Für unsere Mütter und Hausfrauen

Nr. 25°

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Beilage zur Gleichheit

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Inhaltsverzeichnis: Aus Bebel : Die Frau und der Sozialismus. Vom Wandern der Jugend. Von E. E. Reform der Ernährung. II. Von M. Kt.- Feuilleton: Die Mutter. Bon Alfred v. Hedenstierna. Aus Bebel : Die Frau und der Sozialismus. Die Zahl der Talente und Genies unter den Männern ist weit größer, als bisher sich offenbaren konnte. Genau so verhält es sich mit den Fähigkeiten des weiblichen Ge­schlechts, das seit Jahrtausenden noch weit mehr als das männliche geistig unterdrückt, gehemmt und verkrüppelt wurde. Wir haben keinen Maßstab, wonach wir genau be­urteilen könnten, welche Fülle von geistigen Kräften und Fähigkeiten sich bei Männern und Frauen entwickeln, so­bald diese sich unter naturgemäßen Bedingungen zu ent­falten vermögen.... Was für die Pflanze guter Boden, Licht und Luft, sind für den Menschen gesunde soziale Verhältnisse, die ihm die Entfaltung seiner geistigen und förperlichen Anlagen gestatten... Sind aber die so­zialen Entwicklungsbedingungen für beide Geschlechter die gleichen, besteht für keines irgend eine Hemmung und ist der Sozialzustand der Gesellschaft ein gesunder, so erhebt auch die Frau sich auf eine Höhe der Vollkommenheit ihres Wesens, von dem wir noch keine rechte Vorstellung befizen, weil bisher ein solcher Zustand in der Entwicklungsgeschichte der Menschen fehlte.... Der Fortschritt der Menschheit be­steht darin, alles zu beseitigen, was einen Menschen von dem anderen, ein Geschlecht von dem anderen in Abhängigkeit oder Unfreiheit erhält.

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Die ganze Entwicklung, alle Verhältnisse haben sich mäch­tig umgestaltet und haben auch die Stellung der Frauen ver­ändert. Sie sind mehr als je mit allen Fasern ihrer Existenz mit dem gesellschaftlichen Entwidlungsgang verbunden und greifen mehr als je auch selbsttätig ein. Wir sehen, wie in allen Kulturstaaten Hunderttausende und Millionen Frauen gleich den Männern in den verschiedensten Berufen tätig sind und die Zahl derjenigen von Jahr zu Jahr wächst, die auf die eigene Kraft und die eigenen Fähigkeiten angewiesen, den Kampf um die Existenz. zu führen haben. Es kann also den Frauen so wenig wie den Männern gleichgültig sein, wie unsere sozialen und politischen Verhältnisse beschaffen sind. Fragen zum Beispiel wie die, welche innere und welche äußere Politik gehandhabt wird, ob eine solche Kriege begünstigt oder nicht; ob der Staat jährlich Hunderttausende von ge­sunden Männern in der Armee festhält und Zehntausende ins Ausland treibt; ob die notwendigsten Lebensbedürfnisse durch Steuern und Zölle verteuert werden und die Familie um so härter treffen, je zahlreicher diese ist, und das in einer Zeit, in der die Mittel zum Leben für die große Mehrzahl äußerst knapp bemessen sind, gehen die Frau ebenso nahe an wie den Mann. Auch bezahlt die Frau direkte und indirekte Steuern von ihrer Lebenshaltung und aus ihrem Einkom­men. Das Erziehungssystem ist für sie von höchstem Inter­esse, denn die Art der Erziehung entscheidet in hohem Grade über die Stellung ihres Geschlechts; als Mutter hat sie daran ein doppeltes Interesse.... Politische Bildung wird aber dadurch nicht gewonnen, daß man die Massen von öffentlichen Angelegenheiten fernhält, sondern dadurch, daß man sie zur Ausübung politischer Rechte zuläßt. Ohne Übung keine Meister.... In dem Augenblick, in dem die Frauen gleiche Rechte mit den Männern erlangen, wird auch das Bewußt­sein der Pflichten in ihnen lebendig werden.

Die Zahl der Frauen, die infolge von Geburten sterben oder siechen, ist weit größer als die Zahl der Männer, die auf dem Schlachtfeld fallen oder verwundet werden.

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Von welchem Punkte man immer bei der Kritik unserer Bustände ausgeht, man kommt schließlich stets wieder darauf zurück: eine gründliche Umgestaltung unserer sozialen Bu­stände und durch sie eine gründliche Umgestaltung in der

Stellung der Geschlechter ist notwendig.... Unsere sozialen Verhältnisse sind in einen früher nie gekannten Zustand der Unruhe, der Gärung und Auflösung versetzt worden. Die herrschenden Klassen fühlen keinen festen Boden mehr unter ihren Füßen, und die Institutionen verlieren immer mehr die Festigkeit, um dem von allen Seiten heranziehenden An­sturm zu trogen.

