Für unsere Mütter und Hausfrauen
Nr. 10 oo oooooo Beilage zur Gleichheit oooooooo
Inhaltsverzeichnis: Web zu! Web zu, mein rauhes Leben! Gedicht
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von Walt Whitmann. Was die Leber alles kann. Von Alex. Ein Mensch. Lipschütz. Feuilleton: Bier Tage auf dem Schlachtfeld. Von Wsewolod Garschin. ( Schluß.)
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Web zu! Web zu, mein rauhes Leben!
Web zu! Web zu, mein rauhes Leben!
Web einen Krieger, stark und kühn, für großen Kampf bereit! Web rotes Blut! Web Sehnen ein wie Stahl! Gefühl und Glück web ein!
Web immerfort! Web Kett' und Einschlag Tag und Nacht! Ermüde nicht! Web zu!
( Wir kennen nicht den Zweck, o Leben! Nicht 3iel noch Ende- und wir sollen's nicht;
Wir wissen nur, das Werk geht fort, die Arbeit fort der tod= umhüllte Marsch des Friedens wie des Kriegs geht fort;) Für große Friedenskämpfe muß derselbe ehrne Stoff verwoben sein; Wir wissen nicht, warum noch was, doch web, web immerzu!
Was die Leber alles kann.
Von Alex. Lipschüß.
Walt Whitmann.
Wer Gelegenheit hat, eine Leber beim Metzger oder in der Küche zu schauen, der wird sich sagen, daß sie ein wichtiges Organ in unserem Körper sein muß, denn sie ist sehr groß und wiegt sehr viel. Dreieinhalb Pfund sind es, die die Leber in unserem Körper zu wiegen pflegt. Und sehr blutreich ist sie. Da kommt vom Darm her das Blut in einer großen Blutröhre, die man Pfortader nennt. Diese Ader gießt das Blut in die Leber, indem sie sich in ein ganzes Netz von kleinen Blutröhren aufteilt. Die Pfortader ist beim Menschen etwa daumendid; ein großes Blutgefäß, wenn man bedenkt, daß sie das Blut bloß zu einem einzigen Organ bringt. Außerdem gibt es noch eine besondere Schlagader, die Leberarterie, die frisches, sauerstoffhaltiges Blut zu den Leberzellen führt, damit sie ihre Arbeit gut verrichten. Alle lebendige Substanz, alle Zellen unferes Körpers können ja ihre Arbeit nur tun, wenn sie reichlich mit Sauerstoff und mit Nährstoffen versorgt werden.
Vorn an der Leber ist die Gallenblase, ein dünnwandiger Sad, aus dem, wenn man ihn anschneidet, sich eine grünliche Flüssigkeit ergießt. Das ist die Gallenblase mit der Galle . In der Leber wird die Galle bereitet und in der Gallenblase wird sie aufgespeichert. Von der Leber und von der Gallenblase gelangt die Galle durch einen eigenen Gang in den Darm hinein. Aber was ist Galle ? Die Chemiker, die die stoffliche Zusammenseßung der lebendigen Organismen untersuchen, wissen, daß der grüne Farbstoff der Galle verwandt ist mit dem roten Blutfarbstoff, der sich in den roten Blutzellen befindet. Der grüne Farbstoff der Galle ist eine Echlade des roten Blutfarbstoffes. In unserem Blute gehen nämlich dauernd rote Blutkörperchen zugrunde. Wie wir wissen, haben die roten Blutkörperchen nur eine kurze Lebensdauer, weil sie ja, wenn man so sagen darf, verkrüppelte Zellen sind, Zellen, die ihren Kern eingebüßt haben. Sie büßen ihn schon in ihrer Jugend ein und können darum nicht lange leben; eine Lebensdauer von bloß etwa vierzehn Tagen ist ihnen gewährt. Der rote Blutfarbstoff, der beim Absterben der roten Blutkörperchen frei wird, findet nun in unserem Körper weitere Verarbeitung: einen Teil von ihm, zum Beispiel das Eisen, hält die Milz zurück, damit es noch weiter in unserem Körper verwertet werden kann, andere Teile vom roten Blutfarbstoff werden von der Beber abgefangen und zu Gallenfarbstoff verarbeitet und später aus dem Körper mit dem Kote ausgeschieden. Wenn man Vögeln, zum Beispiel Gänsen, bei denen das leicht geht, die Leber herausschneidet und ihnen dann ein Gift eingibt, zum Beispiel Arsenwasserstoff , das die roten Blutkörperchen in großer Zahl im Blute tötet, so erscheint bei ihnen im Harne in großer Menge roter Blutfarbstoff. Wenn man aber dasselbe Gift normalen Tieren, denen man nichts an der Leber getan hat, eingibt, so kommt es bei ihnen nicht zu einer Ausscheidung von rotem Blutfarbstoff, obgleich ja auch bei ihnen durch das verabfolgte Gift rote Blutkörperchen zerstört werden und obgleich somit auch bei
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ihnen roter Blutfarbstoff aus den abgestorbenen Blutkörperchen in den Säftekreislauf des Körpers übertritt. Mit anderen Worten: die Leber verarbeitet den beim Absterben der roten Blutkörperchen frei werdenden roten Blutfarbstoff zu Gallenfarbstoffen, zu Schlafken, die dann aus dem Körper ausgeschieden werden können.
