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Nr. 5.

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Die Gleichheit

2. Jahrgang.

Beitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen.

Herausgegeben von Emma Ihrer in Velten ( Mark).

Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage eminal. Preis der Nummer 10 Pfennig, burch die Post( eingetragen unter Nr 2564 a) vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Inseratenpreis die zweigespaltene Petitzeile 20 Pf.

Stuttgart

Montag, den 7. März 1892.

Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit" sind zu richten an Fr. Klara Zetkin ( Eißner ), Stuttgart , Rothebühl-. Straße 147, IV. Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furthbach- Straße 12.

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Zur gefälligen Beachtung.

Alle neueintretenden Abonnenten der ,, Gleich heit" erhalten sämmtliche bis jetzt erschienenen Nummern nachgeliefert.

Die regelmäßigen Sigungen der Frauenvereine werden gratis inferirt. Die Vereinsvorstände werden um diesbezügliche Mit­theilung ersucht. Alle Reklamationen und berechtigte Beschwerden bitten wir an die Verlagsbuchhandlung von J. H. W. Diez in Stuttgart zu richten, worauf sofort Abhilfe geschaffen wird. Redaktion und Berlag der Gleichheit."

Stuttgart .

Bur ,, Frauenfrage."

In den letzten Monaten haben sich verschiedene Regierungen und Parlamente mit der sogenannten Frauenfrage" zu beschäftigen gehabt, d. h. mit der Frage der Zulassung der Frauen zu den höheren Studien, zur Ausübung gewisser Berufe, welche Universitäts­bildung zur Voraussetzung haben. Die hessische Regierung hat eine Petition des deutschen Frauenvereins Reform" zu Weimar für Errichtung von Mädchengymnasien oder Zulassung der Frauen zur Ablegung der an den bestehenden Gymnasien üblichen Maturi­tätsprüfungen abgewiesen. Im Petitionsausschuß des bayerischen Landtags ward Ende Januar über den nämlichen Antrag ver­handelt und derselbe als nicht geeignet zur Erörterung im Plenum" erklärt. Eine etwas freundlichere Aufnahme fand die Petition Anfang Februar im badischen Landtag. Nachdem der demokratische Abgeordnete Muser durch eine ausgezeichnete Rede, welche den Geist echter Humanität athmete, in wärmster Weise für die Sache des Frauenstudiums eingetreten, ward der fragliche Antrag mit Stimmenmehrheit der Regierung zur Kenntnißnahme empfohlen. Das gleiche Schicksal erfuhr etliche Zeit früher im österreichischen. Abgeordnetenhause die Petition des Frauenbildungsvereins, Minerva" 31 Prag , welcher für Zulassung von weiblichen Hörern zu den medizinischen und philosophischen Fakultäten, sowie Errichtung eines Mädchengymnasiums eingekommen war und für seine Forderungen in dem Abgeordneten Graf Kaunis einen beredten Fürsprech ge= funden hatte.

Nach dem Motto:" Getretner Quart wird breit, nicht stark," wurden bei den Anlässen all' die landläufigen Gemeinpläge gegen das Frauenstudium vorgebracht. Da mußte der sogenannte physio­logische Beweis aufmarschiren, welcher aus dem angeblich minder­werthigen weiblichen Gehirn auf die angeblich minderwerthigen Fähigkeiten der Frau schließt. Und dies obgleich die Frage noch keineswegs endgiltig gelöst ist, und obgleich die Zulassung der Männer zu den Studien doch nicht von einer vorausgehenden Untersuchung ihres Gehirns abhängig gemacht, ihnen vielmehr Ell­bogenraum gelassen wird, ihre Fähigkeiten zu erproben und zu beweisen. Da ward vor Allem der abgehezte, lendenlahme Klepper der Verweisung der Frau auf ihren Naturberuf," die Ehe, paradirt; da wurden gegenüber der nicht zu leuguenden Thatsache, daß immer größere Gruppen von Frauen der Mittelstände ihren Unter­halt nicht mehr in der Familie finden können, ihn vielmehr auf Grund einer beruflichen Erwerbsthätigkeit suchen müssen, die find­

