Nr. 15

25. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Pofst vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig.

Jahres- Abonnement 2,60 Mart.

Inhaltsverzeichnis.

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Stuttgart 16. April 1915

Eine internationale Konferenz sozialistischer Frauen. wochenhilfe in der Praxis. Von F. Kl. Die sozialdemokrati che Frauenbewegung in Bulgarien . Von Tina Kyrkow. Aus der Bewegung: Von den Organisationen. Politische Rundschau.- Gewerkschaftliche Rundschau.- Genossenschaftliche Rundschau. Von H. F. Notizenteil: Burgfrieden.- Frauenstimmrecht. Für den Frieden.

Eine internationale Konferenz sozialistischer Frauen.

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Zum ersten Male seit dem Kriegsausbruch hat eine inter­nationale Konferenz sozialistischer Frauen im März, dem Monat der Frühlingsstürme, zu Bern Angehörige fast sämtlicher friegführenden Nationen vereinigt. Sie sollte die Genossinnen zum gemeinsamen internationalen Wirken für den baldigen Frieden zusammenfassen. An der Veranstaltung nahmen tätige Genofsinnen teil aus: England, Deutsch­ land , Frankreich , Rußland , Polen , Holland , Italien und der Schweiz . Einige belgische So­zialistinnen, die ihr Kommen zugesagt hatten, mußten leider fern bleiben, weil sie feinen Paß zur Auslandsreise erhalten fonnten. Die Genossinnen Österreichs teilten in einem Telegramm mit, daß zurzeit ihrer Anwesenheit unübersteig liche Schwierigkeiten entgegenständen, daß aber wenn die jezige Konferenz nur vorbereitend sei ihre Beteiligung für eine spätere Tagung sicher erscheine.

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Die englische Delegation bestand aus offiziellen Ver­treterinnen der Unabhängigen Arbeiterpartei" und des Internationalen Frauenrats sozialistischer und Arbeite­rinnenorganisationen", einer Körperschaft, der alle sozialisti­schen Fraktionen, die Liga für Arbeiterfrauen" und meh­rere große Vereinigungen von Frauengewerkschaften usw. angeschlossen sind. Sie konnte stolz versichern, daß auch die sehr große Mehrzahl aller politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen von Proletariern -selbst wenn sie keine weiblichen Mitglieder hätten ihrer Mitwirkung am internationalen Friedenswerk freudig zu­stimmen würden. Die deutschen Delegierten stellten fest, daß sie keine Vertretung der gesamten sozialdemokratischen Partei seien, sondern unter ihrer persönlichen Verantwortlichkeit sich an der Konferenz beteiligten. Ihrer festen überzeugung nach würden die weitaus meisten Genossinnen und auch sehr viele Genossen mit ihnen einverstanden sein. Die anwesende französische Genossin erklärte, zu ihrem Bedauern nur eine Minderheit der organisierten Sozialistinnen ihres Heimatlandes zu vertreten. Allein dieser Umstand entmutige sie nicht, der Friedensgedanke sei auch unter den Frauen des arbeitenden Volkes in Frankreich erwacht und erfasse täglich größere Kreise. Die russische Delegation war in zwei Gruppen gespalten: sie setzte sich zusammen aus Vertrete­rinnen der Frauenorganisationen, die dem Sentralkomitee der Sozialdemokratie" angeschlossen sind, und aus Delegier

Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin ( 3undel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

ten der Frauenvereinigungen, die dem Organisations­komitee der sozialdemokratischen Arbeiterpartei" angehören. Die Konferenz hatte zunächst schlüssig darüber zu werden, ob sie dem Wunsche der österreichischen Genossinnen entsprechend nur Vorbereitungsarbeit für eine spätere Bu­sammenkunft leisten oder aber die vorgesehene Tagesordnung erledigen wollte. Die Rednerinnen aller vertretenen Natione.i sprachen sich einmütig für das lettere aus, so sehr sie be­dauerten, auf die Mitarbeit österreichischer Genoffinnen ver­zichten zu müssen. Bestimmend waren zwei Gründe. Zunächst stößt in der gegenwärtigen Situation eine internationale Veranstaltung auf ganz außerordentliche Schwierigkeiten, so daß es an der Sicherheit fehlt, ob binnen kurzem eine zweite Zusammenkunft der Genossinnen möglich sein würde. Dann aber machen die furchtbaren Zeitereignisse mit- ihrer Rück­wirkung auf die Gegenwart und Zukunft der arbeitenden Massen, der Menschheit, es zur heiligen Pflicht, mit dem inter­nationalen Friedenswerk zu beginnen, ehe die ringenden Völker erschöpft verbluten. Mit welchem tiefen Ernst und Verantwortlichkeitsgefühl die tagenden Genossinnen sich diesem Friedenswerk hingeben werden, das kam in den ein. zelnen Begrüßungsreden erhebend zum Ausdruck. Sie er­wiesen auch, daß der Krieg das Bewußtsein internationaler Solidarität und die sozialistische Erkenntnis und über­zeugungstreue der sozialistischen Frauen nicht erschüttert, sondern umgekehrt befestigt hat.

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Hauptgegenstand der Beratungen war der erste Punkt der Tagesordnung: Die internationale Friedens. aktion der sozialistischen Frauen." über die Not­wendigkeit und die Bedeutung einer solchen Friedensaktion war nur eine Meinung. Völlige übereinstimmung bestand auch darüber, daß die Konferenz in einer Erklärung" ihre grundsäßliche Stellung zur Kriegs- und Friedensfrage dar­legen und damit feste Richtlinien für die Betätigung der Genossinnen ziehen solle; ferner, daß sie ihrerseits diese Be­tätigung durch ein Manifest an die Frauen des arbeitenden Volkes einzuleiten habe. Dagegen kam es über die Erklä­rung" zu Auseinandersetzungen zwischen der einen Gruppe der russischen Delegation sie vertrat die dem Zen­tralfomitee der Sozialdemokratie" angeschlossenen Frauen­organisationen und den übrigen Delegationen, von der Vertreterin eines Teiles der polnischen sozialistischen Fraktionen abgesehen.

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Die holländischen und englischen Genossinnen hatten zusammen mit der Internationalen Sekretärin einen Entwurf zu einer Erklärung vorgelegt, der sich damit be­gnügte, die grundsäßliche Auffassung der sozialistischen Frauen aufzuzeigen, positiv auszusprechen, weshalb eine so­fortige Friedensaktion geboten sei. Aus dieser grundsätzlichen