Nr. 15
26. Jahrgang
Die Gleichheit
Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen
Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder
Die Gleichbeit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Poft viertelfährlich obne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig. Jabres- Abonnement 2,60 Mark.
Inhaltsverzeichnis.
Pressestimmen zur Fraktionsspaltung. Zehn Jahre freie Dienst botenbewegung. Von Helene Grünberg.- Gewerkschaftliche Rundschau. Genossenschaftliche Rundschau. Von H. F. Notizenteil: Für den Frieden.- Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Frauenstimmrecht.- Frauenarbeit.- Fürsorge für Mutter und Kind.
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Pressestimmen zur Fraktionsspaltung.
Unter den bestehenden Verhältnissen beschränken wir uns darauf, unsern Leserinnen einige Pressestimmen vorzulegen, die die Stellungnahme des linken Flügels in der Partei zu der Frage der Fraktions- und Parteispaltung kennzeichnen. Natürlich erklären wir uns dadurch nicht mit allen Einzelheiten der angezogenen Ausführungen einverstanden. Inwiefern die angeführten Parteizeitungen im Sinne grundsäßlicher Klärung und entschiedener Folgerichtigkeit Stellung genommen haben, darüber klar zu werden, müssen wir unsern Leserinnen überlassen.
Das Zentralorgan der Partei, der Vorwärts ", schreibt: ..Innerhalb der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat sich damit jene Spaltung auch äußerlich vollzogen, die innerlich längst vorhanden war. Es ist damit das eingetreten, was nach der Tiefe der Meinungsgegensäße und vollends nach den Szenen des gestrigen Tages unvermeidlich war. Mehrheit und Minderheit werden nunmehr ungehemmt durch die bisherigen Reibungen ihre besonderen Auffassungen vertreten können. Die Parteitage der Zukunft und die Geschichte aber werden zu ent= scheiden haben, welche Gruppe die Gebote der Zeit und die Pflichten des Proletariats richtiger erkannt hat Mehrheit oder Minderheit. An eine Parteispaltung glauben wir heute so wenig wie nach den Vorgängen des 21. Dezember. Die Parteieinheit erwächst aus der geschichtlichen Notwendigkeit des proletarischen Kampfes und der unverwüstlichen Kraft der sozialistischen Jdeen, die alle auf dem Boden der sozialdemokratischen Grundsätze stehenden Elemente mit unwiderstehlicher Kraft wieder zusammenschließen wird, sobald die Irren und Wirren dieser Kriegszeit überwunden sein werden. Die fraftbolle organisatorische und ideelle Einheit der Partei wird aber um so eher zurüdkehren, je rascher sich die klärung der Geister zu vollziehen vermag. Sache aller in Wahrheit um die innere Einheit und die fraftvolle Wahrung der Lebensinteressen besorgten Elemente aber wird es jeßt mehr denn je sein, alles die politischen Kernfragen und deren Erörterung überwuchernde kleinliche Gezänk herniederzuhalten und die Meinungsgegensätze in unbeirrtem Erkenntnisdrang gewissenhaft zu prüfen!"
Im großen ganzen derselben Ansicht ist die Leipziger Volkszeitung ". Sie schreibt unter anderem:
„ Die Entscheidung ist gefallen. Künftig kann die Minderheit, ungehindert durch die Fesseln, die ihr die Gemeinschaft mit der Mehrheit immer noch auferlegte, ohne überflüssige, Energie verzehrende Reibungen ihre grundsäßliche sozialistische Polititim Reichstag energisch vertreten. Daß sie es tut, fordert ein großer, vielleicht der größere und stetig wachsende Teil der Klassenbewußten Arbeiterschaft Deutschlands . Daß die Minderheit es kann, dieses Ergebnis der Echeidung begrüßen wir. Wie sie auf die Partei, auf ihre Organi
Zuschriften an die Redaktion der Gleichbeit find zu richten an Frau Klara Zetkin ( 3undel), Wilhelmshöhe, Poft Degerloch bet Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.
fation wirken wird, das wird erst die große Auseinandersetzung zeigen, die nach dem Kriege eintritt, Wir hoffen und wir arbeiten dafür, daß die deutsche Arbeiterklasse die Einheit ihrer Bewegung gegen die Mehrheit der Reichstagsfraktion aut wahren wissen wird."
