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Nr. 11
Die Gleichheit
TONTONTONTON Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen
18. Jahrgang
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Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder
Die„ Gleichheit" erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jahres- Abonnement 2,60 Mart.
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Juhaltsverzeichnis.
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Zuschriften an die Redaktion der„ Gleichheit" sind zu richten an Frau Klara Zetkin ( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.
Verbreitung wahrer Bildung im Volke nährt.| das Gesetz betreffend die Unterhaltung der VolksDer Kampf um das Kind. Von H. B. Schulspeisung. Von Die Vertreter der Junker, der industriellen Scharfmacher schule geschaffen, das neben einer Neuordnung der UnterLuise Kautsky. II.- Die Arbeitsverhältnisse in der Stolper und die der Geistlichkeit bilden die Mehrheit des Drei- haltslasten vor allem die Vermuckerung der VolksWeißhandstickerei. Von Hermann Flatow. Gegen die Juristen- tlaffenlandtags- Konservative und Zentrum halten schule gesetzlich festlegte. Dieses Gesetz hat die Scheidung weisheit und Polizeiallmacht des preußischen Kapitalistenstaates.in Preußen durch das Dreiflassenwahlrecht das Schicksal der Volksschulen in evangelische und katholische und ihre Gefindeordnungstabelle. Neunte Generalversammlung des Ver- der Volksschule in Händen! Aus Junkermund fiel das Unterordnung unter die Kirche gesetzlich besiegelt. Es bandes deutscher Textilarbeiter. Wort:„ Der dümmste Arbeiter ist der beste!" Die enthält den Zwang zur Schaffung von leistungsunfähigen Aus der Bewegung: Borschlag zur Neuorganisation der Genoffinnen. Bentrumsherren sind nicht so offenherzig aber die Zwergschulen für kleine konfeffionelle Minderheiten. Wenn Agitation in Elsaß- Lothringen . Bon L. Z. Von der Agitation. Die Berliner Genoffinnen im Landtagswahlkampf. Junker unter ihnen denken nicht anders, und unter in einer Gemeinde, in der eine Konfession vorwiegt, Von den Organisationen. Jahresbericht der Bertrauens den Geistlichen sind nicht wenige, die ihnen im stillen über 60, in Städten und Landgemeinden von mehr als person der Genoffinnen von Niederbarnim . Politische Rund- Kämmerlein zustimmen. Das ganze Zentrum aber ist 5000 Einwohnern über 120 Schulkinder der anderen schau. Von H. B. Gewerkschaftliche Rundschau. Aus dem einig in dem Ziel, die Schule der Kirche in jeder Konfession gezählt werden und von mehr als 60 oder Rheinland . Feststellung des Frauenagitationskomitees. Beziehung untertan zu machen, sie zum Werkzeug 120 gesetzlichen Vertretern( Eltern, Vormünder) dieser Genossenschaftliche Rundschau. Von H. Fl. der Kirche zu degradieren. Das aber heißt, die Schule Kinder der Antrag auf eine besondere konfessionelle Schule Notizenteil: Dienstbotenfrage. des Volkes vom Fortschritt des Wissens abschließen, die gestellt wird, so muß jetzt eine solche eingerichtet werden. bewegung. Quittung. Schule des Volkes zur Pflanzstätte überholter, über- Andere Bestimmungen sichern der Geistlichkeit ausschlagFeuilleton: Gefang der Titanen. Von Hermann Lingg. ( Gedicht.)- wundener Anschauungen machen. gebenden Einfluß auf die Schulangelegenheiten. Dagegen Grete Bose. Aus Leben und Liebe des Proletariats. Bon Lu Märten. ist der Einfluß der Gemeindevertretungen erheblich ge( Schluß.) Moderne Ode. Von Otto Erich Hartleben. ( Gedicht.) schwächt worden, in denen die Arbeiterklasse ja sich unter Umständen eine gewisse Vertretung erringen kann. Den Gemeinden bleibt fast nur noch das Recht, die Schullasten zu tragen.
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Frauenstimmrecht.
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Der Kampf um das Kind.
