Nr. 20
30. Jahrgang
Mit den Beilagen: Für unsere Kinder.
Die Gleichheit erscheint wöchentlich Prets: Monatlich 1,20 Mart, Einzelnummer 30 Pfennig Durch die Post bezogen viertelfährlich ohne Bestellgeld 3,60 Mart; unter Kreuzband 4,25 Mart
Die Frau und ihr Haus
Zuschriften find zu richten an die
Redaktion der Gleichheit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Amt Mortaplag 147 40 Expedition: Berlin SW 68, Lindenstraße 3
Der Menschheit Sehnsucht
Ich möchte, eine lohende Flammenglut, Mein Sehnen werfen in die dunklen Nächte, Ich möchte brennend peitschen euer Blut, Wenn dieser Brand euch die Erlösung brächte. Erlösung! frei empor zu lichten Höhn! Was steht ihr zagend in der Nächte Dunkel? 3hr zagt, ihr könnt das goldne Ziel nicht sehn Und auf dem Weg gibt's nicht viel Sterngesunkel.
Und doch, in eurer tiefsten Seele flingt Wohl auch ein Lied von goldnen Freiheitstagen, Nur, daß sein Laut nicht auf die Lippen dringf, Denn eure Losung heißt: geduldig fragen!
Kommt nie der Tag, an dem thr euch versteht, Euch selbst, und all das flefe, fiefe Sehnen? Der Tag, an dem ihr aufrecht vorwärts geht, Den Blick zur Sonne, ohne of und Tränen? Ihr Zagen, Müden, wachet auf, wacht auf! Die ganze schöne Welt wolf'n wir erringen. Nichts hemmt der ew'gen Sonne Siegeslauf, Ihr Strahl muß auch die liefste Nacht durchbringen.
Ja, einmal steigt der Menschheit großer Tag. Nun laßt uns fämpfen, daß es Wahrheit werde, Troh Not und Tod und was auch fommen mag: Ein freies Menschenfum auf freier Erde!
Wen wählen wir?
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Die ständig wachsende Teuerung und die immer wache Sorge um den inneren und äußeren Frieden haben in weitesten Frauenfreisen eine Unzufriedenheit mit den gegen wärtigen Zuständen und eine Interesselosigkeit an deren Ursachen ausgelöst, die bei den kommenden Wahlen von Schlimmer Bedeutung für das gesamte Bolkswohl werden fönnen. Jede Unterlassung von Maßnahmen, welche dem Bolfsempfinden entsprochen hätten sei es auf wirtschaftlichem, militärischem, sozialem, kulturellem oder rein politischem Gebiete wird der Sozialdemokratie, wird unseren Genossen in der Regierung zugeschoben. Die erreichten Fortschritte aber bleiben fast unbeachtet. Von unseren Gegnern wird gerade den Frauen gegenüber fogar immer wieder die Frage gestellt: ist denn überhaupt etwas geschehen?
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In der letzten Nummer der„ Gleichheit" ist der Beweis erbracht worden, wieviel trotz aller Widerstände und Hemmungen in der Gesetzgebung der Nationalversammlung für unser gesamtes Boll und für die Frauen im besonderen geleistet worden ist. Mit der vorrevolutionären, politischen Entrechtung der Frau hängt es zusammen, wenn leider im Empfindungsleben des Volkes sowohl als auch in der Gesetz gebung gesonderte Interessen von Männern und Frauen vorhanden sind, wo es doch nur gesamte Menschheits
interessen gibt und geben kann. Zu der Anerkennung dieser Selbstverständlichkeit werden wir aber erst in jabrelanger Entwicklung kommen; erst dann, wenn das rüdständige Necht der Frauen auf allen Lebensgebieten auf die gleiche Stufe mit dem Männerrecht gehoben ist. Schneller erreicht wird dieses Ziel durch kameradschaftliches Zusammenarbeiten von Männern und Frauen in der sozialdemokratischen Partei, weil hier das Ziel gemeinsam ist.
Heute erklären alle bürgerlichen Parteien, daß auch sie nur das einheitliche Streben für Männer und Frauen kennen, aber vor der Revolution des 9. November 1918 flang es anders aus diesen Reiben. Damals lehnten fie alle die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Frauen ab; sie kannten fein gemeinsames Streben nach einem gemeinsamen Ziel. Die eine Hälfte des deutschen Volkes war für diese Parteien solange minderwertig, als sie politisch unmündig war. Erst als den Frauen durch die sozialistischen Volksbeauftragten der deutschen Republik das Wahl- und Wählbarkeitsrecht gegeben war, wurden sie wichtig für sämtliche bürgerlichen Parteien. Mit Hilfe der Frauen wollten sie wieder festen politischen Boden unter die Füße bekommen. Und die Rechnung stimmte; obwohl die Frauen der unermüdlichen Vorarbeit der sozialdemokratischen Partei und
der damaligen sozialdemokratischen Volksregierung ihre Befreiung zu danken hatten, wählten sie nicht überwiegend sozialdemokratisch.