lichsten und kindischsten Palliativmittelchen angepriesen, wie eine Zunahme der Eheschließungen bewirkt werden könne. Und dies angesichts von gesellschaftlichen Verhältnissen, welche mit einer für Taube und Blinde sinnenfälligen Deutlichkeit predigen, daß die Abnahme der Eheschließungen in engstem Zusammenhang mit unserer gegenwärtigen wirthschaftlichen Ordnung steht und nur zusammen mit dieser verschwinden kann; daß die unter dem Druck der Ver­hältnisse zerbröckelnde Familie nicht länger ihren Gliedern Unterhalt zu gewähren vermag; daß die Ehe, die Familie für die Mehrzahl der Frauen nur ihre frühere Rolle zu spielen vermöchten, wenn man im Stande wäre, unsere gesammte wirthschaftliche und gesell­schaftliche Entwicklung zu bremsen und um Jahrhunderte zurück­zuschrauben. Kurz, von etlichen weißen Raben abgesehen, haben die Mitglieder der Behörden und Parlamente der Frage gegen= über eine Verständnißlosigkeit bewiesen, welche überraschen müßte, hätten uns die nämlichen Elemente nicht durch ihre Einsichtslosig­feit anderen Fragen gegenüber, welche an Bedeutung die des Frauenstudiums um Haupteslänge überragen, das Erstaunen längst abgewöhnt und uns zur größten Nachsicht und Anspruchslosigkeit erzogen.

Daß für gewisse Schichten der Frauenwelt die Frage der Zulassung zu den höheren Studien als Vorbedingung für die Aus:- übung bestimmter liberaler Berufe eine brennende Lebensfrage ge­worden, wer vermöchte das zu bestreiten? Troßdem theilen wir keineswegs die Ansicht der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen, welche in dem Kampf für die betreffenden Rechte die Frauenfrage schlecht­hin, die Frauenfrage par excellence erblicken und glauben oder glauben machen möchten, daß diese Zeit- und Streitfrage eine alle Schichten der Frauen in gleichem Maße interessirende, daß ihre Lösung einer der Grundpfeiler für die gesellschaftliche Be= freiung des gesammten weiblichen Geschlechts sei.

In Wirklichkeit ist die Frage keine allgemeine Frauenfrage, vielmehr, um den Ausdruck zu gebrauchen, eine Damenfrage. Die erhobene Forderung geht von den Bedürfnissen und Interessen der Frauen gewisser Kreise des Bürgerthums, des Mittelstandes aus und sucht diesen Bedürfnissen und Interessen gerecht zu werden. Daß sie im Namen der Allgemeinheit des weiblichen Geschlechts formulirt wird, ändert an ihrem Charakter nichts. Für die bei Weitem große Mehrzahl des weiblichen Geschlechts, für die Frauen des arbeitenden Volks, ist der Ausgang des Kampfes um die Möglichkeit der Universitätsbildung ohne praktische Bedeutung, ohne thatsächlichen Nußen. Mag man dem weiblichen Geschlecht die Thore aller Universitäten öffnen, für die Proletarierinnen bleiben in Folge ihrer Klassenlage die gewährten Rechte todte Buchstaben. Plätterinnen, Schneider, Fabrifarbeiter können ihre Töchter ebenso wenig wie ihre Söhne hohe Schulen beziehen lassen, und dies nicht einmal in dem Falle, daß der Unterricht daselbst unentgelt= lich sein sollte. Proletarischen Eltern ist es unmöglich, ihre Kinder bis zum zwanzigsten Lebensjahre und darüber hinaus zu erhalten. Auch über die prinzipielle Bedeutung des Rechts auf gleiche Bildung für beide Geschlechter können die Frauen und Töchter der Arbeiterklasse kühl genug denken. Das Beispiel ihrer männ lichen Klaſſengenossen zeigt ihnen, daß prinzipielle Rechte Wechsel ohne Kurs find. Außerdem wissen die Arbeiterinnen, daß die