Hört man von der Leber, so denkt man stets an Galle . Denn wer weiß nicht, daß jeder, der eine kranke Leber hat, an Gelbsucht leidet. Was ist Gelbsucht? Wir haben gehört, daß die Galle aus der Leber und aus der Gallenblase sich in den Darm ergießt. Und nun stellen wir uns vor, daß durch irgendein Hindernis der übertritt der Galle aus der Leber und der Gallenblase in den Darm unmöglich gemacht ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man Gallensteine hat. Da liegt ein richtiger Stein im Gallengang und verwehrt der Galle den übertritt in den Darm. Auch bei Geschwulstbildungen in der Leber kann das der Fall sein. Die Galle, die nun nicht in den Darm gelangen kann, verbreitet sich überall im Körper, sie tritt in die Gewebe ein; und man sieht bei einem Patienten, der eine Lebergeschwulst oder einen Gallenstein hat, die Haut gelblich verfärbt. Man sieht auch das Weiß seiner Augen gelblich verfärbt, ebenso ist sein Harn durch den Gallenstoff start ge= färbt. So deutet die Gelbsucht stets darauf hin, daß in der Leber oder in der Gallenblase etwas nicht in Ordnung ist. Aber auch das kann der Fall sein, daß bei einer entzündlichen Erkrankung der Darmschleimhaut die Öffnung des Gallenganges in den Darm verlegt wird; oder die Entzündung breitet sich vom Darm in den Gallengang selber aus. Dann schwillt die Schleimhaut des Gallengangs an, und die Galle kann nicht in den Darm hinein. Es kommt wiederum zu Gelbsucht wie beim Gallenstein. Das ist nun natürlich eine Gelbsucht, die nicht so ernst zu nehmen ist wie die, welche aus einer Geschwulstbildung der Leber oder bei einem Gallenstein entsteht. Eine solche Gelbsucht, die häufig allein auf einen Ernährungsfehler zurückzuführen ist, verschwindet bald wieder- frisch und gesund steht dann der Patient nach einiger Zeit vom Krankenlager auf.
Aber diese Herstellung der Schlacken aus dem roten Blutfarbstoff ist nicht die einzige Aufgabe der Leber. Die kann viel mehr. Einer, bei dem der übertritt von Galle in den Darm nicht möglich ist, kann nur sehr schwer Fette verdauen. Ohne Galle liegt die Verdauung der Fette im Darm danieder. Wenn das verzehrte Fett aus dem Darm in den Kreislauf des Körpers aufgenommen wer= den soll, so muß das Fett in Stoffe umgewandelt werden, die durch die Darmwand hindurchtreten können. Bei dieser Verarbeitung oder Verdauung der Fette hilft die Galle mit. Fehlt es an Galle , so wird sehr wenig, beinahe gar kein Fett verdaut. Der größte Teil des Fettes, das wir mit der Nahrung aufgenommen haben, geht dann unverdaut mit dem Kote ab, der nun große Mengen von Fett enthält.
Aber auch das ist noch nicht alles, was die Leber kann. Die Leber arbeitet auch mit im Zucker- und Eiweißhaushalt unseres Körpers. Wenn wir eine Leber aus dem Tierkörper herausschneiden, mit Hilfe eines geeigneten Apparates durch ihre Blutgefäße eine Flüssigkeit pumpen, in der Zucker aufgelöst ist, und dann die Leber auf Zucker untersuchen, so finden wir, daß Zucker in großer Menge in ihr aufgespeichert worden ist. Auch wenn man einem Tier eine zuckerreiche Mahlzeit verabfolgt, findet man nachher in seiner Leber Buder. Aber der Zucker, der aus dem Darme in die Leber gelangt, wird in den Leberzellen zu Glykogen verarbeitet. Glykogen ist nichts anderes als tierische Stärke. Wenn wir zum Beispiel Stärke mit Speichel oder mit Darmsaft behandeln, so verwandelt sich die Stärke in Zucker. Ebenso gewinnt man aus Stärke Zucker, wenn man sie zum Beispiel mit verdünnter Schwefelsäure focht. Genau dasselbe geschieht mit Glykogen. Glykogen kann ebenso wie Stärke mit Hilfe verschiedener chemischer Behandlungsweisen in Zucker verwandelt werden. Glykogen ist wie Stärke ein chemischer Stoff, dessen kleinste Teilchen oder Moleküle aus zusammengekuppelten Zuckerteilchen oder Zuckermolekülen bestehen.
Und was geschieht nun weiter mit dem Glykogen, das in den Zellen der Leber gespeichert ist? Wenn wir schwere Muskelarbeit leisten, werden eine Menge Stoffe im Muskel verbrannt, vor allen Dingen erhöht sich die Menge des verbrannten Zuckers. Bei der Mustelarbeit verbrauchen wir Zucker, um Arbeit leisten zu können; ebenso wie in der Dampfmaschine Kohle oder anderes Material verbrannt werden muß, wenn sie ihre Arbeit leisten soll. Nun ist