachmittag, spätestens morgen früh werden sie ausfliegen. Hoho, ihr Schreihälse, dann beginnt auch für euch der Kampf ums Dasein; dann heißt es: Helft euch selber! Und hütet euch vor dem Sperber! Eben wollt' ich mich von meinem Platze er heben, da seh' ich. wie dicht vor mir auS einem

Büschel Heidekraut eine flinke Mauer-Eidechse hervorschlüpfl. Mit ihren kleinen klugen Auglein blickt sie vorsichtig umher. Gibt es etwa? Reizen deres, als dieses zierliche, behende Tierchen? Jetzt tritt sie ganz hervor. Aha, sie hat ihr Schwänzchen durch irgend«in Mißgeschick ver loren. Aber was schadet's; es wird ihr in kurzer Zeit ein neues wachsen. Wie kann es nur Menschen geben, die diesen reizenden Tierchen feindlich gesinnt sind, die ängstlich die Flucht ergreifen, wo sich«ins blicken läßt? Die Ei dechsen sind doch völlig harmlose Tierchen, die von Insekten leben. Ich bewege meinen Fuß ein wenig, und im Nu ist die Klein« im schützenden Kraut verschwunden. Ich überlege: 25 Grad im Schatten, völlig« Windstille. Holla, das ist ein Tag sür meine Lieblinge, die Schmetterlinge; was wird da alles fliegen! Man dürfte solche Gelegenheit zum Beobachten nicht ungenützt vorübergehen lassen. Aber die Hitze?! Ach was, man muß die Feste feiern, wie sie fallen; bei Regen- welter fliegt kein Schmetterling. Also auf! Strohhut, Fangnetz, Zigarrenkiste mit Torf einlage und Jnsektennadeln, und los! Drüben am Einhornwald zieht sich an der Südseite ein breiter Weg hin, der mit Brom beerbüschen und zahlreichen Disteln bestanden ist; und alles steht in voller Blüte. In fünf zehn Minuten bin ich an Ort und Stelle, und schon sitze ich am Erdwall unter dem schützen den Hainbuchenbusch und trockne die unauf hörlich rinnenden Schweißtropfen. Die eine Hälfte des WegeS liegt noch im Schatten; aber die andere steht imvollen Brande der Sommerglut". Selbst die Espen, deren lang gestielte Blätter bei jedem leisesten Windhauch in zitternde Bewegung geraten, stehen heute regungslos. Und kerzengerade, zu vielen Hun derten stehen die blühenden Disteln auf dem Wege; viele sind über einen Meter hoch und tragen mit Stolz ihre wunderhübschen violett roten Blütenköpfe. Und das Gewimmel von Schmetterlingen! Mit vollem Recht habe ich diesen Weg den Schmetterlingsweg ge nannt. Am zahlreichsten fliegt der prachtvolle Perlmutterfalter. Dicht vor mir gaukeln ihrer zwei um eine besonders stattliche Distel; ich brauche mich nicht einmal zu erheben, um sie in aller Muße aus nächster Nähe betrachten

Mittag. von rveoitor fomsue. Am Waldessäume träumt die Föhre, Am Himmel weiße Wölkchen nur; Ls ist so still, daß ich sie höre, Die tiefe Stille der Ratur.