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Nr. 219.

Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin : Vierteljährlich 3,30 Mart, monat= lich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit bem ,, Sonntags- Blatt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Unter Kreuzband : Für Deutschland u.Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1891 unter Nr. 6469.

Vorwärts

8. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für Lie fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Ugr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Gernsprech- Anschluß: Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Die Kleinkraftmaschinen als angebliche Retter der

produktion.

Sonnabend, den 19. September 1891.| Expedition: Beuth- Straße 3.

einen Theil des ihm entrissenen Gebietes zurückzuerobern sehr billig und äußerst bequem. Sie mögen auch und für die Zeugen dieses Entwickelungsganges gestaltet geräuschlos und geruchsfrei arbeiten. Der Bürstenmacher, Klein- sich das Schauspiel um so interessanter, wenn wir dabei welchen Herr Heinrich Albrecht anführt, der fünf Arbeiter gewahr werden, daß alle die einzelnen Momente, welche an ebenso viel Bohrbänkchen zum Bohren der hölzernen der Großindustrie einst zum Siege über das Kleingewerbe Bürstenrücken beschäftigt, mag von ihnen in der That Wir haben in dem Artikel, welchen wir Ein Sad verholfen haben, nunmehe in umgekehrter Tendenz ins auch einen ganz erheblichen Vortheil haben. Es mag voll zugeständnisse" betitelt, gezeigt, daß in Gewicht fallen, um in dem entbrannten Kampfe dem ins wahr sein, daß die fünf Arbeiter, als der Bürstenmacher einer der hervorragendsten deutschen Zeitschriften ein ge- Innerste getroffenen Handwerk die Konkurrenzfähigkeit mit den Betrieb der Bänkchen mittelst eines kleinen Motors lehrter Vertreter der nationalökonomischen Wissenschaft dem Großbetriebe wieder zu erringen." eingerichtet hatte, dessen Betrieb 3 Frks. für den Tag auseinandersetzt, wie sehr die Großproduktion dem Klein- Das herrliche Mittel, welches das Kleingewerbe, fostete, für 8 Mann Arbeit lieferten, daß also die Maschine gewerbe überlegen und wie durch die erstere das letztere nachdem es sich schon dem sicheren Untergange geweiht für drei Franks Auslage die Mehrarbeit von drei Ge­schon in den meisten Arbeitszweigen zurückgedrängt, wenn sah, doch noch vom Tode retten soll, ist die eigens für fellen, die mit fünf Franks jeder zu bezahlen gewesen nicht ganz verdrängt worden ist. Wir haben ferner das Kleingewerbe geschaffene und geeignete Kraftmaschine. wären, ermöglichte.

gezeigt, daß besagter nationalökonomischer Schriftsteller Bekanntermaßen stehen wir hier vor einer Behauptung, Trotz alledem ist aber sicherlich nicht wahr, daß in der Deutschen Rundschau" die verhängnißvollen Folgen welche bereits seit ziemlich langer Zeit von den wissen alle diese kleinen Motoren, gleichviel welcher Art sie sind, des durch die Ausbreitung der Großindustrie herauf- schaftlichen Vertretern unserer Bourgeoisie eifrig kolportirt irgend etwas von Belang zur Rettung des Kleingewerbes geführten Zeitalters des Dampfes, die Erzeugung wird. Bisher hieß es, die rettende Kraftmaschine werde leisten könnten.

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des Arbeiterproletariats in unseren Großstädten und dereinst sicherlich erfunden werden; jetzt ist man dazu ge- Herr Heinrich Albrecht führt zunächst selber ver­großen Industriebezirken und die Zurückzwingung langt, den im Konkurrenzkampfe verzweifelnden Klein- schiedenes an, welches diese unsre Behauptung zu stützen der Arbeiter auf die allerniederste Lohustuse mit meister einzureden, diese langersehnte Kraftmaschine sei bereits geeignet ist. Hilfe der Heranziehung der Frauen und Kinder zur erfunden. Er giebt z. B. zu, daß wenn man durch genaue Fabrikarbeit, sehr wohl kennt; und daß er endlich die Es ist kein Wunder, daß sich ziemlich weite Kreise Rechnungen festzustellen sucht, zu welchem Preise jede der Sozialreform der Reichsregierung als völlig ungenügend unsrer Kleinhandwerker von diesem Gedanken gefangen beiden Kraftquellen Der Kleinmotor einerseits und die zur Besserung der Lage der Arbeiter und zur Hebung nehmen ließen, waren es doch sehr beachtenswerthe Stimmen, große Dampfmaschine andrerseits die Pferdekraft für unserer wirthschaftlichen Verhältnisse überhaupt ent- welche dieses Trostlied ertönen ließen, kein Geringerer als die Stunde der Arbeitsleistung liefern, und wenn man hüllt hat. Reuleaux verstieg sich vor einiger Zeit zu folgenden kühnen dabei auch die Anschaffungs-, Installations- und Amorti­Der erwähnte Nationalökonom war schließlich zu der Worten: Geben wir dem Kleinmeister Elementarkraft zu fationskosten der Maschine neben den Betriebskosten in Erkenntniß gekommen, die herrschende Produktionsweise ebenso billigem Preise, wie dem Kapital die große mächtige Rücksicht zieht, daß dann allerdings die gewonnenen Zahlen verursache alle jene schweren Uebelstände unserer heutigen Dampfmaschine zu Gebote steht, und wir erhalten diese erheblich zu Ungunsten auch der am vortheilhaftesten Gesellschaftsordnung", und das sei gerade der Fehler der wichtige Gesellschaftsklasse, wir stärken sie, wo sie glück- arbeitenden Kleinmotoren ausfallen. Sozialreformbestrebungen unserer Regierungen, daß sie an licherweise noch besteht, wir bringen sie wieder auf, wo der herrschenden Produktionsweise nichts ändern. sie bereits im Verschwinden ist."