Frauen
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Und immer schwächlicher wird der Widerstand, den Junker und Kirche bei diesem Beginnen in den Reihen der liberalen Parteien finden. Der Liberalismus gebärdet sich freilich noch immer laut als der Hort der Volksbildung, als der Schüßer der Volksschule. Aber je Eines der wichtigsten Gebiete, auf denen der preußische mehr seine liberalen Prinzipien verblaffen, um so lauer Die Nationalliberalen hatten früher die Forde Landtag die gesetzgebende Gewalt hat, ist das Bildungs-, wird er auch in der Vertretung seiner Forderungen für rung der Simultanschule vertreten, das heißt die das Unterrichtswesen. Und in diesem nimmt die Volts die Verbesserung und Fortbildung der Volksschule. Hinter Forderung nach der Schule, in der die Kinder aller schule zwar nicht den ersten Play, aber den größten dem Liberalismus stehen die Kapitalisten, die Industriellen Konfessionen gemeinsam unterrichtet, in der die konfessioRaum ein. Sie ist die Bildungsstätte, die für die große, und Handelsherren, die Kleingewerbetreibenden und Klein- nellen Unterschiede möglichst verwischt werden. 1906 rechtüberwiegende Mehrheit der Bevölkerung fast ausschließ- händler. Ihr Interesse geht nicht völlig gleich mit dem fertigten sie ihren Umfall etwa in derselben Weise, wie lich in Betracht kommt. Die mittleren und höheren des Junkers der dümmste Arbeiter ist für sie nicht jetzt der Freifinn seine Zustimmung zu den reaktionären Schulen kommen- geringfügige Ausnahmen abgerechnet der beste. Etwas mehr als der Landarbeiter muß der Bestimmungen des Vereinsgesetzes. Sie mußten vernur einer ganz dünnen Schicht der Bevölkerung zu industrielle Arbeiter- wenigsten in den meisten Betriebs- hindern, sagten sie, daß die Regierung andernfalls ein gute. Ganze 5 Prozent der schulpflichtigen Kinder zweigen wissen, wenn er dem Unternehmer Profit noch schlechteres Gesetz mit den Konservativen und dem Preußens entfallen auf diese Schulen- die übrigen einbringen soll. Aber mehr, als notwendig ist, die Zentrum machte. Der Freifinn, der damals noch nicht 95 Prozent müssen sich mit der mageren Wissenstoft Proletarier zu guten Profitmaschinen zu machen, im Block war, also noch kein Verständnis für diese der Volksschule begnügen. braucht ihnen die Volksschule nach der Meinung Argumentation zu haben brauchte, die er heute selbst Im preußischen Landtag herrschen die Besitzenden- der Unternehmer auch nicht zu vermitteln. Jeden praktiziert, opponierte dem Gesez. Wenn er sich in abjene, die ihre Kinder nicht in die Volksschule schicken. falls haben die Kapitaliſten teine Neigung, für erhebliche sehbarer Zeit mit den Nationalliberalen vereinigt, wird Die 95 Prozent, die auf die Volksschule angewiesen sind, Mehrleistungen der Volksschule Mittel des Staats er wahrscheinlich auch für die Zustimmung zur Volkshaben im preußischen Parlament keine Vertretung. Sie und der Gemeinden aufzuwenden. Die Liberalen sind schulvermu derung reif geworden sein. bilden die große Mehrheit jener Staatsangehörigen, durchaus der Schaffung einer Einheitsschule abgeneigt, Denn der wahre Grund, weshalb der Liberalis. deren Einkommen jährlich 3000 Mt. nicht übersteigt. die den Elementarunterricht allen Kindern der Nation, mus seinen Widerstand gegen die Volksschulmißhandlung 95,15 Prozent der Bevölkerung in Preußen hatten den Kindern aller Bevölkerungsklassen erteilt und an die durch die Reaktionäre immer mehr abschwächt, liegt viel 1907 nur bis zu 3000 Mt. Einkommen, die größere sich organisch die mittleren und höheren Lehranstalten tiefer, als der von den Nationalliberalen beim VoltsHälfte davon wieder, nämlich 50,30 Prozent, blieb sogar anschließen. Selbst die Freisinnigen haben die Aufschulunterhaltungsgesetz vorgekehrte. Dieser tiefere Grund mit ihrem Jahreseinkommen unter 900 Mt. zurück. Nur nahme dieser wohlbegründeten pädagogischen Forderung ist die Furcht vor der Arbeiterbewegung. Sie macht 4,85 Prozent der Bevölkerung hatten mehr als 3000 Mt. in ihr Programm abgelehnt; sie wollen den Besitzenden den Liberalismus geneigt, die Schule als Werkzeug Einkommen im Jahre. Die 4,85 Prozent der Bevölkerung das Privilegium gewahrt wissen, ihre Kinder in besondere der Klassenherrschaft gegen die Arbeiterschaft zu entsprechen etwa den 5 Prozent der Schulkinder, die die Vorschulen zu schicken, sie auch während der ersten drei mißbrauchen. Das Streben, das die Herrschenden bei mittleren und höheren Lehranstalten besuchen. Und die Schuljahre von den Kindern des Volkes abzusondern. So der Verschlechterung der Volksschule verfolgen, ist dieses: 4,85 Prozent