Die Glelobeli" erscheint monatlich zwelmal. Durg bie Pet bezogen vierteljabrli 24 M., Berlagsort Berlin. Modrad ist aur mit Quellenangabe gestattet.

Bufriften an ble Reballon: Matside Wurm, Berlin 23. 35, Stegliser Giraße 45/46, und Cai Radife Barmuth, GB. 68, Lindenstr.3, Tel: Denhoff Z12.

Gleichbeit

MIT DER MONATLICHEN BEILAGE

KINDERLAND

ZEITSCHRIFT FÜR FRAUEN UND MADCHEN DES WERKTÄTIGEN VOLKES

ORGAN DER VEREINIGTEN SOZIALDEMOKRATISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS

Nr. 21-32. JAHRGANG

BERLIN. 1. NOVEMBER 1922

EINZELNUMMER 6 MARK

EM POR

Wie fommen aus der Tiefe, Wir fommen aus der Finsternis. Wir gingen ungefannt Vom ersten Tage bis zum Zod In einem Dulderland.

4

Wir fahen nicht die Kette, Wir hörten nicht den Sklavenlaut. Wir schafften taub und blind Und schwiegen nachtbefangen In unserem Labyrinth.

Die Flamme ward zur Sonne, Die leuchtend überm Gipfel steht, So warm, so voll, fo rot. Bruder, sie will brennen In unfre falte Not!

Es ist an einem Eage

Ein schwerer Seufzer aufgewacht: Die Kette schmerzt so sehr. Der Seufzer wurde Flamme Und lohte vor uns her.

Wir wollen aufwärts steigen. Es führt ein Weg zum höchsten Grat Durch Dornen und Gestein. Wir schlagen in den Felsen Die Stufen uns hinein.

2. Preczang.

Was wir wollen!

Genossinnen! Arbeitende Mädchen und Frauen in Stadt und Land!

Der Bruderkampf der zwei sozialistischen Parteien ist be endet. Das Nürnberger Aktionsprogramm bildet das Funda ment, auf welchem alle Kräfte des Proletariats zur Errin­gung der politischen Macht, zur Beseitigung der Klassen­herrschaft und zur Verwirklichung des Sozialismus im ein­heitlichen Klassenkampf zusammengefaßt werden sollen!

Diese Einheitlichkeit fommt für die proletarischen Frauen zunächst zum Ausdruck, indem die Rämpferin", die den Genoffinnen der bisherigen Unabhängigen Sozialdemokra tischen Partei vier Jahre lang als Freundin und Führerin zur Seite stand, ihr Erscheinen einstellt und fortab nur die Gleichheit" als Zentral- Frauenblatt der Vereinigten Sozial­demokratischen Partei erscheint.

Die Gleichheit" will, wie bisher, auch fürderhin den Schaffenden Frauen und Mädchen in Stadt und Land treue Beraterin und Freundin sein. Sie will ihnen die Wege weisen, die zu ihrer Befreiung führen, sie erziehen zur Mit­arbeit in Reich, Staat und Gemeinde.

Rinderland", die monatliche Beilage der Gleich heit", soll die Kinder des Proletariats zu nüglichen Mitglies dern der Gesellschaft, zur Einordnung in die Gemeinschaft, zu wahrhaft guten Menschen erziehen helfen.

Wohl wissen wir alle, daß die volle Befreiung der Frau erst möglich sein wird in der sozialistischen Gesellschaft. Aber politische Schulung, Mitarbeit der Frau in Gesetzgebung und Berwaltung, gemeinsame Arbeit Seite an Seite mit dem

Mann für die Wohfahrt aller, sind eine Etappe auf unserem Wege und die notwendigen Voraussetzungen für die poli­tische und wirtschaftliche Erringung der Macht.

Als starter Kämpfer steht die Vereinigte Sozialdemokra tische Partei mitten in dem Ringen unserer Zeit. Noch ver juchen die alten Gewalten ihre Herrschaft zu behaupten; sie zu überwinden sind die neuen noch nicht start genug! Ueberall herrscht Not, Entbehrung, Elend, Verzweiflung. Raum je waren die Gegenfäße zwischen Berelendung und Reichtum, zwischen Ausbeutern und Unterdrückten schärfer als heute. Die Revolution von 1918 fonnte zwar die Staats­form, nicht aber die Wirtschaftsform mit einem Schlage um. stürzen. Das deutsche Volt hat sich befreit von den Fesseln einer militaristischen und imperialistischen Regierung, nicht aber von denen der kapitalistischen Weltherrschaft. Unser Kampf gilt daher dem Kapitalismus. Alle Kräfte haben wir für diesen Kampf zu sammeln und bereitzustellen, den Feinden der Arbeiterklasse einig, stark und geschlossen ent. gegenzutreten. Wir Frauen wollen uns dieser Aufgabe würdig erzeigen und unter Anwendung unserer aus der Revolution geborenen Rechte treu und unermüdlich mit­arbeiten am Bau der sozialistischen Republik.

Möge die Gleichheit" als Weck- und Werberuf der sozialistischen Frauen Deutschlands hinausgehen in Dorf und Stadt. Möge sie alle, die sie lesen, mit frischem Mut, mit neuer Begeisterung erfüllen für den Kampf um unser Ideal: den Sozialismus.

Die Redaktion der Gleichheit". Mathilde Wurm. Elli Radtte Warmuth.