Nr. 26

26. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gleichheit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig.

Pax Romana.

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Jahres- Abonnement 2,60 Mark.

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Inhaltsverzeichnis.

Stuttgart

15. September 1916

Die Kriegserwerbslosenfürsorge in Württemberg . Notizenteil: Aus dem öffentlichen Leben. Für den Frauenarbeit. Arbeitslosigkeit der weiblichen Er­

Von R. Frieden. werbstätigen.

Pax Romana.

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In dem lesenswerten Büchlein über die ständischen und sozialen Kämpfe in der römischen Republik bringt der Ver­fasser, Leo Bloch , das antike Staatsideal nicht das der Philosophie, wohl aber das der praktischen Politiker" auf die knappe Formel: daß das Ausland die Bürger ernähren müsse. Da er die Methode des historischen Materialismus nur teilweise und unvollkommen anwendet, so macht er fälsch­lich die Demokratie", wie wir sie im klassischen Athen zur Zeit des Perikles , und im alten Rom nach Abschluß der stän dischen Kämpfe zwischen Plebejern und Patriziern vorfinden, für die ausbeutungssüchtige Eroberungspolitik dieser Staa­ten verantwortlich. Denn um Anteil zu nehmen an der Ver­waltung und Regierung ihrer Vaterstadt seien die Bürger be­strebt gewesen, sich von der lästigen Erwerbsarbeit frei zu machen, sie auf die Schultern der im Kriege erbeuteten Skla­ven und unterworfenen Provinzen abzuwälzen.

Bei schärferem Zusehen freilich erweist sich die geringe Stichhaltigkeit dieser Behauptung. Nicht die politische Demo­kratie führte zur Eroberungspolitik, sondern die Eroberungs­politik der bejizenden Schichten machte die politische Demo­fratie zu ihrer Sklavin. Nicht das Streben, sich geistig und politisch zu betätigen, gab den Bürgern Noms oder Athens den Wunsch ein, auf Kosten tributzahlender Bundesge­nossen" und friegsgefangener Sklaven ein höheres Kultur leben zu führen. Die politische Demokratie ist in diesen Staaten von Anfang an, wie später beim aufstrebenden Handels- und Industriekapital des siebzehnten bis neunzehn ten Jahrhunderts, das Aushängeschild und die Lockpfeife fleiner, rühriger Interessengruppen gewesen, in deren Hän­den die wirtschaftliche Macht bereits lag und die nun auch der politischen Macht bedurften, um sich voll auswirken zu können. Daran ändert nichts, daß damals tatsächlich ein höheres Kulturleben nur auf der Basis der Ausbeutung des Men­schen durch den Menschen möglich war. Das Entscheidende liegt darin, daß die politisch führenden Schichten die Technik und Wirtschaft nicht durch eigene Arbeit zu verbessern, immer produktiver zu gestalten strebten, sondern durch Unterwerfung und verschärfte Ausbeutung fremder Kräfte die Kultur­güter der ganzen Welt für sich zu monopolisieren suchten.

Die Volksmasse als selbsttätiger, politisch bestimmender Faktor kam weder im Altertum noch in der bisherigen bür­gerlichen Gesellschaft ernsthaft in Betracht. Wer die wahre, die wirtschaftliche Macht im Staate besaß, konnte einige Zu­geständnisse in der inneren Politik wohl verschmerzen, wenn er nur die äußere Politik fest in der Hand behielt. Demokra­tische Reformen erwiesen sich sogar zu jeder Zeit als gute

Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit find zu richten an Frau Klara Zetkin ( 3undet), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

Bugmittel, um die Volksmassen für auswärtige kriegerische Unternehmungen willfährig zu machen, wie denn auch das ,, demokratische" Rom das aristokratische" Karthago schließ­lich niederrang.

Daß mit demokratischen Staatseinrichtungen allein den Volksmassen noch lange nicht die wirkliche politische Macht in die Hand gegeben ist, beweist die bisherige Geschichte der antiken wie der modernen bürgerlichen Demokratien. Das römische Volk war souverän und war doch nur ein elender Spielball der großen Grundbesizer, Bankiers und Handels­herren, die je nach Bedürfnis es fütterten oder hungern ließen, es umschmeichelten oder verhöhnten, immer aber es in Schmuß, Armut und Roheit verkommen ließen und es von Herzen verachteten.

Die römische Wirtschaft seit Ende des dritten Jahrhunderts vor Christus beruhte auf der rücksichtslosen Ausbeutung des bäuerlichen und Gewerbefleißes in den unterworfenen Län­dern vermittelst ungeheurer Tributerpressung, Sklavenraubs, Bauernlegens und eines raffinierten Wuchersystems. Daran waren in irgendeiner Form alle besitzenden Gruppen gleicher­weise beteiligt: die Großhändler, Reeder, Bankiers, Berg­werksbefizer unmittelbar und offen, der Grund- und Be­amtenadel mittelbar durch vorgeschobene Strohmänner. Ob sich die einzelnen Gruppen nun Aristokraten oder Demokraten nannten, fie alle waren an einer unentwegten, skrupellosen und energischen Eroberungspolitik gleichermaßen interessiert. Tarum hat es auch auf die Kriegführung draußen, an den Grenzen keine sonderliche Wirkung geübt, ob in der Heimat die oder jene Partei augenblicklich am Ruder war, gleichwie in dem heutigen gigantischen Ringen der europäischen Staa­ten es an den Kriegszielen und der Kriegführung herzlich wenig ändert, ob liberale Bourgeoisie oder konservatives Junkertum das Heft in der Hand hält. Die Herrschenden sind alle für siegreiches Durchhalten. Sie unterscheiden sich höchstens in der Tonart, schließlich auch in der Hervorhebung dieses oder jenes Gegners als den Feind. Für Annerionen, Ausdehnung des staatlichen Machtbereichs, militärische Grenzregulierung, reale Garantien usw. sind sie alle. Ein­fach aus dem Grunde, weil der innere Markt" für die kapi­ talistischen Interessen längst zu klein ist, weil wie im alten Nom, nur auf höherer Stufe, das große Finanzkapital mit seinen ausländischen Anlagen alle Kapitalistengruppen um seine Fahne schart und auch die große Masse der Kleinbürger, Bauern und Proletarier mitzureißen versteht. Heute wie da mals spielt es keine wesentliche Rolle, ob in einem der um die Weltherrschaft ringenden Staaten politische Demokratie besteht oder eine Herrschaft privilegierter Klassen. Es ist das abhängig von den jeweiligen geschichtlichen Verhältnissen, nicht aber ein Gradmesser für die Selbständigkeit und be­stimmenden Macht der Volksmassen in dem betreffenden Lande. Das Kriegsziel der römischen Junker und Kapitalisten nicht das Kriegsziel eines einzelnen Feldzugs, sondern ihrer gesamten kriegerischen Politik- war die pax Romana, der römische Friede. Eine Provinz befrieden" war der stehende

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