Vom Wandern der Jugend.

Die Landstraßen und Waldpfade flingen von Jugendfrohsinn und lieben, alten Wanderliedern. Gruppen von jungen Menschen­findern ziehen vorüber, Burschen und Mädchen, den Rucksack auf dem Rücken, jubelnde Lebenslust in den Augen. Die Zupfgeige gibt den Takt. Ein heiteres Bild! Wer der fröhlichen Schar be­gegnet, fühlt sich gestreift von Jugend- und Wanderlust. Die Jugend will hinausflüchten aus der Enge der Stadt, will die drückenden Fesseln des zeitgenössischen Lebens abstreifen. Sie sucht im Gegensatz zu all dem Gesellschaftlichen, das auf ihr lastet, die Natur. Hier will sie die Frische und Reinheit der Lebensluft atmen, die sie in dumpfigen Stuben, in düsteren Werkstätten und lärmerfüllten Fabritsälen so schmerzlich entbehrt. Hier sieht sie ihre Sehnsucht erfüllt, in Freiheit die Kräfte zu stählen und wachsen zu fühlen. Hier will sie Erkenntnisse und Erhebung ge­winnen, nicht über trockene Schulweisheit gebückt, sondern aus dem großen, leuchtenden und tönenden Buche des natürlichen Lebens selbst, mit den Sinnen und der Seele genießend. So gehen die jungen Burschen und Mädchen hinaus in Wald und Feld. Sie nehmen Strapazen und Entbehrungen auf sich, schlafen im Heu und kochen im Freien ab. Sie wollen das Land der Heimat kennen lernen, sie suchen innige Fühlung mit der Natur. Das alles ist schön und verdient Förderung. Aber es fragt sich, ob der einge­schlagene Weg wirklich ans Herz der Natur führt, ob die Jugend das Ersehnte auch findet.

Wer in der Natur heimisch werden will, wer sie beobachten, be­lauschen, in sie eindringen will, muß vor allem das eine be­greifen, das gleichsam das Organ ist, mit dem allein sie wahr­genommen werden kann, und das auch zur selben Zeit als Aus­fluß ihres Wesens selbst erscheint: die Einsamkeit. Schwer, drückend, drohend muß die Einsamkeit auf ihm gelegen und ihn doch auch wieder erhebend, befreiend umfangen haben. Er muß mit ihr gekämpft und gerungen haben und trotzdem wissen, daß sie seine Schmerzen und Wunden kühlt, daß er sich in ihr die Seele reinbaden kann. Nur wer die Einsamkeit so empfindet, gang empfindet mit ihren Schauern und ihrer erlösenden Kraft, nur dem beginnen sich die Schleier zu heben, die die ewige, uralte Natur um ihr Wesen gelegt hat. Sie läßt es ihn in wortloser Schönheit ahnen.

Auf der schweigenden Höhe der Berge, in dem Rauschen der See, über der stillen Weite des Heidelandes weht der Atem der Einsamkeit. Du stehst am Rande des dunklen Fichtenwaldes, der rote Fingerhut brennt auf kahler Halde, vor dir tauchen die ge­waltigen Riesen des Gebirges auf und ragen in die blaue Luft. Fast förperlich greifst du die Schauer der Einsamkeit. Geheimnis­volle Stimmen steigen auf, und deine Seele vermag plötzlich zu horchen, es umgibt dich näher und näher, es ist, als ob du eins würdest mit dem All, aufgingest in der Unendlichkeit. Da ertönt die Zupfgeige, die laute Fröhlichkeit von vielen jungen Kehlen bricht herein. Die festen Schritte von vierzig Stiefeln brechen den Zauber, das geheimnisvolle Band zwischen dir und der Natur ist zerrissen. Es ist nicht nur der ruhig äsende Rehbock, die sich sennende Blindschleiche, die der Haufe verscheucht, es ist etwas anderes, Höheres, es ist die Seele der Natur selbst, die endlich dem atemlos Harrenden sich entschleiern wollte, und die nun zurückweicht, jäh, kalt, undurchdringlich. Vorbei die Weihestunde, vorbei der herrliche Augenblick. Wer in der Truppe mitmarschiert, mag Freude und Lustgefühl empfinden. Er hat beim Wandern und Lagern Gelegenheit, die schönsten Tugenden zu entfalten, die