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Wenn also auch die Kleinmotoren fehr viel billigere Arbeit liefern als Menschenhäude, so liefert denn doch die große Maschine unter allen Umständen noch viel billigere als die kleinen.

Außerdem aber sind die kleinen Kraftmaschinen zwar billig, aber sie kosten dennoch gleichfalls Geld und zwar mehr Geld als die meisten unserer kleinen Handwerker aufzutreiben im Stande sind.

So weit waren wir mit dem Manne in allem Wesent­Wir werden gut thun, wenn wir uns daran erinnern, lichen einverstanden. Man sollte meinen, von dieser Stufe daß es sich für all diese Herren um die Rettung des der Erkenntniß aus gäbe es nur noch den Weg aufwärts Kleingewerbes in zweierlei Beziehung handelt und zwar zu den lichten Höhen der sozialistischen Gedanken über die in materieller und moralischer; einmal um die Rettung Gestaltung unseres Wirthschaftslebens. Aber weit gefehlt. vor dem Untergang im materiellen Glend, zum anderen Nicht die Sonne des Sozialismus leuchtet diesem Ge- vor dem angeblich so schrecklichen Versinken in die sozia­lehrten von heute, sondern die Irrlichter manchesterlicher listische Anschauungsweise und Bestrebungen. Auch das weiß Herr Heinrich Albrecht sehr genau. Anschauungsweise narren ihn. Gegenwärtig ist nun der Rettungsengel bereits in Ein großer Theil unserer kleinen Handwerker, so sagt er In urplöglichem Entzücken bricht er, unmittelbar doppelter Gestalt erschienen. Erstens stellt er sich dar in selbst, hat kaum den Kredit, um sich für einigermaßen nach den von uns gekennzeichneten Ausführungen, in die der Form der kleinen elektrischen Kraftmaschine, welche erhebliche Aufträge die erforderlichen Rohstoffe zu schaffen; Worte aus: von einer Zentralstelle aus mit elektrischer Kraft versorgt geschweige denn für die Anschaffung eines Motors eine Wir stoßen nun aber in dem Wechsel der Ge- wird; zweitens wird er repräsentirt von denjenigen kleinen immerhin beträchtliche Summe flüssig zu machen. Und staltungen, die unser wirthschaftliches Leben durchzumachen Maschinen, welche gleichfalls von einer Zentralstelle aus der Gelehrte der Deutschen Rundschau" gesteht noch eine hat, hier wieder einmal auf eine jener wunderbaren Er- durch Druckluft in Bewegung gesetzt werden. dritte Schwäche der Kleinindustrie zu, welche sie gegen­scheinungen, die uns so oft in der Geschichte der Völker Wir wissen nun sehr wohl, daß die kleinen elektrischen über den Großbetrieben konkurrenzunfähig macht. Unsere begegnen. Aus ihrem eigenen Schooß heraus hat die ins Kraftmaschinen ebenso wie die Druckluft- Maschinen einen kleinen Handwerker können nicht rechnen. Ungemessene anwachsende Großindustrie das Mittel her- bedeutenden technischen Fortschritt in sich schließen und die vorgebracht, welches das Handwerk in den Stand setzt, verschiedensten Vorzüge besitzen. Sie sind verhältnißmäßig

Feuilleton.

Nachdrud verboten.]

Er kehrt zurück!.

( 20

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Stimme:

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Vorwärts, Ihr da, fort mit Euch, der erste, der zurück kommt, hat's mit mir zu thun, verstanden! Da sie noch zauderten, wandte er sich zu der Frau im Morgenrock und sagte sie von oben herab anblickend: " Bitte, Frau Gräfin , befehlen Sie Ihren Leuten uns allein zu lassen, ich habe mit Ihnen zu reden und habe wenig Beit."

