Nr. 18

30. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Mit den Beilagen: Für unsere Kinder.

Die Gleichheit erscheint wöchentlich

Preis: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnummer 30 Pfennig Durch die Post bezogen vierteljährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mart

Berlin

1. Mai 1920

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Die Frau und ihr Haus

Zuschriften find zu richten an die

Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplay 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3

Der heilige Lenz

Durch Alltagslärm und Fabritenstaub Leuchtet ein Tag voll Licht und Laub. Leuchtet ein einziger Tag im Jahr: Rote Rosen im blonden Haar.

In Wanderschuhen, im Festgewand Schreitet der leuchtende Tag durchs Land. Und wo er wandert durch Feld und Dorn, Da blühen die Schlehen und freibt das Korn. Und wo er rührt an des Armen Haus, Lodt er lachende Menschen hinaus. Biel jubelnde Kindlein laufen mit­Hart auf der Erde dröhnt sein Schriff: Bis in die Tiefen der ewigen Nacht, Zu den schwarzen Gesellen im Kohlenschacht. Da sinkt der Hammer zum letzten Schlag­Und sie steigen empor und grüßen den Tag. Und grüßen das Licht und das blauende Meer... Ueber die Wogen rollt es daher.

Heim ziehen die Schiffe in freudiger Haft­Der rote Wimpel fliegt am Maft.

Und über der Menschheit, erlöst und frei, Leuchtet der große, der heilige Mai.

O Mai der Menschheit, du Traum voll Glüd, Eine Träne feuchtet den Mannesblick...

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O Tag der Zukunft, voll Glanz und Grün, Wann wird deine strahlende Sonne glühn?

O Fest der Freiheit, du blühender Mai, Kein Sinnen und Träumen sehnt dich herbei.

Noch hegt dich das Dunkel, noch schirmt dich die Macht­Und wir müssen hindurch durch den Kampf und die Nacht! Die weichliche Träne versiegt und erstarrt, Und es ruff deine Zukunft: Mein Bolf, werde hart. Werde hart und sei wach, du, und schlage den Schlag, Dein harrt ein fruchtschwangerer Sommertag. Und wählst du gut, wie das Los dir fällt, So ist dein die Macht und die blühende Welf­

Und über Woge und Flur und Flor Dämmert der heilige Lenz empor!"

Clara Müller - Jahnte.

Maiaufruf zum Frauentag

Wenn die Arbeiterschaft Deutschlands vor dem Kriege ihre Maifeier abhielt, dann demonstrierte sie für Völkerfrieden und Freiheit, für Arbeiterschutz und Achtstundentag. Das tlassenbewußte Proletariat und seine Frauen aber zählten zur Freiheit auch das Frauenwahlrecht. Diese Forderung ist für uns erfüllt.

Wählerinnen! In wenigen Wochen werdet Ihr wieder an die Wahlurne treten, um als politisch mündige Menschen neben den Männern Euer vollgültiges Staatsbürgerrecht aus­zuiiben. Es gilt diesmal die Wahl des ersten Reichstages der jungen Republikl

Der Parteivorstand hat beschlossen, daß vom 9. bis ein­schließlich 16. Mai ein Frauentag stattfinden soll. In diesen

Tagen sollen in allen Orten des Deutschen Reiches Versamm­lungen stattfinden, in denen sozialdemokratische Redner und Rednerinnen zu den Frauen sprechen. Parteigenossinnen und Parteigenossen! Nützt die Zeit! Jede Stimme der Sozial. demokratie! Die Frauen müssen in die sozialdemokratische Partei. Werbt Leserinnen für unsere Frauenzeitschrift Die Gleichheit".

Die Sozialdemokratie übernahm am 9. November 1918 das Steuer des führerlosen Staatsschiffes. Ihre erste Tat war die Erfüllung ihres lange vertretenen Programmpunktes nach voller politischer Demokratie. Damit war den deutschen Frauen aller Schichten ihr Staatsbürgerrecht gegeben. Die Sozialdemokratie hat gehalten, was sie versprochen: die Ver­fassung des neuen republikanischen Deutschland sichert den Frauen in Reich, Staat und Gemeinde das aktive und das