Für unsere Mütter und Hausfrauen
Nr. 17
O O O O O O O O 1911
。。。。。。。。 Beilage zur Gleichheit 。。。。。。。。
Inhaltsverzeichnis: Musterung. Von Ludwig Palagyi.- Von den Eingeborenen Inner- Australiens. III.- Über Schreibstörungen. Bon gb.Feuilleton: Ein Lynchgericht. Von Owen Wister .( Schluß.)
Musterung.*
' s ist Musterung. Da treten Mann für Mann In Reih' und Glied die jungen Leute an. Ein grimmer Oberst, Arzt und Korporal Erwarten prüfend sie im kahlen Saal. Befehl erschallt, fich nackend auszukleiden, Ob gern, ob ungern, fragt der Kaiser nie, Zur Wage tritt, entrückt den freien Waiden, Das Vich, das Vieh.
Wie Ellenware mißt sie der Sergeant,
Jndes fie zitternd stehn an kalter Wand.
Brust, Muskeln greift und schätzt man gleich in Haufen, Als wollte pfundweis man ihr Fleisch verkaufen. Verhandelt wird der Balg, der Jüngling stiert Wortlos beklommen, halbwegs schon vertiert, Ein Wunder, daß nicht brüllte schon und schrie Das Vieh, das Vieh.
Wenn gut das Fleisch und ditto gut die Knochen, Wird Brauchbarkeit dem Klumpen zugesprochen. In einer schmutzig massigen Kaserne
Nimmt der Sergeant ihn, daß er Mannszucht lerne, Mit Bruft- und Nackenstößen in Empfang. Sklavisch diszipliniert in Kompagnie Wird hin und her gedreht am Koppelstrang Das Vieh, das Vieh.
Da wird das Schamgefühl der jungen Seele, Des Herzens frische Keuschheit stumpf und matt; Da wird brutale Roheit zum Befehle, Und blinde Knechtschaft hat Gesetzesstatt. Der stolze Geist muß sich Gemeinem beugen, Was grob und schmutzig, was im Kot gedieh, Davon muß fromm durch Tat und Wahrheit zeugen Das Vich, das Vich.
Da wird dir Menschentotschlag, plundrung, Mord Mit Luft gelehrt, ein Hohn auf Gottes Wort. Du lernst die Rotzucht keine Schande heißen, Lernst Land und Volk in bluf'ge Stücke reißen, Geschwister, Väter, Mütter niederstechen, Wenn das Kommando dir die Vollmacht lieh, Nach Trommeltakt lernt jegliches Verbrechen Das Vich, das Vieh.
Was übrig blieb aus jener dunklen Zeit, Wo mit dem Keulenstumpfe mordgeweiht Der Tiermensch auszog, Feinde zu enthäuten Und fremder Weiber Schoß sich zu erbeuten.... Wogegen edle Seelen zornentloht Umsonst sich bäumen, ekel bis zum Tod, Als Regel lernt, was Wildheit auf uns spie, Das Vieh, das Vieh.
Rindvich, Rindvich, Tier im Menschenleibe, Des Feindes blinde, todbestimmte Scheibe! Mit deines Fahneneides feigem Schwur Kanonenfutter für die andern nur... Unwissend du, stumpfsinnig, adellos Gehorchst du des Kommandos Despotie; Bleibst du denn ewig aller Menschheit bloß, Ein Vich, ein Vich?
Ludwig Palaghi.
Aus dem Buch der Freiheit". Frei nach dem Ungarischen von Karl Hendell.
Von den Eingeborenen Inner- Australiens.
Nach Spencer und Gillen, The Native Tribes of Central Australia". III.