Driginalroman von Jean Meroz. Sie machte ein Zeichen und alle diese Lakaien und die Nun ging es rasch wieder eine Treppe hinauf; er war im Kammerfrau verschwanden, vollkommen niedergedonnert ersten Stockwerke angelangt, in einem übermäßig großen Vor- durch diesen Vorgang, der sich mit unbegreiflicher Schnellig­zimmer, das herrlich mit Blumen dekorirt und mitalten Go- feit abgespielt hatte. belins, Gemälden, Nippssachen aller Art und wunderbar schönen Deshommes hatte die Pistole wieder in die Tasche seines Möbeln geschmückt war. Die Bedienten, welche ihn für Ueberziehers versenkt und war auf seine Frau zugeschritten, einen Berrückten oder Dieb hielten, waren ihm nachgelaufen. denn das war sie, aber schöner, begehrenswerther als je. Im Augenblicke, wo sie ihn in dem Vorzimmer einholten Freilich seine Liebe war durchaus erloschen. Er fühlte gar und packen wollten und eine Kammerfrau gellende Schreie nichts mehr für sie, er gedachte nur noch ihres Verrathes, ausstieß, hatte sich Deshommes an eine Wand gelehnt, sich und ein solcher Haß funkelte in seinen Augen, daß seine gegen seine Angreifer gewandt, eine Pistole aus der Tasche Frau vor Schreck zurückwich und in ihr Zimmer eilte. Er gezogen und gerufen: folgte ihr dahin.

Der Erste, welcher sich rührt, wird niedergeschossen! Hoffentlich sind Sie allein, Frau Gräfin ," sagte er Entsetzt blieb die ganze Dienerschaft stehen, wie ver- ironisch, denn wenn Ihr Liebhaber dagewesen wäre, hätte steinert durch diese Drohung und die entschlossene Miene ich erst ihn und dann Sie getödtet. Dazu bin ich berech­des Mannes, der sie alle in Schach hielt. tigt. Nicht wahr?

Da öffnete sich eine Thür, und nur in einen Morgenrock gehüllt, erschien eine Frau mit erschrockenem Gesicht.

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Sie antwortete nicht.

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Ich suche Sie schon über ein Jahr und nur durch einen glücklichen Zufall habe ich Sie getroffen.

Wir sehen bei Submissionen, sagt Albrecht, die Leute Arbeiten zu Preisen übernehmen, die geradezu unmöglich

ihrer Lage lassen konnte er sie aber auch nicht. Wäre er fort­gegangen, nachdem er ihr seine Verachtung ins Antlitz geschleu­dert hatte, was hätte sich dieses Weib aus Schimpfworten, die sie bald vergaß, gemacht. Einige Augenblicke später hätte sie darüber gelacht; sie wäre im Wohlleben zurückgeblieben, in diesem Palaste, wo sie von verschwenderischem Luxus umgeben war, wo sie ihre ausschweifendsten Launen be friedigen konnte.

Blöglich hörte man einen schweren Schritt auf dem Parkett des Vorzimmers. Ohne zu klopfen, trat, da die Thür offen stand, jemand in das Schlafzimmer, mit den Worten: Was giebt es denn, liebe Marie?"

Der Ankömmling war ein Mann von etwa vierzig Jahren, groß, schön gewachsen und kräftig. Er trug die Husarenuniform und hatte auf den Aermeln seines Dolmans die Litzen des Obersten. Sein Gesicht hatte einen schönen energischen Ausdruck, und war durch den Aufenthalt in frischer Luft gebräunt.

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Er bemerkte Deshommes, musterte ihn hochmüthig, trat vor und sagte: Fort, hinaus, aber schnell. Aber Deshommes blieb unbeweglich wie ein Steinbild und fah den Angekommenen ironisch au.

Er wandte sich dann zu seiner Frau, grüßte und sagte: Zwei, meine Gnädige! Der Junge für das Haus und der Alte für die Promenade! Sie machen Ihre Sache sehr gut. * Dann trat er jäh auf den ein wenig verwunderten Obersten zu und rief: Sie werden hinausgehen, mein Herr und uns allein lassen.

Was geht denn hier vor? Man antwortete ihr nicht, aber als sie den Kopf Sie schwieg noch immer, sie rührte sich nicht. Eine wandte, und den Menschen bemerkte, schrie sie laut auf und Beute des Entsetzens, lag sie in einem Fauteuil. Deshommes blieb wie versteinert stehen, bleich und zitternd vor schwieg einen Augenblick. Was sollte er anfangen. Welche Der Oberst regte sich nicht. Der Ton dieses schlecht Schrecken, unfähig einen Schritt oder eine Bewegung zu Rache sollte er für das Betragen dieser Elenden nehmen. gekleideten, herabgekommenen Mannes, der gegen ihn auf­machen. Rein Gedanke tam ihm, fein Ausweg fiel ihm ein. Tödten trat, und den Herrn spielte, verblüffte Jihn ungemein. Das Deshommes trat vor und sagte mit harter, metallischer wollte er sie nicht, wieder heimbringen erst recht nicht. In Staunen ließ ihn verstummen.