Nr. 2.
30. Jahrgang
Mit den Beilagen: Für unsere Kinder.
Die Gleichheit erscheint wöchentlich Preis: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnummer 30 Pfennig Durch die Pont bezogen viertelfährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mart
Aufgaben der Erziehung
Wie oft ist es seit dem Aufhören des Krieges gesagt worden, daß der Wiederaufbau der Menschheit an den Kindern beginnen müsse, und was ist geschehen, um diese richtige Erfenntnis zur Tat werden zu lassen? Nicht viel, soweit es das öffentliche Erziehungswesen betrifft; noch weniger, wenn wir die Erziehung in der Familie betrachten. In den Schulfragen konnten wir nicht viel am Vorwärtskommen helfen. Es ist da wie auf allen Gebieten: trot manches guten Willens, der bei den Regierungsstellen vorhanden ist, konnten die neuen Wege nur eben angebahnt werden. Bureaukratismus und Neaftion hängen zäh ineinander und beherrschen auf allen Gebieten die Verwaltung. Zeit und ein unbeirrbarer Wille zum freien Geist werden nötig sein, um die geistige Erneuerung und die geistige Einheit in Deutschland zu schaffen. In der Verfassung wird uns der Anfang dieser geistigen Einheit welche meines Erachtens die Grundlage aller Einheit allein bilden kann und müßte versprochen, aber noch haben wir kein Reichsschulgesetz, welches die Ausbildung der Lehrerschaft einheitlich regelt und insgesamt auf eine höhere Stufe hebt; welches die unentgeltlichen Lern- und Lehrmittel zur Tatfache werden läßt und den Gemeinden Sorge und Streit hierüber abnimmt; welches die Mittel durch Reich, Staat und Gemeinden bereitstellt, um allen begabten Wolfsschülern den Aufstieg zu den höheren Lehranstalten zu ermöglichen. Nein, alle diese durch das Schulkompromiß der deutschen Verfassung uns versprochenen Dinge sind noch nicht Wirklichkeit gewor. den. Bis jetzt hat uns dieses Kompromiß nur den Streit um die Seelen der Kinder in verschärftem Maße gebracht. Es hat das religiöse Empfinden, welches mehr als alles andere Sache des einzelnen Menschen ist, auf den offenen Markt gestellt. Eine gute Seite bat freilich auch dieser bäßliche Stampf: die Eltern werden zur Wahrheit gegen sich selbst und zum Nachdenken gezwungen in Dingen, denen die meisten so gerne ausweichen. Für jeden, dem Religion mehr bedeutet als angelerntes- meistens sehr mangelhaftes- Wissen, dem sie heilige Gefühls- und Gewissenssache ist, wird es heißen müssen: Weltlichkeit der Schule und religions geschicht licher Unterricht, der in den Kindern Verstehen und Gerechtigkeit gegen Andersdenkende emporwachsen läßt. Was die jungen Menschenkinder bei ihrem Eintritt ins Leben gebrauchen, ist ein innerer, sittlicher Halt, der nicht im ersten Sturm niederbricht. Lebenslehre sollte den Kindern gegeben werden, die ihnen das Leben in seiner höchsten Schönheit und Heiligkeit zeigt, die eine so starke Verantwortung gegen dieses Leben und alle seine Geschöpfe in ihnen erivedt, daß sie mit offenen Sinnen und ehrfürchtiger Freude über die Schwelle der Kindheit ins Jugendland treten. Das müßte die Schule erreichen, wenn sie ihre hohe Aufgabe: Menschen zu erziehen, erfüllte, und ich glaube an die Zukunft, die uns dies sonnige Land bringen wird. Aber jetzt sind wir in der öffentlichen Erziehung noch nicht so weit, und deshalb müssen wir unseren Kindern in der häuslichen Erziehung den Weg suchen helfen,
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Die Frau und ihr Haus
Zuschriften sind zu richten an die
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den wir mit ihnen finden wollen: den Weg zum neuen Menschentum.
Die Verwüstungen, welche der Krieg angerichtet hat, sind am schlimmsten an den Quellen des Lebens: an der geschlechtlichen Gesundheit und Moral Und wenn wir wollen, daß wir aus diesem ganzen Elend wieder herauskommen, müssen wir hier beginnen, an die Stelle der Lüge und falschen Scham die Wahrheit und wissende Reinheit zu sezen. Die Geschlechtskrankheiten hatten bereits vor dem Kriege einen traurigen Umfang angenommen. Professor Blaschko schreibt 1914 in einer sehr lesenswerten Broschüre: „ Geburtenrückgang und Geschlechtskrankheiten":" In einer großstädtischen Bevölkerung wie in Berlin kann man auf Grund des vorliegenden Zahlenmaterials wohl ohne Uebertreibung annehmen, daß der größte Teil der männlichen Jugend im Laufe des vorehelichen Lebens, ein anderer Teil während der Ehe gonorrhöeisch infiziert wird."
Und er kommt zu dem Ergebnis, daß ein jährlicher Geburtenausfall infolge der Geschlechtskrankheiten von 100 000 angenommen werden müsse.
Der Krieg hat die Geschlechtskrankheiten sehr gefördert und das Verantwortlichkeitsgefühl nicht gehoben. Weite Kreise der ländlichen Bevölkerung sind durch die aus dem Kriege geschlechtsfrank heimgekehrten Männer verseucht worden. Der Krieg ist eben kein Jungbrunnen", fein erneuerndes Stahlbad" gewesen, sondern er war und wird immer sein das größte Verbrechen an der Menschheit und die Zuchtstätte von Verbrechen und Zuchtlosigkeit.
Ein Gesetz zur Bekämpfung der GeschlechtsFrankheiten ist in Vorbereitung, welches sich in allen wesentlichen Punkten dem Entwurf vom Oftober 1918 und der Verordnung vom Dezember 1918 anschließt. Dieses Gesch ist eine dringende Notwendigkeit, und die Mehrzahl der Frauen erwartet, daß es für alle Geschlechtskranke den Zwang zur ärztlichen Behandlung bringen wird. Aber wie gut auch immer die Wirkung gesetzlicher Maßnahmen sein mag, so können sie doch stets nur Hilfsmittel sein; die große Aufgabe zur vollkommenen Umformung unserer sittlichen Zustände fällt der Erziehung zu. Bei den Erwachsenen wird es in vielen Fällen vollkommen aussichtslos jein, durch Belehrung erreichen zu wollen, was während der ganzen Kindheit und Jugend versäumt worden ist: die Achtung vor der Frau als Geschlechtswesen zu heben und den Frauen die nötige Selbstachtung beizubrin gen. An den Kindern müssen wir beginnen, und zwar nicht mit Belehrung", sondern mit einer Erziehung, welche sie zu einer selbstverständlich- natürlichen Auffassung der natürlichen Lebensvorgänge bringt.
Jah weiß wohl, wie viele ernste, ringende Mütter sagen: ich fann mit meinen Kindern nicht über diese Dinge sprechen; sie stehen ihr Leben lang so unter dem Bann einer verlogenen Gesellschaftsmoral, daß nicht einmal die Liebe zu ihren Kindern stark genug ist, ihn zu brechen. Aber dieselben Mütter bringen es fertig, ihre blühenden Jungs und Mädels schn