Nr. 5 31. Jahrgang Zeitschrist für die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mit den Beilagen: Für unsere Kinder. Die Frau und ihr Kaus Was soll werden? Der Ausfall der preußischen Landtagswahlen ist ungefähr so, wie er erwartet werden durfte. Unsere Partei hat gegen» über den Retchstagswahlen des S. Juni gewonnen. Das ist ober für uns keine Beranlaffung zu jubeln, denn unser Zu- wachs ist auf Kosten der U.S.P.D. erfolgt, d. h. die Arbeiter- klaffe hat insgesamt einen Zuwachs nicht gehabt, sondern sie hat einen erheblichen Teil ihrer Wählermassen verloren. Jede Schwächung der Parteien, die fest zur Republik stehen, be- deutet ober eine Stärkung der monarchistischen Strömung in Deutschland , und damit eine Gefährdung der Fortschritte zur politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Freiheit, die das Proletariat sich erkämpft und welche die Sozialdemokratie in mühseliger Gesetzesarbeit befestigt hat. Die Deutschnationelen haben einen beträchtlichen Stimmen- und Mandatszuwachs erhalten. Das war vorauszusehen. Solange die Entente eine Politik treibt, welche auf eine wirt- schaftliche Abwürgung Deutschlands hinausläuft, solange wird sie den Revancheschreiern in Deutschland den Deutsch­nationalen Zutreiberdienste leisten. Wenn man in Paris und London wirklich besorgt ist, daß eines Tages die republi- tonische Staatsform in Deutschland kaputt gehen könnte, dann müßte man doch auch endlich erkennen, daß man den mon- archistischen Parteien bei uns nicht fortwährend Waffen für ihren Kampf gegen die Republik liefern darf. Aber es ist wohl wenigerdieSorgeumdieRepublik.als die Angst vor dem Sozialismus, welche bei den Siegerregierungen die Handlungen bestimmt. Leider ist auch heute noch der Kapitalismus internationaler verbunden als die Arbeiterschaft: selbst da. wo er sich bekämpft. Solange das die Arbeiterschaft bei uns und in den Siegerländern'nicht erkennt, ist wenig Hoffnung, wieder zu vernünftigen Wirt- schafts- und Lebensmöglichkelten zu gelangen. Die Pariser Bedingungen auf Zahlung von 226 Milliarden Goldmark in 42 Jahren und einem 12�prozentigen Ausfuhr- zoll auf unseren gesamten Export welche den Deutschnatio­nalen so vorzügliche Wahlhilfe geleistet haben sind un­erfüllbar. Das hat die deutsche Regierung, das haben die sämtlichen Parteien des Reichstages mit Ausnahme der Kommunisten ausgesprochen. In London werden am t. März die Verhandlungen beginnen, die feststellen sollen, wie weit die Leistungsfähigkeit Deutschlands geht. In Spa haben die deutschen Vertreter nicht gesagt, was wir geben können, sondern was wir nicht können. JnLondon sollte man noch gewissenhafter Prüfung und ehrlicher Ueberzeugung sogen, was wir zu leisten imstande sind. Nicht mehr und nicht weniger. Und dabei muß es dann bleiben, damit endlich das Mißtrauen, welches allen deutschen Angaben und Vorschlägen entgegengebracht wird, schwindet. Und alles, was dieses Mißtrauen nährt, muß beseitigt werden. Es geht nicht an, daß die großen Jndustrieunternehmungen an ihre Aktionäre große Sumnien verschenken, indem sie den Besitzern von zwei Aktien, die vielleicht einen Wert von 4lMK) Mt. haben, eine dritte für IVO Mk. oder gratis geben(wie das in den letzten Monaten in ungeheurem Umfange geschehen ist), und daß dieselben Kreise sich gegen jede Begleichung der Kriegslasten wehren. Für die Arbeiterschaft handelt es sich aber bei der Erfüllung der Ententeforderungen um viel mehr, als um die Zahlung an sich. Voraussetzung für die Möglichkeit der Erfüllung wäre eine enorme Steigerung der Ausfuhr bei gleichzeitiger weiterer Einschränkung des Jnlandverbrauches. Die Berg- arbeiter verlängerten, um die abzuliefernde Kohlenmenge zu fördern, ihre Arbeitszeit um eine Stunde. Um wieviel Stunden müßte der Arbeitstag der Jndu- striearbeiterfchaft für die Erfüllung der Pariser Bedingungen verlängert werden? An dieser Verlängerring hat das internationale Kapital ein Interesse; für die internationale Arbeiterschaft ist es eine Lebensnotwendigkeit, daß es nicht geschieht. Jeoe Verlange- rung der Arbeitszeit würde das Heer der Arbeitslosen ver- größern, besonders in den Siegerstaaten, und eine Hor&ö- setzung der Löhne wäre die Folge. Aber auch ohne Verlänge» rung der Arbeitszeit und ohne ein weiteres Steigen der Ar- beitslosigkeit in Deutschland müßte die Erfüllung der Pariser Forderungen dieselbe Wirkung haben. Die 121/2 Proz. Aus­fuhrzoll können nicht dazu dienen, die deutsche Ware im Aus- land teurer zu halten als die dort hergestellte, denn dann würde sie kein Mensch kaufen, und Deutschland hätte die Ein- nahmen nicht, um die Zahlungen leisten zu können. Sa würde die praktische Wirkung dieser Abgabe sein, daß die Herstellung der Waren um 12i� Proz. billiger sein müßte als bisher, d. h. die Entlohnung der Arbeit würde mindesten» um einen Teil dieses Betrages sinken. Im Ausland aber müßte die Arbeitslosigkeit und der Lohndruck durch die Ueber- schwemmung mit deutscher Ware bis zur Unerträglichkeit steigen. Die Bergarbeiter Frankreichs und Belgiens tragen ja bereits diese Folgen der Erfüllung des Spa-Abkommen» durch Deutschland . Den Vorteil hat lediglich das kapitalistisch« Unternehmen, welches die billigen deutschen Waren zum Weltmarktspreise weiter vertreibt. So wird die deutsche Ar» beiterschast durch die Vertragserfüllung der Fronknecht de» ausländischen Kapitals noch mehr als des deutschen . Di« Entwicklung zum sozialistischen Wirtschaftsstaat, welche trotz aller Hemmungen bei uns sich immer mehr anbahnte, würd« auf lange Zeit für ganz Europa unterbunden Die schlimmste und doch leider sicher st« Folge aber wäre, daß in der Arbeiterschaft der Sieger st aaten von neuem ein Haß gegen Deutschland , gegen die deutsche Arbeiter- schaft als Konkurrent der eigenen Arbeit emporwachsen würde. Auf dem Boden des Hasse» aber wachsen neue Kriege. Darum hat die i n t e r n a t i 0» nale Arbeiterschaft ein Lebensinteress» daran, daß die Pariser Bedingungen sowohl, wi« der Versailler Friedensvertrag so abgeändert werden, daß ihre Erfüllung weder die Arbeiterschaft Deutschlands , noch die der Siegerstaaten erdrückt. Die Politik