Nr. 44

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29. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Mit den Beilagen: Für unsere Kinder.

Die Gleichbeit erscheint wöchentlich

Prets: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnum ner 30 Pfennig Durch die Voit bezogen vierteljährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mart

Weihnachten

Berlin

20. Dezember 1919

Die Frau und ihr Haus

Zuschnitten sind zu richten an die

Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Morinplag 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3

gepeitscht und wir haben jeden Glauben an die Ehrlichkeit französischer Zusagen in der Frage der Gefangenen berlieren müssen.

Unsere Regierung ließ nichts unversucht, um Frankreich zur Aenderung seiner Stellung zu bewegen. In dieser Sache ist sie frei von Schuld; jeder Vor­

Weihnachtsglocken

Weihnacht! Friede auf Erden! Den Menschen Glück und Wohlgefallen auf dieser schönen Welt! Schrillt nicht Lachen irgendwo aus der Tiefe? Oder ist es Schreien? Beides! Aus dem Aufschrei des Jammers wird das Lachen des Hohnes. Bum 6. Male entzünden wir friedelos die Kerzen am Weih­nachtsbaum. Ohne Krieg durften wir, dank der Re­bolution, im vorigen Jahre die geweihte Nacht begehen, aber ohne Frieden ist die Welt geblieben und namen. Joies Web nach ihren fernen Lieben erfüllt noch immer die Herzen Hunderttausen­der in Deutschland . Der Haß triumphiert noch immer und die Rache waltet an Stelle der Gerechtigkeit. Aus Frankreich und Sibirien sind unsere Gefangenen bisher nicht zurückgegeben und kein Tag steht vor uns, un­verrückbar und fest, an dem fie Heimkommen werden. Kein Tag, der mit hellem Lichte alle die schweren, müden, todwunden Jahre. des nichtgelebten Lebens durchleuchten könnte. Nur die Hoffnung bleibt. Und auch sie wird immer zager, weil über das Schickial un­jerer Gefangenen die Un­gewißheit liegt.

Würde

Frankreich bestimmte Zu­jagen nur gegen Erfüllung bestimmter Forderungen geben wollen, so würden wir alle versuchen, dies Verhalten Zu verstehen, wenn wir es auch nicht billigen fönnen, daß wehr­Iose, gefangene Menschen zu Handelsobjekten gemacht

Frauen hört: die Weihnachtsstimmen Sind nun flüffernd aufgewacht! Schaut: die Hoffnungsferzen glimmen Wieder durch die kalte Nacht! Müffer hört: ein Glodenfingen Klingt und schwingt in falter Luft,- Totenfiegel wollen springen Heute Euch von Grab und Gruft... Schwestern hört: aus Kinderliedern Lacht und lockt der alte Traum, Daß sich Feinde soll'n verbrüdern! Allen beut die Erde Raum! Frauen, Mütter, hört 3hr's hallen Ueber Dächer, Wald und Feld: Allen Menschen Wohlgefallen?! Helft uns und erlöst die Welt!

werden. Deutschland würde versuchen, die Forderungen zu erfüllen. Aber Frankreich fordert ohne Gegenleistung seit November 1918. Ein ganzes Jahr lang hat es die heiligsten Empfindungen der deutschen Mütter und Frauen auf den Markt gezerrt; Herr Clemenceau hat nackte Seelen öffentlich

Ludwig Ceffen.

wurf gegen sie ist ungerecht. Die deutsche Volfsvertre­tung und die deutschen Frauen appellierten an das Menschlichkeitsgefühl, an die Ritterlichkeit der Fran­zofen. Vergebens. Und ein Mittel äußerer Gewalt, dem sich die Entente bengen müßte, haben wir nicht. Wehrlos stehen wir da. Be­greift man das jenseits der Vogesen und des Kanals noch immer nicht? Dann wären all die Forderungen, die immer von neuem an uns gestellt werden, ein Produkt der Furcht! Der Gedanke ist so grotesk, wie der Grund des anderen, der sich uns aufdrängen will,

daß System in dieser Quälerei liegt, schmach voll wäre.

Das zerstörte Frank­ reich muß und soll mit Deutschlands Hilfe wie­der aufgebaut werden, aber unsere Gefangenen dürfen fein Faustpfand sein. Es sind Menschen von Fleisch und Blut, mit verzehrender Sehnsucht nach Heimat und Familie im Herzen, und wo es noch menschliche Ge­fühle gibt in der Welt, da müssen sie sich regen, müssen anschwellen zu einer Ge­walt der Menschlichkeit, der die französische Regierung sich endlich unterordnen muß. An das Gewissen der gesamten Menschheit rühren wir, rütteln wir: laßt uns nicht verzweifeln. Es ist an dieser Stelle wiederholt gesagt worden: nichts soll beschö nigt werden von dem Unrecht, welches den Kriegsgefangenen in Deutschland unter den alten Wachthabern geschehen ist. Aber jede Schuld steigt ins Ungemessene, die nach Beendi

PATZAK