Von Bedeutung ist vor allem auch die Stellungnahme der Blätter des rheinischen Industriebezirks. Die„ Elberfelder Freie Presse" meint:
„ Wir haben die vorjährige Etatsbewilligung verurteilt, wir verurteilen noch schärfer die jetzige zum Notetat und die bevorstehende zum Gesamtetat. Wer die Verhältnisse mit sozialdemokratischen Augen betrachtet, wird uns recht geben. Darin teilen wir den Standpunkt der Minderheit vollständig, und wir bedauern, daß die Mehrheit hier wiederum versagt hat, ihre Meinung im Plenum des Reichstags kundzutun.... Bei dieser Sachlage stellt es sich als eine berhängnisvolle überstürzung, ein grober Fehler der Mehrheit heraus, der Minderheit der 18 Genossen sozusagen die sozialdemokratischen Ehrenrechte zu nehmen. Das allerdings konnten sich die 18 Genoffen nicht gefallen lassen. Damit sind sie geradezu hinausgetrieben worden aus dem Fraktionsverbande. Selbst wer ihnen aus ihrem selbständigen Vorgehen im Plenum einen Vorwurf macht, kann nicht billigen, daß nun die Mehrheit ihre Macht ausnußt, um sie völlig mundtot zu machen und sie direkt zu knebeln. Die Urheberschaft der Spaltung ist danach völlig * lar. Wir müssen der Mehrheit den bitteren Vorwurf machen, sie nicht vermieden zu haben, wo sie gewiß zu vermeiden war."
Die Niederrheinische Arbeiterzeitung" in Duisburg schließt ihre Darstellung der Vorgänge im Reichstag mit folgender Bemerkung:
" Diese Tat ist eine Etappe auf dem Wege zur notwendigen Klärung der verworrenen Situation innerhalb der sozialdemokra= tischen Partei. Wir begrüßen den Schritt und be= dauern nur, daß er nicht schon längst erfolgt ist." Das Solinger Parteiblatt, die Bergische Arbeiterst imme", schreibt:
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" Damit ist ein Zustand geschaffen, der erlösend wirkt. Die Minderheit wird nun frei und kann die Reichstagstribüne zu einem Kampffeld für das Sehnen der Voltskreise machen, die hinter ihr stehen, ohne den Zwang der Genossen ertragen zu müssen, die auf dem Boden der Politik der Reichsleitung stehen. Wir betonen, daß wir der festen Überzeugung sind, die Einheit der Partei in organisatorischer Beziehung müsse trotzdem aufrechterhalten bleiben, bis die geordnete Vertretung der Partei, der Parteitag, gesprochen hat. Wir stehen mit Herz und Verstand auf dem Boden der Minderheit und bedauern, daß im zwanzigsten Kriegsmonat eine solche Berreißung der Fraktion noch möglich war."
Während die genannten Parteiblätter sich vor allem mit der Parteieinheit, also mit der organisatorischen Zufunft der Sozialdemokratie beschäftigen, berühren die folgenden die ungleich wichtigere Frage nach der grundsäglichen Festigkeit und Klarheit, aus der die Tat der Achtzehn geboren ist. Es kommt in der Geschichte nicht nur darauf an, daß etwas getan wird, sondern auch wie es getan wird, ob zaudernd und unentschlossen, ob klar und energisch. Nicht die Schale, sondern der Kern in der Sozialdemokratie ist die Hauptsache. Die Bremer Bürgerzeitung" meint hierzu folgendes: