Nr. 5

24. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jabres- Abonnement 2,60 Mark.

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Inhaltsverzeichnis.

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Stuttgart

26. November 1913

Eine wichtige Aufgabe. Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. X. Von Anna Blos . Die fünfte sozialistische Frauenreichskonferenz in Osterreich . Von a. p. Die Frau im Verfahren vor den Ver­ficherungsbehörden. Von F. Kl. Arbeitende Mütter. I. Von Joh. Ferch. Sozialistische Frauenkonferenz für Groß- Berlin. Von x. Aus der Bewegung: Bericht der Magdeburger Kinderschußkommission. -Eine Frauenfonferenz für den Regierungsbezirk Magdeburg . Von der Agitation. Ge= Politische Rundschau. Von H. B. wertschaftliche Rundschau. Tertilarbeiterinnenkonferenzen. Von Martha Hoppe. Ein Tarifvertrag für Heimarbeiterinnen. Bon fk. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Soziale Gesetzgebung. Frauen­stimmrecht. Die Frau in öffentlichen Amtern. - Berschiedenes.

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Eine wichtige Aufgabe.

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Mit Freude werden die Sozialistinnen aller Länder an anderer Stelle den Beschluß der Reichskonferenz unserer öster­reichischen Genossinnen lesen, auch 1914 einen Frauentag zu veranstalten. Diese Entscheidung verdoppelt die ermutigende, anspornende Kraft des Beschlusses, den der letzte sozialdemo­fratische Parteitag zu Jena in der gleichen Sache gefaßt hat. Die österreichischen und deutschen Genossinnen unterstützt von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften- halten in starker Solidarität an dem Kerngedanken des internatio­nalen Frauentags feft. Die Tatsache wirft zweifelsohne auf die Entschlossenheit und Freudigkeit der Genossinnen anderer Länder zurück, auch an ihrem Teil durch eine wesensgleiche Veranstaltung die Forderung des Frauenwahlrechts und die sozialistische Auffassung der ganzen Frauenfrage unter die breitesten Massen zu tragen. Sie erleichtert es diesen Genos­finnen, Vorurteile und äußere Schwierigkeiten jener Art zu überwinden, wie sie der sozialistischen Frauenbewegung in ihren Anfängen nur zu häufig in den Weg treten.

Jedoch auch die deutschen Genossinnen haben Grund, den Beschluß ihrer österreichischen Schwestern mit Genugtuung zu begrüßen. Abgesehen von der bekundeten Solidarität, dürfen sie den Beschluß in gewissem Sinne als einen Lohn für die Treue und Entschlossenheit betrachten, mit der sie selbst für den Frauentag eingetreten sind. Das aber nicht bloß in den Zeiten erster stürmischer Begeisterung, die nur das winkende Ziel sieht und der Hindernisse auf dem Wege dazu nicht achtet, nein, auch dann, als Hindernisse sich mit voller Wucht geltend machten. Denn auch die kraftvoll ent­widelte sozialistische Frauenbewegung muß sich unter Schwie­rigkeiten und Reibungen durchsetzen, wenn sie zumeist auch anderer Natur sind als jene, die ihre ersten Schritte auf­gehalten haben.

Kraft und Reife verpflichten! Je stärker die sozialistische Frauenbewegung eines Landes ist, um so bedeutsamer wird es auch, daß sie ganz eins mit der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften gehe. Ihre Auseinandersetzung mit auftau­chenden Fragen und Aufgaben darf die Kreise der sozial­demokratischen und gewerkschaftlichen Arbeit nicht stören. Um­gefehrt: dieser Arbeit soll ja gerade die sozialistische Frauen­bewegung das Höchstmaß erreichbarer Einsicht und Unter­

Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit find zu richten an Frau Klara Zetkin ( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

stützung seitens wachsender Massen von Proletarierinnen sichern. Das ist ihr nur möglich, wenn sie all die vielgestal­tigen Bedürfnisse und Interessen berücksichtigt, die die Prole­tarierinnen als Angehörige der ausgebeuteten Klasse haben, wie als Frauen, als Glieder des minderberechtigten Ge­schlechts. So ist es eine große Vielheit von Forderungen und Pflichten, die eine blühende sozialistische Frauenbewegung vor sich findet. Und diese Forderungen und Pflichten werden selbstverständlich in dem Maße zahlreicher und verantwor­tungsvoller, als der allgemeine Klassenkampf der Ausgebeu­teten wider ihre Ausbeuter und deren Gesellschaftsordnung an Ausdehnung und Schärfe zunimmt, als sich herausstellt, daß Sozialdemokratie und Gewerkschaften die einzigen zuver­lässigen Verfechter des Brotes und Rechtes der Enterbten sind. Angesichts dieser Sachlage ist es begreiflich, daß es in Deutschland wie auch in Österreich keineswegs leicht ist, dem allgemeinen sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Tätigkeitskreis eine Veranstaltung von dem Umfang und dem Kräfteanspruch des Frauentags einzugliedern. Durch alle Zeiten behält es seine Schwierigkeit und seine Dornen, dem Staiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.

Wenn man das alles klar ins Auge faßt, so wird man erst recht der Beschlüsse froh sein, die das Zustandekommen eines Frauentags in den beiden Ländern sicherstellen. Unsere Be­friedigung darüber muß aber zur schaffenden Tat werden. Die deutschen Genossinnen können den nächsten Frauentag nicht früh und nicht umsichtig genug vorbereiten. Dank der ganz persönlichen Arbeit und Hingabe jeder einzelnen von uns muß er zu einem großen Erfolg werden. Daran mahnt der Hinblick auf die bevorstehende dritte internationale sozia­listische Frauenkonferenz zu Wien , die sich auch mit dem Frauentag zu beschäftigen haben wird. Dazu eifern jedoch besonders noch eine ganze Reihe von Umständen an, die dem Kampf für das Frauenwahlrecht in Deutschland steigende Gegenwartsbedeutung verleihen.

Es ist eine platte Selbstverständlichkeit, daß der Frauen­tag das Begehren nach dem Frauenwahlrecht nicht als blut­lose, abstrakt- theoretische Forderung vor den Massen des werk­tätigen Volfes aufpflanzt. Nein, in ihm sollen die starken Säfte aller Ansprüche pulsieren, die die Proletarierinnen an den Staat und die Gesellschaft des heutigen Kapitalismus zu stellen haben; in ihm müssen alle Hoffnungen lebendig sein und reden, die uns auf den Sozialismus als Erlöser von den sozialen übeln der Klassen- und Geschlechtsherrschaft hin­weisen. Deshalb haben wir die orderung des Frauenwahl­rechts mitten hineinzustellen in die Fragen und Notwendig keiten, die jetzt das deutsche Proletariat bewegen, haben sie in lebensvoller Verbindung mit ihnen zu zeigen.

Auf dem Parteitag zu Jena ist die Aufmerksamkeit bereits darauf hingelenkt worden, daß die bevorstehende Reform des Strafgesetzbuchs außerordentlich wichtige Interessen der Prole­tarierin als Frau berührt. Das ohrenbetäubende Geschrei der Scharfmacher und ihrer Seelenverwandten nach siebenfach ver­

stärktem gesetzlichen Schutze der Arbeitswilligen nimmt zu.