der Bevölkerung, diese verschwindende können sie die Mißstände im Volksschulwesen ruhig bestehen dem klassenbewußten Proletariat die kinder, den Minderheit wird durch das schändliche Dreiklassen lassen, ohne daß ihre eigenen Nachkommen darunter leiden. Nachwuchs zu rauben! Dem Einfluß der Eltern, die wahlrecht zur Mehrheit im Landtag und damit zur Immerhin haben sich die Liberalen in früherer Zeit sich mehr und mehr der Sozialdemokratie zuwenden, foll Beherrscherin der Volksschule. Knapp 5 Prozent wenigstens gegen die Vermuckerung der Volksschule ge- die Schule entgegenarbeiten, sie soll die Kinder den Eltern Preußen, die ihre Kinder in höhere Schulen schicken, wendet. Sie bekämpften die von den Junkern und dem entfremden, sie zu Feinden der Anschauungen machen, haben Gewalt über die Schule, welche die Kinder der Zentrum stetig und tonsequent verfolgte Absicht, jede die von den proletarischen Vätern und Müttern ver übrigen 95 Prozent Preußen besuchen, jener 95 Pro- Weiterentwicklung der Volksschule zu verhindern, das treten werden. Und deshalb haben auch die Liberalen zent, die selbst nicht mitzureden, sondern nur zu Maß des Wissens, das sie vermittelt, möglichst niedrig heute das Bestreben, die Schule zur Drillanstalt zu entzahlen haben, die im preußischen Parlament zu halten, dafür aber das Eindrillen einer bestimmten würdigen, in der durch massenhaftes Ginpauken religiösen nicht vertreten sind! religiösen Gesinnung zu ihrem Hauptzweck zu machen, Lernstoffs und daneben durch einen verfälschten Geschichts
Die preußische Volksschule ist völlig den Besitzenden der alles andere überwuchert, alles andere durchdringt. unterricht, der mordspatriotische Gesinnung und Lakaienausgeliefert. Was das bedeutet, ist klar. Die Nicht- Das mechanische Auswendiglernen von Ratechismussägen, demut vor Fürstengeschlechtern pflegt, in der durch direkte besigenden haben ein sehr dringliches Intereffe daran, Bibelsprüchen, Gesangbuchversen usw. dient den Zwecken Schmähung und Verleumdung der Sozialdemokratie die daß die Schule, die ihre Kinder besuchen, eine gute Schule der Reaktionäre in mehrfacher Hinsicht. Einmal soll es Jugend zu urteilslosen, bemütigen Untertanen, zu willigen ist. Die Arbeiter haben die Schäden und Mängel der die Kinder abschließen gegen die moderne Weltanschauung, und genügsamen Ausbeutungsobjekten„ erzogen" wird. Volksschule am eigenen Leibe gespürt und spüren sie aufs soll ihnen knechtischen Gehorsam gegen Obrigkeit und Die vor Jahrzehnten ungläubige, antifirchliche Bourgeoisie neue am Leibe ihrer Kinder. Die sogenannte preußische Dienstherren, unbegrenzten Respekt vor der„ göttlichen hat angesichts des Wachstums der Arbeiterbewegung die Boltsvertretung aber weiß davon aus eigener Anschauung Ordnung" einflößen. Zweitens stumpft diese Überladung Religion als Rappzaum der Massen wieder schätzen genichts. Die Besitzenden und ihre Kinder leiden nicht des findlichen Gehirns mit unverdaulichem Ballast die lernt. Sie heuchelt deshalb entweder Frömmigkeit oder unter den überfüllten Klassen, dem Lehrermangel, der Urteilskraft ab. Endlich aber nimmt der Religions ist auch durch die Furcht vor den unbegriffenen gesellunzureichenden Vorbildung und Besoldung der Lehrer, unterricht so viel der Zeit des Unterrichts in Beschlag, daß schaftsumwälzenden Mächten wieder zum Anrufen überdem Regime des Prügels, den enggezogenen Grenzen nur noch wenig Stunden für die übrigen Unterrichtsfächer natürlicher Hilfe gebracht worden. Dieser Wandlung entder Volksschulbildung, der Vermuckerung der Volksschule. bleiben, die die Proletarierjugend mit„ schädlichem" Wissens- spricht nur, daß sie auch von ihrer ehemaligen Schäzung Jene, die die Herren der preußischen Volks- stoff infizieren könnten. Gegen die Verpfaffung der Volks- der Volksbildung immer mehr zurückgekommen ist und schule sind, brennt die Volksschulnot nicht. schule hat sich der Liberalismus in früheren Zeiten mehr sich den Junkern und Zentrümlern nähert, die in der Aber viel schlimmer und gefährlicher als das mangel- oder minder entschieden gewandt. Das Jahr 1906 hat Vorenthaltung des Wissens stets ein gutes Mittel zur hafte Interesse, das die preußischen„ Volksvertreter" für aber auch in dieser Hinsicht den Beginn einer Umkehr Niederhaltung der Volksmassen gesehen haben. die Volksschule haben, ist die bittere Feindschaft, für ihn bedeutet. In diesem Jahre hat die national- So steht die Sozialdemokratie also auch im Kampfe die die mächtige Mehrheit unter ihnen gegen die liberale Partei mit den Konservativen zusammen um die Fortentwicklung der Volksschule, um ihre Be