Die Gruppe zieht in dem Gebiet umher, bas ihr Eigentum ist, meist in fleinen Abteilungen von einer oder zwei Familien. Häufig wandern zwei oder mehr Brüder zusammen mit ihren Weibern und Kindern. Sie lassen sich an Wassertümpeln nieder, um die sich pflanzliches und tierisches Leben entfaltet, das dem Eingeborenen den Unterhalt sichert. Zwischen Gebüsch und Gummibäumen, die den Tümpel umgeben, ist das kleine Lager der Eingeborenen aufgeschlagen, das je nach der Zahl der Familien von 1, 2 oder mehr Mia- mias, einer Art von Hütten, gebildet wird. Ein Mia- mia be steht einfach aus aneinandergelehntem Buschwert. Dieses wird so aufgestellt, daß es die Bewohner vor dem vorherrschenden Wind schüßt, der während der Winterzeit meist aus Südosten weht. Bor dem Mia- mia oder innerhalb dieses, wenn es kalt ist, brennt ein fleines Feuer von Zweigen. Ein kleines Feuer, denn der Einge borene macht nie ein großes Feuer, wie das der weiße Mann zu tun pflegt. Der Wilde mag sich über den Weißen wundern, der zuerst ein großes Feuer macht, und es dann so heiß findet, daß er gar nicht in dessen Nähe verweilen kann. Der Eingeborene sucht nur ein kleines Feuer zu unterhalten, damit er daran liegen kann; während der Nacht nährt er es mit fleinen Zweigen, so daß e stets brennt, ohne je so viel Size zu geben, daß er davon weg gehen müßte. Jede Familie, bestehend aus einem Mann und einer Frau oder mehreren Frauen und Kindern und stets begleitet von Hunden, bewohnt ein Mia- mia. Der Dingo, der australische Hund, ist das einzige Haustier, das der Wilde erzogen hat. Heut zutage sind die Dingos, die vor allem den Schafherden der Weißen gefährlich wurden, verdrängt durch die von den Europäern einge führten Hunde. Überall in Australien sieht man in den Lagern der Eingeborenen alle nur möglichen Kreuzungen von Hunden, die sich in Scharen herumtreiben, da der Eingeborene nie einen Hund tötet. Früh am Morgen im Sommer, im Winter nicht ehe die Sonne schon ein gutes Stück über dem Horizont steht, sind die Bewohner des Lagers auf den Beinen. Zeit spielt keine Rolle für sie, und falls es keinen Mangel an Nahrung gibt, so lungern Männer und Weiber müßig herum, während die Kinder lachen und spielen. Muß Nahrung gesammelt werden, so ziehen die Weiber aus, be gleitet von den Kindern und bewaffnet mit Grabstöcken und hölzernen Trögen. Der Tag wird dann im Busche verbracht mit dem Fangen fleiner Tiere, wie Eidechsen und fleinen Beuteltieren, und dem Sammeln von Pflanzen. Die Männer ergreifen vielleicht ihre Waffen, Speer und Bumerang, und begeben sich auf die Jagd auf größeres Wild, wie Emus und Känguruhs.
Waffen, Werkzeuge und Gerätschaften der Eingeborenen sind ver hältnismäßig gering an Zahl und einfacher Art. Eine Frau besitzt stets ein Pitchi, das ist ein Holztrog, in dem Wasser und Nahrung geführt wird. Die Frau trägt ihn auf dem Kopfe oder auf der einen Hüfte mit einem Strick aus Menschenhaar oder mit einem gewöhnlichen Strang aus dem Fell eines Tieres über der Schulter befestigt. Nicht selten wird auch ein kleines Kind in dem Pitchi umher getragen. Das einzige andere Gerät der Frau ist der Grabstod In seiner gewöhnlichsten Form ist dies ein gerader Holzstab, an einem oder auch an beiden Enden stumpf zugespitzt und von einer solchen Größe, daß er bequem in der Hand mitgeführt und zum Graben im Boden benügt werden kann. Bei der Arbeit hält die Frau den Stock in der rechten Hand nahe an seinem unteren Ende, und abwechselnd mit der einen Hand den Stock in den Boden stoßend und mit der anderen die losgelöste Erde ausschaufelnd, gräbt sie mit überraschender Geschwindigkeit ein Loch in den Boden. Wo im Busche die Honigameisen leben, eine Lieblingsspeise der Eingeborenen, da kann man manchen Morgen des harten, sandigen Grundes umgegraben sehen, umgegraben einzig mit dem Grabstock der Weiber, die diese Insekten sammelten. Ein solcher Platz bietet das Aussehen eines verlassenen Feldes dar, auf dem Goldgräber lange geschürft haben. Die Frauen graben häufig bis zwei Meter und noch tiefer in die Erde und gebrauchen dabei ein kleines Pitci als Schaufel, um die Erde auszuheben. Natürlich ziehen die Kinder mit den Weibern aus, und von dem Augenblick an, wo sie herumwatscheln können, beginnen sie die Bewegungen ihrer Mütter bei der Arbeit nachzuahmen. Während im Busche eine Frau nach
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